Vom Influencer zum Beratungsunternehmen – Robin Kiera: Digital Scouting (S01EP16)

Nora Sophia Hansen

Vom Influencer zum Beratungsunternehmen – Robin Kiera: Digital Scouting (S01EP16)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Vom Elefanten im Raum zum innovierenden Beratungsunternehmen. Robin Kiera macht auf das aufmerksam, was Innovation nicht nur behindert, sondern auch verhindert. Seine internationale Bekanntheit im Bereich Digitale Transformation erlangte er vor allem durch Auftritte als Speaker und dem Aufbau einer online Community zum Austausch von Informationen. Mit der Gründung von Digital Scouting hilft Kiera Unternehmen dabei ihr Innovationspotenzial zu entfalten – und das mit einer sehr direkten Art und Weise.

Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

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Vollständiges Transkript

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Folge. Bei mir zu Gast habe ich heute Robin Kiera. Er ist Gründer von Digitalscouting und ist eigentlich ziemlich schnell zu einem ziemlich großen Influencer geworden. Das heißt, das heutige Thema wird so ein bisschen abweichen von den letzten Podcasts, aber ich denke, dass eigentlich dieses ganze Influencer-Thema schon an sich eine sehr innovative Geschäftsmodellidee ist. Und deswegen werden wir da heute mal direkt einsteigen. Hallo Robin.

Robin Kiera: Hallo. Vielen Dank für die Einladung. Ich freu mich schon sehr.

Gründer und Influencer – Wie kam es dazu?

Nora Hansen: Sehr gerne. So. Du bist Influencer, aber auch Gründer. Erzähl mal. Wie kommt das? Wie hängt das zusammen?

Robin Kiera: Genau. Vielleicht muss ich dazu sagen, ich habe, bevor ich irgendwie dazu wurde, zehn Jahre schon für große Unternehmen gearbeitet und auch für Startups. Und ab einem gewissen Zeitpunkt habe ich angefangen, einfach auf LinkedIn, Xing, Twitter Inhalte zu teilen, besonders weil ich in der Versicherungs- und Bankenwirtschaft unterwegs war und mich da sehr viele Sachen geärgert haben, oder weil die jetzt nicht zu den Innovativsten gehören und sich selbst manchmal im Weg stehen, das Potenzial unendlich groß ist, aber irgendwie wir nicht aus dem Quark kommen.

Nora Hansen: Mhm, da passiert einfach nichts.

Robin Kiera: Genau, und beziehungsweise nicht viel. Und ich habe dann immer sozusagen auch Standpunkte vertreten, habe gesagt, Vorstand feiert sich ab, weil er irgendwie mit der Innovations-Butterreise in Berlin war und sie ein Foto ohne Schlips gemacht haben. Und dafür wollte er gefeiert werden. Dann sage ich: „Halt. Nein Leute, das reicht vielleicht nicht ganz, um so ein Multimilliarden-Euro-Konzern zu transformieren. Und das führte dazu, dass ich immer mehr Follower gekriegt habe. Es war aber so graduell. Das habe ich eigentlich gar nicht so wirklich gemerkt. Und ich habe auch immer schon angefangen,  Meetings zu machen auf Konferenzen. Und da war ich auch immer sozusagen der, der da sozusagen auch über die, Amerikaner sagen immer the Elephant in the Room, gesprochen hat, also über die Industrietabus. Ich bin jedes Mal auf die Bühne gegangen und habe mir gesagt, wenn ich nie wieder einen Job kriege, ist mir relativ egal.

Nora Hansen: Hauptsache die Leute wissen, was du mitteilen wolltest.

Robin Kiera: Nein, sondern Hauptsache wir reden über die Themen, die wichtig sind. Ich meine, es sind ja Millionen Jobs in Gefahr, wenn wir jetzt nicht langsam aus dem Quark kommen sowohl im Versicherungs- und Bankenbereich, aber auch in anderen Industrien. Und es gibt ja innovationsgetriebene Leute und Entscheider innerhalb der Unternehmen und die zu unterstützen mit Argumenten. Weil wenn die zu ihren Vorständen hingehen oder der Vorstand selber dann zu seinen Kollegen was sagt, ist das eine. Oder wenn die halt sagen: „Schau mal, der Kiera auf der Bühne, sagt dasselbe. Kann es ja gar nicht so verkehrt sein. Und das führte dazu, dass ich immer eine höhere Anhängerschaft bekam und, wie gesagt, wir sind jetzt über 50000, 55000 mittlerweile. Und unsere monatliche Reichweite über all unsere Social Media Kanäle liegt so im unteren zweistelligen Millionenbereich pro Monat.

Nora Hansen: Respekt.

Robin Kiera: Ja, das ist natürlich irre.

Nora Hansen: Ja, auf jeden Fall.

Vom „The Elephant in the Room“ zum Influencer

Robin Kiera: Ja, ich bin jetzt auch, wie gesagt, es sind eigentlich langweilige Themen, so Innovation in traditionellen Unternehmen oder auch skalierenden Startups zu helfen. Das ist jetzt nicht so, bin jetzt sozusagen auch nicht sozusagen prädestiniert, sonst Bademode oder so was vorzuführen, sondern relativ langweilige Themen. Ich finde es nicht langweilig. Ich finde es super spannend. Und das führte eben dazu, zu einer hohen Reichweite. Und irgendwann mal hat mich irgendein Journalist als Influencer bezeichnet. Und ich weiß noch, dass ich im ersten Moment gedacht habe, ist es jetzt was Gutes? Oder muss ich dem jetzt irgendwie eine Unterlassungserklärung ins Haus schicken? War was Gutes, weil ab dem Zeitpunkt das auch relativ dann auch weiter gesteigert hat. Ich hatte relativ viel Glück, weil ich habe nämlich zwei Sachen gemacht. Ich habe einmal, wir scouten regelmäßig Startups und schauen uns die an. Und eins habe ich gesehen, wenige Monate, wenige Wochen eigentlich nach der Veröffentlichung, habe ich gesagt, das wird ganz groß werden. Das war Lemonade. Und Lemonade ist jetzt das größte Insuretech der Welt und wird mit Milliarden bewertet. Und da hatte ich natürlich sozusagen recht. Und auch ich habe gesagt, Amazon wird in den Versicherungsmarkt einsteigen. Jeder hat mich für verrückt erklärt, ist passiert. Und ich habe auch 17 Sachen gesagt, die haben sich nicht, oder nicht ganz so eingetreten sind. Aber an solche Sachen erinnert man sich dann. Und, wie gesagt, unsere Reichweite ist enorm geworden. Gestern haben wir das erste Video auf YouTube bei uns, was über 100 000 Views bekommen hat, über die Trends in der Versicherungswirtschaft 2019.

Nora Hansen: Das ist doch mal eine Ansage.

Vom Hobby-Influencer zur Vollzeitbeschäftigung

Robin Kiera: Genau. Das ist eine Ansage. Und es lebt halt wirklich von einer Community. Und ich hatte zu dem Zeitpunkt auch noch einen regulären Job. Ich habe bei einer Bank die ganzen Software- und Produktentwicklungen der digitalen Tochtergesellschaft geleitet. Also, ich habe das alles immer on the Side gemacht. Aber meine Frau hat irgendwann zu mir gesagt: „Robin, du musst dich entscheiden. Willst du das jetzt hier professionell machen? Oder machst du das vier Stunden als Hobby, dann aber nicht mehr als vier Stunden die Woche“. Sie hat auf Antwort B gehofft. Ich habe Antwort A gesagt. Ich habe zu dem Zeitpunkt immer relativ schnell angefangen, Leute zu hiren, die sozusagen einzelne Sachen von mir übernommen haben. Deswegen waren wir auch in der Lage, relativ stark zu wachsen. Und ab einem gewissen Zeitpunkt eben ging das gar nicht mehr. Da musste ich meinen Hauptjob eben kündigen.

Nora Hansen: Ja, klar.

Robin Kiera: So gern ich das auch gemacht habe. Ich mein, wir haben eine App gebaut im Wealth Tech Bereich, die über eine Milliarde Assets an Information gesammelt hat, super erfolgreich. Aber es bringt dir halt nichts, wenn dir der Laden nicht gehört.

Nora Hansen: Genau. Letztendlich hast du selber persönlich nicht viel davon.

