Kleinunternehmerregelung: Dein einfacher Start in die Selbstständigkeit

Kleinunternehmerregelung

Kleinunternehmen sind vielleicht klein aber nicht unbedeutend. Nur für die ersten drei Quartale des Jahres 2015 zählte das Statistische Bundesamt 155.800 neu angemeldete Kleingewerbe. Dazu kommen Freiberufler, die kein Gewerbe anmelden müssen, aber ihren Weg in die Selbstständigkeit auch als Kleinunternehmer beginnen. Und Nebenerwerbsbetriebe, deren Umsatzzahlen sie wenigstens in den ersten Jahren ebenfalls zum Kleinunternehmen macht. Es gibt also sehr viele Gründer, die klein anfangen.

Wobei „klein“ beim Kleinunternehmen eigentlich nichts weiter bedeutet, als dass eine gewisse Umsatzgrenze nicht überschritten wird. Kleinunternehmen gibt es in allen Branchen, an jedem Standort, mit Angestellten oder ohne. Ob eine Firma ein Kleinunternehmen ist, hängt allein von Zahlen ab. Kleinunternehmen ist ein Begriff aus dem Umsatzsteuergesetz. Kleinunternehmer ist, wer im Vorjahr weniger als 17.500 € Umsatz hatte und im laufenden Jahr nicht über 50.000 Euro Umsatz kommt.

Wer drunter liegt, darf sich über etwas weniger Aufwand bei Steuererklärungen, Rechnungsstellung und Buchhaltung freuen. Und das ist gut so, denn gerade in der Gründungsphase haben Selbstständige so viel anderes im Kopf. Wer sich für die Selbstständigkeit entscheidet, schafft sich seinen eigenen Arbeitsplatz. Ein Kundenstamm muss aufgebaut, eine Dienstleistung am Markt etabliert werden. Der Umsatz ist zunächst gering. Anfangsinvestitionen schmälern den Gewinn. Für viele Gründer, stellt in dieser Zeit gerade der „Papierkram“ ein Hindernis dar.

Manche gründen vielleicht gar nicht, weil sie sich die Buchhaltungsseite der Selbstständigkeit nicht zutrauen. Wer sich mit seiner Geschäftsidee gut auskennt, aber keine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, schreckt vor Jahresabschlüssen, unterschiedlichen Steuersätzen und Umsatzsteuervoranmeldung vielleicht zunächst zurück. Doch keine Sorge: Vieles kann man lernen, für eine Menge Dinge gibt es Hilfsmittel in Form von Software und Vorlagen und außerdem gibt es dafür Fachleute, die ihr Wissen einbringen, wie Steuerberater und selbstständige Buchhaltungskräfte.

In unserem Gastbeitrag von Billomat erwarten Sie folgende Inhalte:



1) Die Kleinunternehmerregelung macht das Gründen deutlich einfacher

2) Rechnung schreiben als Kleinunernehmer

3) Kleinunternehmerstatus für Gründer: Die ersten Schritte

4) Achtung Umsatzgrenze!

5) Die Vorteile des Kleinunternehmerstatus

6) Die Nachteile des Kleinunternehmerstatus

7) Kleinunternehmer und Steuererklärung(en)

 


Die Kleinunternehmerregelung macht das Gründen deutlich einfacher

Die Kleinunternehmerregelung soll die Buchhaltung und Steuererklärung für Unternehmen mit geringem Umsatz vereinfachen. Damit baut sie Hürden bei der Unternehmensgründung ab.

Gründerschiff - Leinen los.Zukunft in Sicht.

Der wesentliche Unterschied: Kleinunternehmer, die nach Kleinunternehmerregelung abrechnen, stellen ihre Rechnungen, ohne Umsatzsteuer aufzuschlagen. Das dürfen sie nämlich nicht, weil sie keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen.Gründerschiff - Leinen los.Zukunft in Sicht.

Allerdings darf man nicht dem Glauben verfallen, Kleinunternehmer seien von der Umsatzsteuer so richtig befreit. Sind sie nicht. Fast jede Warenlieferung oder Dienstleistung ist Umsatz- bzw. Mehrwertsteuerpflichtig, aber bei Kleinunternehmen wird auf diese Besteuerung verzichtet. Steht im Umsatzsteuergesetz §19. Daher gehört auf jede Rechnung eines Kleinunternehmers ein Vermerk, warum keine Umsatzsteuer erhoben wird.

Regelungen über Regelungen – haben Sie ein wenig Geduld und kämpfen Sie sich durch. Wir helfen Ihnen gerne dabei. Sie sind mit Ihren Fragen nicht allein. Die sieben häufigsten Fragen und Antworten zur Kleinunternehmerregelung haben wir für Sie zusammengetragen.

Am meisten Spaß macht es aber natürlich, Rechnungen zu schreiben. Was Sie dort beachten müssen, sehen wir uns im nächsten Abschnitt an.


Rechnung schreiben als Kleinunternehmer

Eine Kleinunternehmerrechnung sieht also ein bisschen anders aus als die Rechnung von Selbstständigen, die nach Regelbesteuerung abrechnen. Jede formal korrekte Rechnung muss Pflichtangaben enthalten.

Ohne Umsatzsteuer müssen diese Punkte in der Rechnung aufgeführt sein:

  • vollständiger Name und Anschrift des Rechnungsstellenden
  • vollständiger Name und Anschrift des Rechnungsempfängers
  • Ausstellungsdatum der Rechnung
  • Fortlaufende Rechnungsnummer
  • Zeitpunkt der Lieferung bzw. Zeitraum der Leistungserbringung
  • Menge und handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände oder Beschreibung von Art und Umfang einer Dienstleistung
  • Aufschlüsselung, was zu welchem Betrag abgerechnet wird
  • Skonto und ähnliche im Voraus vereinbarte Minderungen des Entgelts
  • Entgelt
  • Hinweis auf Steuerbefreiung
  • Steuernummer

Auf Rechnungen mit Umsatzsteuer sind diese Angaben verpflichtend:

  • Vollständiger Name und Anschrift des Rechnungsstellenden
  • Vollständiger Name und Anschrift des Rechnungsempfängers
  • Ausstellungsdatum der Rechnung
  • Fortlaufende Rechnungsnummer
  • Zeitpunkt der Lieferung bzw. Zeitraum der Leistungserbringung
  • Menge und handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände oder Beschreibung von Art und Umfang einer Dienstleistung
  • Aufschlüsselung, was zu welchem Betrag abgerechnet wird
  • Nach Steuersätzen und -befreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt
  • Skonto und ähnliche im Voraus vereinbarte Minderungen des Entgelts
  • Entgelt und der darauf anfallende Umsatzsteuerbetrag
  • Steuernummer oder Umsatzsteueridentifikationsnummer

Kleinunternehmerstatus für Gründer: Die ersten Schritte

Der erste Schritt in die Selbstständigkeit ist bei Vielen, den Gewerbeschein zu beantragen. Wer dafür – je nach Bundesland – beim Gewerbeamt oder deiner örtlichen Stadtverwaltung vorstellig wird, wird sehen, dass anschließend einiges automatisch passiert. Das Finanzamt und die zuständige Kammer schicken Post. Eventuell wird ein Handelsregistereintrag nötig.

Bildende Künstler, Publizisten, freie Lehrtätige, generell die freien Berufe und einige andere bilden eine Ausnahme: Sie brauchen weder Gewerbeschein noch Kammermitgliedschaft. Das Finanzamt lernen aber alle Selbstständigen bei der Gründung kennen: Wer sich als Freiberufler selbstständig macht, meldet sich am besten direkt dort.

Kleinunternehmerstatus oder nicht gehört zu den Daten, die das Finanzamt ermittelt. Darum muss jeder Gründer einen Fragebogen zur Betriebseröffnung ausfüllen.

Kleinunternehmerregelung oder freiwillig Umsatzsteuerpflicht ist einer der Punkte, die abgefragt werden. Wer sich für die Umsatzsteuer entscheidet, bindet sich für mindestens 5 Jahre daran. Wer die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt, kann das später ändern, auch wenn die Einkommensgrenzen nicht überschritten sein sollten. Dann bindet man sich auch wieder für mindestens fünf Jahre.

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Tipp: Mehr zur Anmeldung Ihres Kleingewerbes lesen Sie in unserem Logbucheintrag „Kleingewerbe richtig anmelden – so funktioniert es“.Gründerschiff - Leinen los.Zukunft in Sicht.


Achtung Umsatzgrenze!

Kleinunternehmen ist ein Start-up aus Sicht der Steuerbehörden bis zu einer Umsatzgrenze von 17.500 Euro. Umsatzgrenze heißt Umsatz – es ist nicht nur der Gewinn gemeint.

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Achtung:  Denn die Umsatzgrenze berücksichtigt auch, dass die Umsätze ja eigentlich umsatzsteuerpflichtig sind. Das bedeutet alle Einnahmen sind zuzüglich der geltenden Umsatzsteuersätze zu betrachten, auch wenn die Steuer gar nicht geflossen ist. Bruttoentgelte machen die Sache hier gerechter, denn so ist die Umsatzgrenze für alle gleich.Gründerschiff - Leinen los.Zukunft in Sicht.

Zu den Spielregeln gehört: Im Vorjahr dürfen nicht mehr als 17.500 Euro umgesetzt worden sein, das laufende Jahr darf nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz bringen. Wer auch die 50.000er Grenze knackt, ist sofort raus aus der Kleinunternehmerregelung. Für diejenigen, die in einem Geschäftsjahr zwischen 17.500 und 50.000 Euro liegen, ist ab dem nächsten Jahr die Umsatzsteuer Pflicht.


Die Vorteile des Kleinunternehmerstatus

Wer als Kleinunternehmer Rechnungen ohne Umsatzsteuer ausstellt, hat folgende Vorteile:

  • Er muss keine Umsatzsteuervoranmeldungen machen.
  • Er muss keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen.
  • Er muss keine Umsatzsteuererklärung machen.
  • Seine Rechnungen enthalten Nettopreise. Das ist ein Vorteil, wenn man für Endverbraucher arbeitet, die die gezahlte Umsatzsteuer nicht steuermindernd geltend machen können.

Die Nachteile des Kleinunternehmerstatus

  • Auf große Kunden wirken Kleinunternehmerrechnungen unter Umständen… wie Kleinunternehmerrechnungen. Wer sich auskennt, der weiß, dass ein Kleinunternehmen (noch) keine großen Umsätze macht. Je nach Branche kann das ein wenig das Image des Start-ups beeinträchtigen.
  • Kleinunternehmer dürfen selbst gezahlte Umsatzsteuer auf Betriebsausgaben nicht als Vorsteuer ziehen. Als Kleinunternehmer zahlt man seine Rechnungen also brutto wie ein Endverbraucher. Die Betriebsausgaben wirken sich erst in der Steuererklärung des Folgejahres steuermindernd aus. Dagegen wäre es über Umsatzsteuerpflicht und Vorsteuerabzug möglich, schon im laufenden Jahr die Umsatzsteuer zu verrechnen.

Kleinunternehmer und Steuererklärung(en) 

Selbstständige müssen Steuererklärungen abgeben. Eventuell sogar mehr als eine.

Wer als Kleinunternehmer beim Finanzamt geführt ist, der füllt nur eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) und die Einkommenssteuererklärung aus.

Umsatzsteuererklärung: Kleinunternehmer, die keine Umsatzsteuer auf ihren Rechnungen ausweisen, brauchen keine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Alle, die Umsatzsteuer erheben müssen neben den regelmäßigen Umsatzsteuervoranmeldungen auch einmal im Jahr eine Umsatzsteuererklärung einreichen.

Gewerbesteuererklärung: Gewerbesteuer fällt überhaupt erst ab einem Gewinn von 24.500€ Gewinn an. Für den sogenannten freien Beruf spielt sie gar keine Rolle. Das bedeutet für die meisten Kleinunternehmer: Betrifft mich (noch) nicht!

Denn eins ist sicher: Der Kleinunternehmerstatus macht den Anfang der Selbstständigkeit unter Umständen leichter. Doch der Plan ist bei den meisten, das Unternehmen ganz schnell aus den Kinderschuhen herauswachsen und die Kleinunternehmerregelung hinter sich zu lassen. Damit das funktioniert, finden Sie bei Billomat eine vollständige Checkliste rund um die Kleinunternehmerregelung und hier eine Ausfüllhilfe für die Gewerbeanmeldung von Gründerschiff. Viel Erfolg!

 

 

Über den Autor

Paul-Alexander Thies

Paul-Alexander Thies ist Geschäftsführer von Billomat, der Online Buchhaltung für Kleinunternehmer, Startups und KMU. Während seines Studiums gründete er sein erstes Unternehmen und weiß über die Bedürfnisse und Probleme von Existenzgründern bescheid. In den letzten 8 Jahren arbeitete Paul-Alexander Thies als Führungskraft für Groupon, Payleven (Rocket Internet) & Travador.