Ralph Hartmeier und Reto Wenger (Swisscom) über die Kickbox (S01E28)

SarahHagemeister

Ralph Hartmeier und Reto Wenger (Swisscom) über die Kickbox (S01E28)
Business Model Innovation Talk

 
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In der heutigen Folge begrüßen wir Ralph Hartmeier und Reto Wenger von Swisscom. Zusammen haben sie das Konzept der Kickbox ausgearbeitet und unterstützen damit innovative Ideen sowie deren Ausarbeitung in drei aufeinander aufbauenden Phasen.

Mit der Kickbox sind die Unternehmer in der Lage Intrapreneurship in Unternehmen zu bringen und die Mitarbeiter für mehr Innovation zu begeistern.

Lernen Sie heute, wie es zu dem Konzept der Kickbox kam, wie es funktioniert und wie man schlussendlich im Unternehmen damit arbeiten kann.

Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

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Vollständiges Transkript

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Hallo, ich begrüße euch alle herzlich zur heutigen Folge. Zu Gast bei mir sind heute Ralph Hartmeier und Reto Wenger von der Swisscom aus der Schweiz. Extra hergefahren, ausnahmsweise mal wieder ein Podcast direkt vor Ort. Das mag ich eigentlich echt am liebsten. Genau, mit den zwei werde ich heute über die sogenannte Kickbox reden. Was das genau ist und was das mit Innovation zu tun hat, das besprechen wir gleich. Erstmal wieder zurück zu euch beiden. Hallo.

Ralph Hartmeier: Hallo. Schön, hier zu sein.

Reto Wenger: Sehr schön. War ein cooler Weg rüber nach Deutschland. Und besonders cool, jetzt hier in Konstanz vor Ort auch zu sehen, was ihr wirklich macht.

Nora Hansen: Ja, die zwei waren eben schon ziemlich beeindruckt von unserem Büro und sind vielleicht auch ein bisschen neidisch, weil ich als Podcasterin habe hier natürlich meinen eigenen Riesenraum, was ganz, ganz spannend ist. Falls es teilweise von der Lautstärke her ein bisschen schwierig wird, wir haben heute das Problem, dass sich zwei Leute ein Mikrofon teilen müssen. Also seid da ein bisschen nachsichtig mit uns. Genau, so viel vorne weg. Okay, wer von euch will einmal anfangen? Wer ihr seid, was so die Story ist und wie ihr zur Swisscom gekommen seid?

Von der Jugendfreundschaft zum Start-up

Ralph Hartmeier: Da beginne ich gleich. Also mein Name ist Ralph. Und unsere Story begann eigentlich sehr früh. Wir sind zusammen aufgewachsen.

Nora Hansen: Nein, echt jetzt?

Ralph Hartmeier: Ja.

Nora Hansen: Ach cool. Das wusste ich ja sogar noch gar nicht.

Ralph Hartmeier: Nein, wir haben das erste Mal uns richtig kennengelernt, das war eigentlich beim Handballspielen.

Nora Hansen: Okay, wie alt warst du da?

Ralph Hartmeier: Da waren wir da fünfzehn oder so? Also in den Jugendjahren haben wir uns wirklich dann kennengelernt. Und das war eigentlich halt dann auch der Beginn einer Freundschaft, aber auch dann baldig im Studium, wo wir auch an derselben Universität waren, haben beide in St. Gallen studiert, war danach das auch der Beginn eigentlich einer beruflichen Karriere. Wir haben dann nach dem Bachelor eigentlich zusammen entschieden, ein Startup zu gründen. Und waren dann etwa ein Jahr lang mit dem Startup unterwegs. Zuerst sah es sehr gut aus, und dann haben wir es ziemlich krass an die Wand gefahren.

Nora Hansen: Oh, nein. Okay, und was war das für ein Startup.

Reto Wenger: Also hier der Reto. Vielleicht noch ganz kurz, ich würde sagen, wir kennen uns sogar noch länger. Wir haben mal zusammen noch irgendwo ein Skilager verbracht. Das war schon eine Geschichte, die geht noch ein paar Jahre zurück.

Nora Hansen: Ja, ob wir die hören wollen.

Reto Wenger: Wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich nicht. Nein.

Ralph Hartmeier: Zurück zum Startup, was wir gemacht haben. Das war eine Karte, mit der kann man jedes Fitness Crossfit Bootcamp Schwimmbad und, und, und in der ganzen Schweiz sehen kann. Also das war damals die Idee.

Nora Hansen: Okay. Und das ist gescheitert und deswegen musste was Neues her?

Reto Wenger: Ja, wir waren naive Studenten, wir wollten es selber programmieren, haben gemerkt, wie teuer das ist. Haben geschaut, was gibt es in der Welt schon, haben gemerkt, okay, da gibt es was in Brasilien. Passt nicht in die Schweiz. Gibt es auch was in der UK und Holland und haben uns dann wirklich gefunden, mit einem Partner in Holland. Haben innerhalb von zwei Monaten circa achtzig Fitnesscenter auch unter Vertrag gehabt in Zürich. Also ein cooler Start.

Nora Hansen: Respekt.

Reto Wenger: Auch Marketing Launch und, und, und.

Nora Hansen: Ja.

Reto Wenger: Und dann halt das Ganze wieder wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Also legal falsche Verträge unterschrieben.

Nora Hansen: Scheiße. Nein.

Reto Wenger: Zu naiv. Viel gelernt.

Nora Hansen: Ja, das glaube ich.

Reto Wenger: Weh getan, wieder aufgestanden.

Auf die Niederlage folgt eine neue Idee

Nora Hansen: Ja, gut. Aber ihr seid jetzt beide zusammen bei der Swisscom? Ihr seid doch nicht komplett dann wieder zusammen den gleichen Weg gegangen, oder? Wie habt ihr wieder zusammengefunden?

Ralph Hartmeier: Genau, das ist richtig. Also zuerst sind wir zusammen eigentlich nach Dublin geflogen, um uns über diese Niederlage hinwegzutrösten und zu -trinken.

Nora Hansen: Zu trinken, sehr gut.

Ralph Hartmeier: Und ich bin dann ins Ausland gegangen. Ich habe dann ein paar Monate in China gearbeitet, habe auch studiert da in Taiwan. Und als ich zurückkam, habe ich dann für weitere Startups gearbeitet, war aber nicht ganz happy mit dem Businessmodell und mit dem Team. Und irgendwann hat mich Reto angerufen und gesagt, ich solle jetzt zur Swisscom kommen.