Robin Kiera: Der Ruhm, der Ruhm, ja, aber das bringt einen dann doch/ Also, ja, das ist nett und lustig, auf Partys zu erzählen, aber halt irgendwie so für einen bringt das nicht letztendlich was.

Nora Hansen: Letztendlich bringt das das Essen dann auch nicht auf den Tisch. Also, klar, die Bezahlung vom Job schon, aber es wird dann nicht mehr.

Robin Kiera: Genau.

Schweineglück oder harte Arbeit?

Nora Hansen: Voll spannend, dass du eigentlich ja relativ klein angefangen hast und dann durch deine ganzen Speaker-Jobs und einfach irgendwie durch einen kleinen nach dem anderen so groß gewachsen bist. Das ist eigentlich das, was man immer wieder hört und sich denkt, ja, gut. Und wie soll das jetzt funktioniert haben? Hatte er da einfach nur Schweineglück, oder was?

Robin Kiera: Nein, ich glaub das Geheimnis ist ein bisschen, das ist gar nicht so geheimnisvoll. Dafür immer, dass das zum Beispiel, wenn man, man kann Analogien nehmen, abnehmen ist auch nicht schwer. Abnehmen ist super einfach. Jeder weiß, was man dafür machen muss. Gesunde Ernährung und Sport. Ich weiß es auch. Mach ich trotzdem nicht. Ich trinke grad Kaffee, Cola und habe einen Schokoriegel vorhin gegessen. Sport lass ich auch regelmäßig ausfallen.

Nora Hansen: Prioritäten muss man setzen.

Robin Kiera: Genau. Und so ist das mit Influencing, glaube ich, auch. Das Geheimnis ist einfach Beständigkeit. Ich habe das halt über viele, viele Jahre gemacht. Bevor ich angefangen habe, war ich bei Social Media, Sachen zu posten, habe ich schon vorher zehn Jahre ganz viel Networking gemacht. Das heißt, ich bin auch sehr gern mit Menschen zusammen. Ich geh sehr gerne auf Veranstaltungen, bilde mich fort. Habe da sozusagen natürlich auch von den Leuten dann die Visitenkarten eingesammelt und das bei Xing und LinkedIn ge-added einfach nur so, auch mit den Leuten in Kontakt zu sein. Ich find das immer spannend, was aus ihnen so wird, was die so machen. Ab und zu kann man ja auch unterschiedlichen Leuten helfen. Und das war sozusagen die Basis. Und dann halt auch irgendwie mal mich zu überwinden und dann einfach mal was zu posten. Und das war unglaubliche Überwindung. Aber als ich es dann gemacht habe, war es dann, habe ich es konsistent durchgezogen und habe immer das, was gut funktioniert hat, skaliert. Und das, was halt einfach nicht funktioniert hat, habe ich einfach sein lassen, auch eine Bauernweisheit.

Nora Hansen: Genau, wie du es sagst. Es ist einfach die Kontinuität. Ganz wichtig.

Digital Scoutings „Attention Hacking“

Robin Kiera: Ja, ist auch viel Arbeit. Ich habe da teilweise zwei Vollzeitjobs parallel gehabt. Aber vielleicht noch mal zum Thema, was macht der Digitalscouting eigentlich? Wir sind jetzt eine Beratungsagentur mit 20 Leuten. Wir helfen Versicherern und Banken, vor allem aber auch Startups in diesem Bereich, bei der Entwicklung digitaler Produkte und Services und auch bei Markteintritt nach Deutschland oder auch in anderen Ländern oder halt auch mit den ganzen Tools und Taktiken, die wir gefunden haben im Marketing und Social Media Bereich. Wir nennen das Attention Hacking. Weil was passiert ist, ist nämlich ab einem gewissen Zeitpunkt, und das ist der Clou auch so ein bisschen, dass immer mehr Anfragen kamen. Da war nicht mehr die Anfrage: „Ja, hier kommen Sie mal vorbei und putschen Sie und motivieren Sie uns mal alle von der Bühne.“ Und rara, wir füllen und legen richtig los, sondern sagen dann: „Ja, was bedeutet das denn eigentlich konkret für mein Unternehmen?“ Und daraus sind eben die ersten Beratungsprojekte entstanden, noch bevor die Company überhaupt gegründet worden ist. Und das ist, glaube ich, sozusagen der Clou, dass man über massives, und wir produzieren wirklich massiv viel für die einzelnen Social Media Kanäle, dass man ständig auf dem Schirm potenzieller Entscheidungsträger, potenzieller Kunden ist und dass man eben kein Vertrieb macht. Wir machen null Vertrieb. Und das Einzige, was wir machen, ist, wir schauen uns an, was für Anfragen reinkommen. Und da suchen wir uns auch nur die spannendsten Sachen raus. Also, ich glaube, das ist der Clou. Ich glaube, jeder in seiner Nische kann, wenn er die Ausdauer hat, und auch darüber über seinen Schatten springen kann, tatsächlich aus einem Push-Vertrieb ein Pull-Vertrieb machen. Ich denk, das ist dann so die Lehre.

Nora Hansen: Ja, ich find ganz spannend, was du sagst, dass ihr eigentlich eine Beratungsagentur seid, weil euer Auftritt nach außen hin ja eigentlich erstmal Videos und Social Media ist. Aber das ist natürlich eine geniale Marketingstrategie.

Von einer Austausch-Community zum Unternehmen

Robin Kiera: Ja, gut, das hört sich jetzt natürlich so an, also ob wir den Masterplan gehabt hätten, hatten wir natürlich Null, sondern als erstes war die Plattform da. Als erstes haben wir gesagt, okay, wir unterstützen eine internationale Community von Innovatoren. Bei uns, bei der Digitalscouting.de, gibt es vor allem Innovatoren rund um die Welt in traditionellen Unternehmen oder Unternehmer, die halt sich grad was gegründet haben. Mein Ansinnen war, ich wollte einen Ort haben, wo Leute sozusagen ernsthaft mal Best Practices sharen können und nicht immer nur dieses PR-Gerede und auch: „Ja, ich wusste gar nicht, wie mir war. Und plötzlich war ich ganz reich.“ Nicht richtig ernsthaft mal ihre Sachen da teilen. Wir hatten das Glück, auch über persönliche Connections, dass da wirklich die da auch ein paar bekannte Leute draufgekriegt haben. Daniel Schwabe, der Gründer von Lemonade, der Carsten Maschmeyer, andere oder auch, die bei der Turex, super spannend sind im Geschäft der Versicherungsaufsicht, die man sonst irgendwie nie vor das Telefon oder vor ein Mikrofon kriegt.

Nora Hansen: Nein, eben. Und dann hat man den im Video vor sich sitzen und denkt, oh, krass.

Robin Kiera: Genau, und der teilt dann. Und, wie gesagt, das ist unsere inhaltliche Plattform, das ist auch das Herzstück von Digitalscouting und unsere Beratungsagentur oder unsere Beratungsagentur ist quasi vor allem dann, wenn die Leute sagen: „Komm, hilf uns mal.“ Das Hauptwichtigste ist tatsächlich immer weiter, den Leuten die Inhalte zur Verfügung zu stellen, den Leuten zu helfen. Das ist sozusagen unsere Hauptmission. Und den Rest machen wir auch.

Nora Hansen: Ja. Es ist ja jetzt so, dass eigentlich Social Media vor allen Dingen in den letzten Jahren extrem groß geworden ist. Das klingt zwar immer so ein bisschen so, ja, die neue digitale Gesellschaft. Aber es ist halt tatsächlich so. Würdest du jetzt sagen, dass das erstens wirklich von der Zeit abhängt? Und was sind die Aspekte, die Social Media so erfolgreich machen? Warum bringt euch das jetzt so viele Leute?

Vor- und Nachteile der Arbeit mit Social Media

Robin Kiera: Na ja, es ist ja so, wenn du das vergleichst, früher gab es die Zeitung, wo dann sozusagen die Aufmerksamkeit der Leute war. Unser Hauptpunkt, wo wir immer drauf schauen, ist, wo ist die Aufmerksamkeit unserer Zielgruppe, Aufmerksamkeit von Entscheidern, Aufmerksamkeit von Endkunden? Das ist eigentlich relativ egal, B2B, B2C. Wo ist die Aufmerksamkeit? Und was wir einfach festgestellt haben, ist, die Aufmerksamkeit ist halt nicht mehr bei ARD und ZDF. Ja, früher mussten die Leute die Grütze, die die produziert haben, auch angucken, weil es gab keine Alternative. Und jetzt kannst du dein Telefon in die Hand nehmen. Du kannst gucken, was du willst. Und deswegen setzen sich halt einfach Formate durch, die die Leute wollen. Es ist also quasi eine Demokratisierung des Medienkonsums. Es gibt neue Kanäle, wo die Leute einfach sind, weil das ihre Bedürfnisse befriedigt.

Nora Hansen: Genau. Es ist spezialisierter.

Robin Kiera: Nicht nur das, sondern einfach auch anders. Ich meine, so eine Netflix-Serie sieht halt ein bisschen was anderes aus als irgendwie die Schwarzwaldklinik. Und die sind halt einfach viel, viel mehr in der Lage, das Kundenbedürfnis zu befriedigen. Und ich glaube, das ist der Hauptclou. Und deswegen ist Social Media entstanden. Und das ist halt auch die Riesenchance für jeden, der Social Media nutzt, seiner Zielgruppe massiven Wert und massiven Mehrwert zu geben. Viele Leute von mir sagen, Robin, du gibts 99,9 Prozent, eigentlich 100 Prozent deines Fachwissens gibst du im Internet preis. Eigentlich braucht man uns gar nichts zu buchen und zu hiren. Du kannst es alles selbst machen. Dann sagen die immer, hast du nicht Angst, dass das auch Leute das kopieren und klauen? Und ja, das passiert auch, ist mir aber relativ egal, weil die Leute wollen am Ende doch das Original haben. Und wenn ich ganz ehrlich bin, wenn Leute sagen: „Hey, mir reicht es auch, die ganzen Videos anzugucken und Artikel zu lesen. Und es reicht mir in meiner täglichen Arbeit, um voranzukommen.“ Sag ich: „Das ist fein. Super, freut mich. Genau, mach das. Und wenn wir uns auf einer Konferenz sehen, dann lad mich auf einen Kaffee ein, das wär ganz nett.“ Aber an sich funktioniert das trotzdem, weil der Markt ist so gigantisch groß.

Nora Hansen: Es wird außerdem immer jemanden geben, der euch trotzdem als Beratung haben will?

Robin Kiera: Genau. Und so würde ich das eben auch für andere sehen, für andere Geschäftszweige, dass man eigentlich massiv Inhalte zur Verfügung stellen muss, massiv in Text, Video und Audioform, um sozusagen Mehrwert für den Kunden zu liefern. Und da gibt es ein paar Fallstricke, die man so beachten kann oder beachten sollte. Und es ist halt wirklich mit dem einen Video halt nicht getan. Wir haben im letzten Jahr, im letzten Jahrhundert 20 Videos produziert. Das ist jeden dritten Tag ein Medio. Und von den 120 Videos sind sieben, die unsere Subscriber bei YouTube produzieren und wo wir massiv dann auch Geld reingeben. Und du musst halt erstmal diese Masse produzieren, um zu gucken, was funktioniert. Was sind die verschiedenen Algorithmen. Die Algorithmen verändern sich auch ständig. Man muss am Ende des Tages so eine Maschine bauen, so eine Marketingkommunikationsmaschine. Das muss noch nicht mal viel Geld kosten.

Nora Hansen: Ja, gut. Jetzt sagst du, ihr steckt Geld rein. Und es muss nicht viel Geld kosten. Aber wie kriegt ihr Geld daraus selber?

Social Media als Plattform für Wissens-Austausch

Robin Kiera: Gar nichts. Also ich krieg von meinem Content gar nichts. Ich gebe alles kostenlos raus. Wir haben auch viele Medienpartnerschaften und Konferenzen. Wir geben auch viele Tickets kostenlos raus, machen viele Ticketverlosungen. Ich sag immer zu den ganzen Konferenzen, wir wollen nicht an irgendwelchen Verkäufen teilhaben. Das will ich gar nicht, sondern wir kriegen das meistens über die Beratungsmandate. Da subventionieren wir das einfach.

Nora Hansen: Das heißt, dein Ziel mit deinem Online-Auftritt ist gar nicht mal, Geld zu machen, sondern einfach den Leuten dein Wissen wirklich zu vermitteln und sie daran teilhaben zu lassen?

Robin Kiera: Ja, so ein bisschen, und was der Effekt daneben ist, dass wir halt trotzdem sehr hohen Umsatz machen. Also, das heißt, du hast auf der einen Seite, geben wir all unser Wissen for free raus. Wir versuchen für die Community Audio, Video, Textinhalte zu bauen, die denen was bringen und interviewen ganz viele Leute in einem Netzwerk und so. Aber irgendwie kommen die Aufträge dann trotzdem. Unser Ziel ist es schon, wir sind ein professionelles Unternehmen, was wirklich auch Umsatz und Profit generiert, aber witzigerweise passiert das grade dadurch, dass wir total unbeabsichtigt und ohne jetzt den super strategischen Plan einfach enorm viel Mehrwert für andere produzieren.

Nora Hansen: Ja, okay. Und jetzt ist das Ganze, was ihr macht ja eigentlich schon ziemlich innovativ. Aber habt ihr von Anfang an so angefangen? Oder war zum Beispiel die Verlagerung von Social Media zu Beratung am Anfang anders? Was hat sich mit der Zeit so getan?

Robin Kiera: Also, was sich halt sehr stark verändert, sind die Algorithmen in den einzelnen Social Media Kanälen.

Nora Hansen: Und das beeinflusst dich sehr?

Robin Kiera: Ja, klar. Weil ich meinen Kunden natürlich dann Empfehlungen gebe. Wenn ich denen dieselben Rezepte vermittle, die irgendwie vor zwei Jahren relevant waren oder vor einem Jahr, oder vor einem letzten Google Core Update oder im letzten LinkedIn Update, dann funktioniert das alles eben nicht mehr.

Nora Hansen: Nein, ist klar.

Robin Kiera: Und das verändert sich schon dramatisch und schnell. Es tun sich auch neue Opportunitäten auf, grad im Messaging-Bereich sehen wir das grade. Und da sehen wir diese Veränderungen. Und bei uns war es halt erst, dass wir erst quasi eine Community aufgebaut haben und unglaublich viel Mehrwert versucht haben zu liefern. Und am Ende kam eben das Business dabei raus, kein strategischen Plan, sondern das folgt. Wir sind schon strategisch, indem wir merken, und ganz hart und ehrlich sind, dass wir einfach sagen, okay, was funktioniert? Und was funktioniert nicht? Und das ist auch so ein bisschen unser USP. Wir werden nie neu reingeholt als die erste Beratung oder so, sondern meistens werden wir reingeholt, wenn die Leute mit ihrer aktuellen Beratung mega unzufrieden sind.

Nora Hansen: Okay, und nicht mehr weiter wissen.

Was macht Digital Scouting so besonders?

Robin Kiera: Nicht nur das, sondern wir sind halt bekannt dafür, dass wir halt einfach unser ehrliches Feedback geben. Und das tun halt viele andere Beratungen nicht. Letztens meinte mal jemand zu mir, ich habe ihm gesagt, wir kommen gerne vorbei. Und wir machen das Projekt mit euch. Aber ihr müsst wissen, wir sind halt da sehr, sehr ehrlich, wenn wir merken, zum Beispiel eure App ist nicht, finden wir nicht gut. Dann sagen wir das auch so, nett und freundlich, aber die Borderline ist, finden wir kacke. Ja und gute Gründe und bringen dann auch Hilfe, wie es dann besser geht. Da meinte er: „Robin, wenn ich wollen würde, dass mir jemand sagt, was ich hören möchte, würde ich einen vorengagieren, nicht dich.“ Also, wir sind bekannt für dieses wirklich harte, ehrliche, direkte Feedback. Und so wie ich früher auf die Stage gegangen bin, gesagt habe, mir ist egal, ob ich wieder einen Job in der Industrie finde, gehe ich jetzt in die Projekte rein. Mir ist egal, ob ich jemals wieder einen Follower Auftrag kriege, ich werde die Mission des Entscheiders, der uns gehired hat, erfüllen.

Nora Hansen: Ja, gut, aber das macht euch auch aus. Und ihr macht euch dadurch einzigartig.

Train the Trainer!

