Victor Thoma von ERGO über seine Arbeit mit Startups (S01EP07)

Nora Sophia Hansen

Victor Thoma von ERGO über seine Arbeit mit Startups (S01EP07)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Eine Idee muss möglichst nah am Kern sein um erfolgreich in ein Unternehmen eingegliedert zu werden. Victor Thoma – Projektleiter im Innovationmanagement bei ERGO – spricht in dieser Folge über seine Arbeit mit Startups und darüber, wie wichtig ein Standort bei Arbeitsprozessen sein kann.

Lernen Sie wie die ERGO ihre Innovationsprozesse vorantreibt, was dabei wichtig ist und wie sehr beide Seiten – Unternehmen und Startup – voneinander profitieren können. Außerdem wie hilfreich es sein kann, ein inspirierendes Umfeld zu haben und zur wöchentlichen Ideenfindung „gezwungen“ zu sein. Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

Vollständiges Transkript

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Herzlich willkommen zur heutigen Podcast-Folge. Zu Gast habe ich heute Victor Thoma bei mir. Er ist Projektleiter im Innovation Management bei ERGO. Hallo, Victor.

Victor Thoma: Hallo, Nora.

Nora Hansen: Ich freue mich, dich heute zu Gast zu haben.

Victor Thoma: Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich auch.

Neu geschaffene Bereiche – Viele Aufgabenfelder

Nora Hansen: Jetzt haben wir natürlich beide eben im Vorgespräch schon uns ein bisschen unterhalten und ich weiß, wer du bist und weiß auch so ein bisschen, was du machst. Aber würdest du das unseren Zuhörern auch nochmal erklären?

Victor Thoma: Ja, na klar, gerne. Also du hast ja schon genau gesagt, ich arbeite bei der ERGO im Innovations-Management und kümmere mich darum, dass wir an innovativen Projekten arbeiten und bringe die einfach nach vorn. Vom Konzept bis zur Umsetzung, die volle Bandbreite.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Genau.

Nora Hansen: Und die ERGO ist ein ganz, ganz großer Versicherungs-, wie sagt man, nicht Betrieb? Wie nennt man das?

Victor Thoma: Also/

Nora Hansen: Konzern?

Victor Thoma: Ja, Konzern, auf jeden Fall.

Nora Hansen: Okay, Konzern. Gut. Okay. Und im Bereich Innovation, was genau ist deine Aufgabe? Sorgst du dafür, dass die Innovationen laufen? Sorgst du dafür, dass es strukturiert wird? Bist du Ansprechpartner? Bringst du selber Innovationen ein? Wie genau läuft das ab?

Victor Thoma: Ja, das Schöne ist natürlich, bei neuen Bereichen, die geschaffen werden, ist das immer im Vorfeld nicht so ganz klar.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Wir haben einfach eine schöne Reise erlebt in den letzten Jahren. Und da hat sich das Anforderungsprofil auch einfach geändert. Also das fängt irgendwie an, dass man/ Natürlich, irgendwie, ich sitze jetzt in Berlin, die ERGO sitzt eigentlich mit ihrem Headquarter in Düsseldorf. Also dass man da schon irgendwie komplett andere Leute kennenlernt und in einem ganz anderen Umfeld arbeitet. Und dann trifft man natürlich irgendwie ein Startup und sagt: “Hey, lasst doch mal irgendwie was zusammen machen. Und dann ist man erst mal so die Brücke und Schnittstelle und versucht das irgendwie gemeinsam möglich zu machen.

Berlin – der Innovations-Standort der ERGO

Nora Hansen: Okay, ja. Du hast gerade gesagt, bei neuen Gebieten. Was heißt neu? Gibt es den Innovationsbereich sozusagen noch nicht so lange?

Victor Thoma: Nein, genau. Also wir haben mal angefangen, die ERGO, in 2013 Leute nach Berlin zu schicken. Da gehörte ich auch noch nicht zu dem Team. Da sind mal so drei, vier Leute nach Berlin gegangen. Und dann hat man gesagt, so: “Okay. Schaut mal, Berlin scheint irgendwie ein guter Ort zu sein. Guckt mal, was ihr da machen könnt.”

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Und die haben dann damals eigentlich festgestellt, dass in Berlin viele schöne Sachen passieren und haben auch neue Apps gebaut, neue Services gebaut. Aber dann war es irgendwie schwierig, das irgendwie wieder zurück in den Konzern zu kriegen, weil die auch einfach noch nicht so weit waren. Und dann hat man danach gesagt, wir müssen mehr mit Startups zusammenarbeiten und hat irgendwie Kooperationen gemacht mit Exhilaratorn und so weiter. Aber auch da manchmal festgestellt, ein Startup, was in den Exhilarator geht, ist vielleicht auch manchmal noch ein bisschen zu früh.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Also wenn man noch gar keinen Kunden hatte, ist ein Konzern auch einfach eine Riesen-Herausforderung.

Nora Hansen: Ja, ja klar. Auf jeden Fall.

Victor Thoma: Und dann hat man irgendwann gesagt, so, okay, vielleicht müssen wir das mehr in eine richtige Einheit gießen. Und dann ist halt sehr viel passiert. Man hat eine gesamte Gesellschaft gegründet, in der alle digitalen und direkten Aktivitäten gebündelt werden. Die Digital Ventures. Dann hat man eine richtig Einheit, das Innovations-Management geschaffen. Wir sind so knapp 25 Leute. Und da bildet man auch eine große Bandbreite ab von Startups finden, über Projekte machen, später wieder in den Konzern integrieren, investieren und so weiter. Und dann hat es natürlich deutlich mehr Fundament bekommen und es uns dann auch einfacher gemacht, die Dinge wirklich umzusetzen.

Nora Hansen: Das heißt, in Berlin sitzt tatsächlich nur das Innovationsteam?