Nora Hansen: Ach nein.

Ralph Hartmeier: und man muss wissen, Swisscom ist immer noch Staatsbetrieb, also 51 Prozent gehört dem Schweizer Staat. Entsprechend habe ich ihn natürlich ausgelacht, weil als Entrepreneur geht man natürlich nicht zum Staatsbetrieb.

Nora Hansen: Nein, das dachte ich mir aber auch gerade. Das fandest du vermutlich erstmal nicht so cool, nehme ich an?

Ralph Hartmeier: Genau, und dann hat er mich eingeladen und hat mir diese Kickbox gezeigt und die Vision davon, die noch ein bisschen anders war als heute. Aber dazu kommen wir noch. Ich habe zuerst nicht ganz dran geglaubt, aber bin dann eigentlich guten Mutes dazugestoßen. Und das ist jetzt schon wieder gute Jahre her.

Nora Hansen: Oh, wow, zwei Jahre schon? Okay. Und Reto, wie kamst du zur Swisscom? Du hast ja deinen guten Freund dann sozusagen angeheuert?

Reto Wenger: Ja, klar, ich war da so überzeugend wie es nur irgendwie geht. Meine Geschichte, also ich bin dann nicht nach China, sondern ich war da irgendwie pleite nach dem Startup und habe gedacht, tja, was mache ich jetzt? Habe, um so das Ganze zu verdauen, eine Abschlussarbeit gemacht, wo ich aufgezeichnet habe, was ein Startup in welcher Phase braucht, so ein Toolset. Und da bin ich auf der Suche nach Experten gewesen und habe das Startup-Team der Swisscom kennengelernt.

Nora Hansen: Ach so, okay.

Reto Wenger: Und so eigentlich unserer heutiger Teamkollege, den David, kennengelernt, der mir dann gesagt hat: „Hey, Reto, was machst du eigentlich nachher?“

Nora Hansen: Dich brauchen wir. Komm her.

Reto Wenger: Ja, sozusagen. Er hat gesagt: „Genau, das Gedankengut“ und, und, und, weil er hat jetzt was Neues vor, eben diese Kickbox. Er will das in die Swisscom bringen und er will Unternehmertun, weil er hat auch selber einen Startup Background. Er glaubt, das kann man cracken in der Großfirma drin. Und ja, habe ich nicht geglaubt, also wirklich nicht.

Nora Hansen: Das glaube ich, ja.

Reto Wenger: Ich habe gedacht das geht vier Monate und dann ist das sowieso wieder vorbei. Aber ich kann gerade gut Geld gebrauchen und ein konstantes Einkommen und…

Nora Hansen: Probieren wir es mal.

Reto Wenger: … schauen mir doch das mal an. Ich gebe so einer Firma nochmal eine Chance, ja. Ja, ich bin jetzt über dreieinhalb Jahre da, also irgendetwas hat da geklappt. Ja.

Nora Hansen: Ja, anscheinend geht das auch in großen Unternehmen. Okay, aber genau wie das in den großen Unternehmen funktioniert, würde ich sagen, schauen wir uns jetzt mal an. Du hast gerade gesagt, David hat dich reingeholt?

Reto Wenger: Ja.

Nora Hansen: Das heißt, der hat das Ganze ins Leben gerufen. Warst du von Anfang an mit dabei?

Reto Wenger: Genau, also David hat das, ziemlich genau da, wo ich das Interview mit ihm gemacht habe, gestartet. Er hat es gesehen an einer Konferenz von Adobe.

Nora Hansen: Ach, das ist gar nicht eure Idee sozusagen?

Reto Wenger: Nein, also grundsätzlich wurde das gestartet von Mark Randall, er ist ein Serial Entrepreneur aus dem Silicon Valley, also der hat wirklich große Startups aufgebaut und verkauft.

Nora Hansen: Ja, Adobe ist ein großer Name, den kennt man.

Reto Wenger: Ja, klar. Aber er hat nicht Adobe aufgebaut, aber große Startups. Und das letzte wurde gekauft von Adobe. Und er kam da zurück als der Startup-Typ und hat irgendwie gesagt, also ist zum CEO gegangen und hat gesagt: „Ich kündige. Macht keinen Sinn mehr, ich kann hier keine Innovation bewirken.“

Nora Hansen: Oh, krass.

Reto Wenger: Und hat dann eigentlich so, also ungefähr jetzt mal als Überlieferung so für den Podcast, gesagt: „Hey“, also der CEO, „du kannst nicht gehen. Du musst da was machen, was auch Mitarbeitern wie dir eine Chance gibt, um hier was anzupacken“, und das war der Ursprung dieser Kartonschachtel, der Kickbox. Dave hat es gesehen auf der Konferenz, das hat Adobe als Open Source gemacht, Mark als Open Source gemacht, Dave hat es gesehen und gesagt: „Ich starte das.“ Und ich bin dann direkt nach dem ersten Pilot, also irgendwo so nach zwei Monaten Kickbox bin ich dazugekommen. Und seit da immer dort gewesen und will auch nicht mehr weg.

Die Kickbox als Innovationsprogramm

Nora Hansen: Okay, aber jetzt mal ganz kurz. Ralph, vielleicht beantwortest du mir das zum Beispiel wieder mal. Spannende Frage, warum kann man einfach irgendein Projekt von jemandem übernehmen? Also das ist ja so ein bisschen wie Kopieren der Idee?

Ralph Hartmeier: Also Mark hatte ja von Anfang an eigentlich die Vision, das Open Source zu stellen, also dass jeder persönlich oder auch die Firmen das Material runterladen können und so halt wirklich Innovation befähigen können in den Firmen.

Nora Hansen: Also ist das sozusagen die Definition von Open Source, dass man darauf zugreifen darf und das weiter benutzen?

Ralph Hartmeier: Genau. Also das ist unter der Lizenz Creative Commons, die kann man dann runterladen und so verwenden. Natürlich mit dem Link auf Adobe, …

Nora Hansen: Ja, ja, klar.

Ralph Hartmeier: … das Adobe das gemacht hat. Und so haben wir auch gestartet. Mussten dann auch relativ rasch feststellen, dass natürlich Europa nicht gleich Amerika ist. Stichwort Wählerkultur ist zum Beispiel ein Riesenunterschied. Wir haben dann auch gemerkt, natürlich gibt es Company-spezifische Eigenheiten, die man beachten muss, wenn man ein Innovationsprogramm startet, wie Kickbox eines ist. Und so haben wir dann eigentlich relativ schnell begonnen, auch natürlich, da Reto seine Abschlussarbeit mit den Tools und Methoden geschrieben hat, haben wir dann auch gerade das geleveraged und eigentlich begonnen, das Ding anzupassen für die Needs von Swisscom.

