Startup Autobahn mit Dr. Philipp Gneiting – Head of Open Innovation bei Daimler (S01EP06)

Nora Sophia Hansen

Startup Autobahn mit Dr. Philipp Gneiting – Head of Open Innovation bei Daimler (S01EP06)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Wer anheuern muss ist auf der falschen Fährte. Dr. Philipp Gneiting von Daimler berichtet über Startup Autobahn, einer Innovationsplattform für Entrepreneure aus dem Mobilitätsbereich.

Lernen Sie spannende Details über eine Ausgründung, die der Startup-Flaute in Stuttgart entgegen wirkt. Nora Hansen interviewt jede Woche Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau das Richtige für Sie.

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Vollständiges Transkript 

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören! Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Folge. Heute haben wir Doktor Philipp Gneiting zu Gast, er ist von Daimler und dort der Head of Open Innovation. Schön, dass du heute da bist, Philipp! Hallo! 

Dr. Philipp Gneiting: Hallo! Schönen Tag! 

Nora Hansen: Ich habe dich gerade ganz, ganz grob mal vorgestellt, aber das hilft natürlich jetzt den Hörern nicht so wirklich was du machst. Erkläre doch mal, jetzt nicht mega ausschweifend, aber so ganz kurz zusammengefasst, was denn eigentlich dein Job ist bei Daimler. In welchen Bereichen du arbeitest, wie lange du schon da bist, ganz kurz so ein bisschen deine Geschichte. 

Startups, die die Definition von Mobilität verändern wollen 

Dr. Philipp Gneiting: Sehr gerne! Also Open Innovation, was bedeutet: ganz klar die Suche, Ideen von draußen zu identifizieren, und mit draußen meine ich alles außerhalb von Daimler, und das innen anzudocken, zu bewerten, ob wir das für Daimler, im Sinne Innovation in irgendeiner Weise verwenden können. Also meine Augen richten sich nach draußen. Ich mache das aus der Konzernforschung heraus. Und das sagt auch ein bisschen für wen ich und mit wem ich arbeite, ich arbeite für den Gesamtkonzern. Und wer Daimler kennt, wir haben die Fahrzeuge, wir haben Busse, wir haben aber auch Mobilitätslösungen und so weiter, und ich darf hier mit allen zusammenarbeiten, was ein super, super breites und sehr diverses Feld ist. Aber das trifft sich gut, weil die Startups, mit denen wir hauptsächlich draußen oder extern arbeiten, sind auch extrem unterschiedlich aufgestellt. 

Nora Hansen: Dann ist es ja eigentlich ganz hilfreich, wenn du da sozusagen Einblick in alles hast, oder? 

Dr. Philipp Gneiting: Absolut. Es ist ein großer Topf, aber es ist ziemlich viel drin. 

Nora Hansen: Jetzt hast du gerade gesagt, dass ihr mit Startups zusammenarbeitet. Arbeitet ihr nur mit welchen zusammen, die in komplett ein und derselben Branche sind, also nur mit Mobilität, Autobussen, wie auch immer? 

Dr. Philipp Gneiting: Nein, überhaupt nicht. 

Nora Hansen: Ach, spannend. Okay. 

Dr. Philipp Gneiting: Klar ist, dass wir natürlich sehr interessiert sind an Startups, die die Definition der Mobilität von morgen verändern wollen. Da sind wir sehr interessiert, da die Ideen zu hören und auch zu überlegen, ob wir da irgendwie zusammenarbeiten können. Letztendlich sind wir aber ein riesen Unternehmen und wir haben so viel Innovationsinteresse. Ein Beispiel: wir haben eine riesen Produktion, Stichwort Industrie 4.0, automatisierte Roboter und so weiter. Es gibt unglaublich viel Innovation im Produktionsbereich. Wir haben eine Supply Chain, die man permanent hinterfragen kann, ob sie gut funktioniert. Wir haben interne Prozesse hoch und runter, die man auch optimieren kann, bis hin zu Themen wie Nachhaltigkeit, nachhaltige Materialien, nachhaltige Produktion, also es ist extrem breit und facettenreich. 

Nora Hansen: Da habt ihr ja eigentlich dann praktisch fast für jeden, der bei euch anklopft, irgendwie ein Fenster offen, oder? Also bei so vielen verschiedenen Bereichen, das nimmt ja fast kein Ende. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Das ist genau das Problem, wo sieht man die Grenze? Auf der einen Seite sind wir extrem breit, auf der anderen Seite, ganz klar, wir können nicht für den ganzen Daimler auf einmal hier Startups suchen und wir können auch nicht bestimmt alle Startups auf einmal dieser Welt anschauen, beziehungsweise mit denen sprechen. Deswegen arbeiten wir halt sehr stark in Kampagnen. Ich meine, wir haben eine Plattform aufgebaut vor drei Jahren, die heißt Startup Autobahn, speziell zum Thema wie kann ich effizient mit Startups zusammenarbeiten. Und innerhalb dieser Plattform, die wir mittlerweile übrigens mit über 20 anderen Unternehmenspartnern quasi am Laufen haben/ 

Nora Hansen: Respekt! 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Innerhalb dieser Plattform versuchen wir dann uns immer Kampagnen zu geben. Stichwort, wir sagen die nächsten drei Monate versuchen wir mal primär zu schauen, was sind die weltbesten Startups im Bereich Produktion. Dann schaut man sich drei Monate lang an, was läuft gerade im HR. Dann schauen wir drei Monate lang, welche neuen Shared Mobility oder Shared und Ride-Hailing Services gibt es da draußen, was haben die Startups da zu bieten. Also damit will ich sagen, wir fahren Kampagnen, um die Komplexität ein bisschen zu reduzieren. Gleichzeitig auch um von Daimler, das ist jetzt quasi nur von meinem Unternehmen, auch wieder irgendwie ein bisschen greifbarer zu machen. Weil in den drei Monaten arbeite ich dann halt mit nur einem gewissen Expertenkreis von Daimler dann auch zusammen. 

