Hinter Innovation steckt mehr als nur ein Workshop – Roy Franke SBB (S01EP13)

Nora Sophia Hansen

Hinter Innovation steckt mehr als nur ein Workshop – Roy Franke SBB (S01EP13)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Zwei Jobs bei der SBB und dazu auch noch selbstständig – das ist Roy Franke. In dieser Folge spricht er über seine verschiedenen Tätigkeiten im Innovationsbereich. Angefangen von den internen Prozessen der SBB bis hin zu kulturellen Aspekten, die Innovationsarbeit beeinflussen könne.

Lernen Sie was die typischen „Innovationskiller“ sind und wo der Unterschied zwischen Weiterentwicklung und Innovation liegt. Des Weiteren wird die Arbeit mit Fokusgruppen erklärt und wie die SBB in den Workshops mit ihren Kunden arbeitet. Außerdem gibt Roy am Ende der Folge noch einen kurzen Einblick in sein privates Leben. Innoviert er auch dort?

Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

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Vollständiges Transkript

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Herzlich willkommen zu unserer neuen Folge. Heute zu Gast bei mir ist Roy Franke. Er ist zum einen Mobilitäts-Entrepreneur und Innovationsmanager, aber ich denke, er erzählt uns doch selber einfach am besten, was er eigentlich macht. Hallo, Roy.

Roy Franke: Hallo, hallo und hallo miteinander.

Nora Hansen: Du bist der erste, der mal alle begrüßt. Auch nicht schlecht.

Roy Franke: Alles super.

Nora Hansen: Das ist freundlich. So, jetzt habe ich ganz kurz angerissen, wer du bist, aber erzähle es doch am besten persönlich nochmal selber.

Zwei Jobs bei der SBB und dann zusätzlich auch noch selbstständig

Roy Franke: Ja, genau, war sonst schon eine Super-Vorlage mir gegeben. Ich habe eigentlich drei Hüte auf. Der eine Hut ist, ich bin Mobilitäts-Entrepreneur, ich arbeite bei der Schweizerischen Bundesbahn, SBB, und bin dort mit dabei am Evaluieren, am Konzipieren und auch am Umsetzen von neuen Mobilitäts-Lösungen. Der zweite Hut, den ich aufhabe, im gleichen Bereich, in der gleichen Firma, ist also Innovationsmanager. Das heißt, ich unterstütze und coache Innovationsprojekte. Und mein dritter Hut ist, dass ich nebenbei als selbstständige Tätigkeit auch Mittelständler berate zum Thema Innovation und Transformation.

Nora Hansen: Ah, das ist ja spannend. Das ist ja eigentlich ziemlich ähnlich so wie bei uns. Wir arbeiten ja auch mit Mittelständlern zusammen. Ach cool. Und wie lange bist du schon bei der SBB?

Roy Franke: Da bin ich jetzt schon gut eineinhalb Jahre dabei.

Nora Hansen: Und warst von Anfang an in den zwei Bereichen, in denen du jetzt arbeitest?

Roy Franke: Also ich bin seit knappen eineinhalb Jahren dabei und habe letztes Jahr nur, also nur in Anführungs- und Schlusszeichen genutzt, im Innovationsbereich gearbeitet und habe jetzt ab 1. Januar in ein neues Team und einen neuen Bereich gewechselt, wo sich speziell auf Mobilitätslösungen konzentriert.

Nora Hansen: Aber auch im Bereich Innovation oder Startups in und außerhalb des Unternehmens?

Roy Franke: Genau, auch im Bereich Innovation und mit Startups. Früher war der Fokus auch noch stark auf das Kern-Business ausgerichtet, also sprich wirklich auf Bahn und auf dort, also User Experience und neue Produkte, aber immer im Bezug mit der Bahn, und jetzt ist das Thema Mobilitätsdienstleistungen alles, was außerhalb der Bahn angeboten werden kann. Also andere Mobilitätsformen, zum Beispiel E-Scooters oder die E-Trottinettes, zum Beispiel Flash oder Birds, die es hier gibt, und da ist die Frage zum Beispiel bei Innovation, wie kann man da gemeinsam Geschäftsmodelle generieren.

Nora Hansen: Okay, ja, gut, das sind natürlich zwei doch ein bisschen unterschiedliche Bereiche, auch wenn sie im selben Unternehmen sind.

Roy Franke: Genau, genau. Ja.

Nora Hansen: Mich würde einfach/ Ich glaube, mich würden beide so ein bisschen im Detail interessieren, wenn das dir recht ist, und dann können wir auch gerne nachher nochmal auf deine Selbstständigkeit zu sprechen kommen.

Roy Franke: Ja, klar.

Moderator bei Workshops rund um Methodik, Hypothesen und dem Fokus auf das Wesentliche

Nora Hansen: Dann fangen wir doch einfach mal mit deinem ersten Job bei der SBB an, dem Innovationmanager im Allgemeinen eher. Was waren oder sind da denn so deine Aufgaben?

Roy Franke: Also eigentlich die größte Aufgabe dort drin besteht, ganz, ganz simpel ausgedrückt, irgendwie eine Geschäftseinheit hat eine Idee oder hat einen Trend, von einem Trend was gehört oder irgendwo eine Idee aufgeschnappt, weiß jetzt aber nicht richtig, wie man damit starten soll, wie man das richtig evaluieren soll, und da werde ich dann als Unterstützung hinzugezogen. Also, dass ich zusammen mit der Geschäftseinheit einen, mehrere Workshops organisiere, Ihnen eigentlich helfe mit der Methodik, wie sie Hypothesen aufstellen können, wie sie die überprüfen können und sie auch immer ziemlich stark leite, dass man den Fokus auf das Wesentliche hat. Weil, oftmals besteht die Gefahr, man verliebt sich dann in ein Detail, ja, und dann zögert sich oder zieht sich alles in die Länger und am Schluss kommt vielleicht gar nichts richtig auf den Boden.

Nora Hansen: Ja, das kann sehr hilfreich sein, wenn man dann so ein bisschen einen hat, der das moderiert.

