Eine Strategieberatung mit Fokus auf Disruption – Thomas Mack IMP incubate! (S01EP15)

Nora Sophia Hansen

Eine Strategieberatung mit Fokus auf Disruption – Thomas Mack IMP incubate! (S01EP15)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Wer täglich mit neuen Branchen zu tun hat, dem wird im Berufsalltag nie langweilig. Genauso geht es Thomas Mack. Er ist Director von IMP incubate und berichtet in der heutigen Folge über seine Arbeit, insbesondere mit dem Fokus auf Disruption. Ein kompliziertes Wort, dass wohl schon jeder einmal gehört hat. Aber was hat das Ganze denn nun mit Geschäftsmodellen zu tun?

Lernen Sie wie ein Co-Innovator arbeitet, wie man Disruption nutzen kann, um ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln und wie die Zukunft von Startups und Corporate Startups aussieht. Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

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Vollständiges Transkript

Nora Hansen: Herzlich Willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Hallo. Schön, dass ihr heute wieder eingeschaltet habt. Heute habe ich Thomas Mack bei mir. Er ist der Leiter von IMP incubate!. Er wird euch gleich nachher natürlich selber erzählen, was es damit alles auf sich hat. Aber ich kann schon mal sagen, dass er damit zu einer der führenden Innovationsberatungen in Europa gehört, was natürlich sehr beeindruckend ist. Aber lange Rede kurzer Sinn, Hallo Thomas.

Thomas Mack: Hi Nora, vielen Dank für die Einladung.

IMP incubate! – Eine Strategieberatung mit Fokus auf Disruption

Nora Hansen: Sehr, sehr gerne. Jetzt habe ich natürlich dir schon ein bisschen was vorweggenommen. Aber ich glaube, das ist zwar so deine offizielle Jobbezeichnung, aber damit anfangen kann jetzt natürlich noch niemand etwas. Und niemand hat eine Ahnung, in welchem Unternehmen du genau arbeitest. Fang doch einfach mal an zu erzählen.

Thomas Mack: Du hättest mir gerne mehr vorwegnehmen können. Immer wenn ich sage, ich bin Director of IMP incubate!, weiß eigentlich keiner, was ich so wirklich mache.

Nora Hansen: Ja, super.

Thomas Mack: Das ist manchmal auch ganz praktisch, aber nicht immer. Nein, aber eigentlich ist es gar nicht so kompliziert. Also vielleicht mal angefangen mit IMP. IMP ist quasi eine kleine aber feine Strategieberatung. Mit einem Fokus vor allem auf Innovation und insbesondere Disruption. Das sind 80 Leute. Maßgeblich in der Dachregion. Österreich und Deutschland so die größten Offices. Und ganz neu auch Brasilien.

Nora Hansen: Oh, wow. Wie kommt man nach Brasilien?

Thomas Mack: Eigentlich sehr zufällig. Wirklich, wirklich zufällig. Über so erste Projekte.

Nora Hansen: Spannend.

Thomas Mack: Und trotzdem ist, glaube ich, innerhalb der letzten drei Jahre das Office in Sao Paulo genau so groß geworden wie die anderen beiden.

Nora Hansen: Krass. Okay.

Thomas Mack: Ja, also auch Innovation und Disruption wird in Brasilien gebraucht anscheinend.

Nora Hansen: Anscheinend ja.

Thomas Mack: Genau. Ja, ich glaube unter dem Begriff Strategieberater kann sich jeder etwas vorstellen. Was IMP aber besonders macht, ist, dass wir uns eigentlich nicht als klassische Berater verstehen, sondern wir nennen es die Co-Innovatoren. Das heißt, wir erarbeiten zwar mit unseren Kunden zukunftsweisende Innovationsstrategien. Wir hören da aber nicht auf. Sondern eigentlich fangen wir da erst richtig an. Um was es uns eigentlich geht, ist radikal neue und disruptive Geschäftsmodelle zu entwickeln. Und das eben nicht alleine oder nicht für unsere Kunden, sondern gemeinsam mit unseren Kunden. Und das auf der Strategie aufbauend. Das heißt eben, wir gehen in die Unternehmen, untersuchen die Zukunft: Welche Szenarien sind in der Zukunft wahrscheinlich? Was heißt das eben für die strategische Ausrichtung der Unternehmen? Was sind so, man schimpft das dann so, Innovation Target Areas? Also: Wo willst du wie innovieren? Und da kommt dann eben oft raus: Ja, hier musst du vielleicht deine Produkte weiterentwickeln. Hier müssen die Prozesse verbessert werden. Aber an der und der Ecke solltest du dich radikal und disruptiv irgendwie neu erfinden.

Nora Hansen: Ja. Und dann kommt ihr ins Spiel?

Thomas Mack: Da kommen wir ins Spiel. Ja, ganz genau. Das Schöne ist, ja in Anführungsstrichen, damit tun sich halt große Organisationen oft ein bisschen schwer, sich selbst neu zu erfinden. Das ist glaube ich auch nachvollziehbar. Und das ist dann eben unsere Spezialität. Gemeinsam mit ihnen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, sie ganz schnell am Markt zu testen. Und diejenigen, die wirklich auch große Kundenprobleme lösen, dann gemeinsam am Markt umzusetzen. Und dass eben nochmal nicht als Berater, sondern als Partner. Und das heißt für uns auch, dass wir das Risiko mit den Unternehmen teilen.

Ein Startup als Produkt der Innovation

Nora Hansen: Ich würde sagen, darauf gehen wir später nochmal ganz genau im Detail ein. Das klingt nämlich sehr interessant. Aber was hast du jetzt damit zu tun? Welche Rolle nimmst du ein? Und erzähl doch mal.

Thomas Mack: Ja, es bleibt noch der Director und incubate!, aber ich komme näher an die Lösung.

Nora Hansen: Den hast du gut umgangen bisher. Aber da lasse ich dich nicht ziehen.

Thomas Mack: Ich wollte dir nochmal eine Chance geben, das zu erklären. Aber okay.

Nora Hansen: Nein, leider immer noch nicht.

Thomas Mack: Dann mache ich das mal. Mit incubate! haben wir letztes Jahr eigentlich eine neue Geschäftseinheit ausgegründet. Die sich damit beschäftigt, so wirklich radikal neue Innovationen umzusetzen. Und dafür gründen wir mit unseren Kunden eigentlich maßgeblich eigenständige Startups. Sind also so eine Art Inkubator. Und wir nutzen auch diesen Inkubator-Ansatz, um, wenn die Kunden jetzt nicht unbedingt vielleicht gleich ein neues Startup gründen wollen, so wirklich diese radikal neuen Ideen rauszunehmen. Und bei uns im Inkubator so lange zu entwickeln, bis es ein stabiles Geschäft ist. Und dann reintegrieren wir es wieder im Unternehmen. Also irgendwie ist das schon so eine Art Company- oder Product-Building-Ansatz letztendlich.