Nora Hansen: Das ist dadurch natürlich auch wesentlich strukturierter einfach. Ganz klar. Und dieses Startup habt ihr sozusagen aus Daimler heraus gegründet? 

Dr. Philipp Gneiting: Genau. Nicht verwirren lassen, das Programm oder die Plattform heißt Startup Autobahn. Ich sage es auch, intern ist es so ein bisschen wie unser eigenes Startup, weil wir es eben von Null aufgebaut haben und da lässt uns unser Unternehmen auch sehr viel Freiheiten, wie wir das gestalten, wie wir da arbeiten, und letztendlich ist es aber eine Plattform, an der wir als Daimler drin sind. Aber, wie schon erwähnt, auch mit anderen Firmen, wie BASF, ZF oder auch Porsche/ 

Nora Hansen: Ach ja! ZF vom Bodensee. 

Dr. Philipp Gneiting: Genau. 

Nora Hansen: Ach ja. 

Dr. Philipp Gneiting: Oder auch Porsche mit drin haben, und mit denen wir dann zusammen auch überlegen, welche Kampagnen fahren wir, und dann auch zusammen die Startups dann quasi sichten, die dann aus der ganzen Welt eingeflogen kommen, wenn wir zu irgendwelchen Themen einladen. Also insofern, es ist kein Startup, es ist eine Plattform, aber wie wir das managen, auch zwischen dem Unternehmensbereich hinaus, ist sehr startup-like. 

Nora Hansen: Ja gut, das hilft dann natürlich auch, damit man weiß, wie da die Kommunikation und so stattfindet. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. 

„Startup Autobahn“ – Eine Konsequenz  der Startup-Flaute in Stuttgart 

Nora Hansen: Hast du dieses Startup selber gegründet oder wie bist du da drin verknüpft? 

Dr. Philipp Gneiting: Also damals haben wir die Frage oder einen Auftrag von einem unserer Vorstände bekommen, doch mal zu überlegen, warum in der ganzen Welt so viel Innovation, so viel disruptives Potenzial ist, wo an vielen Stellen ganze Branche umgewälzt werden, aber hier in Stuttgart jetzt mal ganz konkret davon wenig zu spüren ist, und der Auftrag war/ 

Nora Hansen: Das finde ich gerade richtig lustig. Mein letzter Podcast-Gast war auch aus Stuttgart und meinte auch, also in Stuttgart läuft es irgendwie nicht. 

Dr. Philipp Gneiting: Dann muss er mal Startup Autobahn kennenlernen. 

Nora Hansen: So sieht es aus. 

Dr. Philipp Gneiting: Da war tatsächlich die Frage, warum ist so viel in Israel? Da redet jeder über Startups, und in Silicon Valley, logisch. Aber auch Shanghai oder in Berlin, in Deutschland, passiert natürlich auch viel, viel mehr. Und dann war die Überlegung, warum passiert hier so wenig? Wir haben doch so viele große Unternehmen, so viel powervolle Mittelständler, die Hidden Champions. Warum haben wir keine gute, gerade im Automotive, Mobility Bereich, keine gute Startup-Szene, mit der wir hier auch als Daimler zusammenarbeiten können? Und da kam uns die Idee halt auf, hey, wir haben eigentlich, wenn ich mich in die Lage eines Startups versetzte, haben wir doch eigentlich ein unglaublich gutes Angebot hier. Und jetzt nehmen wir ein mobility-orientiertes Startup, das vielleicht noch im B2B-Business aktiv ist. Die Chance für so ein Startup, wenn es irgendwo jetzt in China sitzt, mal sich mit dem Who-is-Who der deutschen oder international erfolgreichen Automotive-Szene auseinanderzusetzen und das vielleicht an einem Tag, und zwar nicht mit irgendjemand, sondern mit den jeweiligen absoluten Fachexperten von dem jeweiligen Technologiethema oder Business Case, dann ist das ja für ein Startup absolut bestechend. 

Nora Hansen: Das ist Hammer! Auf jeden Fall. 

Dr. Philipp Gneiting: Und das war auch so die Idee von Startup Autobahn: Lass uns die Stärke, die ganze Power der Industrie versuchen zusammenzunehmen, deswegen auch mit den anderen Industrieunternehmen, und lass uns ein Angebot machen, das in eine ganz andere Ecke zielt wie klassische Acceleratoren. Nämlich, wir bieten hier kein Coaching an oder kein, wie nennen es Pizza Money, keine 25.000 Euro oder so, damit wir ein bisschen an 5 Prozent kriegen. Ist uns völlig egal. Wir bieten an, wir hören euch zu, und wenn wir die Technologie spannend finden, dann machen wir zusammen ein gemeinsames Pilotprojekt, das dazu dient, herauszufinden, ob das Startup für uns ein potenzieller Partner sein könnte in unserem Business. Und das ist für die ganz kleinen Startups, ich sage mal, wir haben eine tolle Idee und mal ein paar Monate Zeit, die auszuarbeiten, die sind noch nicht die, die wir anschauen. Aber ein Startup, das jetzt vielleicht mal das erste Funding hat, das schon einen Working Prototype hat, da ist natürlich das sehr, sehr spannend, sich da mal direkt quasi den Shortcut zu nehmen. Mit den ganz großen Namen der Branche da mal was zusammen zu erarbeiten. Und zwar in beiden Richtungen spannend, nehmen wir mal an, an dem Tag sind ein paar Automotive-Zulieferer, zwei OEMs, und die geben ihm Feedback, positives Feedback natürlich phänomenal. Und vielleicht wird ein Pilotprojekt daraus und er darf sich/ in ein zwei Jahren kann er quasi Zulieferer oder Partner von einem der Großen sein. Aber auch das negative Feedback kann sehr spannend sein. 