Roy Franke: Genau, genau.

Nora Hansen: Und du hast selber demnach keine Ideen eingebracht, sondern bist eher der, der das Ganze sortiert und in die richtige Bahn leitet?

Roy Franke: Genau. Weil bei uns ist wirklich so, in unserer Rolle drin, sind wir halt nicht die sogenannten Enabler, also wir ermöglichen Innovationen, aber wir sind nicht die Fachexperten. Das heißt, insofern können wir schon Ideen reinbringen, und jetzt komme ich auf das Thema Open Innovation, also wenn wir natürlich irgendwann interessante Startups sehen, dass wir das die Idee intern publizieren und dann mit den Stakeholdern schauen, besteht da eine Möglichkeit, was zusammen zu machen, aber nicht so, dass ich jetzt wie als Entrepreneur in dem Sinne, also zumindest so wie letztes Jahr, nicht als Entrepreneur selber die Idee da reinbringe und dann was lanciere. Das ist wirklich mehr die unterstützende/ die Aufgabe, den Teams zu helfen, sich entsprechend in die Richtung zu entwickeln mit ihrer Idee.

Keine Fachexperten aber trotzdem die treibende Kraft

Nora Hansen: Ja, ja. Und wie geht ihr das an, wenn jetzt jemand oder eine ganze Abteilung zu dir kommt und sagt: „Ey, du, wir haben da eine Idee, aber wir wissen nicht, wie wir das anstellen sollen.“ Wie macht ihr das dann?

Roy Franke: Genau. Also am Anfang ist wirklich ganz wichtig, eine Erklärungsphase einzulegen, das heißt, je nachdem, wenn es nur eine Person ist, die die Idee hat, dann sitzt man halt mit der mal zusammen, lässt die mal sprechen, was die Idee dahinter ist. Wenn es ein Team ist, drängt sich schon fast irgendwie so ein Mini-Workshop am Anfang schon auf, wo man mit dem Team mal/ Das Team soll mal aufzeigen, was die Idee ist, und man versucht es dann schon irgendwie mit gewissen Methodiken, zum Beispiel Nixon Lean Canvas, das schon ein bisschen greifbarer zu machen. Einfach, dass man es mal vom Gleichen aus diskutieren kann und dann wirklich mit dem Thema zu sagen, okay, wir wollen noch nicht in die Lösung reinzugehen, das ist eine Erfahrung, die ich gemacht habe, dass man relativ schnell schon die Lösung hat oder die vermeintliche Lösung und sich dann nur auf die konzentriert, und ich sehe meine Aufgabe mehr darin, die Teams ein bisschen herauszufordern, mal einen Schritt zurückzugehen. Zuerst mal eine Hypothese aufzustellen, zu überprüfen und erst nachher zu schauen, ob das dann wirklich auch die Lösung ist, die man am Anfang hatte, an die man am Anfang nicht gedacht hatte.

Nora Hansen: Genau, das kann ja sehr sinnvoll sein. Und ist es öfter so, dass Teams zu dir kommen oder tatsächlich Einzelpersonen? Ich kann mir das kaum vorstellen, dass da eine einzelne Person zu dir kommt.

Roy Franke: Nein, tatsächlich sind es wirklich viel, eigentlich wirklich noch oft auch Einzelpersonen, die zwar mit der Idee kommen, die Herausforderung dort ist, aber ich glaube, dass da mehr so eine Einstellung, eine kulturelle Sache, dass vielleicht die Einzelperson das Gefühl hat: „Ich habe eine Idee und die platziere ich jetzt beim Innovationmanager, und dann ist meine Aufgabe erledigt und er kümmert sich um den Rest.“

Nora Hansen: Ah, schön wärs.

Roy Franke: Genau. Und genau das ist ja eigentlich nicht die Idee dahinter beziehungsweise meine Aufgabe ist, ihn als Ideengeber weiterhin drin zu haben, sogar als starke Stimme mit drinzuhaben, aber zu schauen, wenn er jetzt eh eine Einzelmaske ist, zu schauen, was für Ressourcen, personelle Ressourcen brauchen wir, um die intern zu rekrutieren, um so zum Beispiel ein kleines Projektteam zusammenzukriegen.

Nora Hansen: Das heißt, wenn ihr an einer Idee arbeitet, dann sucht ihr euch die Leute dafür innerhalb des Konzerns?

Roy Franke: Ja, ganz genau, korrekt.

Nora Hansen: Wäre es nicht auch hilfreich, wenn man ab und an externe Leute dazuholen würde?

Roy Franke: Machen wir natürlich auch. Wenn es zum Teil mit gewissen Technologien das Thema ist, wo vielleicht das Knowhow uns im Detail dann fehlt, dann holen auch immer entsprechend Unterstützung dazu oder eben, wenn es darum geht, mal mit einem Startup zusammenarbeiten, dann kommt man mit ins Stand up Play mit hinein. Der Vorteil ist aber, glaube ich jetzt, bei uns, wir sind über 33.000 Mitarbeiter, also von dem her, vom Knowhow decken wir schon recht viel ab, wo vielleicht ein Mittelständer/ ein Mittelständler hat da vielleicht eher mal das Bedürfnis bei dem einen oder anderen Thema, jetzt eher Unterstützung reinzuholen, einfach aus Ressourcengründen schon.

Nora Hansen: Ja, stimmt, im Prinzip habt ihr ja eigentlich schon eine Riesen-Vielfalt an Menschen bei euch.

Roy Franke: Genau, genau.

Von Anfang an die Geschäftsleitung einzubinden kann einem die doppelte Arbeit ersparen

Nora Hansen: Aber jetzt seid ihr so eine Riesen-Vielfalt, und du bist der Innovationmanager, aber darfst du letztendlich auch entscheiden, ob diese Innovation im Unternehmen tatsächlich umgesetzt wird oder wer entscheidet das?