Victor Thoma: Nein, also das Innovationsteam an sich auch ist schon wieder komplett verteilt. Also wir haben natürlich große Gesellschaften in Düsseldorf und in Nürnberg.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Ja, und da sitzen quasi die Leute, die, wenn wir in Berlin fertig sind, das von uns wieder ein bisschen übernehmen können. Also vor allen Dingen, wenn wir eine Lösung gebaut haben, dann geht es ja häufig darum, wie stellen wir denn sicher, dass es jetzt auf dem Weg von Berlin nach Düsseldorf nicht verloren geht? Dann haben wir einfach dort Kollegen vor Ort, die so diese/ Da nochmal die Brücke binden können sozusagen, okay, wir haben hier ein Produkt, das funktioniert oder ein Service. Und wir stellen einfach sicher, dass es eine Fach-Abteilung gibt, die das langfristig in ihren Betrieb integrieren kann/

Nora Hansen: Ah, okay.

Victor Thoma: /in ihren Betriebeinplanen kann und so weiter.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Die sitzen aber wieder vor Ort.

Nora Hansen: Verstehe, okay.

Victor Thoma: Dann gibt es Leute, die scouten Startups. Da sitzt ein Kollege in London, einer sitzt hier in Berlin, jemand in San Francisco. Also es ist ganz verteilt, aber sozusagen die Leute, die primär jetzt an Projekten arbeiten, so wie ich/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Die sitzen hier auch in Berlin.

Nora Hansen: Okay. Und wo ist der Vorteil gegenüber Berlin und Düsseldorf? Warum sitzt ihr jetzt genau in Berlin und nicht bei den anderen in Düsseldorf?

Victor Thoma: Ja, ist eine gute Frage. Und natürlich versucht man das auch immer so ein bisschen rauszufinden, aber jetzt so für mich persönlich, es ist einfach eine besondere, eine besondere Stimmung, die irgendwie in Berlin herrscht. Natürlich passiert hier sehr viel/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /wo man einfach Möglichkeiten, die man so einfach in Düsseldorf, zumindest im Hauptgebäude, nicht so hat. Das fängt schon damit an, wo wir hier sitzen. Also wir sitzen in der Factory in Berlin/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /wo sehr viel Freelancer um uns herum sind, die mit uns auch an unseren Projekten arbeiten. Zu denen haben wir damit halt sehr einfach Zugriff. Es sind auch viele weitere Innovationsabteilungen einfach von anderen Konzernen hier in Berlin. Und das ermöglicht einfach auch einfachen Austausch und dann können wir auch mal mit einem anderen Konzern zusammen ein Projekt machen, was vielleicht so sonst klassisch früher auch nicht denkbar gewesen wäre.

Wie ein Standort einen bei der Arbeit unterstützen kann

Nora Hansen: Das heißt, ihr habt eigentlich viel mehr Möglichkeiten durch diesen Standort, oder?

Victor Thoma: Definitiv. Also zu den Möglichkeiten gehören unterschiedlichste Sachen. Es gehören sicherlich vereinfachte Prozesse dazu. Also wie können wir zum Beispiel neue Dienstleister finden und onboarden über den Einkauf? Es gehört dazu, dass wir ein bestimmtes eigenes Budget haben, mit dem wir arbeiten können, was wir vertesten können. Wir haben hier sehr einfachen Zugriff zu externer Unterstützung.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Also einfach, wenn wir ein neues Projekt machen im Bereich, sagen wir mal irgendwie Voice, ja? Und dann gibt es irgendwelche Leute, die haben das schon ein paar Mal gemacht, dann ist es irgendwie viel einfacher, irgendwie auch in dem Projekt voranzukommen/

Nora Hansen: Ach so, ja.

Victor Thoma: /als wenn wir den irgendwie machen würden. Also von daher sind wir auch auf externe Ressourcen natürlich angewiesen und da hilft uns Berlin einfach natürlich.

Nora Hansen: Würdest du das also nicht jetzt sagen: “Oh Gott, wir müssen uns Hilfe holen in Berlin”, sondern eher so: “Oh cool, das ist voll die gute Möglichkeit”?

Victor Thoma: Ja, definitiv.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Und man kann sicherlich auch gute Gründe finden, warum man das irgendwie nicht in Berlin machen möchte. Also ich will gar nicht so dogmatisch sein. Ich habe jetzt zum Beispiel ein Projekt, was ich gerade betreue, das läuft komplett remote.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Und in Berlin, aber alle Leute, die mit mir an diesem Projekt arbeiten, die sitzen irgendwie auf sechs, sieben verschiedene Länder verteilt.

Nora Hansen: Nicht schlecht.

Victor Thoma: Und das geht auch. Also von daher/

Nora Hansen: Respekt. Würdest du sagen, dass du an äußere Umstände gebunden bist für Innovation? Also brauchst du das richtige Umfeld oder kann das auch ohne ein gutes Umfeld funktionieren?

Victor Thoma: Nein, ich glaube, das ist eine ganz wichtige Komponente.

Nora Hansen: Okay. Also wirklich so dieses Umfeld. Auch die Menschen oder nur die Umstände wie jetzt, dass ihr ganz viele Freelancer in der Nähe habt?

Victor Thoma: Ja, vor allen Dingen die Menschen. Also vor allen Dingen die Menschen. Natürlich sind in der ersten Art und Weise wirken sie auf mich natürlich inspirierend.

Nora Hansen: Das wollte ich gerade fragen. Ja.

Victor Thoma: Also wenn ich hier in einem Umfeld sitze, wo irgendwie abends dann, weiß nicht, egal ob es jetzt ein Politiker ist oder ob es irgendwie der VP von Google ist oder so, der hier/ Ja, es ist/ hat ja immer eine inspirierende Komponente und die bringt einen natürlich auch wieder auf neue Ideen. Dann hat man andere Lebensrealitäten. Berlin ist dann auch eine sehr internationale Stadt, also man kommt auch irgendwie ein bisschen da in ein anderes Denken rein, was einen wieder auf neue Ideen bringt. Dann ist das irgendwie so, man sagt zwar immer, Berlin-Mitte ist kein guter Testmarkt, aber es entstehen natürlich hier auch sehr viele Services, die viel erstmal in Berlin getestet werden, bevor sie in den Rest von Deutschland gehen. Und das bringt einen natürlich auch wieder auf neue Ideen.

Nora Hansen: Ja, ja, klar.

Victor Thoma: Aber am Ende zählen einfach die Menschen. So, das ist da ganz klar.

Nora Hansen: Ja, das glaube ich dir sofort. Du sagst, du wirst inspiriert von den anderen. Guckst du dir dann die Startups an oder die Freelancer oder die ganzen Personen auf der Straße und überlegst: “Ah, guck mal, die haben eine coole Idee, vielleicht könnte man das bei uns im Unternehmen auch machen?” Oder kommt die Idee komplett von dir aus?