Nora Hansen: Das kann auch extrem hilfreich sein. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Wenn dir zehn Industrieunternehmen hinterher sagen, warum sie jetzt nicht unbedingt an deine Idee glauben oder aus welchen Gründen sie Schwierigkeiten sehen, dann ist ja teilweise auch viel gewonnen an dem Tag an Erkenntnis. 

Geschäftsmodell- und Technologie – Know – How bilden zusammen eine gute Grundlage für Startup Autobahn 

Nora Hansen: Klar, das ist vielleicht ein bisschen unangenehm zu hören, aber es hilft einem schon. Jetzt nochmal zurück zu der sozusagen Startup-Gründung von Startup Autobahn. Kam das so aus dem Feld der Geschäftsmodellinnovation, dass Daimler gesagt hat, boah, wir müssen da jetzt an unseren Prozessen, Strukturen mal was verändern? 

Dr. Philipp Gneiting: Ja und nein. 

Nora Hansen: Oh Gott! 

Dr. Philipp Gneiting: Aber die Antwort ist weniger dramatisch. Nein, es gibt ja bei Daimler, heute heißt es Lab 1886, früher hieß es Business Innovation, gibt es ja quasi schon einen Fachbereich, der quasi eher mit der Inside-Out-Perspektive versucht, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und da eben immer wieder das bestehende Geschäft zu hinterfragen und mit den eigenen Mitarbeitern neue Ideen zu verfolgen mit dem Ziel, tatsächlich neue Geschäftsfelder, auch eigene Unternehmen quasi zu entwickeln, auszugründen. Bestes Beispiel ist sicherlich zum Beispiel car2go. 

Nora Hansen: Okay. 

Dr. Philipp Gneiting: Und die Einheit war Mitgründer und Gründungsvater von Startup Autobahn, und deswegen ja und nein. Weil ich, habe ich ja vorhin schon gesagt, komme aus der Konzernforschung. Wir sind quasi die Technologieexperten von Daimler und wissen ganz genau, was auch technologisch die nächsten Jahre so passieren wird. Und wir waren auch quasi mit am Tisch, als es darum ging, wie soll Startup Autobahn aussehen. Und ehrlich gesagt, das ist auch der absolute Charme. Dadurch, dass wir beide Seiten hier zusammenbringen. Nämlich das Geschäftsmodell-Know-how und das Technologie-Know-how. Und wir zusammen haben das Programm so gestrickt, dass wir deswegen auch immer die Startups aus beiden Perspektiven anschauen. 

Nora Hansen: Perfekte Kombi. 

Dr. Philipp Gneiting: Deswegen war das ur-spannend. Und die Ziele sind deswegen auch zweiseitig. Zum einen suchen wir natürlich Startups, die unser Geschäft, unser Geschäftsmodell erweitern können, neues Geschäftspotenzial bieten. Das ist eher die Business-Innovation-Seite daran. Aber gleichzeitig gibt es so viele spannende Technologie-Startups, die jetzt, Stichwort autonomes Fahren, was sich da in der Startup-Ecke tut ist natürlich gewaltig. Aber auch viele, viele andere sehr spannende Technologien. Maschinelles Lernen, da sind glaube ich viele Startups aktiv. Das ist nicht immer gleich ein neues Geschäftsmodell, aber das kann unsere Prozesse, unsere Services, unsere Produkte natürlich trotzdem dramatisch verbessern, wenn wir das richtig einsetzen können oder da einen richtig guten Fit sehen. Und das ist eher die Seite, wo dann ich von der Forschung da genau draufschaue, beziehungsweise die Experten dann draufschauen lassen kann. 

Nora Hansen: Das ist interessant. Das ist ja dann, wie du gerade gesagt hast, eigentlich die Technologie, die man dann aber so ins Unternehmen mit einbindet, dass sie vielleicht nachher viel mehr beeinflusst als wirklich nur diesen kleinen Technologiepart. 

Dr. Philipp Gneiting: Absolut. Das Potential ist da auf jeden Fall groß. 

Nora Hansen: Voll spannend! 

Dr. Philipp Gneiting: Das ist auch der Reiz am Geschäft, du musst halt immer schauen, ist es ein Geschäftsmodell, ist das interessant für uns? Beziehungsweise ist die Technologie, die das Startup anbietet, auch das Beste, was es momentan startup-seitig gibt? Weil es ist nie so, dass es immer nur ein Startup gibt, das irgendwas toll kann, sondern meistens in gewissen Fällen sind das dann halt zehn oder 20 oder auch nochmal viel, viel mehr. Und wir wollen halt auch relativ schnell herausfinden, was ist The-Best-Fit für uns? Wer ist technologisch am weitesten? Und da brauchst du die absoluten Experten, die das bewerten, und das bin nicht ich. Aber mein Job ist es, genau die richtigen Leute dann immer an den Tisch zu kriegen. 

Die passenden Startups rausfiltern mit Startup Scouting

Nora Hansen: Ach so. Du managst dann sozusagen, dass das alles läuft, oder? 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Ich bin nicht der Technologieexperte für alle Technologiethemen in diesem Unternehmen. 

Nora Hansen: Wäre auch ein bisschen viel verlangt. 

Dr. Philipp Gneiting: Genau. Absolut. 

Nora Hansen: Und wie filterst du jetzt raus oder wie filtert ihr raus, welches dieser Startups jetzt das innovativste ist? 