Roy Franke: Das entscheidet schlussendlich die Geschäftseinheit, also die Business Linie und deshalb ist es in meinen Augen auch sehr wichtig, dass Innovation nicht nur innerhalb von der Innovationsabteilung betrieben wird, also jetzt ein bisschen überspitzt formuliert, nicht, dass bei uns eine Idee ist und wir brüten die dann aus und kommen dann mit einem fast schon fertigen Produkt zur Geschäftseinheit und sagen: „Schau, wir haben da ein Produkt und jetzt wollen wir, dass ihr das nehmt.“ Meine Erfahrung hat gezeigt, dass dann halt die Reaktion ist, ja, aber wir wurden nie darin involviert, was sollen wir jetzt damit anfangen und wir haben ja selber schon genug Arbeit.“ Und deshalb ist wirklich wichtig, von Anfang an die Geschäftseinheit zu involvieren. Natürlich am Anfang ist die vielleicht weniger stark mit dabei, aber je weiter das Projekt voranschreitet, desto stärker ist sie dann involviert, aber schlussendlich entscheidet eigentlich dann die Geschäftseinheit. Und bei uns ist das so, wir bei uns haben so einen dreistufigen Weg-Prozess, also das heißt, wir haben drei Tore oder Milestones, die eine Idee durchlaufen muss und wenn es die dritte Stufe durchlaufen hat, dann ist es eigentlich auch in dem Sinne von der Geschäftseinheit soweit abgesegnet, dass wir uns ins Operative bringen möchte.

Nora Hansen: Ja, das heißt, man muss eigentlich nicht erst das komplett entwickeln und stellt dann vielleicht nachher ernüchternd fest, die Geschäftseinheit erlaubt es nicht, sondern man hat diese drei Schritte und es kann schon vorher festgestellt werden, ob das vielleicht doch nicht geht, oder?

Roy Franke: Ganz genau. Ganz genau. Und wenn man gleich beim Entwickeln sind, da ist auch das die Herausforderung oder vielleicht auch das Gute an dem System dran, wenn wir einen Prototypen machen, wo wir es testen beim Kunden, da ist schon die Geschäftseinheit involviert, also die erfährt schon selber, wie ein möglicher Kunde auf ein neues Produkt zum Beispiel reagiert und das hilft auch ziemlich stark, wenn es nachher dann auch zum endgültigen Entscheid geht, ja, okay, wir wollen das jetzt wirklich operativ übernehmen.

Nora Hansen: Ist klar. Und wie testet ihr das am Kunden? Testet ihr das direkt bei den Fahrgästen bei euch oder bei wem wird das eigentlich getestet? Das kommt vermutlich ja auch drauf an, was ihr entwickelt?

Roy Franke: Ja, natürlich ist bei uns ein bisschen die Herausforderung, weil ich glaube, unser Unternehmen steht natürlich immer ein bisschen im Rampenlicht von der Öffentlichkeit.

Nora Hansen: Na, auf jeden Fall.

Roy Franke: Zum einen. Zum einen und das andere ist, je nachdem, wo du was testest, bei uns gibt es gewisse Bereiche, da ist eine Null Toleranz oder da ist Sicherheit halt ziemlich hochgeschrieben, also Null Toleranz im Sinne von Fehlern machen, also man kann da nicht irgendwie mal ein Signalsystem beim Schienenverkehr mal anders testen, mal schauen, ob dann die Züge noch weiter fahren.

Nora Hansen: Nein, das wäre nicht so gut.

Fokusgruppen helfen beim Testen der Ideen

Roy Franke: Genau. Also da ist wirklich ein bisschen die Herausforderung, aber wenn es jetzt wirklich/ Wir sind stark auch in dem Bereich von Customer Experience, also wie erlebt der Kunde eine neue Servicedienstleistung? Und da haben wir halt einfach zum Beispiel Fokusgruppen, die wir einladen und denen wir das vorstellen, dann beobachten, Interviews führen und so eigentlich Feedback dann wirklich auch von den Kunden haben.

Nora Hansen: Das ist interessant. Das ist ja wirklich direkt vom Kunden das Feedback kriegen und nicht über irgendwelche Umwege irgendwelche Vermutungen anstellen, das ist cool.

Roy Franke: Genau, genau. Oder ich kann dir zum Beispiel sagen, jetzt im Moment bin ich mit einem Startup dran, ein Projekt, wo es um Bike-Schäden geht, also einfach ausgedrückt ist, ich habe ein Fahrrad und stelle das ab und brauche es erst am Abend wieder, da könnte ja jemand anders eigentlich das Fahrrad benutzen in der Zeit, und das haben wir letztes Jahr in einer sogenannt Closed User Group getestet. Also wir haben wirklich 50 Leute, plus minus 50 Leute, eingeladen und die konnten das während einer Zeitdauer testen, einfach auf einer Stadt. Und dieses Jahr jetzt im Spätsommer, da testen wir es nochmals auf mehreren Städten. Aber da können sich jetzt wirklich schon/ Jeder, der will, kann sich da eigentlich einschreiben und da mitmachen zum Testen.

Nora Hansen: Ah, das ist cool.

Roy Franke: Also wirklich ganz unterschiedlich. Ist wirklich unterschiedlich, in welchem Bereich wir halt Innovation betreiben, haben wir mehr Möglichkeit, das direkt am Kunden zu testen.

Nora Hansen: Vor allen Dingen durch dieses Einschreiben habt ihr ja auch die Möglichkeit, dass da ganz unterschiedliche Personen teilnehmen und nicht nur eine Gruppe an Personen, die euch sowieso extrem gut kennt oder total von euch überzeugt ist oder total gegen euch ist.

Roy Franke: Genau, und da macht natürlich dann das Ergebnis viel vielfältiger, das wir erhalten.

Nora Hansen: Ja, auch viel, wie sagt man, mir fehlt gerade das Fachwort, viel aussagekräftiger.

Roy Franke: Genau, ganz genau.

Neue Geschäftsmodelle außerhalb des Schienennetzwerkes

Nora Hansen: Okay, so viel zu deinem ersten Job bei der SBB. So, was hat sich seit 2019 geändert?

Roy Franke: Ja, 2019 kam die Idee auf, dass man stärker will schauen, was gibt es für neue Gebiete, wo man tätig sein kann oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die außerhalb von Eisenbahnverkehrs-/ also andere Mobilitätsformen. Und da ich jetzt, wie ich erwähnt habe, das Fahrradprojekt ist jetzt ein Projekt, das aus dem Bereich rauskommt. Also was sich jetzt für mich geändert hat, ist, letztes Jahr war ich stark halt fokussiert halt, was ist die Kundenerfahrung oder wie kann man Kunden einen Mehrwert bieten, aber meistens mit Fokus auf Reisen mit der Eisenbahn. Und jetzt ist der Fokus wie können wir neue Geschäftsmodelle entwickeln im Bereich Mobilität, die aber nicht an Schienen gebunden sind? Und eben da ist, wie gesagt, das eine Projekt ist jetzt auch das Fahrradprojekt, wo wir mit einem Startup zusammenmachen.

Nora Hansen: Ist der Bereich, in dem du jetzt bist, von den Mitarbeitern und auch von dem Bereich, auf den du einwirkst, ein bisschen kleiner?

Roy Franke: Nein, im Gegenteil. Also ist wirklich ganz speziell, es ist ein eigener Bereich wurde jetzt hier geschaffen. Wir sind knapp 40 Personen, und sind auch ziemlich groß von der Personenanzahl her, direkt der Konzernunternehmensentwicklung unterstellt, also ziemlich nahe wirklich beim CEO auch dann/

Nora Hansen: Ah, in der Tat.

Roy Franke: /von dem wird auch entsprechende Signalwirkung gegeben, was die Wichtigkeit von dem Bereich betrifft.

Nora Hansen: Ja, das scheint so. Und vor allen Dingen sind die Wege da ja auch dann relativ kurz, wenn ihr irgendwas neu einführen wollt, oder?

Roy Franke: Genau, ganz genau. Andererseits ist natürlich die Management Attention entsprechend hoch, was sich auf beide Seiten immer auswirken kann. Aber das macht es ja auch spannend.

Nora Hansen: Auf jeden Fall. Und machst du jetzt immer noch dieses Organisieren der Innovationsideen oder darfst du jetzt hier eigene Ideen mit einbringen?

Roy Franke: Das ist genau jetzt das Tolle daran. Ich kann beides machen. Ich kann meine eigenen Ideen einbringen, dann habe ich den Hut als Entrepreneur auf. Ich kann aber natürlich innerhalb von unserer Gruppe, wenn andere Teams an einer Idee dran sind, ziehe ich dann den Hut als Innovationscoach und unterstütze die.

Nora Hansen: Ach, das ist cool.

Roy Franke: Dann kann ich wirklich etwas/ Das Tolle dran ist, ich erlebe selber das, was ich eigentlich unterstütze und kann mit mir selber einen Transfer machen sozusagen.

Nora Hansen: Ja, ja stimmt.

Roy Franke: Und ist das nicht manchmal kompliziert, wenn man so ein bisschen die Rollen wechseln muss?

Nora Hansen: Nein, ich glaube, jetzt in dem Fall nicht, hat jetzt aber damit auch zu tun, ich gehe jetzt davon aus, weil alle, wir, 40 Personen, sind vom Mindset her ziemlich in die ähnliche Richtung, das heißt, ich habe nicht jetzt zum Beispiel große Widerstände, wenn ich jetzt hier irgendwie coachen tue, wo man vielleicht in einem anderen Setting eher spüren würde.

Nora Hansen: Stimmt, bei Leuten, die vielleicht nicht so erfahren sind, was die ganzen Prozesse angeht.

Roy Franke: Genau, ganz genau.

Die Grundlagen von innovativer Arbeit

Nora Hansen: Denkst du, das Mindset und die Einstellung und vielleicht auch der Charakter eine große Rolle spielen bei der Innovationsarbeit?

Roy Franke: Also je länger, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass das eigentlich die Basis ist für Innovation beziehungsweise das Innovation per se selber schon bedeutet, dass man eine andere Unternehmenskultur und auch andere Organisationsform Änderungen vornimmt. Und erst die vonstatten gehen, ist das eigentlich die Basis, dass nachher innoviert werden kann.

Nora Hansen: Ja, da hast du Recht. Ganz klar. Denkst du, jeder ist dafür geeignet, kreative und innovative Ideen an den Mann zu bringen oder muss man da eine gewisse Art von Kreativität und Eigendynamik schon mitbringen?

Roy Franke: Ich glaube, das ist so eine Analogie/ Ich habe mich kürzlich ein bisschen auseinandergesetzt, wie kann man visualisieren, so Sketch Notes. Und dort hieß es, es kommt immer wieder der Vorwand „Ich kann doch nicht zeichnen“, aber am Ende vom Tag kann eigentlich jeder zeichnen, und meistens fängt es so an, es gibt einfach ein paar Grundformen, also ich weiß auch nicht, Strich, Kreis, Dreieck, Quadrat, und wenn du das kannst, dann kannst du viele Grafiken oder Formen schon oder Cliparts in dem Sinne schon zeichnen.

Nora Hansen: Ja, das stimmt.

Roy Franke: Und ich dachte wirklich, ich kann nicht zeichnen. Und ich glaube, bei der Innovation ist es dasselbe. Wenn ich über entsprechende Methodiken verfüge, war natürlich ein Vorteil, weil ich natürlich einen Coach zur Seite habe, dann motiviert mich das oder enabled mich das auch oder gibt mir auch die Möglichkeit mich mehr zu öffnen. Und ich glaube, jeder kann was beitragen zum Thema Innovation.

Nora Hansen: Ja, ich höre jetzt auch immer wieder bei meinen Gästen, dass sie sagen, dass man mit Methoden und bestimmten Wegen so viel erreichen kann, ohne dass man jetzt der total erfinderische Geist sein muss.

Roy Franke: Genau.

Nora Hansen: Immer wieder erstaunlich.

Roy Franke: Und die Frage ist ja auch/ Also natürlich wäre es schön, wenn ich jetzt morgen ein Produkt auf den Markt bringe, von dem heute noch niemand weiß, dass es so was überhaupt geben könnte, und es dann auch einschlägt als Erfolg. Aber ich denke auch, Erweiterung oder Verbesserung von bestehenden Prozessen, Produkten haben weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Und auch für die brauche ich entsprechende Methodiken beziehungsweise auch dort hilft die Innovation und zumindest dort, denke ich, kann jeder seinen Beitrag leisten.

Nora Hansen: Ja, genau, denn die bestehenden Sachen müssen ja auch mit der Zeit sich verändern und weiterentwickeln und dann hat man ja einfach schon eine Basis und muss nicht mehr so bei ganz von Null vorne anfangen.

Roy Franke: Genau, ganz genau. Und das ist vielleicht jetzt eine kleine Überleitung oder was mir jetzt in den Sinn kommt, wenn wir zum Thema Mittelständler kommen, wo ich auch Kontakt habe.

Nora Hansen: Sehr gerne.

Roy Franke: Ich glaube es, vielleicht haben sie manchmal die Erwartung oder sie denken, man erwartet es von ihnen, aber muss ja nicht die Idee sein, dass ein Mittelständler das neueste, in dem Sinne so einen Wurf landet wie das iPhone, wo vorher noch niemand dran gedacht hat. Und deshalb denke ich, auch ein Mittelständler kann innovativ sein auf seine Art. Er kann seine Produkte weiter verfeinern, seinen Service optimieren und ich glaube, da gibt es noch extrem viel Potenzial drin.

Großunternehmen vs. Mittelständler – Für wen ist Innovation leichter?

Nora Hansen: Wo siehst du denn den Unterschied zwischen der Innovation bei Mittelständlern gegenüber der Innovation in so großen Unternehmen wie der SBB?

Roy Franke: Also ich denke, ein Vorteil natürlich von Großunternehmen ist, dass halt die Ressourcen viel mehr vorhanden sind, sei es die zeitliche Ressource, finanzielle Ressourcen, personelle Ressourcen.

Nora Hansen: Personelle, ja.

Roy Franke: Genau. Wohingegen der Mittelständler da wahrscheinlich eher zu kämpfen hat. Ich könnte mir auch vorstellen oder mein Gefühl ist ein bisschen, der Mittelständler ist ziemlich stark ins Tagesgeschäft involviert beziehungsweise macht er ja vielleicht kurz- bis mittelfristige Ziele und Planungen, und da passt einfach eine Innovation, wo auch per se ein bisschen länger braucht, bis was rauskommt, hat vielleicht gar keinen Platz oder kommt gar nicht in den Fokus rein. Wohingegen ein Großunternehmen sich auch mal leisten kann, ich sage es jetzt ein bisschen überspitzt, mal ein bisschen auf die Seite zu stellen und zu sagen: „Macht ihr mal was. Wenn es dann schief rauskommt, passiert ja nichts.“

Nora Hansen: Ja, das stimmt. Also große Unternehmen haben ja auch vor allen Dingen die finanziellen Reserven, dass, wenn da irgendwas völlig daneben geht, dass das nicht gleich das Aus für die Firma bedeutet.

Roy Franke: Genau. War spannend, ich habe kürzlich noch mit jemandem gesprochen, der hat gesagt, bei den Großunternehmen, wenn du da ein Design Thinking Workshop machst und der funktioniert, also es kommt da nichts Brauchbares raus, dann ist das halb so schlimm. Beim Mittelständler, der fragt sich dann schon, ja, okay, jetzt habe ich da relativ viel investiert, weil für einen Mittelständler ist es wahrscheinlich absolut gesehen ein Geldbetrag viel gravierender wie ein Großunternehmen, und wenn dann natürlich kein brauchbarer Output rauskommt, hat das für ihn eine andere Konsequenz wie für ein Großunternehmen.

Nora Hansen: Ja, dann kann das schnell kritisch werden. Das stimmt.

Roy Franke: Genau. Ich denke aber, ein Großunternehmen hat/ ein Mittelständler hat natürlich auch seine Vorteile. Ich war früher auch bei einem Mittelständler tätig und ich sehe jetzt halt einen Unterschied, bei einem Mittelständler kann ich viel schneller die wichtigen Stakeholders reinbringen, habe viel schneller mal grünes Licht mal was umzusetzen und was zu planen, wo einfach ein Großkonzern, ja, das ist halt ein Tanker. Da geht es ein bisschen länger, muss man mehr Regulatorien, mehr Prozesse einhalten.

Nora Hansen: Ja, vor allen Dingen sind/

Roy Franke: Das muss man aushalten können.

Nora Hansen: Ja, genau, da sind die Dienstwege und die ganzen Hierarchien ja auch meist länger beziehungsweise die Hierarchien größer.

Roy Franke: Genau, genau. Und da sehe ich eigentlich ein Potenzial vom Mittelständler, wenn er sich auf so einen Weg begibt, dass er eigentlich auch schneller mal was austesten könnte, viel schneller auch mal Rückmeldungen bekommt und schneller im Entwickeln sein könnte.

Nora Hansen: Denkst du, die Mittelständler oder beziehungsweise die mittelständischen Unternehmen haben teilweise einfach Angst um ihre Existenz, wenn sie Innovation betreiben oder was ist da eigentlich dieses Hauptproblem, weswegen das viele Mittelständler noch gar nicht tun?

Roy Franke: Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass sicher gewisse Mittelständler, sie hören zwar, dass man was machen müsste, aber selber sind sie noch gar nicht in der Situation, dass es ihnen wehtut. Ihr Produkt läuft noch gut, vom Kunden her gibt es weiterhin positives Feedback, also wieso sollte ich eigentlich meine Cash Cow schlachten oder wieso irgendwelche Ressourcen in was Paralleles investieren, wenn ich doch mein bestehendes Business einfach das weiter optimieren kann, und ich glaube, das kann sicher ein Grund sein, dass Innovation noch nicht so stark gefördert wird. Das Bewusstsein ist vielleicht da, aber wirklich das Bedürfnis oder, ja, in dem Sinne der Schmerz, dass sich was ändern muss, der ist halt noch nicht so akut.