Nora Hansen: Ja, das ist klar. Wenn man da schon so ein bisschen die Methoden, ein Grundwissen dazu hat, dann ist das viel einfacher, damit dann nachher wirklich umzugehen. Okay, Kickbox ist ein Innovationsprogramm. Aber was genau ist die Kickbox? Einer von euch beiden hat ganz kurz erwähnt, dass es eine Pappschachtel ist. Aber wie kann man mit einer Pappschachtel innovieren? Erklärt mir mal ein bisschen das Konzept von der Kickbox.

Das Konzept: „Wie kann man mit einer Pappschachtel innovieren?“

Ralph Hartmeier: Das ist eine gute Frage, wie kann man mit einer Pappschachtel innovieren?

Nora Hansen: Ja, ich denke, das fragt sich jeder, der das rote Ding sieht.

Ralph Hartmeier: Absolut, und das ist genau eigentlich auch der Schlüssel dahinter. Also der Schlüssel ist dahinter, dass viele, viele Corporates machen Innovationsmanagement sehr top down-getrieben. Das heißt, die Geschäftsleitung oder die Strategieabteilung setzt fest durch Trendforschung oftmals, wo in welchem Bereich innoviert wird.

Nora Hansen: Ja, ganz oft ist das von oben runter, dass der Chef kommt und sagt: „Überlegt euch mal was.“

Ralph Hartmeier: Genau. Und dann?

Nora Hansen: Kickbox ist anders?

Ralph Hartmeier: Genau. Kickbox ergänzt das eigentlich. Es ist nicht ein entweder oder, aber ergänzt das. Weil die Gefahr vom Top down-Approach, eigentlich die große Gefahr ist, dass man die Belegschaft eigentlich verliert auf dem Weg zu innovieren. Dass die Bereitschaft zu Innovieren, auch die Risikobereitschaft, fehlt. Und auch das Verständnis vor allem fehlt, warum geben wir so viel Geld aus für Projekte, wo der Return on Investment halt noch sehr unklar ist.

Nora Hansen: Ich kann mir vor allen Dingen auch vorstellen, dass wenn der Boss einem das vorschreibt, dass man denkt: „Boah, jetzt muss ich daran arbeiten“ und nicht so „Hey, ich habe eine Idee, voll geil, da will ich dran arbeiten.“

Ralph Hartmeier: Absolut, genau. Und Kickbox setzt das genau andersrum. Also ist Kickbox eigentlich ein Bottom-up Innovationsprogramm. Das heißt, jeder Mitarbeitende, der eine Idee hat, der kann diese einreichen. Das dauert keine fünf Minuten und kriegt dann tatsächlich eine Pappschachtel gefüllt mit Tools, Methoden, Coaching, Zeit und Geld, um dann wirklich mal beweisen zu können, hey, da hat es Fleisch und Knochen an meiner Idee. Die könnte wertvoll sein für meine Firma.

Nora Hansen: Okay, und diese Kickbox, von wem bekommt man die und was sind so die ersten Schritte? Wie bringt man die Idee ein? Also geht man zum Chef und sagt: „Hey, du. Ich habe eine Idee, ich hätte gerne eine Kickbox dafür“ oder wie genau läuft das ab?

Reto Wenger: Genau. Also wie wir es gemacht haben bei der Swisscom, ist, dass wir Kickbox stark auch als Brand positioniert haben, ja? Also Kickbox ist das Ding, wo man hingeht, wenn man eine Idee hat. Man findet uns überall. Man findet uns an Plakaten an den Wänden, im Intranet und, und, und. Oder fragt einfach seine Kollegen. Dann schlussendlich reicht man seine Idee ein über eine Website, über ein Portal und die Idee poppt dann auf beim zuständigen Innovationsmanager in der Swisscom bei uns.

Nora Hansen: Ah okay. Also läuft das alles online sozusagen erstmal?

Reto Wenger: Alles online, ja.

Nora Hansen: Und wozu dann die Pappschachtel, wenn es online läuft?

Reto Wenger: Genau, also das ist so ein Ding, das muss man auch immer wieder erklären. Aber wenn man mal den Moment gesehen hat, wo man so eine Schachtel, so ein Geschenk, jemanden überreicht, der ein Siegel aufreißt und da reinschaut…

Nora Hansen: Oh, der strahlt.

Reto Wenger: Der strahlt. Das Ding ist rot, das Ding hat einen komischen Namen, Kickbox. Das ist einfach was, das zieht. Es ist auch viel mehr Wertschätzung, als wenn ich das eben einfach online als PDF anhänge, genau. Die Onlinekomponente, die wir darum gebaut haben, die auch Teil des Programms ist, die ist viel mehr da, um einfach eine Automatisierung reinzubringen, damit wir über hundert Projekte pro Jahr auch so in der Swisscom umsetzen können. Das ist eigentlich die Magie vom Digitalen. Und die Magie vom Undigitalen liegt denn ja auch vor allem in dieser emotionalen Komponente.

Nora Hansen: Ja, ich kann mir das auch echt vorstellen. Also wenn ich jetzt mir vorstelle, ich müsste irgendeine kreative Idee entwickeln und ich hätte so eine Methodenbox, ich glaube, das macht viel mehr Spaß, als wenn man einfach nur eine Internetseite aufruft. Dann kommt man ganz schnell wieder dahin, dass man doch irgendwo anders rumsurft oder, keine Ahnung, was. Okay. Zu dem, wie man damit arbeitet, kommen wir gleich. Aber jetzt ganz kurz zu den zwei Teilen. Wir haben die wirklich physische Kickbox aus Pappe und das Onlineteil sozusagen. Wie genau läuft das online ab? Ist das eine Plattform, ist das ein Forum, ist das Chat? Was genau ist das?

Fehlende Visibilität in Unternehmen wird mit der Kickbox überbrückt

Ralph Hartmeier: Also wir haben eigentlich festgestellt, dass die großen Pain Points von Firmen sind einerseits die fehlende Visibilität. Also viele Firmen wissen nicht, welche Experten und welche Skills, welche Fähigkeiten sind eigentlich wirklich vorhanden in der Firma? Gleichzeitig weiß ich teilweise auch nicht, dass mein Nachbartisch an einer Idee arbeitet in meinem Interessensgebiet, die ich eigentlich gern unterstützen würde. Entsprechend haben wir diese Visibilität, haben wir gemerkt, die müssen wir schaffen. Die müssen wir schaffen, damit die Kickboxer, also die Entrepreneure, die richtigen Leute finden, die richtigen Sponsoren finden, um so wirklich Traction auf die einzelnen Projekte zu kriegen.