Dr. Philipp Gneiting: Wir haben von Anfang an Startup Autobahn so aufgesetzt, dass nicht Daimler-Leute jetzt das Scouting von Startups übernehmen, sondern wir haben von Anfang an noch einen anderen/ ein anderes Gründungsunternehmen mit drin. Das ist die Firma Plug and Play, oder auch Plug and Play Tech Center aus dem Silicon Valley, die seit vielen, vielen Jahren Startup Scouting machen. Unter anderem auch mit der klassischen VC-Brille, sprich, für frühe Investments. Und die haben mit uns zur Gründung Startup Autobahn auch hier in Stuttgart ihr Office aufgemacht, und machen seitdem die ganzen Operations und das Tagesgeschäft, sprich, die/ 

Nora Hansen: Das ist ja echt praktisch. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja, genau. Wir haben es startup-like so aufgebaut, dass es gut skalierbar ist. 

Nora Hansen: Total super! Also kann man nichts gegen sagen. 

Dr. Philipp Gneiting: Mittlerweile haben wir oder hat Plug and Play 14 Leute, wenn ich es richtig weiß, jetzt in Stuttgart on-site, die für das Thema Startup Autobahn die Programmbetreuung machen, das Scouting machen und so weiter. Und ich kann mich mit meinem Team mittlerweile vollständig darauf fokussieren, das interne Stakeholdermanagement zu machen. 

Nora Hansen: Das ist super! 

Dr. Philipp Gneiting: Also mein Job ist es ja immer, ich habe jeden Monat, kommen quasi 50 neue Startups rein und ich muss dann immer schauen, wer im Unternehmen, wen muss ich fragen für das Feedback. Welche Startups interessant sind, welche wir sehen wollen. Die Leute dann auch in einen entsprechenden Termin reinziehen. Und das ist quasi auch ein Fulltime-Job, den wir hier auch bei mir in meinem Team mit drei Mitarbeitern machen. 

Nora Hansen: Oh ja, das sind schon mal echt einige, die da irgendwie mit zu tun haben. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. 

Wie man die Besten der Welt bekommt und trotzdem das Geschehen vor der Haustür nicht aus den Augen verliert

Nora Hansen: Jetzt würde mich noch interessieren, Startup Autobahn, wann wurde das ins Leben gerufen? 

Dr. Philipp Gneiting: 2016 hatten wir unseren Kickoff, ich meine im Mai, hier in Stuttgart. Wir haben Dieter Zetsche auch gewinnen können für das damalige Opening und haben das Kickoff dann auch gleich mit einem Auswahltag verbunden, also mit einem Selection Day, wenn man so will, und haben die erste 13 Startups ins Programm reingezogen. 

Nora Hansen: Ach, super. 

Dr. Philipp Gneiting: Da ist uns dann schon der erste Stein quasi vom Herz gefallen, weil wir haben nicht gewusst, wenn wir das Programm launchen, ist es denn wirklich so attraktiv wie wir denken. Kommen die Startups? Kommen die guten Startups? Und wir konnten halt sehen, dass die ersten 13 auf jeden Fall sehr, sehr starke Startups waren, also schon in einem guten Stage, und sehr international. Ich meine mich zu erinnern, dass sechs Stück aus dem ersten Programm mal direkt aus Israel zum Beispiel kamen. 

Nora Hansen: Bitte was? Aus Israel direkt schon? 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. 

Nora Hansen: Also das ist ja ein wirklicher Gewinn. 

Dr. Philipp Gneiting: Südamerika war glaube ich auch eines dabei, USA. Also es war von Anfang an extrem international. Aber auch, und das war uns auch ein Anliegen, auch regional, sprich, aus Deutschland, aus Baden-Württemberg hatten wir auch Startups. Weil das war uns von Anfang an wichtig, wir wollen so attraktiv sein, um die besten der Welt zu kriegen, aber auch gleichzeitig immer gucken, was passiert direkt bei uns, um im Idealfall auch beide Welten da zusammenzubringen, sodass auch die deutschen Startups ein bisschen internationale Berührungspunkte mit anderen Startups bekommen. 

Nora Hansen: Denkst du deutsche Startups haben einen Nachteil und brauchen so ein bisschen Stütze durch euch sozusagen? 

Dr. Philipp Gneiting: Ich glaube das ist sehr generalistisch gesagt. Aber ich denke, wir haben es ja vorhin gesagt: Stuttgart ist kein Startup-Mekka und es gibt viele/ ich kenne mittlerweile sehr viele, auch sehr gute Startups in Stuttgart. Ich finde es auch auf jeden Fall für die eine schöne Option, ein schönes Angebot, jetzt in Stuttgart selber den Kontakt mit sehr vielen internationalen anderen Startups zu bekommen, die halt in einer ähnlichen Branche unterwegs sind. 

Wer anheuern muss ist auf der falschen Fährte

Nora Hansen: Ja, keine Frage. Jetzt habe ich mir gerade eben noch was aufgeschrieben. Und zwar, wenn ihr das 2016 gegründet habt, jetzt haben wir ja nun 2019, was hat sich denn bei Startup Autobahn in diesen drei Jahren getan? Was ist heute anders als es früher war?

Dr. Philipp Gneiting: Spannend. Also wir haben mit vier Partnern angefangen. Das war neben Daimler noch die Firma Plug and Play von der ich sprach, wir haben die Uni Stuttgart von Anfang an mit an Bord genommen/ 

Nora Hansen: Das ist praktisch. 