Der Dienstag abendliche Ideen – Pitch

Victor Thoma: Also grundsätzlich in meinem Bereich oder in unserem Bereich können Ideen aus unterschiedlichsten Richtungen kommen, also/

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: /es können Startups auf uns zukommen, es kann eine Fach-Abteilung kommen. Es kann ein Vorstand kommen, der eine Idee hat. Aber natürlich gehört es auch dazu, dass wir eigene Ideen mit reinbringen. Und wir hier, also in unserem Berliner Team, haben uns auch so ein bisschen, nicht dazu gezwungen, aber wir haben schon ein bisschen einen Prozess aufgebaut, wie wir Ideen generieren.

Nora Hansen: Oh, der würde mich jetzt mal interessieren.

Victor Thoma: Und wir haben/ Ja, und zwar wir haben jeden Dienstagabend haben wir so team-intern hier so eine kleine Pitch-Session.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Und dazu gehört, dass jeder Dienstagabend auch eine neue Idee vorstellt. Das heißt, pro Woche müssen wir auch mindestens eine neue Idee haben.

Nora Hansen: Oh, wow.

Victor Thoma: Und man darf es nicht zu hoch hängen. Also eine Idee ist erstmal so auf diesem Niveau, das ist dir beim Spazierengehen, in der Dusche, mit dem Hund gehen/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /irgendwie so eingefallen/

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: /und du stellst es aber mal vier, fünf Kollegen vor und diskutierst mal darüber und schaust mal, was ist denn so deren Meinung. Und dann haben wir so eine Referenz-Idee und bewerten das. Und dann wird das in unser Backlog geschrieben, und wenn wir wieder Kapazitäten haben, auch ein neues Projekt zu machen, dann schauen wir auch mal da rein und gucken: “Okay, was ist denn eigentlich ganz gut bewertet worden? Und jetzt gehe ich mal noch die Extrameile und lege es mal ein bisschen tiefer und schaue mal, ist da wirklich eigentlich was drin oder nicht?” Und dadurch sind wir natürlich so ein bisschen gezwungen, auch immer so, ja, so die Augen offen zu halten und irgendwie auch so Ideen wieder mitzubringen.

Nora Hansen: Ist das nicht total anstrengend, wenn man jede Woche eine neue Idee einbringen muss?

Victor Thoma: Am Anfang war das natürlich erstmal so, also als hier unser Leiter das eingeführt hat, war das natürlich echt eine Herausforderung.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und man denkt natürlich auch häufig, ach, das ist überhaupt keine Idee und das kann man überhaupt nicht teilen. Aber über die Zeit fängt man tatsächlich/ Es ist irgendwie wie so ein Muskel. Also man kann es tatsächlich trainieren, und wenn man irgendwie schon weiß, dass man in diesen Modus kommt, dienstags was vorzustellen/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /dann achtet man irgendwie mehr drauf, und dann fällt es irgendwie/ Dann ist es irgendwie doch einfacher.

Nora Hansen: Dann kommt es so ein bisschen von alleine, oder?

Victor Thoma: Genau. Und ich meine, wir alle, wir hören viel Podcast, wir lesen viel, reisen viel. Wie auch immer. Also irgendwas findet man in der Woche eigentlich immer. Der größte Schritt ist eigentlich dann eher zu sagen, daraus machen wir jetzt wirklich ein Projekt.

Kleine Ideen – große Wirkung

Nora Hansen: Okay. Zwei Fragen. Kannst du irgendeine Beispiel-Idee nennen, wie das so ungefähr aussieht, oder was eine Idee wäre?

Victor Thoma: Ja, ja klar, kann ich machen. Also beispielsweise gerade ein großes Thema ist die E-Scooter-/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /Regulierung in Deutschland.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und natürlich gibt es in ganz vielen anderen Ländern gibt es das ja schon längst. Das sind wir in Deutschland natürlich wieder ein bisschen langsam.

Nora Hansen: Ein bisschen hinterher, ja.

Victor Thoma: Genau. Und wenn ich jetzt auf Reisen war, dann habe ich es in anderen Ländern halt schon gemacht und mir hat es immer super-viel Spaß gemacht. Und ich finde es auch irgendwie einen coolen Service. Aber letztens gelesen, es gibt jetzt auch wieder die ersten Startups oder ersten Ideen, also rechtliche Prozesse im Anschluss automatisiert durchzuführen. Also wenn jemand zum Beispiel auf dem Bordstein gefahren ist, obwohl er da hätte gar nicht fahren dürfen und irgendwie hat einen Unfall oder so was, dann gibt es einen rechtlichen Anspruch. Und dann gibt es jetzt erste Services, die das online automatisiert durchführen. Also so klassisch Legal Asset Service, spezialisiert auf diese E-Scooter-Unfälle.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: So, und jetzt bei uns, wir haben natürlich eine Rechtsschutz, irgendwie, Abteilung und wir bringen auch einen Tarif raus, mit dem man seinen Roller versichern kann.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und nun liegt es natürlich nahe zu sagen: “Okay, im nächsten Schritt, was ist denn mit den Leuten, die jetzt den Roller haben und auch versichert haben? Da gibt es irgendwie rechtliche Ansprüche oder auch so kann man das irgendwie bei der Rechtsschutz einfach mit anbieten, auch wenn das so in den alten Tarifen gar nicht mit drin ist? Und können wir nicht einfach einen digitalen Service anbieten, der automatisiert dir deinen rechtlichen Anspruch klärt, wenn damit irgendwas passiert ist?”

Nora Hansen: Okay, ja.

Victor Thoma: So, und so gibts irgendwas, was man irgendwie gesehen hat, das hat irgendwie einen Bezug zu uns als Versicherung und da könnten wir irgendwie einen Service bauen, der wahrscheinlich oder, so ist ja die Hypothese, für den Kunden einen Mehrwert hat.

Nora Hansen: Das ist spannend. Okay, ja, gut. Da kommt man vermutlich dann doch auf mehr Ideen im Laufe der Woche als ich dachte.

Victor Thoma: Ja.

Nora Hansen: Und/

Victor Thoma: Genau. Also da braucht man/ Die Hürde ist echt niedrig und es macht dann auch irgendwie echt Spaß, über so Dinge sich zu unterhalten und dann in der kleinen Gruppe, Regel ist da natürlich immer, Ideen größer machen. Also nicht immer diese ganzen Leute, die immer nur das Negativ sehen, sondern einfach mal Idee größer machen und mal schauen, wo es hingeht.

Nora Hansen: Das wollte ich gerade fragen. Gibt es Voraussetzungen für die Ideen, in dem Fall eine, die euch voranbringt und vielleicht auch eine kleine Vision dahinter hat, oder?

Victor Thoma: Ja. Also wir haben/ Also das kann echt komplett unterschiedlich sein. Also wenn ich mir da die Ideen anschaue, dann kann da mal jemand sein, der sagt, er ist schon irgendwie ganz weit in die Zukunft und denkt über irgendwas Disruptives in der Versicherung nach. Es kann aber auch sein, dass er einfach sagt, so: “Hey, da kommt irgendwie was Neues, dafür bräuchten wir eine neue Versicherung.” Oder, keine Ahnung, wir haben gerade zwei Kollegen, die sind schwanger, und wenn man dann irgendwie so ein Kind kriegt, dann kommt man ja mit einem Mal in eine komplett andere Lebenssituation und stellt irgendwie fest: “Oh Mann, ist ja echt schwierig, einen Kita-Platz, eine Hebamme, was weiß ich” und das bringt einen ja wieder auf neue Themen/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /und die kann man dann wieder mit einbringen. Also von daher, da kommt man immer auf was.

Eine Idee muss für wirklich gut befunden werden, damit sie bearbeitet wird

Nora Hansen: Ja, klingt danach. Gut, jetzt haben wir die Idee, jetzt haben alle eingebracht, ihr habt an den ganzen Dienstagabenden viele verschiedene Ideen gesammelt. Jetzt habt ihr wieder die Kapazität, um eine dieser Ideen umzusetzen. Welche Idee wird genommen beziehungsweise wie wird entschieden, welche Idee/ mit welcher ihr weiterarbeitet?

Victor Thoma: Also wir haben erstmal ein kleines Rating immer am Ende der Pitch-Session.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Aber das ist gar nicht das absolut Entscheidende, sondern wir sind schon der Meinung, dass/ Man muss die Idee auch wirklich gut finden. Also es hilft mir jetzt ja nichts, wenn ein Kollege eine Idee gehabt hat, die ist auch ganz gut bewertet und jetzt muss ich stupide die jetzt auch als nächstes nehmen, wenn ich davon selber aber gar nicht überzeugt bin. Weil am Ende glauben wir schon auch, um ein Projekt am Ende zum Erfolg zu treiben, muss man auch irgendwie dahinterstehen und das selber gut finden und daran Spaß haben, damit man dann auch manchmal so Kämpfe durchsteht.

Nora Hansen: Auf jeden Fall.

Victor Thoma: Weil natürlich auch/ Man hat natürlich viele Kämpfe, die man so angehen muss. Das sind für uns natürlich einmal interne, weil wir immer irgendwie einen Sonderprozess haben wollen oder auch irgendwie brauchen. Und dann aber natürlich das Wichtigste am Ende ist immer noch der Kunde. Und da dann auch wirklich irgendwie was zu liefern, was der auch wirklich braucht und was genau passt, da muss ich ja auch noch recht viel machen. Und da muss man auch dann mal viel durchhalten. Und dann hilft es natürlich, wenn man da vor allen Dingen auch selber von überzeugt ist und selber hintersteht.

Nora Hansen: Na ja, klar. Arbeitet jeder an seiner eigenen Idee?

Victor Thoma: Nein, auch nicht.

Nora Hansen: Also dann/

Victor Thoma: Also das auch nicht. Nein, es kann auch wunderbar sein, dass jemand sagt: “Hey, das war meine Idee”, aber der hat gerade keine Kapazität, aber der andere hat gesagt: “Mann, das war echt super”/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /”Ich würde mir das jetzt nehmen, wenn das für dich okay ist und würde gern daran arbeiten.”

Nora Hansen: Und wenn sich das dann jemand nimmt, arbeitet man dann zusammen im Team dran oder macht das dann eine Person, die ist dann Projektleiter und sorgt dafür, dass das läuft?

Victor Thoma: Wir haben erstmal eine Person, die das so ein bisschen vorbereitet. Also natürlich von diesem jetzt hier, das mit den E-Scootern, das ist jetzt natürlich super-grob. Und jetzt muss man erstmal gucken, okay, was gibt es denn da für Fälle? Was könnte eine technische Lösung sein? Halt Hypothesen aufstellen, mal Experimente machen, mit Kunden sprechen und so weiter. Und das dann am Ende eigentlich in so einem klassischen Startup-Pitch bringen.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Also so, was ist genau das Problem? Was wäre meine Lösungs-Hypothese? Was glaube ich, brauche ich dafür an Ressourcen? Welche Leute sollten mit mir im Team daran arbeiten? Für wie lange? Was möchte ich damit eigentlich jetzt erreichen? Und dann haben wir wie so ein Mini-Gremium, das ist sozusagen unser Bereichsleiter, der auch irgendwie das Budget dann verantwortet. Und vor dem pitchen wir das dann. Und dann wird der mir als Projektleiter sagen: “Okay, da, an die Idee glaube ich, dafür kriegst du jetzt von mir 20.000 Euro. Und du darfst die jetzt investieren für Marketing, für Tests, für UX,/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /für Design”, was auch immer ich irgendwie brauche und dann wovon ich der Meinung bin, dass es gut ist. Und dann würde ich mir auch ein Team zusammenstellen, weil dann/

Nora Hansen: Ah ja, klar. Dann brauchst du es.

Victor Thoma: /brauchen wir ja, finde ich, irgendwie ein interdisziplinäres Team, die das auch umsetzen können.

Die Idee muss nah am Kern sein

Nora Hansen: Ja. Ja, gut. Du hast jetzt diese Idee ausgearbeitet und ihr habt jetzt ein Team. Jetzt besteht vielleicht diese neue Idee, diese neue technische Lösung. Aber wie integriert ihr die dann ins Unternehmen? Wie gewährleistet ihr, dass die Idee, die ihr entwickelt, nachher auch dem Unternehmen weiterhilft und nicht irgendwie nur parallel so vor sich hindümpelt?

Victor Thoma: Ja. Das kommt natürlich ganz auf die Idee an.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Also wenn ich natürlich jetzt irgendwie sage: “Okay, ich würde gerne mal ausprobieren, wie kann ich irgendwie ganz gut Sprache verstehen mit irgendwie einer neuen Technologie?” Und sage: “Hier, Chatbot könnte was Gutes für den Kundenservice sein” oder so was, dann würde ich das schon sehr, sehr nahe da dran bauen. Dann würde ich das in dem Sicherheitskontext bauen, dass für mich klar ist, das darf der Kundenservice danach auch ganz normal bei sich implementieren und weiterverwenden. So, wenn ich jetzt aber über eine Lösung nachdenke irgendwie, kann meine Smartwatch gut erkennen, ob ich gestürzt bin oder nicht und würde es irgendwie Sinn machen, da meinen Pflegedienst dran zu koppeln oder so was/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /dann habe ich natürlich erstmal ein bisschen breiteres Testfeld und würde erstmal lockerer an Kunden testen. Erstmal schauen, ob das funktioniert. Und wenn das noch nicht ausreichend funktioniert, dann wäre es auch erstmal okay zu sagen: “Okay, wir sind noch zu früh. Machen wir wieder zu das Projekt.”

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Und dann habe ich mir im Vorfeld auch noch nicht so viele Gedanken darüber gemacht, wie wird das jetzt 100 Prozent perfekt in der ERGO-Welt funktionieren?

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Also da kommt es dann echt so ein bisschen darauf an, wie nahe ist man am Kern dran oder halt nicht.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Aber natürlich, wenn ich jetzt sage: “Ich baue einen Legal Asset Service Thema auf” und es kann auch irgendwie eine Lösung sein, die irgendwie extern gehostet ist und so weiter und am Ende müsste eine Fach-Abteilung nur ein bisschen Pflege machen und ein bisschen Servergebühr bezahlen oder so, dann wäre das auch fein.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und da muss ich mich nicht (unverständlich #00:19:03-0#) in irgendwas irgendwo reinbinden.

Nora Hansen: Ja, ist klar. Kam das schon mal vor, dass jemand auf eine Idee kam, die er so gut fand, dass er die Idee eigentlich lieber selber behalten würde und dann selber daraus vielleicht ein eigenes Startup gründen? Ich meine, die Gefahr ist doch da, wenn man den ganzen Tag an neuen Ideen arbeitet, oder?

Victor Thoma: Definitiv. Also mir persönlich geht es tatsächlich auch so, aber man muss sich natürlich auch immer bewusst sein, welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen, die natürlich in der privaten Welt irgendwie nicht so/

Nora Hansen: Ja.

Digitale Nomaden und ihre Versicherungsmöglichkeiten

Victor Thoma: /die nicht da sind. Also beispielsweise gerade, ich arbeite an einem Projekt, da geht es um eine Versicherung für digitale Nomaden.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Also eine Gruppe, die einfach keinen festen Wohnsitz mehr hat, selbstständig arbeitet als Freelancer von irgendwo aus der Welt, und das ist echt ein Thema, was uns da hier halt im Umfeld aufgefallen ist, weil für die gibt es in der klassischen Versicherungswelt kein Produkt. Du kannst dich halt entweder in Deutschland lokal versichern. Du kannst dich versichern, wenn du in ein Land als Expat gehst und da fix bleibst.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und du kannst dich im Urlaub versichern, wo du wieder zurückgebracht wirst in dein Heimatland und dort deine Operation bekommst oder so. Aber sozusagen dieses du gehst in mehrere Länder und wechselst so einmal im Monat und brauchst eigentlich dann jeweils eine lokale Krankenversicherung, gibt es einfach nicht.

Nora Hansen: Ja klar, ist ja auch schwierig.

Victor Thoma: Und es ist irgendwie ein Markt, der da ist, wo ich der Meinung bin, das hat echt Potenzial. Wo ich auch der Meinung bin, das würde sich sogar lohnen, als externes Unternehmen auch auszugründen, weil Nomaden auch gerne neue Unternehmen verwenden oder irgendwie auch da irgendwie eine Präferenz für haben, die sich wirklich auf deren Lifestyle konzentrieren und einlassen.

Nora Hansen: Ja, ja klar.

Victor Thoma: Auf der anderen Seite weiß ich natürlich, jetzt hier habe ich einen Risikoträger, der kann die locker nehmen, der kann sich das in seine Bücher schreiben. Wenn jemand Krebs bekommt, ist das kein Problem, was weiß ich. Also da hängt natürlich auch viel Regulatorik hinter.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und dann bin ich einfach in einem Konzern-Umfeld auch deutlich schneller und deutlich sicherer, dass ich das jetzt erstmal auch testen kann, und würde jetzt nicht irgendwie sofort sagen: “Hey, das gründe ich jetzt aus.”

Nora Hansen: Okay, ja, klar. Da hat man einfach viel, viel bessere Umstände und so ein bisschen so die Verantwortung teilweise abgegeben, oder? Da liegt ja nicht die komplette Last dann auf einem persönlich?

Victor Thoma: Schwierige Frage, weil natürlich, wenn ich das irgendwie durchboxe und so auf dem Weg dahin spricht man natürlich mit vielen und man exponiert sich ja dann auch so ein bisschen mit diesem Thema.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Ja, und sagt: “Ich glaube da irgendwie richtig dran und ich würde dafür gerne Budget” und so, das kostet irgendwie eine bestimmte Summe.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Dann ist man natürlich schon auch irgendwie so ein bisschen dafür verantwortlich, dass das irgendwie gut läuft. Also wenn das irgendwie am Ende dann nicht funktioniert, dann haben wir natürlich in dieser Rolle, wenn man so fast als Entrepreneur agiert, dann steht auch so ein bisschen seine eigene Leistung steht und fällt dann natürlich auch so ein bisschen mit diesem Projekt.

Nora Hansen: Ja, auch wahr.