Nora Hansen: So ein bisschen ihre Community für ihre Idee?

Ralph Hartmeier: Genau. Also es geht sehr viel um Visibilität, es geht aber auch um Management, also effizient eine Idee abzuhandeln. Warum? Weil wir hier in ganz vielen Großfirmen und auch kleineren Firmen sehen wir, bei Ideen Magement passiert Folgendes. Dass die Leute Ideen einreichen können, und dann trifft sich ein Managementboard, die sich um einen runden Tisch setzen und entscheiden, welche Idee ist gut, welche Idee ist schlecht.

Nora Hansen: Okay, das heißt, Leute, die gar nicht die Idee haben, entscheiden über die Ideen?

Ralph Hartmeier: Genau. Kriegt dieser Innovator Geld und Zeit, um diese zu forcieren, um weiterzudenken? Und in unserer Erfahrung, und wir können da vielleicht auch später noch ein paar Beispiele nennen, ist es einfach unmöglich, rohe Ideen zu beurteilen. Weil A ist die Idee noch roh. Und B konnte sich der Champion hinter der Idee gar nie beweisen.

Nora Hansen: Das heißt, man hat einfach vielleicht einen Satz, ein Thema auf dem Papier stehen und weiß eigentlich gar nicht, was dahinter steht, sagt dann: „Nein, wollen wir nicht“ und im Endeffekt hat man eine richtig gute Idee verpasst.

Ralph Hartmeier: Genau. Und deshalb sagen wir, wir geben allen die Chance. Jeder kriegt diese Pappschachtel, jeder kriegt diese Kickbox. Kriegt die Visibilität auf der Plattform, um allenfalls auch richtige Experten zu finden. Und mit dieser Pappschachtel hat er zwei Monate Zeit, mal die Idee zu validieren. Nur zu beweisen, hey, hier hat es Fleisch am Knochen. Und in diesen zwei Monaten machen wir auch sehr wenig Coaching, weil wir es eigentlich nutzen als People Assessment, um zu schauen, ist das der richtige Innovator?

Nora Hansen: Kann der das alleine?

Ralph Hartmeier: Kann er das alleine? Und für den Kickboxer gleichzeitig ist es vor allem ein Training, weil er neue Methoden kennenlernt. Weil er etwas lernt über Innovation, weil er etwas lernt über Fehlerkultur. Und danach schaffen wir es so, auf die richtigen Pferde zu setzen, weil wir da über eine validierte Idee urteilen.

Nora Hansen: Okay, Kickbox plus den Onlinezugang sozusagen und hat die zwei Monate. Was passiert in den zwei Monaten? Er fängt an, seine Idee auszuarbeiten. Und ihr habt gesagt, er kriegt Zeit und Geld. Wie viel Zeit bekommt man? Ich meine, er hat ja eigentlich auch einen Job zum Beispiel in der Swisscom. Er kann ja da nicht zwei Monate am Stück an der Idee arbeiten?

Reto Wenger: Klar. Nein, das ist auch ein sensibles Thema. Es ist in jeder Firma sensibel. Also es ist eine Person, die voll und ganz im Job steht. Bei uns kriegt sie zwanzig Prozent. Obwohl diese zwanzig Prozent, die sind eine Empfehlung, auch mit der Unterschrift von einem Geschäftsleitungsmitglied. Aber natürlich muss man im Einzelfall auch mit dem Vorgesetzten, den Vorgesetzten mit ins Boot holen und das zusammen diskutieren. Für uns aber wiederum eine wahnsinnig schöne Sache, um so auch Kickbox bei Vorgesetzten wieder zu positionieren und auch diesen Transformationsaspekt weiter auszudehnen.

Nora Hansen: Okay. Und wie sieht das mit den Kosten aus? Wofür darf er das Geld benutzen, was er dann da bekommt? Also ihr habt gesagt, er kriegt kein Coaching vom Team oder vom Unternehmen erstmal. Kann er sich selber Coachings sozusagen mit dem Geld an Land holen oder was macht man mit solchem Geld, wenn man eine Idee hat?

Reto Wenger: Also vielleicht, um nochmal zurückzugehen, er kriegt ein bisschen Coaching. Also er kriegt so drei Touchpoints. Einmal, wenn er die Box überreicht kriegt. Einmal nach einem Monat, wo man zusammensitzt und schaut, okay, was ist gutgegangen? Was ist überhaupt nicht gutgegangen? Vor was für Hindernissen steht der und, und, und. Und dann am Schluss nochmal, wenn es so Richtung Pitch Training geht. Das heißt, er kriegt so ein bisschen was. Das Geld, aber wie du es auch sagst, kann er für alles andere einsetzen. Also es kann sein, dass wir am Anfang sogar Kreditkarten da reingepackt haben, das kommentiere ich jetzt nicht, weil es vielleicht nicht so ganz konform gewesen wäre. Wie wir es heutzutage machen, ist, dass er wirklich ganz einfach sagen kann: „Hey, ich brauche soundso viel Geld.“ Sei es für ein Bahnticket, sei es für eine Softwarelizenz, sei es für eine Session mit einem externen Anwalt oder eben ein Coaching. Da ist er ganz frei.

Nora Hansen: Das heißt, er kommt sozusagen wieder zu dem, der ihm die Box gegeben hat, sagt: „Hey, ich würde gern das und das machen, dafür brauche ich Geld.“

Reto Wenger: Noch einfacher. Er geht online in sein Profil, tippt ein, wie viel er braucht, zack, kriegt er den Prozess, wo er es hinterlegen muss und there he goes.

Nora Hansen: Okay, das ist total cool. Wenn er das online einstellt, von wem kommt das Geld? Gibt es andere Leute, die ihn sozusagen unterstützen, so ein bisschen wie bei einer Crowdfunding Kampagne oder wie kommt das Geld dann zu ihm?