Dr. Philipp Gneiting: Beziehungsweise war von Anfang an mit an Bord und das fanden wir auch sehr gut, weil wir auch durchaus Gründung/ oder sehr stark danach schauen, aus Universitäten tolle Startups zu finden, mit denen wir dann zusammenarbeiten können. Und die ARENA2036 war auch von Anfang an mit drin. Das weißt du jetzt nicht unbedingt, da bist du nicht aus der Region, aber das ist so eine Art Forschungsfabrik. Riesengroß, hier auf dem Campus der Uni Stuttgart, wo auch Startup Autobahn verortet ist. Wo man halt eine Prototyping-Fläche hat, eine Co-Working-Fläche hat, super viele Meeting-Räume hat, und das ist so ein bisschen auch das Herz der Startup Autobahn in Stuttgart, wo dann viele Events, viele Besprechungen und Zusammenkünfte eben stattfinden. 

Nora Hansen: Ah, okay. 

Dr. Philipp Gneiting: Das waren unsere vier Partner. Und die erste Änderung ist, heute sind wir, ich meine, 27. Hauptsächlich jetzt weitere Industriepartner, die eben wie in der Rolle von Daimler auch eben auch schauen, welche Startups sind für uns interessant? Ein paar habe ich genannt, DHL ist zum Beispiel auch drin/ 

Nora Hansen: Ach nein. 

Dr. Philipp Gneiting: Die haben eher so diese Logistik-Brille auf. BASF interessiert sich sehr natürlich auch für Prozesse, Produktionsprozesse und so weiter. Und so kann man die Liste beliebig fortsetzen. Und das ganze Management ist natürlich jetzt von der Plattform, wie man die Corporate-Seite da managt, wie man die Startups da managt, ist natürlich jetzt eine neue Herausforderung, die wir am Anfang so nicht hatten. 

Nora Hansen: Und wir habt ihr diese 27, oder 27, es sind ja 19 mehr dann, dazu bekommen? Wie habt ihr das gemacht? Wie habt ihr die in Anführungsstrichen angeheuert? 

Dr. Philipp Gneiting: Ich glaube, wenn man anheuern muss, dann ist man quasi schon auf der falschen Fährte, denke ich. Weil ich will niemanden überreden, quasi sich aktiv in so eine Plattform einzubringen. Was wir aber gemacht haben ist, dass wir das Programm so ausgelegt haben, dass es uns Daimler, stellvertretend als großes Industrieunternehmen der Region, dass es genau auf unsere Bedürfnisse passt. Also diese, wir nennen es Venture-Client-Perspektive, dass wir Kooperationen suchen, nicht gleich Investments. Dass wir mit Startups kooperieren basierend auf den Fachexperten-Feedbacks und nicht nur auf der M&A-Brille oder auf der Ventures-Brille. Das ist halt etwas, das führt dann dazu, dass du extrem viel Projekte generierst über das Programm, dass extrem viel passiert. Dass du extrem viel Interaktion hast und dann hinterher tatsächlich Dinge passieren im Sinne Technologien wandern ins Unternehmen. Wir schließen Partnerschaften, wir schließen Verträge. Wir bringen die Dinge ins Auto. Und dieses Thema, dass wirklich sehr viel passiert auf Startup Autobahn, das ist dann der Grund, dass die anderen Unternehmen dann sehen, hopsa, wenn das so gut funktioniert, sollte ich vielleicht auch mitmachen. 

Nora Hansen: Ja gut, das ist natürlich der Idealfall, wenn die von alleine kommen. 

Dr. Philipp Gneiting: Dass wir glaube ich gute Zahlen haben, dass wir glaube ich auf Industriebedürfnisse ein zugeschnittenes Programm haben, ist da sehr wichtig. Gleichzeitig haben wir immer auch/ wir haben auch ein Abschlussevent. Expo Day oder Demo Day ist ein klassisches Accelerator-Element. So was haben wir auch. Und da laden wir natürlich auch immer andere Industrieunternehmen, auch Investoren ein oder auch die Community, das Ökosystem hier in Stuttgart, um das auch zu sehen, was da passiert ist. Und ich glaube auch durch die Teilnahme ist das glaube ich auch eine gute Werbung dafür, dass das Programm funktioniert und man kann auch genau sehen, was da am Schluss rauskommt. 

Nora Hansen: Da ist natürlich die Außenwirkung einfach ganz wichtig, um die Leute davon von alleine sozusagen zu überzeugen. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Das ist das Ziel. 

Die Mercedes Benz Parking-Card und what3words

Nora Hansen: Jetzt haben wir eben darüber gesprochen, dass ihr teilweise einfach neue Technologien durch Startup Autobahn bekommt, aber teilweise auch irgendwie Geschäftsmodellinnovationen daraus entstehen, wie auch immer. Jetzt ist meine Frage an dich, was war in den letzten Jahren so die wichtigste Errungenschaft, die ihr durch Startup Autobahn gemacht habt? 

Dr. Philipp Gneiting: Das ist jetzt so ein bisschen unfair. 

Nora Hansen: Oje! 

Dr. Philipp Gneiting: Die coolsten Sachen sind immer noch die, über die wir gar nicht sprechen dürfen, weil sie noch nicht offiziell implementiert sind. 

Nora Hansen: Okay. Dann die, die es schon gibt. 

Dr. Philipp Gneiting: Also wir haben jetzt zwei Themen, die sind auf jeden Fall insofern kommuniziert als sie auch aus Produktsicht kommuniziert werden sollten, weil sie Ergänzungen jetzt vom Mercedes-Benz Angebot sind/

Nora Hansen: Ach, echt? Wow!