Nora Hansen: Und das Ergebnis ist immer ein Startup? Oder auch einfach ein erweitertes oder innoviertes Geschäftsmodell letztendlich?

Thomas Mack: Also es ist immer eben ein radikal neues Geschäftsmodell. Und teilweise ist es dann ein Startup am Ende. Und teilweise ist es einfach nur ein neues Produkt oder neuer Service bei den Unternehmen. Das kann sich quasi im Verlauf auch ergeben. Man kann das von Anfang an schon festlegen oder man stellt irgendwann fest: Oh, das ist vielleicht dann doch so weit von unserem Geschäftsmodell weg, so weit von unseren Kompetenzen, dass da vielleicht ein Startup-Team doch erfolgreicher das an den Markt bringen kann. Und dann kümmern wir uns eben darum, dass es auch ein wirklich eigenständiges Startup wird. Aber was uns ganz wichtig ist: Viele machen das ja und nennen irgendwelche Geschäftseinheiten Startup. Letztendlich sind die dann aber genauso mit Angestellten besetzt und genauso in der Organisation. Wir glauben ganz fest daran, dass ein Startup nur dann Startup ist, wenn das Team halt auch wirklich einen großen Anteil an diesem Kuchen hat. Also in einem Risiko- und Erfolgsfall wie Misserfolgsfall. Das heißt, uns geht es ganz, ganz stark um die Gründer und die Teambesetzung, dass eben wirklich sich als Entrepreneur/

Was der Director of incubate! eigentlich so macht

Nora Hansen: Und was ist deine Aufgabe jetzt in diesem ganzen Bereich? Du bist der Director. Aber was macht man als Director?

Thomas Mack: Ja, auch wieder eine gute Frage. Letztendlich sind wir ja auch noch ein Startup. Ich habe es dir ja gesagt. Wir sind vor einem Jahr ausgegründet worden.

Nora Hansen: Wobei das ja von Vorteil sein kann. Ich mein, wenn ihr selber als Startup auftretet, macht es das vielleicht in manchen Bereichen ein bisschen leichter für die anderen?

Thomas Mack: Absolut, absolut. Und wir sind alle ehemalige Startup-Gründer. Also das ist schon auch unsere Passion. Und jetzt ist die neue Passion eben incubate!. Es wird auch bald dann noch mal eine neue Marke dafür geben. Dieses Startup groß zu machen und in den Markt zu führen. Das ist ehrlich auch noch viel Arbeit zu tun. Wir glauben ganz, ganz fest daran, dass diese Kombination aus Startup- und Corporate-Welt so der eigentliche Vorteil ist. Also, dass man wirklich auch als Gründer mit einem starken Corporate im Hintergrund und der richtigen Methodik, dessen Vorteile zu nutzen, eigentlich viel bessere Startups gründen kann. Und da ist noch viel Arbeit vor uns, auch die Methodik weiterzuentwickeln. Dieses Corporate und Startup ist ja ganz, ganz neu eigentlich erst, dass die beiden sich so näher beschnuppern.

Nora Hansen: Ja, das stimmt.

Thomas Mack: Und zum anderen müssen wir einfach vielen Leuten auch erzählen, dass es uns gibt und warum diese Methode wichtig ist. Und ja, vielleicht hört ja auch der eine oder andere zu, der dann anschließend ein bisschen mehr davon überzeugt ist.

Nora Hansen: Möglich wäre es. Ja, aber das erwartet ja auch niemand, dass ihr nach einem Jahr schon wie ein perfekt etabliertes und wie ein lang bestehendes Unternehmen agiert. Ich denke auch, dass das ganz viele, ich liebes dieses Wort, Authentizität ausmacht, wenn ihr einfach selber Erfahrung in dem Bereich habt. Lachst du mich grad aus?

Thomas Mack: Nein, ich habe mir nur gerade gedacht, ich wiederhole das Wort einfach nicht, sondern ich stimme dir einfach zu.

Disruption gehört einfach zu incubate! – Aber was ist das eigentlich genau?

Nora Hansen: Besser so. Das ist so ein Wort, das kann gefühlt niemand aussprechen. So, jetzt habe ich bei dir eben und auch in den Informationen, die ich natürlich vorher von dir hatte, ganz oft das Wort disruptiv gehört. Und das scheint dann demnach ein relativ großer Teil bei euch zu sein. Aber was muss man sich darunter vorstellen?

Thomas Mack: Oh, das ist eine hervorragende Frage. Also Disruption ist ja so das Schlagwort irgendwie der heutigen Zeit geworden. Was schon fast ein bisschen problematisch ist. IMP selbst ist eben stark durch das Thema Disruption geprägt. Hat ganz früh auch schon eigentlich in der Wissenschaft begonnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Der ein oder andere kennt vielleicht auch von Clayton Christensen so die Bibel der Disruption, das Innovator’s Dilemma. Das haben die Eigentürmer von IMP auch in der deutschen Fassung schon mitgeschrieben. Und deswegen hat IMP so quasi auch diesen Stempel der Disruption eigentlich immer auf der Stirn, obwohl es damals noch ein unglaubliches Nischenthema war. Also wirklich disruptiv neue Technologien sind ja relativ selten. Aber wenn sie kommen, dann sind sie eben auch wirklich disruptiv. Das heißt, sie zerstören bestehendes Geschäft. Beziehungsweise die Lösung von Problemen mit bestehenden Technologien. Heute interpretiert man das ja sehr, sehr viel weiter. Also wenn BMW irgendwie ein neues Modell ihrer 3-er-Reihe präsentiert, dann nennen sie es auch schon disruptiv, obwohl es eigentlich eine evolutionäre Weiterentwicklung ist. Wir sehen das sicherlich irgendwo in der Mitte. Also eben eigentlich sind es Innovationen oder Ideen, mit einer extrem hohen Sprungweite, die sicherlich in der Lage sind eben die Art und Weise wie man heute eben Probleme löst, komplett neu anzugehen. Und damit eben die alten Lösungen obsolet zu machen. So ist jetzt mein leichter Arbeitsbegriff mal dafür.

Nora Hansen: Ja gut, das war jetzt eigentlich ziemlich verständlich erklärt, würde ich sagen.