Nora Hansen: Aber ich denke, genau das könnte ein bisschen kritisch werden, denn wenn die Mittelständler dann irgendwann nach einigen Jahren feststellen, oh, jetzt wird es langsam eng für uns, dann ist eventuell schon zu spät für eine Innovation.

Roy Franke: Ja, genau. Ich glaube also wirklich, die große Herausforderung wie kriegt man Mittelständler dazu, dass sie das realisieren, dass sie frühzeitig beginnen sollen, über mögliche neue Strategien neue Wege zu beschreiten, nachzudenken.

Der Unterschied zwischen Weiterentwicklung und Innovation

Nora Hansen: Ja, du hast da gesagt, du arbeitest selber als Coach beziehungsweise vielleicht auch als Innovationsberater mit Mittelständler, ist das richtig?

Roy Franke: Ganz genau, ja.

Nora Hansen: Genau, und wenn du jetzt in so ein mittelständisches Unternehmen reinkommst, ist das dann so, dass die zu dir kommen, weil sie sagen: „Ey, wir haben eine Idee, wir wissen aber nicht, wie wir das umsetzen sollen“ oder ist es eher so „Wir brauchen eine Idee und dafür brauchen wir dich.“

Roy Franke: Ja, meine Erfahrung ist jetzt mehr, dass gar nicht unbedingt am Anfang das Thema Innovation im Vordergrund steht, sondern es steht mehr im Vordergrund, wie wollen wir uns weiterentwickeln, also mehr das Thema Strategie. Und das ist für mich so ein bisschen dann das Eingangstor, dass ich mir den Mittelständler anschaue, ja, gut, also habt ihr überhaupt schon eine Strategie, das ist auch spannend zu sehen. Und wie wollt ihr euch weiterentwickeln, also wie seht da euer Strategieprozess aus? Ganz banal machen wir mal eine SWOT-Analyse und was kommt da raus? Und basierend auf dem, wird es einem Mittelständler eher dann bewusst, okay, es gibt vielleicht gewissen Handlungsbedarf für die Zukunft und dann die Innovation mehr Mittel zum Zweck. Also ist weniger so, dass ich hingehe und sage: „Ich verkaufe euch jetzt/ Oder ich möchte mit euch Innovation betreiben.“ Weil wie ich vorhin schon gesagt habe, ich glaube, bewusst ist das Bedürfnis nach dem Thema gar nicht.

Nora Hansen: Das schreckt ja vielleicht auch einige ab, wenn du da reinkommst und sagst: „So, wir betreiben jetzt Innovation.“

Roy Franke: Ja, ganz genau, ganz genau.

Nora Hansen: Wo ist denn, deiner Meinung nach, der Unterschied jetzt zwischen Weiterentwicklung und Innovation im Konkreten?

Roy Franke: Also für mich ist einfach per se Innovation erst etwas, wenn ich wirklich von der Idee zur Umsetzung gekommen bin und es danach wirklich implementiert habe. Von dem her kann auch eine Weiterentwicklung unter dem Begriff Innovation fallen, wenn es aber wirklich was Neues ist, was vorher noch nicht so war oder ich kombiniere halt Elemente, dann würde ich halt eher von etwas Radikalerem sprechen. Aber sonst ist für mich eigentlich auch eine Weiterentwicklung hat auch/ gehört für mich auch in die Gruppe der Innovations (unverständlich #00:24:28-5#)

Nora Hansen: Ja, ich würde sagen, das ist eigentlich fast so eine Art Vorstufe.

Roy Franke: Ganz genau, genau. Und manchmal ist ja auch spannend, dass aus der geplanten Weiterentwicklung entsteht dann vielleicht sogar was ganz Neues oder eine neue Richtung, die man vorher so noch gar nicht gesehen hat.

Wie die Kultur den Innovationswillen beeinflusst

Nora Hansen: Ja. Arbeitest du eigentlich auch international oder wirklich nur innerhalb der Schweiz mit der SBB?

Roy Franke: Also innerhalb jetzt mit der SBB natürlich nur in der Schweiz und unter dem Hut/ Wobei natürlich die Zusammenarbeit mit den Startups, die ist international. Also da schauen wir ja auch, was gibt es für Startups auf dem internationalen Markt? Was ich selber mache mit der Beratung geht auch schon über die Landesgrenzen hinaus.

Nora Hansen: Okay, wo warst du überall schon dann?

Roy Franke: Ich habe eine persönliche Beziehung zu spanisch-sprechenden Gebiete, also zum einen zum Großraum von Barcelona, dass ich dort schon Projekte leiten konnte beziehungsweise ganz weit weg, eigentlich in Mexiko.

Nora Hansen: Oh, wow.

Roy Franke: Ja, und dort ist natürlich wieder ganz spannend, weil da ist eine andere Kultur.

Nora Hansen: Total.

Roy Franke: Auch eine andere Unternehmenskultur. Die Sprache ist natürlich die Herausforderung, aber das macht es genauso spannend.

Nora Hansen: Ich denke auch, das ist ja eigentlich eine wirklich spannende Herausforderung und jetzt nicht unbedingt eine, vor der man sich drückt.

Roy Franke: Ja, ganz genau.

Nora Hansen: Und merkst du einen großen Unterschied von Kultur zu Kultur, wie sich die Unternehmen in Bezug auf Innovation verhalten? Ist zum Beispiel die Schweiz innovationswilliger als zum Beispiel Barcelona oder Mexiko?

Roy Franke: Also ich habe jetzt so ein bisschen das Gefühl bekommen in Mexiko/ Also natürlich, wenn sie dort einen internationalen Konzern ist das wieder ein bisschen anders, aber beim lokalen Mittelständler, der ist doch ziemlich stark bodenbehafteter und vielleicht, soll jetzt nicht negativ sein, aber ist halt ein bisschen verschlossener, wo uns/ und ist vielleicht weniger offen für die neuen Sachen, die auf einen zukommen.