Dr. Philipp Gneiting: Das eine ist Mercedes-Benz Parking Card. Das kannst du jetzt hier, in Konstanz nicht, aber in Stuttgart kannst du, wenn du die Technologie hast, fährst du an einige unserer Parkhäuser, die kommerziellen, öffentlichen Parkhäuser, ran, die Schranke öffnet sich automatisch, du parkst einfach, kaufst ein. Zwei Stunden später steigst du in dein Auto und fährst wieder raus, die Schranke öffnet sich automatisch. Und wenn du gut aufgepasst hast: du hast halt dazwischen kein Ticket gezogen, du hast danach nicht dein Kleingeld gezählt und hast das Ticket am Automaten gezahlt und das Ticket dann irgendwie mit Verrenkungen in den Automaten geschoben. Das passiert dann halt alles mit Hilfe oder quasi seamless und wireless mit Hilfe der Mercedes-Benz Parking Card. Und da steckt halt eine Startup-Technologie drin, die wir 2016 tatsächlich im Programm hatten, nämlich das Startup (Immopark? #00:22:13-7#). 

Nora Hansen: Okay. 

Dr. Philipp Gneiting: Anderes Thema, was wir, ich glaube, im zweiten oder dritten Programm hatten, ist das britische oder UK-Startup what3words. Die haben eine ganz neue Herangehensweise, wie man quasi navigiert in der Welt, nämlich mit Drei-Wort-Kombinationen. Die haben den ganzen Globus durch drei Wörter schlussendlich so kartographiert, dass ich drei mal drei Meter genau durch eine Drei-Wort-Kombination irgendwo quasi sehr eindeutig positionieren kann, wo ich mich auf dem Globus befinde. 

Nora Hansen: Wow! 

Dr. Philipp Gneiting: Das bedeutet halt, dass ich, wenn du mir drei Worte sagst, sage ich dir, wo genau du zum Beispiel hinwillst. Und wenn du überlegst, momentan funktioniert Navigation hauptsächlich durch Straßen und Hausnummern und Städte. Also musst du dir viel, viel mehr merken und es ist viel ungenauer, weil es gibt glaube ich in London irgendwie zehn Church Street. Wenn du jetzt nur weißt, Church Street 17, dann müsstest du jetzt noch die Postleitzahl anschauen und so weiter und dann kannst du dich auch schon mal verfahren. Und das andere Thema ist, wenn du jetzt irgendwie einen Termin beim Finanzamt hast, dann ist das vielleicht groß und hat sechs Eingänge, aber du hast nur die eine Hausnummer, wo gehst du hin. 

Nora Hansen: Ah! Okay. 

Dr. Philipp Gneiting: Und in dem Moment kannst du halt relativ genau mit what3words-Adressen eben deine eigene Adresse neu definieren, neu beschreiben. Aber auch du hast keinen GPS-Code, den du nur noch digital händeln kannst, sondern du hast etwas, das ist wesentlich einfacher eben auch übertragbar. Und was wir gemacht haben ist, die Technologie, nachdem wir gesehen haben, das ist super spannend, jetzt einmal für den heutigen Case aber auch perspektivisch für das autonome Fahren, nachdem es im Programm durchgelaufen ist, hat der Fachbereich im Turbo Boost Mode das Ding implementiert, sodass es heute schon du nutzen kannst in, gestartet mit den aktuellen A-Klassen, aber jetzt mit allen Mercedes-Benz-Fahrzeugen, die das MBUX, also unser neues Navigationssystem eben oder UX-System an Bord haben. 

Nora Hansen: Ach, ist das cool! Also das ist ja nun wirklich praktisch, wenn du sagst irgendwie ich muss Parkplatz 5a hin und du dann tatsächlich zu Parkplatz 5a geleitet wirst. 

Dr. Philipp Gneiting: Genau. Und du hast jetzt halt eine Adresse, wo das genau definiert ist. Oder du hast halt auch/ du kannst es quasi als App haben. Du kannst es im Navi auch einfach per Voice jetzt im Auto reinsprechen. So könntest du dich auch/ Stichwort du hast irgendwie, du bist am Festival und willst dich irgendwo treffen. Dann kannst du ja einfach sagen eine what3words-Adresse, wo man sich dann trifft und dann wird man sich da nicht aus dem Weg gehen können, weil drei mal drei Meter, da sieht man sich dann. 

Nora Hansen: Das ist echt genial! Okay. Das waren jetzt so die Technologie/ tollen Errungenschaften. Gibt es irgendeine von diesen Technologien, die sich tatsächlich auf das komplette Geschäftsmodell ausgewirkt hat? 

Dr. Philipp Gneiting: Was ist das komplette Geschäftsmodell? Daimler hat verschiedene Geschäftsfelder, wir haben Fahrzeuge, wir haben Busse, wir haben Vans, wir haben Financial Services, wir haben moovel, die quasi neue Mobilitätsdienstleistungen anbieten. Also so was, ganz einfache Antwort, nein, haben wir nicht. 

Nora Hansen: Auf eines dieser kleinen Felder sich so ausgewirkt, dass die sich grundlegend verändert haben? 

Dr. Philipp Gneiting: Die Firma ist riesig, aber ich glaube, es gibt einige von den Projekten, wir haben sehr viele Projekte momentan aktiv, die natürlich überall so am Rande dessen agieren, was für uns quasi das normale Geschäft ist. Das sind ja alles, gerade digitale Technologien, wie wir wesentlich intelligenter unsere Prozesse händeln oder Entscheidungen treffen oder auch mit Daten umgehen, ich glaube, da sind wir überall kontinuierlich dran, auch die Grenzen unseres bisherigen Geschäfts auszuloten, zu erweitern, zu ergänzen. Aber so eine pauschale Geschichte, dass wir jetzt gerade die Disruption starten, nein, so weit sind wir nicht. 