Thomas Mack: Dann ist gut.

Nora Hansen: Ich hatte Disruption auch so im Kopf, dass es tatsächlich etwas ist, was das Bestehende eventuell zerstört. Und man sich ja auch öfter mal Gedanken darüber macht, was etwas Disruptives sein könnte. Und deswegen fand ich das ganz spannend, dass ihr das als eigentlich eines der fast meist genanntesten Wörter bei euch habt. Und wollte einfach mal aus deiner Perspektive hören, was davon eure eigene Definition eigentlich ist.

Disruption in der Recyclingindustrie

Thomas Mack: Ich kann es dir auch gerne noch mal ein bisschen weiter erklären. Beziehungsweise auch vielleicht mal an einem Beispiel.

Nora Hansen: Oh ja, super, Beispiele sind immer gut.

Thomas Mack: Eines unserer aktuelle Startup-Projekte beschäftigt sich mit der Recyclingindustrie. Und hat dort unglaublich viele Usecases gefunden, wie man mit Computer Vision eigentlich die Recyclingindustrie effizienter gestalten kann. Der einfachste Usecase ist die Vermessung von, ja es wird heute in der Fachsprache, Schütthaufen genannt. Das heißt heute ist es so, der Recycler bekommt ja unglaublich viel Material zugeliefert. Da weiß er ungefähr was kommt und welche Menge das ist. Dann zerteilt er das mehr oder weniger automatisch. Weiß aber dann eigentlich gar nicht mehr, welche kleinen Bestandteile so auf seinem Hof rumliegen. Und was er dann auch verkaufen kann und was er handeln kann. Dafür geht er heute so im Schnitt einfach einmal Monat über seinen Lagerplatz, hält den Daumen in die Luft und hat so viel Erfahrung, dass er ungefähr schätzen kann, was er dort hat.

Nora Hansen: Okay, ja.

Thomas Mack: Und wir haben jetzt den Ansatz: Warum nicht einfach eine Kamera nutzen, die diese Haufen vermisst? Und mit intelligenter Computer-Vision-Technologie auszuwerten, welches Volumen und damit welches Gewicht auf diesem Lagerplatz liegt.

Nora Hansen: Das erleichtert natürlich einiges.

Thomas Mack: Genau. Und zukünftig vielleicht auch noch ein bisschen zu selektieren, welches Material dort ist. Das heißt, wir definieren, obwohl das jetzt einfach nur der Ersatz eines manuellen Prozesses durch einen automatisierten ist, würde ich das jetzt schon einmal ein stückweit irgendwie als disruptiv definieren. Auch wenn das jetzt vielleicht nicht der wissenschaftlichen Definition folgt.

Der helfende Blick von außen

Nora Hansen: Ja. Verstehe. Ja gut, das war tatsächlich ein sehr gutes Beispiel. Okay, jetzt haben wir ja disruptiv abgearbeitet. Jetzt würde ich sagen, starten wir mal mit eurer Arbeit. So ihr seid Co-Innovatoren beziehungsweise ihr leitet disruptive Geschäftslogiken ein. Aber wie genau funktioniert das? Und was sind da so eure Prozesse und Vorgänge?

Thomas Mack: Ich habe es dir ja vorhin schon gesagt. Also wir starten eigentlich am liebsten ganz früh. Wirklich mit der Strategieerarbeitung, also wirklich verstehen: Was sind die strategischen Herausforderungen für unseren Partner beziehungsweise einer Industrie? Da muss man eben sich viel mit der Zukunft beschäftigen, überlegen: Welche Trends haben denn Einfluss auf die Zukunft des Kunden? Welche können unterstützen? Welche sind auch vielleicht bedrohlich? Und daraus leitet sich eben dann auch Stück weit mit dem Vergleich von heute ab, wo musst du tätig werden? Was musst du tun? Und, wie gesagt, manchmal ist das vielleicht einfach, dass man sich evolutionär weiterentwickelt. Und manchmal ist es vielleicht auch so, dass man sagt: Mhm, ihr solltest du vielleicht mal eben dich radikal neu erfinden. Oder du musst vielleicht auch aufpassen, dass du nicht disruptiert wirst an der einen oder anderen Stelle.

Nora Hansen: Ja, genau. Das heißt, ihr arbeitet ganz, ganz viel mit Trend und Marktforschung?

Thomas Mack: Genau, ja. Vor allem Trend. Und für uns das größte Credo ist eigentlich ein offener Ansatz, weil radikale und disruptive neue Geschäftsmodelle oder -logiken kommen nicht zustande, wenn du irgendwie die zehn größten Experten des Unternehmens zusammenbringst, sondern wenn du neue Perspektiven reinbringst. Das heißt, egal eigentlich an welchen Punkt wir arbeiten, es ist immer eine Kombination aus unternehmensinternen Experten und Unternehmensexternen. Das macht auch IMP, glaube ich, nochmal sehr besonders. Wir haben ein Netzwerk von über 1.500 Industrieexperten, aus der Industrie, aus der Forschung, von Startups. Also wirklich ganz, ganz breit aufgestellt, aber unglaublich aktiv. Das heißt, wir haben immer die Chance, egal welches Thema wir diskutieren, Leute reinzubringen, die aus anderen Industrien Erfahrungen mitbringen, eine andere Perspektive auf Probleme.

Nora Hansen: Ach spannend.

Thomas Mack: Und so entstehen eben wirklich auch neuartige Lösungen.

Nora Hansen: Das heißt, ihr holt immer diejenigen Experten dazu, die ihr vielleicht braucht. Und überlegt dann mit denen gemeinsam. Und die helfen dann so ein bisschen als der Blick von außen?

Thomas Mack: Ganz genau so ist es, ja.

Nora Hansen: Oh, das klingt praktisch.

Thomas Mack: Ja. Und für mich ist es unglaublich spannend zu beobachten. Ich bin jetzt bei IMP seit sieben Jahren tätig und finde es immer noch faszinierend, wenn man sieht, es ist fast ein linearer Zusammenhang: Mit wieviel externen Perspektiven man in einen Lösungsansatz geht und wie radikal neu dieser Lösungsansatz ist.

Nora Hansen: Also denkst du, dass man möglichst viele verschiedene Köpfe dafür braucht, um neue Lösungsansätze zu finden?

Spielerische Workshops mit Hilfe von Methoden aus der Startup Welt

Thomas Mack: Absolut. Genau. Also es reicht natürlich nicht, die einfach nur in einen Raum zu sperren und zu sagen: Innoviert mal. Da braucht es auch nochmal viele Methoden, dass die verschiedenen Welten zusammenfinden und man wirklich irgendwie das Beste aus diesen Welten kombiniert.

Nora Hansen: Und wie schafft ihr das?

Thomas Mack: Durch viele verschiedene Methoden. Also in dieser Phase arbeiten wir sehr stark workshop-basiert, vor allem viel mit sehr spielerischen Workshops eigentlich auch. Dann erstmal zugrundeliegend natürlich viele Modelle, mit denen wir arbeiten. Also insbesondere die IMP-Geschäftslogik. Das ist eine Art, Geschäftsmodelle sehr detailliert auseinander zu nehmen, um sie umgekehrt eben auch bauen zu können. Und das hilft den Leuten in den Workshops eben, durch die Aufgabe ein neues Geschäftsmodell zu bauen. Aber das Spannende ist eben, man muss sie auch ein bisschen kitzeln, deswegen ist das auch ein bisschen Komplexität.

Nora Hansen: Ja, nicht jeder macht das gerne von alleine.

Thomas Mack: Nein, genau. Und das braucht auch mal ein bisschen Zeit, um rauszukommen aus seinem Alltag und vielleicht mal eben ein bisschen sich kreativ zu öffnen. Und da hilft es uns oft, dass wir dann auch in Teams gegeneinander arbeiten. Machen dann so ein bisschen, wie aus der Startup-Welt, Pitch-Präsentationen und fiktive Investitionsrunden. Am Schluss gibt es auch etwas zu gewinnen. Und da gibt es ja viele, viele kleine Aspekte, die eben helfen sollen, um diese Lösungen wirklich rauskitzeln.

Nora Hansen: Das klingt sehr sinnvoll. Ich habe auch ganz oft die Erfahrung gemacht, dass so ein bisschen ein spielerischer Ansatz einfach extrem gut hilft. Klar, man denkt ganz oft: Ah, jetzt bin ich erwachsen, spielerische Ansätze, ja super, bleib mir weg damit. Aber letztendlich sind die so, so hilfreich und sorgen dafür, dass die Motivation und auch die Kreativität kommen.

Thomas Mack: Absolut. Ganz genau. Und gewinnen möchte jeder, das ist das Schöne auch.

Nora Hansen: Eben. Da kriegt man selbst einen Schreibtischhengst dazu, irgendwelche Spielchen zu spielen.

Der Nightmare-Competitor Ansatz – mehr als ein fieser Albtraum?

Thomas Mack: Absolut. Ja. Es sind auch oft die Denkansätze. Also zum Beispiel ein Ansatz, der mir unglaublich gut gefällt, ist unser Nightmare-Competitor-Ansatz.

Nora Hansen: Was ist das?

Thomas Mack: Auch wieder, da ist natürlich viel Vorarbeit zu leisten, ja. Aber am Ende steht auch ein Stück weit ein zweieinhalb Tages-Workshop-Format, wo wir wieder Externe, Interne zusammenbringen. Und uns überlegen, wie könnten wir am besten das Unternehmen, um das es gerade geht, disruptieren. Also wie könnten wir wirklich deren Geschäftsmodell gefährden.

Nora Hansen: Oh je.

Thomas Mack: Diese ganzen Trends und Informationen geben wir den Leuten an die Hand, teilen dann in Teams auf und überlegen eben: Wenn wir jetzt ein Startup währen oder vielleicht auch wenn wir Amazon wären? Also der Startpunkt ist immer ein bisschen unterschiedlich. Aber: Wie könnten wir dieses Geschäfts kaputtmachen? Und das Spannende ist, dass man eigentlich über dieses wie kann ich mich auch selbst disrupieren, dann oft ein viel besseres Gefühl dafür bekommen: Okay, was sind eigentlich die Bedrohungen da draußen?

Nora Hansen: Und man merkt, wo vielleicht die eigenen Macken sein könnten, oder?

Thomas Mack: Genau. Die Macken, wo sind die Angriffsflächen. Aber vor allem auch, und das ist das Spannende, was für Chancen hat man da eigentlich? Weil Disruption hat immer so eine negative Konnotation.

Nora Hansen: Ja, schon.

Thomas Mack: Aber eigentlich kann das eine viel größere Chance sein. Also einige unserer Partner haben, zum Beispiel nachher ihren eigenen Nightmare Competitor einfach gegründet.

Nora Hansen: Verrückt.

Thomas Mack: Einfach, um sich selber zu disrupieren bevor es jemand anderes macht. Oder andere sind einfach nur dagestanden und haben sich das Geschäftsmodell angeschaut von Nightmare Competitor und haben festgestellt: Oh, spannend, der bedient jetzt vielleicht die und die Kundengruppe mit dem Produkt. Dann hat es ein bisschen gedauert und dann kam so die Frage: Wieso machen wir das eigentlich nicht? Und eben alleine dadurch, dass man diese Perspektivwechsel vornimmt, schafft man eben auch wieder kreativ neue Lösungen oder Lösungsansätze zu generieren.

Nora Hansen: Und wie viel Zeit nehmt ihr euch für so etwas?

Thomas Mack: Das kommt ganz darauf an. Also eben wie früh wir diesen Prozess anfangen. Das ist oft dann schon eine Vorbereitungsphase von sicherlich drei Monaten, wenn wir das wirklich grundlegend machen wollen. Da kommt natürlich aber viel dabei raus. Da kommen dann eben viele strategische Implikationen raus. Das kann man nutzen, um eben seine Strategie zu erarbeiten. Und man nimmt das dann als Basis für so einen Workshop. Per se könnte man so einen Workshop auch einfach mal recht schnell irgendwie aus der Hüfte starten. Man muss die richtigen Leute natürlich an Board bringen, die Aufgabe definieren. Dann ist die Vorbereitungszeit nicht so groß. Aber es kommt eben auch darauf an, was man erreichen möchte.

So motiviert man viel beschäftigte Geschäftsleute zu einem zwei tägigen Workshop 

Nora Hansen: Woher nimmt euer Unternehmen und vor allen Dingen auch eure Leute, die sich an euch wenden, die Zeit für drei Monate an so etwas zu arbeiten?

Thomas Mack: Also die drei Monate sind natürlich stark durch uns abgedeckt. Also wir steuern den kompletten Prozess von Null. Also wenn wir eben versuchen, Trends zu identifizieren, dann sprechen wir da mit einer Vielzahl von internen Experten und externen Experten. Das sind meistens Gespräche, die dauern vielleicht eine Stunde, mal eineinhalb, je nachdem. Das heißt, für den Einzelnen ist das natürlich nicht so viel Zeitaufwand.

Nora Hansen: Ja, das stimmt.

Thomas Mack: Der liegt dann schon maßgeblich bei uns. Auch die Auswertung. Das Schöne ist aber bei diesen Workshops, die zweieinhalb Tage dauern, da kann man ja auch die Frage stellen. Also das sind meistens ja doch Leute, die haben durchaus einen wichtigen Job irgendwie in einem anderen Unternehmen: Wieso nimmst du dir zweieinhalb Tage frei? Und das Spannende ist, eben, weil sie unglaublich viel auch selbst profitieren. Also unser Credo ist es, dass das auch genau der Grundsatz sein muss. Also es muss ein offener Austausch sein, wo jeder auch was mitnimmt.

Nora Hansen: Dass es was bringt, genau.

Thomas Mack: Genau. Und die Teilnehmer sehen natürlich einerseits diesen Ansatz, der vielleicht ihnen auch hilft. Aber auch gerade diese Vernetzung dann nochmal mit 25 anderen Experten aus anderen Industrien. Vielleicht auch die Diskussion dann abends mal an der Bar über das eigene Problem führt wirklich dazu, dass/ Also ich habe es selten erlebt, dass jemand da nicht recht euphorisiert nachhause gegangen ist und gesagt hat: Also die zweieinhalb Tage war es wert, auch wenn ich vielleicht nächste Woche da ein bisschen mehr Stress habe.

Wie arbeitet eigentlich ein Co-Innovator?

Nora Hansen: Ach cool. Das sind gute Erfahrung. Jetzt ist mir gerade etwas aufgefallen. Du hast dir ein bisschen selber widersprochen. Und zwar: Du sagst, ihr macht im Prinzip viel der Arbeit in diesen drei Monaten. Aber ihr bezeichnet euch ja selber als Co-Innovatoren und nicht unbedingt als Berater, die die ganzen Aufgaben für sie erledigen.

Thomas Mack: Ja. Da hast du vollkommen recht. Also wenn ich dann wir sage, ist das natürlich immer eine enge Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Kunden. Das heißt, es ist natürlich ein Team von unserer Seite. Das ist ein Team von Seiten des Kunden oder des Partners, eigentlich ein besserer Begriff, die zusammenarbeiten. Und das sind halt unterschiedliche Rollen. Also wir bringen die Methodenkompetenz ein, unsere Partner bringen dann natürlich die Fachkompetenz ein.

Nora Hansen: Wie genau kann das ablaufen? Wie genau unterstützt ihr die dann? Ihr sitzt dann gemeinsam in einem Raum, führt ein Gespräch und welchen Part nehmt ihr dann als IMP ein?

Thomas Mack: Das kommt jetzt auch wieder natürlich ganz darauf an, über welchen Schritt wir sprechen. Was sicherlich beispielsweise unsere Aufgabe ist, ist eben diese externen Perspektiven reinzubringen. Was auch unsere Aufgabe ist, ist eben das Know-how zu haben: Wie schaffe ich es denn in einer Stunde oder eineinhalb aus jemandem raus zu kitzeln, was denn die Trends sind und welchen Impact die haben und welche Eintrittswahrscheinlichkeiten die haben.

Nora Hansen: Ja, klar. Das ist ein wichtiger Faktor, wenn man das kann, das in so kurzer Zeit wirklich aus jemandem rauszuholen.

Thomas Mack: Ganz genau. Ganz genau. Aber wir brauchen dann natürlich auch wiederum unsere Partner, um das zu interpretieren, also auf ihr Unternehmen, auf ihre Zukunft, auf ihr Umfeld irgendwie umlegen zu können. Das heißt, das ist natürlich dann wieder deren Part.

Nora Hansen: Okay. Und eure, wie sagt man bei euch, Kunden, Partner: Wie nennt man die Leute, die zu euch kommen?

Thomas Mack: Am liebsten nennen wir sie Partner. Wobei auch, ganz offen und ehrlich, es ist einfach auch nicht immer gewünscht, dass man vielleicht gemeinsam alles in der Teilung/ Also wir sprechen jetzt maßgeblich über die Umsetzung. Wenn wir natürlich Analysen machen und jemandem helfen dabei, eine Strategie, dann ist schwer, da sich das Risiko zu teilen.

Nora Hansen: Ja, ist klar.

Thomas Mack: Da sind wir sicherlich ähnlich wie jede klassische Strategieberatung und dann ist es dann halt auch eher ein Kundenverhältnis, auch wenn es immer ein partnerschaftliches Kundenverhältnis ist.

Nora Hansen: Ist ja auch in Ordnung. Nicht jede Situation erfordert die gleichen Umstände nachher.

Vorteile des Corporate Startups gegenüber des normalen Start ups

Thomas Mack: Aber lass uns vielleicht, zum Beispiel, mal darüber reden, wenn wir ein Startup ausgründen. Ich glaube, dann kommt das nämlich noch viel besser zur Geltung. Auch da ist es wieder so, dass wir eben die Methodenkompetenz einbringen. Und vielleicht auch den Zugang eben wiederum zu externen Experten, auch zur Gründerwelt-Besetzung von Startup-Teams und Co, unseren Inkubator haben, unseren Prozess und so weiter und so fort. Aber eben, was ich vorher meinte, dass das Corporate Startup gegenüber einem normalen Startup eigentlich unfaire Vorteile haben kann.

Nora Hansen: Welche denn?

Thomas Mack: Beispielsweise Zugang. Ich kann dir selbst aus meiner eigenen Startup-Erfahrung sagen, wie schwierig es ist. Du kommst quasi neu in eine Industrie. Und das mit einer komplett neuen Idee und versuchst jetzt Kunden zu gewinnen. Vielleicht auch irgendwie mal mit dem Geschäftsführer eines potentiellen Kunden zu sprechen. Das kostet dich unglaublich viel Zeit und Aufwand, mal da einen Termin zu bekommen.

Nora Hansen: Das ist wahr.

Thomas Mack: Unsere Corporates haben im Zweifel so ein gutes Netzwerk und arbeiten seit Jahrzehnten mit diesem Geschäftsführer zusammen, dass es vielleicht oft nur ein Anruf braucht und wir sitzen am nächsten Tag bei dem Geschäftsführer. Und führen nicht ein erstes Kennenlerngespräch, sondern ein super offenes Gespräch darüber, wie wir ihm helfen können, was seine Probleme sind, wie unsere Lösungen dazu beitragen kann. Also diese Zugänge allein sind unglaublich viel wert. Aber auch genauso das Know-how in dem jeweiligen Markt. Also Unternehmen haben da in Anführungsstrichen sehr, sehr viele Assets rumliegen, auf Basis derer man eben Startups bauen kann. In der Theorie hört es sich einfach an, aber es loszulösen und womöglich nutzbar zu machen, das ist halt dann auch wieder die Kunst.

Nora Hansen: Wenn man jetzt aus einem Unternehmen ein Startup ausgründet, sind die Leute die dann nachher in dem Startup arbeiten aus dem ursprünglichen Unternehmen?

Thomas Mack: Meistens nicht. Sondern meistens werden die Startup-Teams komplett neu besetzt je nach Themenfeld.

Nora Hansen: Besetzt das ursprüngliche Unternehmen die dann? Oder wieder das Startup?

Thomas Mack: Also die initiale Besetzung machen wir natürlich wieder zusammen. Also wenn du so willst ist ja IMP zusammen mit dem Partner auch ein Stück weit das initiale Investorenboard oder Steering Committee oder wie du es nennen möchtest. Und wir suchen eben je nach Themenbereich und auch Reife des Geschäftsmodells nach den richtigen Leuten, die uns helfen können, daraus eben ein eigenständiges Startup zu machen und das erfolgreich an den Markt zu führen. Kann natürlich durchaus sein, dass da ein Angestellter des Unternehmens auch genau perfekt darauf passt. Aber unser Anspruch ist es dann eben auch, dass er raus muss aus seinem Angestelltenverhältnis und Unternehmer wird. Weil eben das, unserer Ansicht nach, eine der größten Erfolgsfaktoren von Startups ist. Dass ich eben an dem Risiko, wenn es Erfolg hat, partizipiere. Aber auch genauso, wenn ich Misserfolg habe.

Nora Hansen: Und aus welchem Grund gründet ihr jetzt am liebsten Startups?

Thomas Mack: Also am liebsten würde ich jetzt auch nochmal differenzieren. Es kommt halt immer darauf an, was das neue Geschäftsmodell ist. Je näher das natürlich an dem heutigen Geschäftsmodell unseres Partners ist, desto eher kann er das auch alleine umsetzen. Es gibt aber eben Themen, die so radikal neu, dass er ohne sich schwertut, das selber umzusetzen, weil es ganz neue Kompetenzen erfordert. Stichwort auch alleine Digitalisierung. Stichwort so exponentielles Wachstum. Da sind oft natürlich auch die Organisationen gar nicht mehr darauf aufgerichtet.

Nora Hansen: Ja, ist klar.

Thomas Mack: Insofern ist es dann viel sinnvoller, ein Startup auszugründen. Das kann auch damit zu tun haben, zum Beispiel, wenn ich vielleicht sage: Ich will das jetzt auch nicht unbedingt unter meiner Marke machen, weil das jetzt ebenso ein neues Thema ist, wo ich vielleicht auch mal experimentieren will und so. Da will ich gar nicht das Risiko haben, dass das irgendwie meinen Kern gefährdet. Dann macht es Sinn, das als Startup auszugründen. Und wir sind natürlich als ehemalige Gründer auch große Fans eben der Methode, weil wir einfach gesehen haben, wie stark dieser Drang und auch die Methode zur Umsetzung einer radikal neuen Innovation eben beitragen.

Welche Vorteile hat eigentlich das Unternehmen von dem ganzen Prozess?

Nora Hansen: Ja, durch das Startup hat man ja auch einfach den Vorteil, dass selbst wenn irgendetwas in dem Startup richtig schiefläuft, das Kerngeschäft wird nicht angegriffen.

Thomas Mack: Genau so ist es. Das kann natürlich einer der Vorteile sein.

Nora Hansen: Aber welche Vorteile haben jetzt die Unternehmer vom Kerngeschäft? Das Startup ist klar. Aber was haben die dann letztendlich im Nachhinein noch davon, wenn ihre Geschäftsidee ausgegründet wurde und eigentlich gar nicht mehr direkt im Unternehmen verankert ist?

Thomas Mack: Also die Grundidee ist natürlich immer, dass auch das Kerngeschäft davon profitieren muss beziehungsweise die Kernorganisation. Das heißt, die neuen Kompetenzen, die ein Stück weit in diesem Startup aufgebaut werden, müssen natürlich auch wieder zurückfließen irgendwie in die Kernorganisation. Das ist jetzt auch wieder was, was sehr einfach klingt, aber sehr kompliziert ist.

Nora Hansen: Ja, das denke ich mir auch. Ja.

Thomas Mack: Wir haben es auch schon oft erlebt, dass eben wir zusammen mit einem unserer Partner ein Startup ausgegründet haben. Oder auch in unserem Inkubator eine neue Idee sehr weit entwickelt haben. Sehr eng auch in Zusammenarbeit eben mit dem Corporate. Das heißt, der kriegt schon mal mit: Okay, welche Methoden nutzen die da? Welches Mindset ist das? Also da pflanzt sich so ein zartes Pflänzchen auch schon mal dort. Und man hat dann aber auch danach nochmal analysiert: Okay, wie haben wir das jetzt gemacht? Was waren die Methoden? Was waren die Erfolgsfaktoren? Und dann hat man sich zum Beispiel eine neue Geschäftseinheit gegönnt, die sukzessive regelmäßig so etwas dann selber machen kann. Also das ist auch unser Anspruch, dass dann vielleicht unser Partner zukünftig, auch wenn das nicht sehr schlau ist, uns nicht mehr braucht. Sondern dann auch in der Lage ist, eben solche Themen selber zu machen.

So lange nutzen Unternehmen die helfende Hand von imp incubate!

Nora Hansen: Euch nicht mehr brauchen. Wie lange begleitet ihr ein Unternehmen?

Thomas Mack: Das ist ganz unterschiedlich. Also hoffentlich lange. Hoffentlich lange eben auch partnerschaftlich, weil es gibt auch, selbst man diese Geschäftseinheit nicht hat, immer genug zu tun. Und es gibt immer noch die Themen, wo man sagt: Ja, die müssen trotzdem noch auslagert werden, jetzt bei IMP incubate!. Aber es gibt keine Formel. Auch nicht, wann du ein Geschäftsmodell wieder reintegrieren kannst. Das kann sein, dass das vielleicht nur den Anstoß braucht, mal drei Monate testen am Markt, einen ersten Prototypen. Und dann kann der Partner selbstständig damit weiterarbeiten. Es kann aber auch sein, dass das so radikal neu ist, dass du es vielleicht wirklich selbst an den Markt bringen musst. Du musst es wirklich skalierungsfähig machen. Und wenn es dann mal in der Skalierung ist, dann kann es quasi als neue Businessunit integriert werden. Also Antwort ist sehr eindeutig: Es kommt darauf an.

Nora Hansen: Ja, das klingt so. Und kommt es auch vor, dass ihr Unternehmen habt, die einmal zu euch kommen und eine mordsmäßige Innovation mit euch entwickeln und dann ein paar Jahre später wiederkommen und sagen: Hey, wir brauchen euch nochmal?

Thomas Mack: Absolut. Ja, also das ist eigentlich sogar der Regelfall.

Nora Hansen: Wow, echt? Dass die dann anfangen, so richtig innovativ zu werden und sich immer weiter entwickeln nur durch diese eine Innovation?

Thomas Mack: Das ist ja die Hoffnung natürlich, dass man immer innovativer wird. Es sind halt unterschiedliche Themen, ich habe es dir gesagt. Also mit IMP im Gesamten decken wir unglaublich viele Innovationsherausforderungen ab. Und vielleicht kommt einmal der Kunde zu uns und sagt: Ah, ich bräuchte jetzt irgendwie eine Innovationsstrategie. Und ein, zwei Jahre später kommt er und sagt: Ich habe jetzt hier eben auf Basis der Strategie so Ideen entwickelt, die sind unglaublich gut, aber ich weiß nicht, ob ich die selber umsetzen kann oder will. Das ist ein typisches Szenario. Es kann aber auch mal so sein, dass vielleicht die Innovationen in der Zeit nicht so erfolgreich waren und man sagt: Wir brauchen vielleicht malwieder eure externe Expertise, eure Perspektiven, eure Zugänge, helft uns.

Wer ständig mit neuen Branchen konfrontiert wird, dem wird bei der Arbeit nie langweilig

Nora Hansen: Ja. Jetzt habt ihr natürlich Unternehmen aus ganz, ganz, ganz verschiedenen Branchen. Und wenn wir jetzt mal ein bisschen auf dich tatsächlich zurückkommen. Klar, ihr habt die Experten. Aber wie machst du das? Ist das nicht extrem schwierig, wenn du dich immer wieder in komplett neue Branchen reinfixen musst?

Thomas Mack: Absolut. Ja. Aber auch das unglaublich Spannende. Und auch da ist halt wieder die Herausforderung. Oder erstmal gesagt, es ist natürlich ein unglaublicher Vorteil, wenn du mit einem frischen Blick in eine Branche kommst, da bist du nicht voreingenommen und eben du hast viel mehr Zugänge, vielleicht auch naive Fragen zu stellen. Und so das Bestehende ein bisschen zu challengen und neue Lösungen zu schaffen. Wenn du das aber ganz alleine machst, dann kann das ewig dauern, bis du natürlich irgendwo ein Level erreicht hast, wo du auch wirklich genug Expertise hast, um wirklich beurteilen zu können: Was funktioniert? Was funktioniert nicht? Da helfen uns halt auch wieder unglaublich viel unsere Partner. Je früher wir in einer Phase sind, desto mehr Gespräche führen wird. Sei es mit unseren Corporate Partner, die uns natürlich da sehr viel helfen können. Oder auch mit unserem Netzwerk, wo wir einfach uns anrufen können und sagen: Ich verstehe nur Bahnhof, kannst du mir das und das mal erklären? Oder kannst du mir da helfen? Und dieses Funktionieren des Zusammenspiels ist dann am Ende der Erfolgsfaktor. Das ist natürlich auch nicht immer der Fall. Muss man auch ehrlich sagen. Aber das muss man hinbekommen, wenn/

Nora Hansen: Wenn das nicht immer der Fall ist. Hattet ihr schon mal ein Beispiel, bei dem es wirklich gescheitert ist und die Zusammenarbeit dann nachher einfach abgebrochen wurde?

Thomas Mack: Ich glaube, es funktioniert halt immer besser oder schlechter. Und eben die Frage ist auch, also wir haben sicherlich auch nicht immer alles richtig gemacht zusammen mit unseren Partnern. Wir haben schon Geschäftsmodell entwickelt, die glaube ich sehr, sehr großes Potential hatten. Wo wir dann auch ein paar Jahre später Startups gesehen haben, die daraus Unicorn-Ansätze gemacht haben. Und wir haben es dann aber nicht ganz geschafft, die an den Markt zu bringen. Das hat dann aber mit vielen Faktoren zu tun. Da können natürlich oft auch so politische Themen mit reinspielen, vielleicht auch kulturelle, strukturelle. Also das ist schon die Herausforderung, natürlich auch solche Sachen zu überblicken.

Nora Hansen: Ja, dadurch, dass ihr auch ein bisschen zukunftsorientiert und trendorientiert arbeitet, ist natürlich die Gefahr einfach da, dass zum Beispiel der Zeitpunkt für die ein oder andere Entwicklung noch nicht ganz gekommen ist.

Thomas Mack: Absolut. Ja, absolut. Das ist nämlich eine Sache, die man unglaublich schwer beurteilen kann, da muss man auch ein Stück weit ein Gefühl dafür bekommen. Da ist aber natürlich auch wieder ein bisschen der Vorteil von so einem Company-Building-Ansatz gegenüber dem eigenständigen Startup, weiß das noch aus meiner eigenen Zeit. Man fokussiert ja seine kompletten Bemühungen darauf, das heißt, das muss dann auch bald funktionieren. Irgendwann sind ja auch die Ressourcen raus und ich kann mir mein Frühstück nicht mehr leisten. Wir haben halt hier die Möglichkeit, natürlich auch ein bisschen flexibler zu sein. Wir können ein Thema mal vielleicht eine Zeit lang liegen lassen oder so ein bisschen auch auf halber Kraft fahren, wenn wir das Gefühl haben, das ist noch nicht reif genug. Also es gibt uns Spielraum. Aber das ist sicherlich einer der größten Erfolgsfaktoren, das Timing.

Die Schwierigkeiten an und in einem beratenden Beruf

Nora Hansen: Was würdest du denn persönlich sagen, was die am allerschwersten fällt bei deiner Arbeit zusammen mit Unternehmen im beratenden Bereich?

Thomas Mack: Das ist eine gute Frage.

Nora Hansen: Ja, manchmal ist das Menschliche, manchmal ist es das Fachliche. Manchmal sind es ganz andere Sachen. Deswegen finde ich das immer ganz spannend.