Victor Thoma: Aber natürlich nicht, deutlich nicht so stark, wie wenn ich selbstständig bin. Das ist natürlich völlig klar.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Aber so die Zeit habe ich auch schon mal hinter mir und gerade ist es ganz nett im Konzern-Umfeld.

Vom Gründer zum Projektleiter im Innovation Management bei ERGO

Nora Hansen: Arbeitest du eigentlich schon immer im Bereich Innovation oder bist du erst durch ERGO reingekommen? Oder ist ERGO vielleicht überhaupt dein erster Job oder du bist schon lange bei ERGO? Wie sieht es aus?

Victor Thoma: Nein, ich habe nach dem Studium erstmal gegründet.

Nora Hansen: Ach, du hast selber gegründet? Außerhalb von einem Unternehmen?

Victor Thoma: Genau. Genau, ich habe selber mal gegründet und war dann in dem Exhilarator, wo die ERGO damals gepartnert hat, also bei Axel Springer Plug’n’Play.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Habe die da kennengelernt, und genau, als es dann mit dem Startup irgendwann vorbei war, dann hat die ERGO gesagt: “Wir suchen Leute, die nicht aus der Versicherung kommen und gut denken und, ja, ein bisschen unternehmerischer agieren/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /und hättest du da nicht irgendwie Lust drauf?” Und dann habe ich erstmal: “Um Gottes Willen, irgendwie jetzt in so einen Riesen-Laden” und habe dann erstmal als Freelancer angefangen.

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: Und dann hat es mir aber echt gut gefallen und dann bin ich bei ERGO fest angefangen. Und jetzt bin ich hier so seit drei Jahren.

Nora Hansen: Ah ja. Und warst du innerhalb der drei Jahren/ Hattest du schon immer diesen Projektleiter-Job oder hast du auch schon andere Perspektiven kennengelernt?

Victor Thoma: Nein, es war eigentlich immer eine ähnliche Rolle, ja. Aber es ändert sich dann tatsächlich von Projekt zu Projekt. Also jetzt bei dem Nomaden-Projekt habe ich eine deutlich stärkere Product Owner-Rolle, wobei ich bei anderen Projekten mehr so klassischer Projektleiter war, der so eher so Projektmanagement, Stakeholder-Management und so weiter gemacht hat.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Also auch da ändert es sich immer, je nachdem, was ist das für ein Projekt.

Nora Hansen: Was war denn dein, deiner Meinung nach, erfolgreichstes Projekt oder das, was dir am meisten Spaß gemacht hat?

Victor Thoma: Also bis Stand heute/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /weil die Nomaden-Versicherung noch nicht live ist, aber noch in diesem Jahr kommt/

Nora Hansen: Okay.

Victor Thoma: /muss ich sagen, bis jetzt war es wahrscheinlich das Chatbot-Projekt.

Nora Hansen: Ja.

Wie ERGO und die Startups von einander profitieren

Victor Thoma: Weil es war damals sau-cool, weil wir eine super-enge Partnerschaft mit einem sehr jungen Startup gemacht haben. Also einfach damals, ich weiß noch so, 2016 hat hier Zuckerberg gesagt: “Wir öffnen den Facebook Messenger für Bots.”

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und dann haben wir gesagt, so: “Okay, wir müssen auch was mit Bots machen.” Und dann war aber so die Frage, okay, mit welchem Anbieter überhaupt? Wer hat eine gute Technologie, jeder erzählte, ja, er hat die beste AI und er kann die besten Bots.

Nora Hansen: Ja, klar.

Victor Thoma: Überhaupt nicht überprüfen und dann habe ich vier verschiedene Anbieter ausgewählt, hab denen anonymisierten Datenbestand gegeben und haben dann einfach getestet, wer funktioniert am besten? Wer kommt am besten am Kunden an und das war am Ende damals ein Startup, die waren vielleicht fünf Mann groß aus Berlin. Und mit denen hat es dann echt gut funktioniert.

Nora Hansen: Ach, wie cool.

Victor Thoma: Und dann haben wir echt richtig was draus gemacht. Also wir haben für uns eine Lösung gefunden, die jetzt im daily Betrieb bei unserem Kundenservice aktiv ist.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und das Startup hat auch super-profitiert, und die haben jetzt erst/ Wir haben uns dann auf vielen Konferenzen sind wir gemeinsam aufgetreten und das hat immer super-viel Spaß gemacht. So, das Startup konnte halt sagen: “Hey, wir haben einen großen Kunden, bei dem läuft es aktiv” und für uns war es auch immer eine Super-Story, weil ein innovatives Projekt mit einem Startup gemacht, und das in einer sehr frühen Phase. Es war super-gut. Und, ja, das Startup hat mittlerweile drei Standorte weltweit.

Nora Hansen: Wow.

Victor Thoma: Und jetzt nochmal 13 Millionen Dollar Funding gekriegt. Und ich war noch so im Reference Call für den Investor dabei/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Also so das hat mir eine Menge Spaß gemacht und ist einfach/ Für mich freut es mich auch super, dass so das Startup jetzt so richtig was bezogen hat. Das ist echt schön.

Nora Hansen: Ich wollte gerade sagen. Das ist doch so schön, dann zu sehen, dass das Startup dadurch auch so sehr profitiert hat, und ihr damit denen ja eigentlich so einen richtigen Startschuss gegeben habt.

Victor Thoma: Ja, also das war einfach in beide Richtungen eine super-befruchtende Kooperation. Also sowohl für mich persönlich, weil es dazu geführt hat, dass ich mit einem Mal auf vielen Konferenzen war und auch Vorträge halten durfte. Für das Startup, weil sie mit uns irgendwie einen guten Kunden hatten und auch für uns als Bereich, weil es natürlich sowohl externe Presse viel gab, als auch intern einfach ein erfolgreiches Projekt. Also das war irgendwie rundum gelungen und dementsprechend hat das auch echt eine Menge Spaß gemacht.

Wie trotz der fehlender Belohnung immer genügend Motivation vorhanden ist

Nora Hansen: Wie die Startups jetzt belohnt werden sozusagen, ist ja relativ klar, aber wenn ihr jetzt im Unternehmen selber so ein erfolgreiches Projekt in die Wege leitet, gibt es dann irgendeine Belohnung für die Person, die das angefangen hat oder die das Ganze geleitet und gemanagt hat?