Innovation steht am Schluss eines Prozesses 

Nora Hansen: Da können wir ja auch mal froh sein. Jetzt habe ich eine spannende Frage an dich. Du beschäftigst dich ja nun wirklich viel mit Innovation. Jetzt ist die Frage, wie würdest du persönlich Innovation definieren? 

Dr. Philipp Gneiting: Da bin ich ganz platt. Innovation ist etwas Neues, das wir implementiert haben in Produkten, die die Menschheit nutzt oder ein Teil der Menschheit nutzt. Also damit will ich sagen, eine gute Idee reicht nicht, eine Innovation ist erst dann da, wenn jemand die Idee nützt. 

Nora Hansen: Also wenn es umgesetzt wurde. 

Dr. Philipp Gneiting: Wenn es umgesetzt wurde in irgendeiner Art und Weise. Ja. 

Nora Hansen: Das heißt, Innovation ist für dich nicht das Prozess, sondern das Endergebnis im Prinzip. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Die Innovation steht am Schluss. 

Das 100 – Tage Programm 

Nora Hansen: Okay. Ihr habt die Startups, die kommen, wie sorgt ihr denn dafür, dass die tatsächlich in Daimler integriert werden, also wie begleitet man die auf dem Weg und wie sorgt man dafür, dass sich das irgendwie zusammenwurschteln lässt? 

Dr. Philipp Gneiting: Also da sind wir quasi bei mir im Team so ein bisschen die Moderatoren. Wir haben auch so drei Jobs, wenn ich das mal sagen kann. Der erste Job, über den haben wir jetzt gerade ein bisschen gesprochen, wie finden wir die besten Startups, die bringen wir nach Stuttgart. Auf der anderen Seite identifizieren wir die Top-Experten und bringen die auch genau zum selben Punkt an einem Tag zusammen. Übrigens versuchen wir dann zum Beispiel zu einem Thema zehn Startups zu finden und dann eben die Experten, auch alle relevanten Experten aller Geschäftsfelder auch an dem Tag rein, und die schauen sich dann auch alle zehn Startups hintereinander an. 

Nora Hansen: Ah, okay. Ja. 

Dr. Philipp Gneiting: Und in dem Moment endet dann Scouting. Und Scouting ist eine der Haupttätigkeiten. Und nach diesen Speed Datings, wenn man sie mal so nennen will, sammeln wir das Feedback der Fachexperten von uns ein, und schauen/ sagen zum Beispiel: Ich habe jetzt die zehn angeschaut. Fünf waren super spannend, aber sind nichts für mich. Zwei haben viel versprochen, aber ich sehe da viel zu viele technologische Probleme. Aber da sind ein, zwei Startups, die finde ich wirklich spannend und da überlege ich mir, da gehe ich mal zurück und kläre bei mir in dem Bereich, ob wir jetzt da mal was starten wollen. Also zum Beispiel ein Pilotprojekt, um mal die Technologie zu evaluieren. Und das sind für mich/ das letzte sind für mich die allerspannendsten Themen. Weil in dem Moment, wo ich so ein Commitment von einem Fachbereich habe, kommt das Startup dann in das sogenannte Startup-Autobahn-100-Tage-Programm. Und da sorgen wir dann als, zusammen auch mit Plug and Play, und wir sorgen dann dafür, dass in den 100 Tagen ein Projekt entsteht zwischen meinem Fachbereich und zwischen dem Startup. Und die Aufgabe dann von meinem Team ist es, auch hier alles, was man beschleunigen kann, zu beschleunigen, im Sinne von Großkonzernprozesse, Lieferantennummern und so weiter. Das könnte schwierig sein. Also jemand, der im Großkonzern ist, weiß, es kann mal schwierig sein ein kleines Unternehmen aus dem Ausland in kürzester Zeit mal das zum offiziellen Zulieferer von Daimler zu machen. Wir kriegen das ziemlich schnell hin. Und so haben wir halt viele, viele Prozesse mittlerweile entwickelt, um das ganze Onboarding, das Kick-Off von so einem schnellen, kurzen Pilotprojekt eben zu beschleunigen. Dann haben wir während der 100 Tage mehrere Formate, wo wir beide Seiten so ein bisschen auf das Gegenüber vorbereiten. Sprich, wie erklären den Startups, wie ein Konzern funktioniert, was unsere Erwartungshaltung ist, auch wie wir am Schluss/ wie wir ticken, wie wir dann Technologien bewerten, sodass die wissen im Pilotprojekt, wo sie am Schluss sozusagen delivern müssen. Gleichzeitig erklären wir auch unseren eigenen Fachbereichen, die jetzt wenig Erfahrung mit Startups haben, was sind so die Stärken und die Schwächen von einem Startup. Dass die wissen, hey, wenn ich mit denen rede, da kann ich jetzt nicht so reden, wie wenn ich mit einem Bosch rede. 

Nora Hansen: Nein. 

Dr. Philipp Gneiting: Da muss ich ein bisschen anders Dinge formulieren. Da muss ich halt überlegen, was die wissen und was sie nicht wissen. Aber auch ganz spannend die Stärken von einem Startup, nämlich dass die halt extrem schnell, extrem kreativ auch dann halt mit Lösungen kommen, während ein normaler Zulieferer, jetzt mal böse gesagt, vielleicht dann auch so wie ein Großkonzern erst mal auch wieder seine internen Prozesse anschieben muss. 

Nora Hansen: Das wollte ich gerade sagen, dass die Startups den Vorteil haben, dass sie natürlich ganz wendig sind und sich ganz schnell immer wieder in irgendwelche Richtungen entwickeln können und da ganz im Gegenteil eben zu Großkonzernen, die ja teilweise durch die ganze Bürokratie oder irgendwelche Regeln und irgendwelche Kennnummern und was auch immer, teilweise doch recht tempogehemmt sind. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Und die meinen es dann gar nicht böse, sondern es ist halt einfach so. 