Nora Hansen: Ist das da auch wieder die Sorge um die Existenz?

Roy Franke: Kann durchaus sein, aber ich glaube auch, vielleicht dass man es gar nicht so erkennt. Also ich hatte kürzlich dort ein Gespräch, wo es darum ging, was für Fähigkeiten braucht zum Beispiel ein Arbeitnehmer in der Zukunft, wo wir ja hier in Europa davon sprechen, ja, Digitalisierung oder Automatisierung kann gewisse Berufsbilder oder -profile verschwinden lassen, also was brauche ich für Skills? Und was brauche ich vielleicht für Skills auf der Meta-Ebene. So zum Beispiel brauchen die Skills für kritisches Hinterfragen, für Kreativität, für Konfliktlösung. Und da hatte ich das Gespräch mit einem Vertreter von der Universität in Mexiko und der bildet Ingenieure aus, und sein Feedback am Schluss war, das mag in Europa der Fall sein, aber bei ihm ist ja am Ende, der Ingenieur muss die Maschine bedienen können, da muss er nicht wirklich eine kreative Ader haben oder kritisch hinterfragen können, weil er muss eigentlich die Maschine professionell können bedienen.

Nora Hansen: Wow, okay.

Roy Franke: Das ist doch viel mehr/ Das vielleicht das Verständnis ist halt noch ein anderes.

Nora Hansen: Ja. Darf man da jetzt so ganz pauschalisierend sagen, Mexiko ist vielleicht einfach noch nicht so weit wie die Schweiz oder Deutschland zum Beispiel?

Roy Franke:  Also ich habe gesehen, es gibt dort schon Tendenzen, wo es auch so neue Arbeitsformen wie wir es zum Beispiel hier haben, ausprobiert wird, aber nur, wenn es zum Beispiel schon ein Co-Working Space ist dort noch viel weniger bekannt wie bei uns. Ich glaube, die Welle ist einfach noch nicht so rübergeschwappt dort. Und ja, aber am Ende vom Tag ist es wahrscheinlich das Gleiche, so wie es jetzt ist, funktioniert es gut, also wieso sollen wir uns jetzt da Sorgen machen oder was immer.

Nora Hansen: Mexiko als ein kleiner Mittelständler.

Roy Franke: Sozusagen, ja.

Das sind mögliche „Innovationskiller“

Nora Hansen: Gibt es Dinge, die du in deinen Berufsjahren festgestellt hast, die Innovation verhindern? Außer eben dieses, wir bleiben beim Alten, das passt ja alles so.

Roy Franke: Genau. Also für mich ist wirklich die Verhinderung, wenn das Mindset halt hier nicht vorhanden ist.

Nora Hansen: Ja, da kommen wir wieder zurück zum Mindset.

Roy Franke: Genau. Das ist das hier. Oder wenn natürlich die Kultur nicht da ist im Sinne von, es ist mein Gärtchen und ich will nicht, dass in meinem Gärtchen was geändert wird. Oder es darf in meinem Gärtchen was geändert werden, aber ich gebe mein Knowhow nicht dem anderen Gärtner weiter innerhalb der gleichen Firma.

Nora Hansen: Genau, immer schön die eigene/

Roy Franke: Genau, da passen wirklich so ein paar Killer-Sachen. Dann ist, ich glaube, ein Killer ist auch, wenn ich mich eher auf Erfahrungswerte oder nur auf Zahlen stütze, dann kann ich natürlich alles zu Tode argumentieren, wieso das jetzt nicht funktionieren soll, weil die Statistik zeigt es ja, und last but not least, man spricht zwar immer der Kunde ist König, aber ich habe das Gefühl, oftmals wird der Kunde halt vernachlässigt oder ist gar nicht mehr so im Fokus.

Nora Hansen: Wie meinst du das?

Roy Franke: Also ich bringe was Neues raus, aber überlege mir gar nicht mehr, ist das wirklich, was der Kunde am Ende vom Tag will oder packe ich zu viele komplizierte Funktionen in eine App rein, wo der Kunde vielleicht so gar nicht haben möchte.

Nora Hansen: Ach so, wo man sich vielleicht als die Person, die das entwickelt, denkt: „Boah, das wäre ja cool“, aber man ist natürlich selber viel mehr in der Materie drin.

Roy Franke: Ganz genau, und ich glaube, das ist sicher etwas, was man wieder ein bisschen stärker lernen müssen, mal wieder auf den Kunden/ Kunde meine ich nicht nur unbedingt der, der zahlt, weil es kann ja auch sein, dass ich intern was ändere, also zum Beispiel gehen wir ein bisschen in den Bereich soziale Kultur-Innovation, also wenn ich zum Beispiel neue Arbeitsmodelle ausprobieren möchte, dann wäre es der Mitarbeiter. Also einfach wirklich der, der es am Schluss benutzt, dass ich den wieder stärker ins Boot reinhole und von ihm auch das Feedback zurückhole oder auch mal schaue, wie er sich überhaupt verhält, wenn es darum geht. Und ich glaube, wenn ich das nicht mache, dann verhindere ich auch wirklich die Innovation oder sie läuft einfach nicht erfolgreich.

Nora Hansen: Ja, vor allen Dingen, wenn es für die Leute, für die es gedacht ist, dann eigentlich nachher gar nicht funktioniert. Dann macht das Ganze irgendwie wenig Sinn.

Roy Franke: Genau, genau.

Nora Hansen: Jetzt hast du gerade eben gesagt, man soll nicht zu sehr auf Zahlen gucken. Denkst du, man braucht für Innovation eine gewisse Dosis an Mut?

Roy Franke: Ja, ich denke, Mut braucht man sicher. Aber ich denke, man muss schon abstecken können, was für Risiken gehe ich ein. Und was bedeuten die Risiken. Und ich glaube, wenn ich das dann definiert habe, dann kann ich auch den Mut aufbringen und kann sagen, ich gehe die Risiken ein. Und ich denke, es ist auch wichtig, dass ich definiere, was muss ich als erstes lernen oder als erstes überprüfen, und das sollte eigentlich die riskantesten Faktoren sein.

Nora Hansen: Das heißt, wenn man die ausschließt, dann ist das Ganze nicht mehr so riskant sozusagen?

Roy Franke: Genau, dann kann ich eigentlich den Prozess weiter, und umgekehrt wäre, ich starte einfach schon, ich sage jetzt was, ich starte mit der Produktentwicklung, investiere recht viel Geld und merke erst zum Schluss, das eigentlich gar kein Markt da vorhanden ist.

Nora Hansen: Ach, das wäre nicht so gut.

Roy Franke: Genau. Drum für mich das größte Risiko wäre ja dort, ist überhaupt ein Markt vorhanden und das halt am Anfang zuerst überprüfen, und dann kann ich die Risiken schon minimieren. Also ich denke nicht, dass Innovation bedeutet, ich bin blindlings risikofreudig und stürze mich irgendwo rein, sondern schon, dass ich versuche, wie kann ich das Risiko optimal minimieren oder zumindest im Griff behalten? Ja, genau.

Beeinflusst ein Job im Innovationsbereich auch das Privatleben?

Nora Hansen: Gab es in der Vergangenheit ein Projekt, wo du gesagt hast, boah, das hat mir am allermeisten Spaß gemacht? Egal ob jetzt bei der SBB oder bei deiner Selbstständigkeit?

Roy Franke: Also bei mir ist so, ich finde jedes Projekt, dass ich mache, ist in sich sehr speziell, und was mir halt einfach am meisten Spaß macht, und drum denke ich bin ich auch in einem richtigen Job, ich kann immer mit Menschen zusammenarbeiten, und das Schöne finde ich, dass man halt zusammen etwas Neues entwickeln kann.

Nora Hansen: Ich glaube, das macht Spaß.

Roy Franke: Ja, und das ist wirklich das Tolle dran. Dann kann ich jetzt dir gar nicht sagen, ob jetzt das eine schöner war wie das andere, weil jedes ist per se, war für mich ein Erfolgserlebnis. Weil einfach der Mensch, mit dem Mensch kann man was zusammen machen.

Nora Hansen: Aber das ist extrem schön, wenn du das so sehen kannst, das ist ja eigentlich ideal. Besser könnte es ja nicht sein.

Roy Franke: Genau, genau.

Nora Hansen: Das heißt, du bist eigentlich mit Herzblut in deinem Job dabei und möchtest auch die nächsten Jahre erstmal in dem Arbeitsfeld bleiben?

Roy Franke: Unbedingt, und ich glaube, da gibt es noch sehr viel zu tun und auch für mich selber zu lernen, und das macht es ja auch spannend.

Nora Hansen: Ja, das glaube ich. Jetzt noch eine letzte Frage, die mich interessieren würde. Du hast in deinem Leben ja jetzt extrem viel mit neuen Ideen, mit Entwicklung neuer Geschäftsmodell und so weiter zu tun, wirkt sich das Ganze auch auf dein Privatleben aus? Willst du da auch ständig irgendwas verändern oder verbessern?

Roy Franke: Also ich glaube, was sich auf jeden Fall auf mein Privatleben auswirkt, ist, ich suche schon ein bisschen, dass ich immer wieder was ändere oder so ein bisschen das Unstetige. Wobei ich es auch mal schätze, dass einfach am Wochenende nichts geplant ist und ich kann einfach mal am Samstagabend gemütlich auf dem Sofa liegen. Dazu muss schon auch Zeit sein.

Nora Hansen: Ja, ich glaube, das braucht man dann auch mal.

Roy Franke: Genau. Aber ich finde, es gehört dazu, oder, mit Reisen, Neues zu entdecken, Neues zu lernen, so, das ist wirklich das Spannende da.

Nora Hansen: Ja, ich muss sagen, bei mir zum Beispiel ist das so, dass ich es liebe, privat neue Dinge irgendwie zu machen, mein Zimmer umzustellen, irgendwelche neuen Dinge zu lernen oder so, aber bei der Arbeit dann noch so ein bisschen verhaltener bin, weil ich da einfach nicht so 100 Prozent so selbstbewusst sein kann wie in meinem privaten Umfeld. Da finde ich es zum Beispiel einen Ticken schwieriger, neue Ideen reinzubringen.

Roy Franke: Aber ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis du dann/

Nora Hansen: Ja, und der Gewöhnung, klar.

Roy Franke: Genau. Und ich kenne jetzt dein Umfeld nicht, aber wenn das entsprechend du dort Vertrauen gefasst hast, kann ich mir gut vorstellen, dass dann auch deine private Seite ein bisschen stärker noch zum Zug kommt im Beruf.

Nora Hansen: Ja, vermutlich, ganz klar. Ich meine, wir sind ja auch ein junges Unternehmen, was ich wieder den Vorteil finde an ganz kleinen Unternehmen, da geht so was wie Innovation natürlich extrem schnell. Da sind die Hierarchien klein und da gibt es kaum Dienstwege, die man beschreiten muss.

Roy Franke: Das ist super, und da kannst du wirklich mal schneller was ausprobieren oder du wirst auch schneller, kriegst schneller ein Feedback.

Nora Hansen: Ja, genau, also zum Beispiel den Podcast gibt es ja auch erst seit März, April? Ich weiß es nicht. Also das ging auch relativ schnell.

Roy Franke: Das ist super.

Nora Hansen: Na ja. Ich danke dir auf jeden Fall, dass du deine Geschichte und deine Berufserfahrung heute mit uns geteilt hast.

Roy Franke: Ja, herzlichen Dank, sehr gern geschehen.

Nora Hansen: Dann wünsche ich dir noch einen schönen restlichen Tag.

Roy Franke: Danke, dir auch.

Nora Hansen: Ciao.

Roy Franke: Tschüss, Nora. Ciao, ciao.

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.