Robin Kiera: Genau. Und wir geben auch all unser Wissen weg. Letztens hatte ich grad einen Call mit jemanden, der gesagt hat, habe ich das richtig verstanden? Ihr macht da so den Train the Trainer Ansatz? Sag ich, ja, genau. Unser Ansatz ist, dass wir selbst überflüssig werden, und zwar so schnell wie möglich. Wir wollen nicht, dass die Leute an unserem Tropf hängen. Witzigerweise ist aber, dass da trotzdem immer wieder neue Themen kommen, weil wenn die merken, wenn die in einem Großunternehmen, die Entscheider merken, oder auch die Innovationsmanager merken, dass man wirklich einen Mehrwert bringt, Probleme löst. Und die Probleme sind dann weg und nicht einfach nur dann woanders. Dann kommen die mit sieben neuen Problemen um die Ecke. Und dann kann man dann da auch da helfen.

Nora Hansen: Ja klar, dann ist das eigentlich wie so ein Selbstläufer, dass ihr feststellt, oh, da haben wir jetzt angefangen anzusetzen, aber da und da ist auch noch was, was bearbeitet werden muss.

Robin Kiera: Genau

Welche Probleme werden angegangen?

Nora Hansen: Wenn ihr jetzt mit euern Kunden zusammen arbeitet und die beratet, in welchen Bereichen genau beratet ihr die? Nenn mir mal irgendein Beispiel, mit welchem Problem ein Kunde zu euch kommen könnte?

Robin Kiera: Ein Problem ist beispielsweise, die Vertriebsmannschaft ist super im operativen Geschäft tätig. Aber der Vertriebschef weiß, wenn die jetzt nicht bald was ändern in den nächsten, ein, zwei, drei Jahren, dann haben die ein Problem. Was zum Beispiel eine Einstiegsdroge ist, sage ich immer, und Probepäckchen ist. Ich komm vorbei. Ich halte einen Vortrag vor der Vertriebsmannschaft. Nehmen uns ein Tag noch ein bisschen Zeit, machen noch einen kleinen Workshop, machen vielleicht noch einen, produzieren gemeinsam noch einen Vlog, weil wir sind ja sehr stark im Videobereich. Und verbringen so einen Tag miteinander. Oder zum Beispiel, ein großes Unternehmen überlegt sich, wie können wir Innovationen machen? Haben vielleicht schon sieben Sachen ausprobiert, haben nicht funktioniert. Und dann sagen sie, okay, Robin, wir überlegen uns, ein Corporate Startup zu gründen oder wir überlegen uns intern Innovation zu machen oder extern Innovation zu machen. Dann helfen wir konkret, entweder bei der Gründung von so einem Corporate Startup. Bei der Entscheidungsfindung helfen wir. Dann, wenn sie sich dafür entscheiden, auch bei der Gründung, bei dem Hirering Prozess. Oder wenn sie ein Corporate Startup haben, was vielleicht so ein, zwei Jahre schon am laufen ist, aber jetzt noch nicht irgendwie das Milliarden-Euro-Produkt gebaut hat. Da helfen wir auch. Wir helfen vielen auch bei der Entscheidung, machen wir jetzt weiter? Machen wir jetzt nicht weiter? Und manchmal werden wir von den Investoren, also quasi von den Corporate Investoren gerufen. Manchmal werden wir auch von den Corporate Startups selber gerufen, die dann sagen: „Hey, unsere Vorstände verstehen irgendwie nicht, was wir eigentlich machen.“ Und dann helfe ich dann meistens, weil die Außenperspektive hilft. Wir hatten jetzt einen Kunden, die mit relativ super wenig Geld im Vergleich zum Gesamtkonzern tatsächlich ein, zwei gute Produkte gebaut haben. Oder wo ich denen gesagt habe: „Leute, selbst wenn die Produkte nicht erfolgreich sind, die Digitalprodukte, die ihr gebaut habt, ihr habt es geschafft, überhaupt eine Einheit zu bauen. Schaut euch die sieben Mitbewerber an, die zehn, 20, 30-fache an Geld auszugeben haben, die haben noch nicht mal geschafft, so eine Einheit zu bauen. Und ihr habt ein einheitliches Produkt gebaut. Seid doch erstmal froh und mal langsam zu überlegen, was kann der nächste Schritt, die nächste Phase sein?“ Da sind die meistens auch super froh, weil die sagen, die Außenperspektive hilft halt. Aber das kennt man ja von einem selber auch, wenn man einem alten Freund nach langer Zeit wieder trifft und dem erzählt, dann weiß der auch die besten Tipps und Tricks kommen dann von ihm. Man selber denkt sich, hätte ich auch gewusst.

Nora Hansen: Ja, man braucht einfach jemanden, der das nicht jeden Tag sieht. Das ist wie, dass man selber nicht feststellt, dass man gewachsen ist als Kind, außer die Verwandten. Das sagen die dann alle, alle drei Monate mal zum Kaffee kommen und sagen: „Boah, du bist aber groß geworden.“ Das geht halt nicht, wenn man da drin steckt.

Robin Kiera: Genau

Nora Hansen:Und die Beratung, ist die immer im digitalen Bereich? Also gibt es da immer Probleme im digitalen Bereich? Oder macht ihr auch grundlegendere Sachen, die jetzt nicht unbedingt auf das Digitale bezogen sind?

Robin Kiera: Also zum Beispiel jetzt Wertschöpfungsketten, Logistik und all so was. Da muss ich ganz ehrlich sagen, da gibt es Leute, die können das bestimmt sehr viel besser und sind auch günstiger als wir, sondern wo wir richtig gut drin sind, ist tatsächlich generell Bau digitaler Produkte und Services. Da sind wir richtig gut drin und helfen, wenn du schon was hast, als auch, wenn du noch nichts hast. Da sind wir richtig gut drin. Wir helfen auch bei strategischen Fragen, weil irgendwann auch, wenn wir nicht mit Produkten beschäftigt, gibt es auch grundsätzliche strategische Fragestellungen. Da sind wir aber auch eher sozusagen der Sparrings Partner, wo die Leute sagen: „Robin, oder bringt doch mal ein paar verrückte Ideen.“, oder: „Was würdest du an unserer Stelle machen, wenn du irgendwie grad blanche bist, gehen wir auch in die Strategierichtung. Oder wir machen auch viele Gutachten quasi. Das hört sich jetzt ein bisschen langweilig an, aber wo wir halt so Feedback strukturiert geben. Und was wir halt auch machen, wir bringen Leute zusammen. Das heißt, wenn du ein traditionelles Unternehmen bist, dann innerhalb von kürzester Zeit irgendwie auch mit den großen Innovationsleuten in der Diner Industrie oder meinetwegen auch mit den großen Technikern mal zusammen machen willst. Da können wir auch Leute richtig zusammen bringen. Also wir machen so, Leute manchmal sagen, Robin, du bist ein bisschen wie Tinder von digitalen Innovationen.

Nora Hansen: Das ist ja mal eine coole Bezeichnung. Das heißt, man kann eigentlich zusammenfassend sagen, wenn man jetzt mal das Inputmäßige weglässt. Ihr seid eigentlich die Meinung von außen und die, die über das Ganze drüber schauen und sagen, da muss noch was gemacht werden. Oder das ist schon gut so.

Theoretische Lösungsansätze in der Praxis umsetzen

Robin Kiera: Genau. Wir sind nicht nur da und lehnen uns im Sessel zurück und geben unser Feedback, sondern wir helfen tatsächlich auch konkret. Wir sagen dann: „Wie können wir das konkret umsetzen? Weißt du, bei uns kriegst du nicht nur teure Powerpoints, sondern wie kannst du das konkret umsetzen. Wir kommen ja von der Praxis. Unsere Antwort auf die Digitalisierung kannst du im AppStore runterladen. Wie es Millionen andere schon gemacht haben, genau dieses Produkt.“ Und deswegen ist das eben authentisch. Und was uns, mir noch wichtig ist, wir sind nicht eine hit and run Veranstaltung. Das heißt, wir kommen nicht hin. Und alle sind froh und glücklich. Und wir haben ganz viele bunte Post-it´s an der Wand kleben. Machen wir auch. Aber mein Ansinnen ist halt, dann auch noch an der Seite der Leute zu sein, wie so ein Personal Trainer. Nichts ist schwieriger als Innovation. Nichts ist schwieriger als Verhaltensänderung. Und das ist, haben wir Erfahrung mit gemacht, dass es viele Leute gut finden, wenn man dann tatsächlich auch regelmäßig mal nachhält, entweder vorbeikommt oder auch remote. Und die wirklich dann daran erinnert, was man nicht alles besprochen haben. Bei uns kriegst du meistens am Ende nach einer gewissen Zusammenarbeit, hast du ein Zielbild, hast du eine Roadmap, Actionplan. Und dann aber musst du das umsetzen. Und da haben wir festgestellt, dass es unglaublich hilft, wenn irgendwie, keine Ahnung, nächsten Freitag Robin entweder vorbeikommt. Und dann haben wir dann schon alles umgesetzt, was wir letztes Mal versprochen haben. Das hilft den Leuten. Und was den Leuten auch noch hilft, ist, dass sie manchmal auch einfach anrufen können und sagen: „Okay, ich habe hier ein Problem, Emergency. Was haltet ihr davon? Oder hier bringt mal ein bisschen Input von außen.“

Nora Hansen: Das heißt, ihr arbeitet gar nicht nur mit den Unternehmen zusammen, dass ihr den Workshop leitet und versucht, dass die ihre Ideen selber finden, sondern ihr bringt auch aktiv Ideen ein, die von euch selber kommen?

Robin Kiera: Ja, also das ist dann je nach Auftraggeber. Manche wollen echt nur so von der Kanzel die neuesten Trends und Tools und Taktiken haben, bringen wir auch. Die machen aber auch, bevorzuge entweder ganz klein mit dem Entscheider zusammen, was ihn auch zu schauen, mit ihm gemeinsam Sachen zu entwickeln oder dann auch mit den Teams dann zusammen Ideen zu entwickeln. Aber wir haben schon eine ganz klare Vorstellung, was wir glauben, weil wie beim Abnehmen. Das ist irgendwie total logisch, was man eigentlich machen muss, um in der digitalen Welt erfolgreich zu sein. Das sind zwei Dinge. Du musst digitale Produkte und Services bauen, die den Kunden in ihrem täglichen Leben helfen, weil sie dann deine Apps und Programme und Webseiten verwenden. Und dann hast du deren Aufmerksamkeit. Und irgendwann kannst du denen dann auch was verkaufen. Und darüber hinaus, wenn du das nicht, wenn du zu klein bist, das zu machen, dann musst du, aber auch als Großer, massiv Content produzieren, in Audio, Video und Textform, was den Leuten in ihrem täglichen Leben hilft, wo sie sagen: „Das hat mir aber jetzt geholfen.“

Nora Hansen: So bleiben sie auch dran.

Robin Kiera: Genau. Und nicht Werbung, hier zu produzieren oder irgendein Hochglanz Videospot zu machen mit Jürgen Klopp, der ein Opel fährt. Keiner glaubt, das Jürgen Klopp einen Opel fährt, fährt Porsche. Und das glaubt einfach keiner mehr. Und diese beiden Dinge muss man einfach machen. Und da unsere Mission ist es das, in die Organisation reinzubringen. Häufig ist das auch, wenn wir rennen durch offene Türen, weil die es irgendwie schon wissen, wie jemand, der Übergewicht hat, weiß, was er eigentlich machen muss. Aber es ist gut halt, wenn jemand vor der Tür steht und sagt: „So, hier sind sieben Beispiele, wie deine Nachbarn das gemacht haben.“

Nora Hansen: Eine suchst du dir aus. Und dann machen wir es.

Robin Kiera: Genau. Und dann lasst uns loslegen. Und wir sind auch hemdsärmelig unterwegs. Wir sagen auch, deswegen sage ich auch zum Beispiel, auch wenn wir selbst so ein Ein-Tages-Ding machen, sag ich: „Okay wir kommen vorbei. Und wir machen einen Vlog. Wir machen ein Video Vlog über dein Unternehmen oder über deine Abteilung, whatever.“ Einfach, um mal ins Tun zu kommen, weil ich meine, wie gesagt, PowerPoint und irgendwie bunte Zettel an der Wand, können sie von vielen bekommen. Das ist auch okay. Nur wir versuchen, sofort ins Doing zu kommen.

Nora Hansen: Find ich sehr spannend, was du erzählst, weil ich tatsächlich eine sehr ähnliche Situation im Privaten habe, und zwar ich mache sehr gerne Sport, aber, aber, aber, aber. Es ist immer so umständlich, sich für die ganze Woche einen Workout Plan zusammenzustellen. So, jetzt gibt es diese Website, die jedes dieser Videos frei verfügbar hat. Du kannst per Suchoption eingeben. Du willst Arme trainieren. Dann kriegst du die ganzen Armvideos, kannst noch filtern, wie lange du es machen willst, meinetwegen auch noch, wie viel Kalorien du verbrennen willst und welche Schwierigkeitsstufe. So. Nora ist aber immer noch zu faul dazu, und zwar gibt es jetzt die Option, du kannst dir Programme kaufen, wo du für einen geringen Preis für acht Wochen deinen Workout Pläne schon kriegst mit deinem Warmup und dem Cool down und dem Video. Und das ist so erfolgreich, einfach weil die meisten Leute, so wie ich einfach zu faul sind, sich diese Workout Routinen selber zusammenzustellen. Das ist ganz, ganz simpel.

Robin Kiera: Das ist ein super Beispiel. Und ich würde selbst sagen, selbst wenn die das kostenlos rausgeben würden, die würden immer noch Geld verdienen. Was wir festgestellt haben, ist, weil, wie gesagt, wir auch die Inhalte, die wir selber rausgeben massiv, das kann man sich alles runterladen auf unserer Homepage oder auf unseren Social Media Kanälen. Es ist alles gar nicht das Thema. Manchmal haben die Leute einfach ein super schlechtes Gewissen. Ich habe manchmal irgendwie auch Entscheider da sitzen, die dann sagen: „Ich weiß zwar nicht, was wir zusammen machen sollen. Wir sollten aber langsam mal was zusammen machen. Wir haben schon so viel profitiert von dem, was ihr da verbreitet. Jetzt müssen wir mal einen Weg finden, wie wir das auch mal geschäftlich umsetzen können.“ Und so ist das halt, wenn du halt richtig die guten Value deliverst. Und es ist halt einfach, in den letzten fünf bis zehn Jahren kenne ich fast keine Produkte im digitalen Bereich, die ein richtiges Bezahlmodell hätten. Von Anfang an, was erfolgreich gewesen wäre. Häufig liefern die unglaublich viel Mehrwert. Und an einer gewissen Stelle fragen sie dann. oder bieten sie die Möglichkeit an, dass man auch was kaufen kann. Und dann sagt man manchmal, ja, warum nicht?

Nora Hansen: Ja, das ist eigentlich, denke ich, ein sehr, sehr schlauer Weg, da so ein Fuß in die Tür zu kriegen.

Was kennzeichnet einen guten digitalen Weg?

Robin Kiera: Ja, das machen aber viele Unternehmen noch nicht. Viele Unternehmen, grade entweder bei der Entwicklung von digitalen Produkten und Services, nehmen sie einen qualvollen analogen Prozess und machen den digital. Dann haben die halt einen qualvollen digitalen Prozess und denken nicht, wie kann ich dem Kunden jetzt in seinem täglichen Leben helfen? Das ist total unabhängig von der Industrie. Oder sie machen halt marktschreierische Werbung und da ein bisschen geschickter, nehmen halt irgendein Celebrity, setzen den ins Auto und sagen halt, ja, Jürgen Klopp fährt Opel. Was halt irgendwie unsere heutige Generation ist, glaubt einem keiner mehr. Da diesen Weg zu gehen, nicht mehr irgendwie für zwei Millionen Euro ein Video zu produzieren, sondern für eine Million Euro irgendwie 48 Videos zu produzieren, die aber hoch getargeted sind für unterschiedliche demografische Gruppen, unterschiedliche Kanäle und dann die andere Million zu nehmen, das auch irgendwie in Paid Social Media auszugeben, das ist für viele Leute ein Kulturschock. Und die haben auch vielfältig die Kapazitäten inhouse einfach gar nicht. Und das ist dann, wo wir dann einfach sagen: „Kommt Leute, lasst uns das mal probieren.“ Ich sag halt immer: „Überlegt mal, Digistalscouting mit der Reichweite, mit fast keinen Ressourcen, stellt euch mal vor, mit was wir in der Lage wären zu tun, wenn ihr uns nur ein Prozent eures Marketingbudgets geben würdet?“

Nora Hansen: Aber hallo. Jetzt hast du mir grade eigentlich meine nächste Frage vorweggenommen. Und zwar wollte ich dich fragen, wenn das doch eigentlich alles so toll ist, warum macht das dann fast niemand?

Robin Kiera: Da kannst du mich auch fragen, Robin, warum nimmst du nicht ab? Jedes Mal, wenn ich Sport gemacht habe, bin ich total begeistert, aber ich mach es halt nur alle zwei Wochen. Und ich glaube einfach, dass das unglaublich schwerfällt. Change und Wandel ist unglaublich schwer. Ich sehe das ja an mir selbst. Ich gebe manche Kanäle und Sachen, die ich super gerne mag, die mir super viel Spaß machen. Aber erstens sollte ich mich mit ein paar anderen Sachen beschäftigen. Und mir fällt das schwer, dass quasi abzugeben. Das zweite ist, es gibt auch, Sachen verändern sich. Da ärgere ich mich. Der Kanal nimmt jetzt quasi ab. Jetzt muss ich mir einen neuen suchen. Und das fällt unglaublich schwer. Ich habe da großes Verständnis für. Nur es hilft halt nichts, wenn du als Unternehmer überleben möchtest. Wir leben in einer brutalen Welt. Letztes Jahr wurden 194 Milliarden Apps runtergeladen, 43 Prozent der weltweiten Bevölkerung ist täglich auf Social Media. Die Zeiten, in denen es halt reicht, irgendwie einmal im Jahr eine Konferenz zu organisieren oder da zu sein und irgendwie eine Printanzeige in der Tageszeitung zu machen. Die sind halt einfach vorbei. Und auch so Googles Ads oder die Bannerwerbung. Da guckt keiner mehr drauf. Auch Google Ads, die ersten drei Suchtreffer gibt es Studien, die zeigen, dass die Leute das nicht mehr machen. Du musst ständig bangen und wie ein kleines Trüffelschwein, wo ist die Aufmerksamkeit unserer Kunden? Und da musst du massiv rein gehen. Die Belohnung, ist ja keine defensive Sache, die Belohnung ist einfach tatsächlich massives Wachstum. Ich habe schon überlegt, ob wir nicht einfach mal so unsere Umsatzgeschichte mal so auch mal darstellen. Du kannst halt massiv damit wachsen, und in allen Industrien. Du kannst etwas so Langweiliges machen, wie wir so Service Industrie, mit Beratung, was total schlecht skalierbar ist. Oder halt auch Onlinebusiness, die explodieren. Es gibt, Karina Krassia ist eine 21-jährige Ex-Kellnerin auf Instagram. Die wird Millionen mit dem Verkauf von buntem Schleim verdient. Wenn man dann irgendwie halt eben als Multimilliarden-Konzern sich das mal anguckt, ich glaube, da kann man vielleicht auch ein, zwei Ansätze finden, wie man halt seine Produkte massivweise und besser, und zwar super effizienter an den Markt bringen kann. Mein Lieblingsbeispiel ist halt immer, wenn du in der Lage bist, als Unternehmen zu einem Bruchteil der Kosten des Marktes Kunden zu gewinnen und Umsätze zu machen, kannst du den Preis unterhalb der Schmerzgrenzen deiner Mitbewerber senken und den Markt abräumen. Eigentlich müssten wir, weil häufig in Deutschland wir auch noch so eine negative Diskussion um diese ganzen Sachen haben. Eigentlich müssten die Leute massiv in diese Bereiche reingehen und gucken, was man machen kann, weil die Belohnung einfach gigantisch ist.

Nora Hansen: Auf jeden Fall, aber wenn das dann nachher alle machen und alle Kanäle explodieren, wie bleibt man dann noch einzigartig? Und wie wird man dann überhaupt noch gefunden, wenn jetzt plötzlich jedes Unternehmen anfängt, das Gleiche zu tun?

Wie bleibt man einzigartig in dem was man tut?

Robin Kiera: Gut, das passiert regelmäßig, das ist sozusagen der Lebenszyklus der unterschiedlichen Kanäle. Am Anfang machen das ein paar Leute oder gewisse demografischen Gruppen. Dann sagt man, oh, das ist für die jungen Leute. Das hat man auch mal über Facebook gesagt. Und jetzt sind da irgendwie nur noch Alte. Und das ist der natürliche Lauf der Dinge. Du hast ein Kanal und die Aufmerksamkeit der Kunden. Das ist deckungsgleich. Die Aufmerksamkeit der Kunden verändert sich dramatisch. Und die meisten Unternehmen kommen nicht hinterher. Und wenn halt irgendwie Mercedes, Daimler, BMW, Allianz und Ergo anfangen, auch in die Kanäle reinzugehen, und zwar massiv, jetzt nicht homöopathische Dosen, sondern massiv, dann erhöht sich der Marktwert, weil meistens sind das Marktplätze mit Angebot und Nachfrage. Ja, und dann ist der Markt versaut, beziehungsweise dann hat der Marktpreis erreicht. Dann musst auch du richtig viel Geld dafür bezahlen. Da muss man halt gucken, wieder das Trüffelschwein auf die Reise schicken, sagen, wo gibt es andere Kanäle, die grad am Hochpoppen sind? Es gibt auch Situationen, in denen es keinen dieser Kanäle gibt, wo alles Marktpreis erreicht hat. Dann ist halt paar Jahre die besondere Situation, dass du als kleiner Player exponentiell wachsen kannst, über das Internet vorbei.

Zukunftsorientiert wachsen und den Markt beobachten

Nora Hansen: Okay. Ja. Und woher weißt du jetzt, welcher Kanal in Zukunft vielleicht größer werden kann? Woher nimmst du dieses Trendwissen?

Robin Kiera: Also, wir sind ja auf der ganzen Welt unterwegs. Wir Asien, Europa, USA und auch Afrika. Und wir schauen uns einfach an, was da passiert. Und meistens merken wir dann plötzlich, wir gucken uns an, wie Leute halt, wie handeln die Leute, wie konsumieren die Leute? Was machen die den ganzen Tag? Wie verbringen die ihre Zeit? Was für digitale Produkte und Services verwenden die? Wo ist deren Aufmerksamkeit? Und da probieren wir dann einfach aus und probieren selber Strategien aus. Wenn wir merken, dass funktioniert bei uns, dann empfehlen wir das auch weiter. Wir sind halt jeden Tag unterwegs und schauen uns diese Sachen an.

Nora Hansen: Ja. Ihr könnte ja auch alles, was ihr den anderen erklärt, an euch selber im Prinzip ziemlich einfach testen.

Robin Kiera: Genau. Wir nennen das immer, eat your own Dog Food.

Nora Hansen: 0h, das habe ich schon gehört in diesem Podcast. Jeweils.

Robin Kiera: Echt?

Nora Hansen: Ja. ziemlich ähnlich. Also ich stell immer wieder fest, dass diese ganzen Grundgedanken schon auf einer ähnlichen Basis sind, aber trotzdem jeder da so einen bisschen seinen kleinen eigenen Weg hat. Das ist auch das, was du eben meintest, als du gesagt hast, ihr seid ziemlich direkt grade raus. Ihr seid trotzdem ein Beratungsunternehmen, aber ihr habt eben diesen einen Charakterzug, dass ihr immer so ehrlich seid.

Robin Kiera: Ja. Deswegen ich sag bei Talks immer, wenn sie sich durch das, was wir hier sagen, angegriffen fühlen, dann die Wahrscheinlichkeit, dass ich sie wirklich auch meine, sehr hoch.

Vom „auf die Füße treten“ zur Innovation

Nora Hansen: Oh je. Ja gut, da tritt man vermutlich den einen oder anderen schon auf die Füße, aber andererseits bringt das die Leute auch zum Nachdenken. Wenn man so richtig eine Meinung vor die Nase geknallt kriegt, dann kann man eigentlich nicht anders, als mal drüber nachzudenken.

Robin Kiera: Da wir halt sehr tief auch in den Industrien drin sind, auch so, wie gesagt, die Erfahrung haben, wissen die Leute, merken die Leute auch sehr schnell, dass die Leute wissen, dass wir halt wissen, wovon wir reden und da mit Daten, Zahlen und Fakten, Argumente kommen, weil wir, beleidigen Leute wahllos. Das machen wir natürlich nicht. Wir sind halt offen und ehrlich und denken Dinge auch konsequent zu Ende und sprechen halt auch die Tabus aus. Wir sagen, wir werden jetzt demnächst was veröffentlichen, wo wir nachweisen werden, dass Millionen von Jobs in der Banken- und Versicherungsbranche, wenn die und die Technologie kommt, wegfallen werden, weil wir halt schon kleinere Player sind, jetzt gewisse Technologien anwenden, die halt zu einem Bruchteil der Kosten und Bruchteil der Mitarbeiter Riesentasks erledigen können, die halt andere noch zehntausende von Mitarbeitern braucht. Und das sind halt Themen, da hat halt wirklich keiner Bock, drüber zu reden, weil die sich natürlich schon dann auf die Termine mit dem Betriebsrat freuen. Aber uns ist das egal, weil wir, uns geht es ja nicht darum, wie wir glauben, die Frage ist nicht, ob wir alle Jobs retten können, sondern Frage ist, werden wir halt 50 Prozent retten können oder keine? Und wir versuchen halt so viel wie möglich. Und dafür muss man die Leute halt einfach ein bisschen aufrütteln und von den Innovatoren auch Argumente an die Hand geben. Dann können nämlich denen sagen. Wie wir gesagt haben, wieder mit reinnehmen intern, in ihre Entscheidungsprozesse reinnehmen und vielleicht in die ein, zwei, drei Projekte weiter durchbringen können durch den Budgetprozess  beispielsweise. Und dann eben vielleicht ist das eine da drunter, was dann irgendwie tatsächlich die Signifikanz des Unternehmens ist.

Nora Hansen: Ja, reicht ja da letztendlich dann auch. Du warst natürlich jetzt nicht von Anfang an in dem Bereich, in dem du jetzt bist. Du hast ja gesagt, du hast früher schon in ganz anderen Bereichen gearbeitet.

Robin Kiera: Ja.

Nora Hansen: Genau. Das war ja, sehe ich das richtig, dass es zum einen auch im Finanzbereich war?

Robin Kiera: Ja, auch.

Nora Hansen: Und siehst du oder da jetzt Veränderungen? Oder kannst du dort in dem Bereich inzwischen durch deine Arbeit selber Veränderungen hervorrufen?

Das zeichnet Digital Scouting aus

Robin Kiera: Ja, also, das wäre natürlich vermessen, die meiste Arbeit machen natürlich sozusagen die Kunden in den Unternehmen selber, aber vielleicht so am Rande. Wir reden ja sehr viel, wir haben ja sehr viel über Online-Einfluss geredet und Influencer und solche Sachen. Am Ende des Tages, was uns halt auszeichnet, ist halt einfach, dass wir wirklich hinter den Kulissen da Sachen machen. Als zum Beispiel Lemonade, eins der größten Insuretech der Welt, Wefox, verklagt hat, auch wirklich in atemberaubender Art und Weise, dann waren wir das oder ich, besser gesagt, ich kannte halt beide Gründer, beide CEOs. Habe natürlich gesagt: „Ihr könnte jetzt gerne beide zehn Millionen Euro, Dollar an amerikanische Anwälte bezahlen. Oder wir setzen uns einfach mal getrost bei einem guten Essen von meiner Frau zusammen und wir reden.“

Nora Hansen: Das hast du nicht wirklich gemacht, oder?

Robin Kiera: Doch, das haben wir gemacht. Also am Ende des Tages war es in Tel Aviv. Und ich glaube, nicht bei uns auf der Couch. Aber wir haben dann ein Mastermeeting gehabt, weil die beiden kannten sich so nicht persönlich, haben ein Mastermeeting gehabt, wo wir halt dann einen Punkt, Streitpunkt nach dem anderen herausverhandelt haben. Das war halt nur möglich, weil beide mir vertrauen, beide mich kannten, auch übrigens über Social Media, aber auch persönlich. Das ist halt reeller Einfluss hinter den Kulissen. Und solche Sachen machen wir sehr, sehr häufig. Auch wenn wir nicht immer so darüber reden können, wie in dem Beispiel.

Nora Hansen: Ich würde sagen, der Begriff Influencer ist dann in dem Fall bei dir doch ziemlich angebracht. Da hatte die Presse in dem Fall schon recht.

Robin Kiera: Genau. Also, was mir da natürlich hilft einfach tatsächlich, dass man sehr schnell über die Dinge reden können, die dann relevant sind. Aber konkrete Erfolgsgeschichten, beispielsweise wir haben Investoren, die dann entweder zurufen, wenn das mit ihren Startups nicht so gut läuft, dass die dann quasi plötzlich dann anfangen beispielsweise auf der Content Seite unsere Strategien anzuwenden. Und dann merkt man langsam, es wird immer erfolgreicher. Das finde ich gut. Oder wir haben Entscheider in den Corporate Startups. Die ein, zweimal mit was gescheitert sind, und plötzlich machen die, dass die vielleicht auch nur Teile von dem übernehmen, was wir denen vorgeschlagen haben. Und wir merken, dass dann deutlich viel läuft. Keine Ahnung, gewinnt das Startup einen Riesenpreis plötzlich. Und die sind alle total überrascht. Und solche Sachen sind dann erfolgreich oder, wie gesagt, plötzlich dann Dritte, die Software, die das Unternehmen gebaut hat, obwohl das gar kein Software-Unternehmen ist. Plötzlich kommen Konkurrenten an und sagen, ach, übrigens, das ist ja total cool, was da euer Startup gebaut hat. Können wir das nicht kaufen? Und dann so, wieso kaufen, doch damit Geld verdienen? Und dann sind die natürlich froh oder halt auch, wenn wir halt, wir gucken uns Digitalisierungsportfolios an, also von Projekten. Und dann sagen wir auch manchmal, Leute, das und das ist mega veraltet. Letztens hat ein großer Versicherer gewisse Prozesse eingeführt, der war schon fünf Jahre veraltet. Und die hatten das schon im zweistelligen Millionenbetrag reingebuttert. Habe gesagt: „Leute, das ist veraltet. Da nicht weiter machen.“ Das ist halt einfach, wenn du so in deiner eigenen Suppe bist. Das ist auch total okay. Du bist so unter Stress und guckst. Und hast so viel zu tun. Dann hast du halt nicht die Möglichkeit wie wir, die ganze Welt zu bereisen und auch Technologien zu finden, die halt deutlich günstiger und schneller sind. Und da haben wir bei anderen auch geholfen, einen Stecker zu ziehen und eine viel, viel schnellere Lösung gefunden. Mein Lieblingsbeispiel ist immer, gut, ist nicht von uns, das Lieblingsbeispiel ist auch immer, SAP hat eine Riesenversicherungssoftware-Lösung gehabt. Die haben über zehn Jahre versucht, diese Softwarelösung bei einer österreichischen Versicherung einzubauen und 1,5 Milliarden Euro verballert. Und jetzt hat ein Mitbewerber von denen das dann übernommen und hat in einem Jahr ein System eingeführt. Und das ist so ein Beispiel. Also klar, dass ist jetzt nicht unser Beispiel, aber solche Sachen, das sind Effekte, die halt eben Berater von außen haben können.

Nora Hansen: Ja, ich denk, du kannst da einen ziemlich großen Teil zu beitragen, vor allen Dingen dadurch, dass deine Reichweite vermutlich in der Zukunft noch hoffentlich um einiges wachsen wird, sieht man dich dann vermutlich oder vielleicht deine Strategien und Methoden des Öfteren mal, weil halt doch dann recht viele Leute drauf zurückgreifen. Und wenn das einmal eingeführt ist, dann wird das ja teilweise auch so ein bisschen so ein Selbstläufer, wie du grade gesagt hast, dass dann irgendwer anfragt und fragt, ob man das kaufen kann.

Innovation über Social Media, Konferenzen und Events

Robin Kiera: Genau. Und was wir auch noch machen, ist halt, wir machen nicht nur Sachen in Social Media, sondern wir versuchen auch die Leute auf Konferenzen zu bringen, also einmal sozusagen Innovatoren, denen interne Argumente zu liefern, aber auch Leute auf Bühnen zu bringen. Manchmal, ich habe so häufig, dass ich bei irgendwelchen traditionellen Unternehmen bin und dann erzählen die Geschichten und nebenher, wo ich mir denke, eh Leute, ihr wisst schon, dass ihr grade irgendwie die einzigen hier in Europa seid, die so was machen? Oder ihr wisst schon, dass es in China irgendwie ein Partner gibt, der irgendwie relevant für euch wäre? Und dann bringen wir die Leute zusammen. Oder wir bringen die Leute auf Bühnen, wo die plötzlich merken, dass das, was die im stillen Kämmerlein machen, eigentlich schon ziemlich cool ist. Und das bringt dann natürlich wieder unglaublich viel Power, um intern noch weitere Sachen durchzusetzen, die in die ähnliche Richtung gehen.

Nora Hansen: Ja, klar, dann sind sie so viel motivierter und sehen, wow, das, was wir machen, das bringt auch wirklich was. Und man sieht Ergebnisse, wenn man damit rausgeht. Und so jemanden, der als Vermittler tätig ist und als außenstehende Meinung, das ist echt ein Vorteil, wenn man das hat.

Robin Kiera: Ja

Nora Hansen:Gut. Ich würde sagen, wir hatten jetzt ganz viel von Social Media und darüber, wie man die Leute dann nachher für sich gewinnt. Fass mir doch noch mal einmal die wichtigsten Punkte zusammen, wie man heutzutage bekannt wird und vielleicht sich die Kunden auch angeln kann.

Die Erfolgsstrategie

Robin Kiera: Ich glaub, das Wichtigste ist, dass man das nicht beabsichtigt. Ich glaub, das Allerwichtigste ist, sich nicht hinzustellen und sagen, wie kann ich Social Media gebrauchen, um irgendwie Sales, Leeds zu generieren und Sachen zu verkaufen? Das ist der vollkommen falsche Ansatz. Da muss man sich vollkommen verabschieden. Die Hauptidee ist, wie kann ich Leuten, mit denen ich Bock habe, was zusammen zu machen, helfen? Wie kann ich das, was ich weiß, wie kann ich Inhalte produzieren, die für die relevant sind und die helfen? Und zwar selbstlos und nicht irgendwie hintenrum denken, ich mach das, weil ich mit den Leuten das und das machen würde. Ich würde das wirklich selbstlos versuchen, so viel Mehrwert zu liefern wie möglich. Auch die Sachen zu machen, auf die du selber Bock hast. Das ist das eine. Und dann werden früher oder später die Leute kommen. Was ganz wichtig ist, produzier nicht ein Teil, ein Peace of Content, nicht zwei, drei Texte, Videos oder Audio Sachen, sondern du musst massiv investieren. Digitalscouting produziert pro Tag, alleine für unsere eigene Brands, 20 bis 80 Pieces of Content. Das ist viel auch. Ja. Ein Bild, keine Ahnung, für Twitter und ein Bild für LinkedIn, das sind dann zwei Stück, aber haben natürlich ähnliche wieder verwenden, enorm viel. In Bezug sind wir in der Lage, relativ günstig Sachen zu produzieren. Und das ist mein Wunsch an den Leuten, dass man eben weiß, dass du Masse im Internet machen musst. Es muss irgendwann auch gut sein. Inhalte müssen gut sein, aber massenhaft muss man die Inhalte produzieren. Und grad, wenn man in so einem Unternehmen ist, muss man eigentlich massiv das machen und vor allem auch auf unterschiedliche Zielgruppen eingehen. Und halt einfach mein Hauptanliegen ist immer, Leute legt einfach los.

Nora Hansen: Einfach mal mache, ja.

Eine gute Geschäftsidee braucht Zeit

Robin Kiera: Legt einfach los. Ich hatte die Idee für Digitalscouting. Was schätzt du, wie lange ich hatte von der Idee für Digitalscouting und bis wann ich das umgesetzt habe? Die Homepage livegeschaltet habe. Wie lange hat das gedauert? Was schätzt du?

Nora Hansen: Ich würde sagen, du hast lange darüber nachgedacht, bis du es letztendlich gemacht hast. Ich würde sagen, zweieinhalb Jahre.

Robin Kiera: Sieben.

Nora Hansen: Sieben? Wow.

Robin Kiera: Sieben Jahre und seit zwei Jahren geht die Post ab. Ich möchte gar nicht mal nachdenken, was passiert wäre, hätte ich das vor sieben Jahren, mittlerweile jetzt neun Jahren, gemacht? Mein Wunsch für die Leute, seid nicht so blöd wie ich. Macht das, legt los, tut und macht. Und ihr habt ja nichts zu verlieren. Wenn es funktioniert, seid ihr die Kings. Wenn es nicht funktioniert, ist es eh egal für die meisten Unternehmen.

Nora Hansen: Da passiert dann meistens auch nichts. Ja.

Videos in der Zukunft – Robin Kieras Prognose

Robin Kiera: Genau. Und ein weiterer Wunsch ist an die Leute oder Tipp ist, Video ist King. nächstes Jahr wird irgendwie 80 Prozent des Internet Traffics Video sein. Man braucht einfach eine Videostrategie. Man braucht eine YouTube-Strategie. Und das ist halt ein bisschen was anderes, als normale reguläre TV-Spots zu machen. Und eben tatsächlich, was ich auch sage, Nummer vier ist, Leute, Werbung ist tot, keiner glaubt euch das mehr. Bietet den Kunden Mehrwert, wirklich richtigen ernsthaften Mehrwert. Das zählt auch für Applikationen, die man baut. Transferiert nicht einen schlechten Prozess in digital, sondern überlegt euch, wie kann ich den Kunden wirklich Mehrwert liefern? Und das ist nicht, dass ich das sage, sondern alle erfolgreichen Unternehmen, ob das in Asien oder in den USA ist, ob das Google ist oder ob das Alibaba, whoever ist. Die alle geben ihre Kernprodukte dem Kunden, die ihnen im Leben wirklich weiterhelfen, for free raus. Das kann man machen. Wenn ich jetzt abnehmen will, schaue ich mir an, was eine topgesunde, sportliche Person macht oder ein 200-Kilo-Mann. Natürlich gucke ich mir das an, was die macht. Und so müssen wir das auch machen. Schaut euch die Vorbilder an. Macht es. die Leute fragen manchmal, was ist das Geheimnis? Was kann ich denn noch machen? Es ist ganz einfach. Es wird nicht einfacher als das, dem Kunden Inhalte zu geben, Apps zu bauen, die der Kunde mag. Und das ist das Geheimnis. Und das ist ganz viel Arbeit, Blut, Schweiß und Tränen und ganz viel Fehler und Sachen, die nicht funktionieren. Bei den 120 Videos, die wir produziert haben, die sieben Stück, die jetzt erfolgreich sind, die Anhänger Subscriptions treiben, da, hätte man mir vorher gesagt, welche Videos würdest du auswählen? Da ist keins dabei. Sondern du musst ganz viel ausprobieren. Und meine Lieblingsvideos sind immer die erfolgslosesten. Sondern man muss dann natürlich ganz viel Sachen ausprobieren und Algorithmus und die Menschen entscheiden lassen. Das ist wirklich, am Ende des Tages ist es ganz, ganz einfach.

Nora Hansen: Das hast du jetzt mal richtig gut auf den Punkt gebracht. Ganz, ganz einfach. Ich danke für deine ganzen Einblicke, die du uns gegeben hast. Ich glaube, daraus können ziemlich viele Leute was mitnehmen, vor allen Dingen vielleicht auch die, die selber noch gar nicht so aktiv in Social Media oder sonst wo sind. Ziemlich cool. Ich danke dir auf jeden Fall.

Robin Kiera: Danke.

Nora Hansen: Und wünsche dir demnach noch einen sehr schönen Tag. Und genau.

Robin Kiera: Alles klar. Vielen, vielen Dank und vergiss nicht, hier vor allem YouTube ist mein neuester Kanal. Da habe ich noch nicht so viele Subscriber. Also, wenn ihr da auch dann auf Klick, Like und Subscribe klicken würdet, das wäre sensationell. Und auch vielen Dank und freu mich, von euch zu hören.

Nora Hansen: Sehr gut. Dann hoff ich doch, dass es möglichst viele machen. Ciao.Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.