Victor Thoma: Nein, gibt es dann nicht, aber vielleicht sollte ich das mal vorschlagen.

Nora Hansen: Reicht dir denn der Anreiz, dass du einfach sagst: “Boah, cooles Projekt in die Welt gerufen und funktioniert.”

Victor Thoma: Ja, das hat ja auch/ Also wie ich gerade schon gesagt habe, das hat ja auch einfach viel Belohnung mitge/

Nora Hansen: Ja, ja. Klar, das macht ja auch Spaß.

Victor Thoma: /bracht, ja? Also, genau, wenn man dann einfach/ Ich weiß gar nicht, auf wie vielen das war, aber wenn man dann irgendwie nach London fliegt, da auf einer Konferenz als Vortragender irgendwie ist und nicht mehr irgendwie jetzt 26 Jahre, von daher irgendwie da hat das irgendwie eine Menge Spaß gemacht. Und das war auch, wenn man das jetzt mal im Konzern-Kontext sieht, natürlich auch eine besondere Rolle und hat natürlich aber intern im Standing natürlich viel gebracht, auch im Team. So, das ist ganz klar. Aber es ist jetzt nicht, dass man dann da irgendwie, weiß ich nicht, ein Prozent an den ersparten bekommt. So was gibt es halt nicht. Aber das ist auch völlig fein. Also man muss natürlich immer die/ schauen, in welchem Rahmen man sich bewegt und das Projekt hat natürlich auch funktioniert, weil die ERGO auch bestimmte Sachen machen konnte, also von daher, das ist einfach irgendwie ein Geben, Nehmen auf beiden Seiten. Und natürlich, wenn ich ein Chatbot-Projekt mache bei der ERGO, wo ich weiß, hey, da sind dir, weiß ich nicht, drei Millionen Anrufe/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /dann hat das natürlich auch einen ganz anderen Impact, als wenn ich natürlich irgendwie jetzt in meinem Startup damals einen Chatbot gebaut hätte.

Nora Hansen: Ja, klar.

Victor Thoma: Muss man ja auch immer dazu sagen. Also von daher profitiert man da auch in verschiedenste Richtungen.

Nora Hansen: Ja, ich denke ja auch, dass es bei euch so ist. Ich meine, ERGO innoviert ja eigentlich praktisch die ganze Zeit. Das scheint ja keine Ausnahme zu sein, dass dann mal eine Mords-Innovation kommt, sondern das ist ja eigentlich immer weiter Stückchen für Stückchen so ein fortlaufender Prozess. Ist das richtig?

Victor Thoma: Ja, unbedingt. Unbedingt. Also das gibt es natürlich auf verschiedensten Ebenen und auch verschiedensten Zeithorizonten, die man irgendwie betrachten muss. Und ich glaube, das ist einfach/ Das muss ein Unternehmen heute machen.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und eigentlich sagt man immer über sich selbst, man ist irgendwie noch zu langsam oder wie auch immer. Und man hat dann auch noch eine Menge Herausforderungen, die entstehen. Und natürlich ist auch, muss man ja auch sehen, eine Versicherung/ Die Versicherungsbranche an sich hat sich auch erstmal stark verändert. Sie kam halt einfach aus einer Zeit, wo man mit den Beiträgen vom Kunden so dermaßen viel am Kapitalmarkt verdient hat, dass man auch irgendwie relativ schlecht kalkulierte Tarife anbieten konnte.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: So, und jetzt bei aktueller Zinspolitik muss man da mit einem Mal alle seine/ so, auch das Versicherungsgeschäft an sich richtig profitabel kriegen. Da kann man sich nicht mehr auf den Finanzmarkt verlassen.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und es hat natürlich auch da einfach dazu geführt, dass dann Unternehmen in die Haltung kommen, wir müssen hier ja auch viel verändern und werden dadurch auch ein bisschen offener gegenüber Neuerungen natürlich und das ist ja eigentlich/

Nora Hansen: Das kann ja auch nicht schaden.

Victor Thoma: /super. Genau. Das kann nicht schaden. Und wir können jetzt immer schon an einem Schritt dann wieder da weiter da vordenken.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und macht natürlich super-viel Laune.

Ob Deutschland zu „gemütlich“ für Innovationen ist

Nora Hansen: Denkst du, dass Unternehmen, die innovativ arbeiten, eine viel längere Überlebenschance haben als Unternehmen, die selten innovieren bis hin zu festgefahrene Strukturen haben?

Victor Thoma: Ja, also klar. 100 Prozent unterschrieben.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Ich glaube, vor allen Dingen natürlich aus Deutschland raus, finden wir natürlich häufig auch einen deutschen, relativ gemütlichen Weg. Also wenn man sich jetzt wirklich diese E/ Wenn man sich jetzt so die E-Scooter anschaut/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /dann bin ich natürlich persönlich eher so, wenn es jetzt irgendwie in der Stadt da sehr viele von gibt und ich kann das nutzen, dann finde ich irgendwie das super und mir macht das auch viel Spaß und ich denke so: “Ah, irgendwie in Deutschland so, irgendwie kommen wir da nicht so richtig hinterher.” Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sehen, diese Roller da, die Roller und Fahrräder haben auch viele Probleme gebracht. Jetzt stehen mit einem Mal vor ganz vielen Häusern, Bordsteinen stehen die alle rum, jetzt kommen vielleicht Leute irgendwie mit Kinderwagen oder so da nicht mehr durch. Da wird nicht mit gut umgegangen, das ist dann wieder ein Umweltproblem. Also das bringt auch wieder ganz viel anders mit sich.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und Deutschland sagt dann in dem Moment erstmal so: “Okay, jetzt/

Nora Hansen: Jetzt warten wir erstmal.

Victor Thoma: /gucken wir uns das erstmal an. Und jetzt regulieren wir das erstmal mit irgendwie Blinker und irgendwie Kennzeichen” oder so.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Aber ist dann vielleicht auch unser deutscher guter Weg, ja? Also von daher darf man da manchmal/ Manchmal hat das irgendwie auch Vorteile, denen müssen wir uns auch noch schon bewusst sein. Von daher gibt es so gewisse Themen, die darf man auch ein bisschen langsamer angehen, aber dass man sich grundsätzlich in der Lage halten muss, auf Veränderung zu reagieren, das ist, glaube ich, so wirklich das Entscheidende. Also man muss irgendwie auf alles vorbereitet sein und auch da in der Lage sein, das/ Ja, darauf reagieren zu können und sich anpassen zu können. Man muss aber vielleicht nicht immer alles als Erster machen. So. Das ist, glaube ich so, die/

Spanier, Franzosen, Österreicher, Kroaten, Polen,  Amerikanerin – und das soll funktionieren?!

Nora Hansen: Ja, das klingt eigentlich ziemlich sinnvoll. Jetzt sagst du/ Jetzt ist mir gerade noch eine ziemlich gute Abschlussfrage eingefallen, da habe ich eben schon drüber nachgedacht. Wenn du jetzt mit Unternehmen oder Startups oder auch einfach Leuten aus anderen Ländern zusammenarbeitest. Passen diese Mindsets zusammen? Deutschland ist ja nun ein bisschen gemütlicher, wie du sagst?

Victor Thoma: Ich weiß nicht, ob es gemütlich jetzt das perfekte Wort war eigentlich. Aber es/ Also ich kann jetzt nur aus der Projekterfahrung reden.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und da funktioniert es extrem gut, weil aber, glaube ich, da alle wieder ein relativ ähnliches Mindset haben. Also ich weiß, natürlich spielen kulturelle Effekte spielen immer mit rein. Und manchmal ist es in der Kommunikation halt etwas schwierig und Deutsch wirkt dann manchmal ein bisschen grob oder, na, wie auch immer, kann verschiedenste Beispiele/ Aber jetzt, wenn ich da überlege, wir haben einen Spanier, einen Franzosen, einen Österreicher, einen Kroaten, einen Polen, eine Amerikanerin.

Nora Hansen: Wow, was eine Vielfalt.

Victor Thoma: Genau, super-große Vielfalt und es funktioniert trotzdem. Weil irgendwie alle von dem Projekt überzeugt sind und da irgendwie Lust haben, das nach vorne zu bringen und live zu kriegen und der Welt zu zeigen: “Hey, wir machen da echt was Cooles.” Und dann funktioniert das auch und dann kann man auch wirklich über die Länder hinweg gut zusammenarbeiten und das funktioniert auch irgendwie. Aber natürlich sind es bei/ Ich glaube, was man nicht unterschätzen darf, was irgendwie in Frankreich funktioniert, funktioniert nicht automatisch in Deutschland.

Nora Hansen: Ja, das muss man anpassen.

Victor Thoma: Und das hängt dann  aber auch vor allen Dingen mit den Kunden zusammen und also da gehen/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Da geht die Bevölkerung komplett anders mit um und so. Das muss man schon immer auf dem Schirm haben, aber ich glaube, dass man über Kulturen hinweg zusammenarbeiten kann, dass also/ Da bin ich ein Riesen-Fan von. Das ist einfach richtig erweiternd auch für so ein Projekt, weil natürlich so manche Sachen hat man überhaupt nicht auf dem Schirm. Wenn ich jetzt so über Krankenversicherung rede, da kriegt zum Beispiel eine Amerikanerin in Deutschland ein anderes Visum, wenn sie eine lokale Krankenversicherung hat, als wenn sie irgendwie eine belgische Versicherung hätte oder so.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und das kann ich überhaupt nicht wissen, weil es irgendwie so in meiner Welt überhaupt nicht/

Nora Hansen: Präsent ist, ja.

Victor Thoma: /vorkommt, ja. Und das hilft aber natürlich diesem Projekt einfach unheimlich weiter, weil es ganz andere Perspektiven reinbringt.

Spaß ist das A und O bei der Arbeit

Nora Hansen: Jetzt habe ich bei dir so ein bisschen rausgehört, dass Spaß und vor allen Dingen die Überzeugung eigentlich ein ganz, ganz wichtiger Aspekt ist, wenn man an einem Innovationsprozess arbeitet, oder?

Victor Thoma: Unbedingt. Weil ansonsten, glaube ich/ Ich bin da schon der Meinung, man muss die Dinge dann tatsächlich auch radikal zu Ende machen, damit sie richtig gut werden sollen. Und ich habe das halt intern schon auch gemerkt bei bestimmten Projekten, dann hört man natürlich am Anfang erstmal ein Nein oder Geht nicht.

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: Und wenn man aber wo richtig davon überzeugt ist und weiß, wie es für einen Kunden oder glaubt zu wissen, wie es für einen Kunden am besten ist, dann macht man dann nur richtig weiter und lässt sich auf einen faulen Kompromiss ein/

Nora Hansen: Ja.

Victor Thoma: /wenn man da richtig Spaß dran hat und wenn man davon richtig überzeugt ist. Und wenn es einem eher so eine aufgetragene Arbeit ist, so, bring die mal zu Ende, dann ist es eher so, na ja, gut, dann geht das halt nicht, dann nehme ich irgendwie den Kompromiss hin. Dann bin ich aber auch das Projekt schnell los.

Nora Hansen: Ja, gut. So soll es nicht sein.

Victor Thoma: Genau, und das ist natürlich irgendwie/ So soll es auf keinen Fall sein, genau.

Nora Hansen: Ich würde sagen, da hast du jetzt gerade zum Schluss das Ganze nochmal richtig schön zusammengefasst und extrem auf den Punkt gebracht. Perfekt.

Victor Thoma: Dann lassen wir das mal so stehen.

Nora Hansen: Genau, also jetzt/ Man soll gehen, wenn es am schönsten ist.

Victor Thoma: Genau, bevor ich es noch verschlechtbessere/

Nora Hansen: Genau.

Victor Thoma: /lassen wir es lieber so.

Nora Hansen: Ich danke dir auf jeden Fall für all das, was du heute erzählt hast, das waren ziemlich interessant Einblicke. Und wie ich schon vorweg, als wir beide geredet haben, gesagt haben, so ein bisschen mal in eine andere Richtung, als die bisherigen Podcast-Folgen.

Victor Thoma: Freut mich.

Nora Hansen: Dann wünsche ich dir noch einen schönen restlichen Tag und bedanke mich.

Victor Thoma: Danke, vielen Dank für die Einladung. Und dir auch einen schönen Tag.

Nora Hansen: Ciao.

Victor Thoma: Ciao.

Nora Hansen: (Musik) Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.