Thomas Mack: Also das Schwierigste, ich kann es fast nicht rauspicken. Ich meine, man muss schon ehrlich sein. Diese Startup-Methode, das vielleicht sogar Ausgründen von Startups ist natürlich unglaublich neu für uns. Und sie stellen berechtigterweise die Frage: Ja, wieso soll ich es denn nicht intern machen? Und was passiert denn dann? Dann habe ich dieses Startup und, wie du vorhin gefragt hast, es ist ja dann nicht immer im Kerngeschäft dabei, wie profitiere ich davon? Das heißt, das ist, glaube ich, schon noch viel in Anführungsstrichen Aufklärungsarbeit. die wir leisten müssen, um den Vorteil und auch die zu erwartenden Ergebnisse dieser Methode irgendwie den Leuten näher zu bringen. Hat aber auch einfach seine Gründe. Also wenn man sich ehrlich ist, das Startup-Phänomen, wie wir es heute kennen, ist ja vielleicht 20 Jahre alt.

Nora Hansen: Ja, das ist tatsächlich noch nicht so alt.

Thomas Mack: Genau. 20 Jahre hört sich vielleicht viel an, aber ist es halt einfach nicht, wenn man über so etwas nachdenkt. Und ich kann mich noch erinnern, ich habe so 2005 so mit meinen ersten Startup-Versuchen angefangen. Wir hatten damals gar keine Methodik. Wir haben noch 40-seitige Businesspläne geschrieben, würde heute kein Mensch mehr machen.

Nora Hansen: Für ein Startup, oh je.

Thomas Mack: Ja, das kann man sich teilweise gar nicht mehr vorstellen.

Nora Hansen: Nein, echt nicht.

Thomas Mack: Vor allem heute, wo es halt tausende Bücher gibt, hunderte Ansätze, wo man irgendwie lernen kann davon. Es entwickelt sich auch nochmal täglich irgendwie zig neue. Ich glaube, das war der erste Schritt, der notwendig war. Der zweite Schritt, der jetzt in den letzten Jahren passiert ist, ist das Corporates auch immer mehr verstanden haben: Ah, okay, dieses Startup-Thema hat eine Berechtigung. Und jetzt neuerdings auch: Oh, es könnte mir ja vielleicht helfen. Und ich glaube persönlich, wir sind jetzt an so einem ganz frühen Anfang einer Transformation, dass wir eben das Startup in eine Methode überführen, irgendwie to Startup, und dieses to Startup irgendwann auch ein ganz fester Bestandteil von dem Innovationswerkzeugkasten von Corporates wird. Eben für bestimmte Themen, also nicht für alle Themen, ist ganz klar. Aber für eben dieses ganz neue wird sich der Rec 2 in Klammern Corporate-Startup irgendwann etablieren. Und wir sind halt jetzt so ein bisschen die Pioniere, die halt diese Methode entwickeln müssen und auch den Leuten eben ein Stück weit, ich sage jetzt mal, verkaufen.

Werden Startups und Corporates in Zukunft noch mehr zusammenwachsen?

Nora Hansen: Also denkst du, die Zukunft der Unternehmerbranche sind eigentlich Startups?

Thomas Mack: Du siehst es ja auch an den Startups. Auch ein Google und Co entwickelt sich dann wieder in ein Corporate, wenn man diese Trennung überhaupt machen will. Ich glaube, wir werden einfach auch ein Stück weit wegkommen von diesem krassen Gegenüberstellen: Startup versus Corporate. Und diese zwei Welten, die sich nicht verstehen. Sondern ich glaube, die werden viel stärker zusammenwachsen. Und eben, ich glaube, es wird sich auch viel mehr auf die Methodik irgendwie fokussieren. Und es wird irgendwann Standard sein auch für größere Unternehmen, die Organisationseinheiten zu haben, die in der Lage sind, eben auch so Startup-Ansätze selbstständig zu fahren. Deswegen werden wir diese Trennung, glaube ich, nicht mehr so stark brauchen. Oft ist aber auch vielleicht dieses Selbermachen auch gar nicht notwendig. Dann ist die Zusammenarbeit zwischen einem Startup und einem Corporate das wichtige. Das sieht man ja auch an vielen Acceleratoren-Ansätzen, die sie machen. Aber wir müssen in den all den Punkten noch viel lernen, um wirklich zu wissen: Okay, was sind denn die wirklich erfolgsweisenden Methoden hier.

Nora Hansen: Wobei das ganz vielversprechende Aussichten sind, die du da dir überlegt hast. Beziehungsweise vielleicht nicht überlegt, sondern, die sich aus deiner Arbeit so ergeben haben. Das kann ich mir auch gut vorstellen, dass die einfach mit der Zeit ein bisschen mehr zusammenwachsen und auch zusammenarbeiten. Momentan ist ja ganz oft so, dass man ein Unternehmen hat, das den Startups gegenüber skeptisch ist. Aber die Startups sind von ihrer Art und Weise ziemlich überzeugt und stehen dann wiederum den größeren Unternehmen skeptisch gegenüber. Das wäre natürlich super cool, wenn sich das mit der Zeit einfach nicht mehr zu so einer großen Kluft entwickelt.

Thomas Mack: Absolut, ja. Das wäre auch meine Traumvision. Aber ich kann dir auch sagen, als wir mit dem Thema angefangen haben. Ich kannte die Startup-Welt aus einer Erfahrungen gut, ich habe auch meine Erfahrungen in der Corporate-Welt gemacht. Und war eigentlich der Überzeugung, die Vermittlung kann ja nicht so schwierig sein zwischen den beiden.

Nora Hansen: Haha.

Thomas Mack: In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass ist das Essentielle. Und es braucht diese tägliche Vermittlung, weil es sind halt doch irgendwie noch sehr, sehr unterschiedliche Welten, die da aufeinandertreffen. Aber ist ja auch gut so, habe ich wenigstens auch was zu tun.

Nora Hansen: Ja, ist das so. Ja, gut, dann bin ich gespannt, was die Zukunft so bringt. Und danke dir für die ganzen Einblicke, die du heute gegeben hast.

Thomas Mack: Ja, vielen Dank, hat Spaß gemacht.

Nora Hansen: Das freut mich, wenn Gäste das sagen. Sehr cool. Ja, wenn jemand jetzt feststellt: Boah, voll interessant. Ich habe festgestellt, eure Website gibt ganz schön viel her. Also einfach mal googeln und nachschauen.

Thomas Mack: Ja, würde mich auch freuen. Und dir nochmal vielen Dank Nora. Und vor allem auch viel Erfolg mit Gründerschiff.

Nora Hansen: Vielen Dank. Ciao.

Thomas Mack: Ciao, mach‘s gut.

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.