Nora Hansen: Nein es ist halt der Struktur wegen so. 

Dr. Philipp Gneiting: Aber wenn man halt da ein bisschen moderiert, und da ein bisschen Erwartungsmanagement betreibt und vor allem auch mit Best Practices schaut, dass man gerade die Schwächen umgeht und die Stärken halt nochmal rauskitzelt, dann kann man in den 100 Tagen, gerade als Großkonzern, schon extrem viel rauskriegen. Und das ist auch so ein bisschen mein Ziel, dass man auch über die Arbeit mit den Startups, im Rahmen Startup Autobahn, dass unsere Fachbereiche auch sehen, dass Startups eine spannende weitere Innovationsquelle sind oder gute potentielle Partner sind, und dass sie vielleicht auch für sich so ein bisschen Inspiration auch von der Kultur der Startups rausziehen. Während die Startups den großen Vorteil haben, relativ schnell zu sehen: Hey, das sind die Kunden. Wie tickt so ein Kunde, so ein Großkonzern-Kunde, in so einem relativ frühen Stadium ihrer Entwicklung. Also ich glaube, das ist absolut win-win, auch kulturseitig, wie so das Gegenüber tickt. 

Nora Hansen: Ja. Ich glaube da können auch beide Seiten gegenseitig voneinander lernen. 

Dr. Philipp Gneiting: Absolut. 

Auch Scheitern ist eine Erkenntnis 

Nora Hansen: Jetzt was passiert, wenn ihr jetzt eines von diesen Startups integriert, aufnehmt, mit denen arbeitet und dann feststellt, oh, das klappt irgendwie so gar nicht? Oder ist das noch nie vorgekommen? 

Dr. Philipp Gneiting: Also wir haben schon sehr viele Pilotprojekte mittlerweile gemacht, was mich freut, und auch so was passiert mal, wir versuchen es natürlich so gering wie möglich zu halten, aber es passiert mal, und ich finde es dann in dem Moment aber gar nicht schlimm. Warum? Weil wir den Anspruch haben, das relativ schnell zu merken. Und zwar, wenn man es mal ein bisschen runterbricht, nach ein, zwei Monaten. Und das ist etwas, in dem Moment will es natürlich keiner wahrhaben, okay, das war halt eine scheiß Idee, das zu machen, aber da gibt es dann halt zwei Themen. Das erste Thema ist, wir haben Startup Autobahn deswegen gemacht, um auch wirklich mal innovativere, mutigere, vielleicht auch verrücktere Ideen auszuprobieren, und da passiert so was. 

Nora Hansen: Klar, gehört dazu. 

Dr. Philipp Gneiting: Und das Zweite ist, wir wollen das möglichst schnell immer angehen und auch ganz bewusst haben wir den ersten Meilenstein nach 100 Tagen, wo wir dann auch sagen, macht es denn Sinn, weiterzumachen, oder macht es keinen Sinn. 

Nora Hansen: Ah, okay. Ja. 

Dr. Philipp Gneiting: Und wenn man über Fehlerkultur spricht, so finden wir das/ natürlich finden wir es nicht gut/ wenn alles nicht klappt, wäre es schon doof. Aber wenn wir auch schnell in so einem frühen Stadium viele Projekte auch wieder canceln, ohne dass wir gleich sagen, wir haben es anders geplant und wir müssen das Projekt jetzt quasi einstampfen, obwohl/ das war außerplanmäßig, das sagt dann nichts, sondern heißt nur, Projektphase eins hat einen Meilenstein, und wenn der Meilenstein nicht erfüllt ist, dann hören wir auf und das ist transparent von Anfang an, dann gehen da auch alle ganz mit erhobenem Haupt raus. Und das ist vor allem für mich als Corporate gut und vor allem auch als deutsches Unternehmen. Und wir wollen ja eigentlich nichts falsch machen, aber dass wir hier sagen, wir wollen einen Spielplatz haben mit Startup Autobahn, wo wir auch wirklich einfach mal nach drei Monaten gut den Stecker ziehen können und sagen können, ja, wir haben viel gelernt, aber wir machen es nicht weiter. 

Nora Hansen: Ja, einfach mal ausprobieren im Prinzip. 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Weil auch etwas, was nicht klappt, ist ja eine Erkenntnis. 

Nora Hansen: Das wollte ich gerade fragen. Arbeitet ihr nach dem Prinzip aus Fehlern lernt man? 

Dr. Philipp Gneiting: Ja. Und das ist ja allgemein ein Thema, wo wir als Daimler auch sehr dahinter sind, dass wir so eine Fehlerkultur bei uns auch zelebrieren. Weil ich glaube auch, wenn man Fehler nicht akzeptieren kann, dann kann man auch nie richtig mutig sein und deswegen müssen wir immer an beidem arbeiten. 

Nora Hansen: Ja, ist klar. Gut. Ich würde sagen, du hast einen ziemlich guten Einblick in das Startup Autobahn gewährt heute. 

Dr. Philipp Gneiting: Sehr gerne! 

Nora Hansen: Also Respekt! Da waren Informationen dabei, wo ich dachte, oh, wow, das hätte ich so nicht erwartet. Ziemlich cool! Ich bedanke mich auf jeden Fall dafür, dass du heute dabei warst! 

Dr. Philipp Gneiting: Sehr, sehr gerne! 

Nora Hansen: Ich wünsche dir noch einen schönen restlichen Tag und in diesem Fall ein schönes Wochenende! 

Dr. Philipp Gneiting: Genau. Schönes Wochenende! Mach es gut! Ciao! 

Nora Hansen: Vielen Dank! Ciao! 

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören! Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal!