Flexible Stellengestaltung für alle Mitglieder der Gesellschaft – So wird ein Schuh draus

Flexible Stellengestaltung für alle Mitglieder der Gesellschaft - So wird ein Schuh draus

Das Gründerschiff sucht Unterstützung im Telefonvertrieb und unser Bordingenieur Franz Sauerstein schrieb eine Stellenanzeige. Da die Stelle auf Teilzeit ausgelegt war und er die Herausforderungen seiner beiden Schwestern bei der Verbindung von Karriere und Kinderbetreuung kannte, wandte er sich auf Twitter an die Konstanzer Stadträtin, Autorin und Alleinerziehendenvordenkerin Dr. Christine Finke und bat um Hilfe.

Und Hilfe bekam er. Dutzende Frauen und Männer teilten Ihre Erfahrungen, Wünsche und Vorschläge. Intern haben wir bei Gründerschiff jetzt eine Liste mit Änderungen, die wir sofort umsetzen wollen und können und solche, deren Umsetzung wir planen. Es wäre aber falsch, dieses Wissen unveröffentlicht zu lassen. Deshalb zeigen wir Ihnen in diesem Artikel, wie Sie Ihre offenen Stellen auch für Eltern attraktiv machen:


1) Home-Office ab 12 Uhr ermöglichen
2) Gleitzeit und Stundenkonten einführen – oder abschaffen
3) Teams bilden und Job – Sharing fördern
4) Virtuelle Meetings – und das vormittags und langfristig
5) Entgeltumwandlung für Kindergarten und co anbieten
6) Krankentage der Kinder wie Entgeldfortzahlungen behandlen
7) Wechsel von Teilzeit in Vollzeit und zurück kurzfristig ermöglichen
8) Urlaub kurzfristig bewilligen
9) Aufstiegschancen von Vollzeitstellen entkoppeln


 

Home-Office ab 12 Uhr ermöglichen

Flexibilität wird heute groß geschrieben. Anna Meyer schlägt vor Home-Office für Alleinerziehende ab 12:00 Uhr möglich zu machen.

Bei Gründerschiff gehen wir noch einen Schritt weiter und stellen unseren Mitarbeitern frei, ob sie von zu Hause oder oder im Büro arbeiten möchten. Man könnte meinen, dass Mitarbeiter die Ruhe (oder Unruhe) daheim schätzen und dass andere das soziale Umfeld mögen- aber in der Praxis sieht es so aus, dass jeder Mitarbeiter zumindest ein- bis zweimal pro Woche ins Büro kommt. Unserer Produktivität tut das keinen Abbruch. Manchmal hapert es nur mit der Absprache, wenn an einem Regentag alle daheim bleiben und am nächsten Tag das Büro gerammelt voll ist. 🙂

Gleitzeit und Stundenkonten einführen – oder abschaffen

Die Schichtarbeit ist ein Überbleibsel aus der Industrialisierung und macht in der typischen Büroumgebung wenig Sinn. Wer heute auf der Suche nach Arbeit ist, wünscht sich (auch) Gleitzeit und Stundenkonten:

Als „Gleitzeit“ bezeichnet man es, wenn die Mitarbeiter innerhalb bestimmter Grenzen Ihre Arbeitszeit frei ableisten können, zum Beispiel zwischen 6 und 22 Uhr. Manche Arbeitnehmer kommen dann um 6 Uhr und gehen am frühen Nachmittag, andere kommen dann erst ins Büro. Jeder arbeitet aber pro Tag acht Stunden – bzw. den vertraglich vereinbarten Teil davon.

Ein „Stundenkonto“ geht noch weiter. Die Mitarbeiter müssen pro Monat die vereinbarte Arbeitszeit ableisten, können aber frei entscheiden wann sie das machen. Zum Beispiel arbeiten sie dann drei Wochen mehr, um ein paar mehr freie Tage zu gewinnen.

Bei Gründerschiff haben wir auch die Stundenkonten abgeschafft. Wir arbeiten auf Vertrauensbasis. Jeder weiß, für wie viele Stunden er bezahlt wird. Natürlich müssen wir uns absprechen, damit Projekte fertig und Zusagen gehalten werden. Aber menschlich halten wir das für die bessere Lösung.

Achtung: Zumindest für den Zoll müssen die Arbeitszeiten aufgeschrieben werden. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Teams bilden und Job – Sharing fördern

Jobsharing (auch „Arbeitsplatzteilung“) ist ein Arbeitszeitmodell bei dem sich mehrere Arbeitnehmer eine oder mehrere Vollzeitstellen teilen. Diese Teams arbeiten sehr eng zusammen und organisieren die Arbeitszeiten und Aufgaben untereinander selbst. Mit Jobsharing kann man zum Beispiel anspruchsvolle Vollzeitaufgaben auch mit mehreren Teilzeitkräften besetzen.

Der große Vorteil ist, dass bei Krankheit oder Abwesenheit eines Arbeitnehmers der Rest des Teams Bescheid weiß und Einspringen kann. Im Team kann jeder alle Tätigkeiten ausführen und ist in allen Projekten auf dem gleichen Stand. Das erhöht die Robustheit der Organisation enorm.

Lesetipp: Tandemploy ist hat darüber einen tollen Artikel geschrieben.

Virtuelle Meetings – und das vormittags und langfristig

Meetings – Freud und Leid. „No work ever gets done in a meeting“ ist ein beliebter Managementleitsatz. Meetings müssen zwar sein – und man kann sie auch durchaus produktiv machen – aber für flexible Arbeitszeitmodelle ist eine schlechte Meetingkultur eine Herausforderung.

Nicht nur für Eltern macht es Sinn die Meetings in feste Zeiten zu legen – und diese langfristig im Voraus zu planen und bekannt geben.

Mit Software wie Skype for Business, Zoom, Slack oder Google Hangouts können Meetings auch virtuell geführt werden. Sei es zwischen verschiedenen Home-Offices, Büros oder sogar weltweit für Remote Worker (Arbeitnehmer, die in anderen Ländern leben). Das spart Anfahrtszeit, Räumlichkeiten und schont damit die Umwelt.

@LAUTschrift hat noch einen guten Vorschlag für die Praxis: Wenn Meetings unbedingt am Wochenende oder Abends stattfinden müssen, dann sollte der Wochentag zumindest der selbe bleiben. So können Eltern und Nicht-Eltern das eigene Leben besser planen.

Ein letzter Hinweis zum Thema Meetings: Die Situation ist natürlich von Mitarbeiter zu Mitarbeiter verschiedenen. Deswegen sollte man regelmäßig miteinander sprechen, um auch sich verändernden Umständen – wie zum Beispiel neuen Stundenplänen – Rechnung zu tragen.

Entgeltumwandlung für Kindergarten und co anbieten

Die Entgeltumwandlung ist sehr attraktiv für Eltern – und für den Arbeitgeber. Wer 250 bis 500 € monatlich für eine Kinderbetreuung zahlt überlegt sich zweimal, ob man dann nicht doch lieber mit dem Kind daheim bleibt.

Das Prinzip ist einfach: Das Grundgehalt wird um die Betreuungskosten reduziert. Unversteuert kommt der Zuschuss obendrauf. Die Kosten für den Arbeitgeber sind die gleichen, der Arbeitnehmer hat aber mehr Netto.

Für kleine Unternehmen – oder Zusammenschlüsse von solchen – sind Tagespflegepersonen interessant. Tagespflegepersonen bieten ihre Dienste auch für kleine Kindergruppen an. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat einen praktischen Ratgeber veröffentlicht.

Krankentage der Kinder wie Entgeldfortzahlungen behandlen

Ist das Kind krank, hat der Mitarbeiter häufig keine andere Wahl als daheim zu bleiben. Klar, was soll man auch sonst tun?

Als Unternehmer haben Sie Verantwortung für viele Menschen – da ist es nur konsequent die Krankheitstage der Kinder wie Krankheitstage der Eltern zu behandeln. Zahlen Sie das Entgelt für den Arbeitstag. Ihre Mitarbeiter werden Ihnen dankbar sein.

Ein Alternativmodell ist es die Zahl der Urlaubstage aller Ihrer Mitarbeiter im Unternehmen zu erhöhen und es so Eltern zu ermöglichen, kurzfristig Urlaub zu nehmen, wenn das Kind krank daheim ist.

Wechsel von Teilzeit in Vollzeit und zurück kurzfristig ermöglichen

Manchmal macht man Pläne und manchmal passiert das Leben. Wenn das passiert, kann man seinen Vollzeitangestellten anbieten kurzfristig – zum Beispiel für zwei Monate – in eine Teilzeitanstellung und wieder zurück zu wechseln

Krankheiten oder andere Schwierigkeiten können so mit der nötigen Ruhe gelöst werden. Wir hören immer wieder, dass Arbeitskräfte dann trotz geringerer Stundenleistung die wichtigen Arbeiten trotzdem erledigen – allein durch die psychologische Entlastung durch den Rückhalt durch den Arbeitgeber.

Urlaub kurzfristig bewilligen

Schulaufführungen, Lernentwicklungsgespräche und co. Aus den Schulen kommen gerne sehr kurzfristig Termine, die Eltern natürlich trotzdem gerne wahrnehmen wollen – allein schon aus Liebe zum Kind. Da hilft es dann ungemein, wenn Urlaub kurzfristig gestellt und bewilligt werden kann.

Hier kann ein Jobsharing – Modell sehr nützlich sein. Oder ein Abgleich mit der Realität: Müssen die Aufgaben wirklich heute erledigt werden? Manchmal nehmen wir uns doch alle selbst zu ernst – wer sich regelmäßig an das Leben erinnert, lebt besser.

Aufstiegschancen von Vollzeitstellen entkoppeln

Der letzte Punkt sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Die Karriereleiter muss auch von Teilzeitangestellten nutzbar sein.

Fragen Sie sich, ob Sie vielleicht unbewusst Teilzeitangestellten Aufstiegschancen verwehren. Sprechen Sie mit allen Mitarbeitern über deren Karriereziele. Ermöglichen Sie es Ihren Mitarbeitern diese Ziele zu erreichen.

Lesetipp: Daniel Ette (DENKWENDE) hat auf seiner Seite Impulse für den Aufbau eines gesellschaftlich, ökologisch und ökonomisch nachhaltigem Unternehmen hier gesammelt.

Der Weg zu einer fairen, gerechteren Gesellschaft wird nicht von oben kommen und nicht von der Politik diktierbar sein. Wir alle müssen mit anpacken. Als Gründerin oder Gründer eines Unternehmens führen Sie eine schlagkräftige, gut organisierte Vereinigung verschiedener Menschen. Fangen Sie in Ihrem Unternehmen an die Gesellschaft zu errichten, die Sie weltweit sehen wollen – und schließen Sie sich dann mit anderen Unternehmen zusammen. Wenn Sie noch Fragen dazu haben oder mehr darüber wissen wollen, wie wir nachhaltiges Wirtschaften leben, freuen wir uns über Ihre E-Mail.