Reto Wenger: Alles schon versucht. Momentan arbeiten wir so, dass wir einen zentralen Budgettopf haben, wo wir gerade diese erste Phase finanzieren, weil, wie von Ralph schon gesagt, das ist Education, das wollen wir jedem Mitarbeiter zugänglich machen. Von den tausend Franken, wie es bei uns sind, wird auch nicht alles gebraucht, sondern nur ein Teil. Das sieht man auch. Haben aber auch schon mal gearbeitet dann mit solch einer Crowd. Da ging es aber mehr darum, um dann das Projekt in der Zukunft zu finanzieren. Für die nächste Phase, wo es mehr Zeit, mehr Geld, mehr Mithilfe auch braucht.

Die unterschiedlichen Phasen der Kickbox

Nora Hansen: Und die nächste Phase, ist das auch noch die Kickbox? Ist das der erste Teil oder wie kommt man in die zweite Phase? Was passiert nach dem Pitch der Idee sozusagen?

Ralph Hartmeier: Auch da haben wir relativ viel ausprobiert. Also früher haben wir, als wir begonnen haben, haben wir jeden Monat einen Demo Day gemacht. Also die Pitchenden, die nach dieser ersten Phase, nach dieser Red Box-Phase ihre Idee präsentiert haben, sind aufgetreten vor einer Jury und die Jury hat entschieden, ja, die kommen weiter, das gibt eine Blue Box.

Nora Hansen: Ah, okay. Verstehe.

Ralph Hartmeier: So heißt nämlich unsere zweite Phaseumeinen Pilot zu machen. Und wir mussten dann einfach feststellen, das ist genial für Marketing, weil natürlich die Events auch ein bisschen anders aufgezogen waren und organisiert und durchgeführt waren, wie man es kennt bei den Corporates. Aber gleichzeitig haben wir auch festgestellt, es ist A nicht skalierbar und B noch viel schlimmer, wenn die Person da drin sitzt. Beispielsweise wir haben eine geniale Idee für Swisscom TV, für unser TV Produkt. Aber per Zufall sitzt gerade niemand von TV, von der Business Unit in der Jury.

Nora Hansen: Sitzt in der Jury. Klar.

Ralph Hartmeier: Dann wird das Projekt nicht gefunded und kriegt keine Chance, einen Pilot zu machen. Oder umgekehrt noch viel schlimmer, der HR-Chef gibt dann das Geld, weil er findet, das ist sicher eine gute Idee und eigentlich

Nora Hansen: Und eigentlich ist es gar keine. Krass, nicht gut. Nein. Okay.

Ralph Hartmeier: Und deshalb mussten wir da oder wollten wir das anders denken. Und unterdessen haben wir das Glück diese Plattform, diese Onlineplattform zu bauen. Und da läuft es jetzt so, dass eigentlich am Schluss diese finale Präsentation aufgenommen wird. Der Kickboxer da erklärt, warum er in diese zweite Phase will und was er dafür braucht, wie viel Geld. Und dieses Video positionieren wir auf der Plattform, somit visibel für alle innerhalb der Swisscom und er kann es dann aktiv teilen mit möglichen Sponsoren. Und Sponsoren sind alle diejenigen in der Swisscom, die eine Budgetverantwortung haben. Also relativ viele.

Nora Hansen: Und wenn er dann Budget bekommt, dann bekommt er damit auch die zweite Phase?

Ralph Hartmeier: Genau. Und somit kommt er in diese Blue Box-Phase, die dauert vier bis sechs Monate. Die ist natürlich dann coachingintensiver, die ist nicht mehr so standardisiert und automatisiert, weil wir da aber auch sagen, da lohnt es sich jetzt zu investieren, weil da haben wir eigentlich die Spreu vom Weizen getrennt.

Nora Hansen: Da ist die Idee ja schon durchgekommen sozusagen.

Ralph Hartmeier: Die Idee ist gut, sie ist relevant scheinbar für Swisscom, weil die haben ja dann Geld in die Hand genommen. Und der Innovator hat sich bewiesen. Entsprechend können wir da jetzt ins Coaching investieren.

Kompetente Betreuung von Coaches während des Kickbox-Prozesses

Nora Hansen: Wer coacht denn?

Ralph Hartmeier: Das hängt ein bisschen von der Idee ab. Entweder coachen wir selber als Swisscom Kickbox Team oder wir arbeiten auch immer vermehrt jetzt mit externen Coaches zusammen, die wir geschult haben auf den Kickbox-Prozess, was das bedeutet. Wo die Innovatoren und die Ideen stehen. Und dann arbeiten wir so mit externen Coaches zusammen. Und das Ganze machen wir so in einem Sprintformat vor dem Proof of Concept, während dem Proof of Concept und danach, um ihm voran zu helfen. Was wir da testen und wie erfolgreich war jetzt dieser Pilot wirklich?

Nora Hansen: Ja, okay. Gibt es eine Beispielidee, die ihr mal nennen könnt, die in letzter Zeit irgendwie durch die Kickbox entstanden ist, damit man so ein bisschen eine Vorstellung hat, mit welchen Ideen man in die Kickbox reinkommt?

Reto Wenger: Es gibt ganz viele. Und ein paar davon sind richtig. Also ich glaube, ich wüsste ein paar, die vielleicht spannend sind, um auch mal so ein bisschen den Lernprozess zu sehen. Eine, die ganz am Anfang war, eine der ersten Ideen war, da kam jemand zu uns und hat gesagt: „Hey, schau, Reto, ich wohne in einem Mehrfamilienhaus, ja, im obersten Stockwerk und die Waschmaschine ist zuunterst.“

Nora Hansen: Ja?

Reto Wenger: Ja, die ganze Zeit, ich laufe drei Mal runter, um die Wäsche wieder zu wechseln und dann mache ich das ganze Zeug in den Trockner und ich laufe nochmal drei Mal runter. Kann doch nicht sein. Ein Riesenproblem.

Nora Hansen: Weil du nicht weißt, ob der Trockner fertig ist oder nicht?

Reto Wenger: Ja, klar. Ein Problem der Menschheit, ich muss das lösen, ja?

Nora Hansen: Ganz dringend.

Reto Wenger: Und da stellt sich natürlich die Frage, hat das irgendeine Relevanz für eine Swisscom?

Nora Hansen: Na ja, wenn man das auf was anderes bezieht, vielleicht schon, oder?

Reto Wenger: Genau, aber in dem Zeitpunkt sicherlich mindestens fragwürdig, ja? Und in den meisten Innovationsprozessen wäre hier Stop gewesen und man hätte ihn nach Hause geschickt und gesagt: „Du, komm wieder…

Nora Hansen: Vergiss es.

Reto Wenger: … mit einer anderen Idee irgendwann oder auch nicht“, oder? Weil er kommt ja dann nicht mehr wieder, wenn man ihn einmal ablehnt.

Nora Hansen: Nein, wenn er einmal abgelehnt wird.

Viele Pains und viele Möglichkeiten – jede Idee wird zunächst unterstützt

Reto Wenger: Genau. Ja. Sehen wir immer wieder. Und gut, wir haben gesagt, klar doch, starten wir rein, legen wir los. Haben in diesem Prozess auch gegeben zur Hand. Er hat uns ziemlich schnell was gebaut gehabt mit einem Raspberry Pi, wo man ganz einfach messen konnte, hey, jetzt ist die Wäsche gut. Und sein Pain war weg. Na gut, dann, was kommt in der Phase? Er muss irgendwie zeigen, da ist ein Markt da. Er hat also diesen Raspberry Pi genommen und ist von Haustüre zu Haustüre gerannt und wollte das Ding verkaufen. Ja, was ist passiert?

Nora Hansen: Niemand braucht es?

Reto Wenger: Niemand braucht es. Jeder hat seinen Handytimer, sonst eine Lösung, und, und, und, und, und, ja? Das war dann irgendwo so das Tal der Tränen.

Nora Hansen: Ja, da ist das Tief der Ideenentwicklung.

Reto Wenger: Meine Idee hat keine Chance, ja? Aber er ist nicht liegengeblieben, ist wieder aufgestanden, weil sonst wäre es ja keine coole Geschichte.

Nora Hansen: Ja.

Reto Wenger: Er hat gemerkt, hey, was kann ich machen mit dem Ding, das ich hier gebaut habe? Und heute ist es ein Sensor, der im Einsatz ist bei Firmen wie irgendwo, ich glaube, in der RUAG, in der Swisscom, der Migro und, und, und, und, und, um die Auslastung von Office Räumen zu messen.

Nora Hansen: Das ist doch das, was bei euch auch im Pirate´s Hub ist, oder?

Reto Wenger: Genau, das hängt da

Nora Hansen: Genau, das habe ich nämlich schon gesehen.

Reto Wenger: Ja, genau. Ich könnte jetzt von hier reinschauen, wer wo sitzt, was noch frei ist. Hilft aber natürlich nicht mir unbedingt, sondern vor allem auch dem Gebäudemanager, der so optimieren kann et cetera.

Nora Hansen: Ja, und das brauchte die Swisscom dann doch?

Reto Wenger: Das brauchte die Swisscom, das hat ja auch noch einen ganz anderen schönen Nebeneffekt. Das läuft auf dem Low Power Network, was die Swisscom gebaut hat, und hat da mal richtig schön Traffic drauf gebracht. Das ist auch ein schöner Showcase.

Nora Hansen: Das ist natürlich supercool.

Reto Wenger: Ja.

Die Kickbox begleitet unterschiedliche Ideen von Beginn an

Nora Hansen: Okay. Das heißt, die Idee muss gar nicht unbedingt schon ausgereift sein, wenn man sich eine Kickbox holt, sondern die kann sich auch ziemlich entwickeln erst in dem ganzen Prozess?

Reto Wenger: Genau, also das ist eine der größten Erkenntnisse. Ralph hat es vorhin schon gesagt. Eine Rohidee, die kann wirklich niemand bewerten, egal, wie viel, ja.

Nora Hansen: Nein, nein. Ist klar.

Reto Wenger: Startup-Knowhow oder irgendwas. Also man muss die Leute da laufen lassen. Man kann sie nur immer wieder in die richtige Richtung ein bisschen stoßen und sagen: „Hey, geh mal raus, sprich mal mit Kunden“ und, und, und, und, und. Und dann muss die Erkenntnis aber selber kommen. Dann kann es eine, zwei, drei, vier Richtungswechslungen geben. Und was am Ende dasteht, das ist das, was man bewerten soll.

Nora Hansen: Das ist was komplett anderes, als das, womit man am Anfang kommt.

Reto Wenger: Ja.

Über drei Phasen hin zur Implementierung

Nora Hansen: Jetzt hatten wir zwei Phasen. Gibt es noch eine weitere Phase oder ist Rot und Blau sozusagen das Endergebnis der Phasen?

Ralph Hartmeier: Nein, natürlich schließen wir mit der schönen goldenen Phase ab.

Nora Hansen: Ah, cool. Ja, Gold, das sagt einiges.

Ralph Hartmeier: Eine schöne Goldbox. Eine schöne Goldbox gibt es zum Schluss, genau. Und da konnten wir jetzt in unseren dreieinhalb, vier Jahren, wo wir mit Kickbox unterwegs sind bei Swisscom, konnten wir jetzt zwölf Goldboxen produzieren. Das heißt, das sind zwölf Produkte, Services, die jetzt in einer Implementierungsphase sind. Teilweise sind es Startup, wie jetzt Reto gerade die Story erwähnt hat. Das ist unterdessen ein Startup, think-us.com. Andererseits sind es aber auch teilweise natürlich neue Produkte für Swisscom, die wirklich in den Kern eingeflossen sind von unserer Firma.

Nora Hansen: Da muss ich ganz kurz zwischenhaken. Bei der Kickbox kommen da immer nur Startups bei raus, die außerhalb, also die ausgegründet werden, also Entrepreneur, oder ist das auch Intrapreneurship, also auch innerhalb der Swisscom?

Ralph Hartmeier: Der Fokus liegt auf Intrapreneurship. Von diesen zwölf Projekten, von diesen zwölf Goldboxen haben wir allerdings drei Entrepreneure. Also drei Startups. Der Rest bleibt natürlich intern, weil, es ist natürlich die Schwierigkeit, eine Blue Box-Finanzierung und dann eine Gold Box-Finanzierung zu kriegen, wenn eigentlich der Fit nicht ganz da ist, also eigentlich schwierig, da ein Spin off rauszukriegen. Aber immer wieder passiert das, wo Swisscom sagt, das ist interessant für uns, aber ist nicht Kerngeschäft von uns, also müssen wir das eigentlich rausbringen und wir haben eigentlich eine Beteiligung daran.

Nora Hansen: Das könnte dann ja so eine Art Tochter-Startup sozusagen werden. Dass die Swisscom vielleicht mit denen kooperiert danach, oder? Also trotzdem was davon hat, aber, okay, die Idee trotzdem…

Ralph Hartmeier: Genau. Absolut richtig.

Nora Hansen: Okay, verstehe.

Ralph Hartmeier: Und das ist dann die Gold Box. Die ist auch, ehrlich gesagt, relativ symbolisch. Die gibt es physisch, aber die ist relativ leer. Warum? Weil natürlich die Standardisierung pro Phase immer weiter abnehmen muss und abnimmt.

Nora Hansen: Ja, klar.

Ralph Hartmeier: Allerdings ist es ganz wichtig, dass wir den Funnel komplett bespielen, Rot, Blau, Gold. Die Beauty davon ist, dass wir innerhalb der Firma immer das kommunizieren können. Jeder versteht, was ein Innovationsprozess bei Swisscom ist, nämlich rote Box, blaue Box, goldene Box. Und that’s it. Und das ist sehr intuitiv verständlich für ganz viele Mitarbeitende.

Nora Hansen: Ist das auch so ein bisschen was, was die Kickbox ausmacht, einfach wieder dieses Visualisieren des ganzen Prozesses?

Reto Wenger: Ja, ich glaube, das ist was ganz Zentrales, auch bei den Bestandteilen. Wir haben ja zum Beispiel das Kickbook innendrin, das so wie ein Prozess gilt, in der Box. Und das ist so geschrieben, dass eben all diese Buzzwords draußen sind. Also ich sage jetzt mal, also wenn in der Startup-Welt irgendwo der  kommt, dann ist das halt einfach eine Kehrtwende. Und das versteht halt auch der Sechzehnjährige und das versteht auch der Dreiundsechzigjährige. Und das war uns immer sehr wichtig, also ganz einfach zu kommunizieren. Deshalb auch Farben, deshalb auch Boxen und, und, und. Weil nur so kann man wirklich auch einen inklusiven Prozess kreieren, der bei uns jetzt vom Callcenter mit dabei, da bis hoch zum Manager jeder durchlaufen kann.

Nora Hansen: Ah, okay, ja, klar. Man kann ja nicht alle ansprechen, wenn man tausend Buzzwords benutzt. Also das Problem habe selbst ich als die, die die Podcasts macht. Dass ich, wenn ich irgendwelche Leute hier sitzen habe, die Experten auf dem Gebiet sind, und dann mit ihren Fachwörtern durch die Gegend hauen, dann bin ich teilweise auch ein bisschen überfordert. Das ist natürlich sehr hilfreich dann. Okay. Und was war eure Vision von der Kickbox? Und habt ihr diese Vision erreicht?

Visionen können sich ändern – auch zum Guten

Reto Wenger: Am Anfang sind wir mit der Vision gestartet, und das war eine ganz andere als wir heute haben, um einfach wirklich Unternehmertum in die Swisscom reinzubringen. Das hat ziemlich schnell sehr gut funktioniert.

Nora Hansen: Es war ja auch eine kleine Vision eigentlich, oder?

Reto Wenger: Das war eine kleine Vision, aber es hat als wahnsinnig weit weg. Also es kam einem vor, als wäre das unmöglich. Ich habe gedacht, das ist nicht möglich, also wirklich. Und das hat gut funktioniert. Das hat gut funktioniert mit dieser Positionierung. Wir haben schnell, von dem ersten Pilot waren, glaube ich, zehn Projekten, waren wir schnell auf vierzig hoch, dann sechzig und dann im ersten Jahr bereits über hundert. Also das war…

Nora Hansen: Krass.

Reto Wenger:  … irgendwo, ja, das hat auch so einen Sog ausgewirkt, der bis heute anhält. Was auch das Coole ist, was ich auch nicht sicher war, wie geht es weiter?

Nora Hansen: Ja, ob sich das hält.

Reto Wenger: Genau, aber bei uns hat sich das wirklich kontinuierlich weiterentwickelt. Also sehr schnell sind andere Firmen drauf aufmerksam geworden. Und das hat uns irgendwann vor einen Punkt gestellt, wo wir uns fragen mussten, wollen wir das wirklich nur in der Swisscom machen oder wollen wir das öffnen? Und das hat unsere Vision, so wie wir heute aufgestellt sind, alles komplett auf den Kopf gestellt.

Nora Hansen: Das heißt, euch gibt es gar nicht mehr nur noch in der Swisscom?

Reto Wenger: Uns gibt es nicht mehr nur in der Swisscom. Wir machen es immer noch in der Swisscom und das ist auch wichtig, um wirklich die Learnings mitzunehmen.

Nora Hansen: Ja, klar.

Reto Wenger: Aber wir haben mittlerweile das Team aufgebaut, wir haben ein Entwicklerteam, das war auch der Punkt, wo wir Ralph dann mit dazu genommen haben, und, und, und. Zum das ganze Ding auch bei anderen Firmen, an Universitäten et cetera großwerden zu lassen.

Nora Hansen: Das heißt, Kickbox ist nicht mehr Swisscom Kickbox, sondern Kickbox Swisscom. Also Kickbox wird sozusagen eher die eigene Marke inzwischen, oder?

Reto Wenger: Es wird die eigene Marke, wir haben es auch immer so aufgezogen, dass es ein eigenes CCD und, und, und hat, dass man das auch erkennen kann. Und mittlerweile gibt es eine SBB-Kickbox, mittlerweile gibt es eine Roche Kickbox und, und, und, die alle auch dieselben Boxen brauchen. Also natürlich angepasst auf die Unternehmung. Die Plattform dahinter haben wir helfen können mit unserem Knowhow, dass das schnell und gut vorangeht. Genauso gibt es auch irgendwo den ETH-Kurs und es gibt die Kickbox an der Uni Zürich, also es ist schon ein ziemliches Movement drum herum entstanden.

Nora Hansen: Da ist verdammt viel passiert, wie es klingt. Okay. Jetzt hast du eben gesagt, ihr hattet über hundert Projekte in einem Jahr?

Reto Wenger: Ja.

Nora Hansen: Wie verkraftet die Swisscom so viel Innovation in einem Jahr? Also vor allen Dingen, wenn du meintest, in so einem großen Unternehmen war früher eigentlich kaum Innovation. Du konntest dir das eigentlich gar nicht vorstellen. Wenn da jetzt plötzlich in einem Jahr über hundert neue Ideen kommen, ist damit ein Unternehmen nicht vollkommen überfordert?

Ralph Hartmeier: Also ich muss sagen, das bewegt ziemlich viel, das macht es. Was man aber auch sagen muss, es sind hundert, die starten, die durch diese erste Phase gehen. Und gut neunzig, achtzig bis neunzig Prozent, für die ist nach dieser ersten Phase fertig, die kriegen ein Diplom, die haben viel gelernt, viel mitgenommen. Und die dürfen gern ein zweites Mal wiederkommen. Sehen wir auch, also so dieser Serial Intrapreneur ist mindestens so gut wie der Serial Entrepreneur. Also da lernt man viel, nimmt es mit und kommt wieder. Aber dann natürlich geht es mit zehn Prozent weiter. Also das sind bei hundert Projekten zehn, ich glaube, im ersten Jahr waren es fünfzehn. War ein bisschen über diesen zehn Prozent. Und die brauchen dann Zeit. Da mussten wir auch investieren. Und da mussten wir auch wahnsinnig viel auch unsere Struktur ändern. Das Schöne war, wir haben nie irgendwie theoretisch was verändert, sondern immer, indem wir eben den Case da hatten, der hat an die Tür geklopft und jetzt mussten wir. Und dann hat es auch jeder verstanden.

Nora Hansen: Okay. Und die Swisscom scheint ja so ein bisschen eure Spielwiese zu sein, oder? Also wenn ihr das Ganze jetzt so ein bisschen outsourced und an Universitäten gegangen seid, an die SBB. Und ihr habt gesagt, ihr müsst es so ein bisschen anpassen. In der Swisscom ist sozusagen das Baby entstanden, aber es muss raus und verändert werden und wachsen. Aber ihr lernt aus der Swisscom, ihr merkt, was habt ihr für Fehler gemacht, was muss verbessert werden, oder?

Ralph Hartmeier: Absolut. Also wir sagen selber immer, die Swisscom ist unsere grüne Spielwiese, das heißt, alles, was in unseren Köpfen noch rumschwirrt, testen wir zuerst bei der Swisscom, weil da das Programm sehr, sehr gut etabliert ist und auch das Brand Kickbox bekannt ist. Also beispielsweise haben wir letztes Jahr ein Pilotprojekt gemacht intern, wo wir eigentlich ein Crowdfunding gemacht haben für die Projekte. Also wir haben fünfzig Swisscom-Mitarbeiter haben wir ausgestattet mit jeweils 2.000 Franken und diese 2.000 Franken konnten dann investiert werden in die Projekte.

Nora Hansen: Ah, okay, ja.

Ralph Hartmeier: Und das war unser Kick Angel-Projekt. Das war sehr erfolgreich. Wir konnten so wirklich viele Projekte von der ersten Phase in die zweite…

Nora Hansen: In die nächste. Ja.

Ralph Hartmeier: …diese Blue Box-Phase bringen. Und das ist jetzt auch etwas, das wir wieder unseren Peers, unseren Kunden geöffnet haben und gesagt haben, hey, der zweite Pilot würden wir gerne Cross Corporate machen, weil das ist auch in unserer Vision. Dass wenn wir schon mit demselben Toolset arbeiten und mit derselben Plattform, dann können wir viel mehr noch Cross Corporate machen.

Nora Hansen: Ist klar, ja.

Ralph Hartmeier: Und diese Hürden zwischen den Firmen ein bisschen runterbringen.

Die Arbeit mit der Kickbox in Unternehmen

Nora Hansen: Und wie habt ihr das geschafft, das an die anderen Unternehmen oder anderen Firmen zu bringen? Seid ihr rausgegangen und habt sozusagen Kaltakquise gemacht, so nach dem Motto „Ich bin der Meinung, ihr braucht das und euer Unternehmen. Wollt ihr es haben?“ Oder ist das von alleine so ein bisschen nach außen gekommen und die haben angefangen, sich dafür zu interessieren?

Ralph Hartmeier: Also gekommen ist es von ganz allein, weil wir ja auch die ersten Erfolge natürlich einfach kommuniziert hatten. Und dann ist wirklich die Nachfrage gestiegen. Und wir haben auch lange eigentlich gesagt, nein, wir können kein White Label-Produkt draus machen, weil das ist Intrapreneurship.

Nora Hansen: Ja, das ist unser Ding. Ist Swisscom.

Ralph Hartmeier: Das ist unser Ding, ist Swisscom. Bis wir dann irgendwann zu Viert, wir sind zu Viert im Kernteam, die Köpfe zusammengesteckt haben und gesagt haben, eigentlich wäre es cool, die Vision größer zu denken, andere Firmen im Intrapreneurship zu unterstützen und eben dann an dieser Vision zu arbeiten, ein bisschen diese Grenzen zwischen den Corporates runterzubrechen oder die Universitäten näher an die Corporates zu bringen. Und das alles über ein wunderschönes Tool, nämlich Kickbox und die Plattform. Entsprechend ist dieses ursprüngliche Interesse sehr stark einfach vom Markt gekommen und natürlich unterdessen gehen wir auch bewusst auf Konferenzen und erzählen unsere Geschichte und sind super-happy mit den Peers zusammenzusitzen und zu analysieren und zu mappen, wie könnte Kickbox in existierende Prozesse passen bei den jeweiligen Firmen, um sie da wirklich auch möglichst gut zu unterstützen mit unserer Erfahrung, die wir machen durften in den letzten drei, vier Jahren.

Nora Hansen: Ja, ihr seid ja jetzt auch mit Gründerschiff, dem Unternehmen, bei dem ich arbeite, so ein bisschen dran für die Zukunftsplanung. Da werden wir demnächst Axel, einen aus meinem Team haben, der uns so ein bisschen von der Story da erzählt, wie das an den Bodensee kam. Bin ich auch schon sehr gespannt drauf.

Reto Wenger: Ja, da könnt ihr alle gespannt sein.

Groß denken zahlt sich aus – Visionen erweitern und verfolgen

Nora Hansen: Ich muss sagen, ich habe den ganzen Prozess jetzt in der letzten Zeit nicht mitbekommen, aber dafür ist der Tag und Abend heute ja da. Genau. Was ist das große Ziel? Wollt ihr nur in der Schweiz größer werden? Wollt ihr auch noch nach Deutschland rüber? Wollt ihr vielleicht auch noch Österreich mit einbeziehen? Wollt ihr nach ganz Europa? Was ist so wirklich euer Traum? Die ganz, ganz große Vision. Wenn ihr jetzt mal weg von allem, was in den nächsten paar Jahren vielleicht möglich ist oder auch nicht so ein bisschen, ohne die ganzen Ängste und Einschränkungen, was wäre das beste Ergebnis, was bei rauskommen kann?

Reto Wenger: Wir denken gerne groß, wir sind heute schon außerhalb der Schweizer Grenze unterwegs. Also wir haben zu Schweizer Firmen, die Ableger im Ausland haben. Wir haben aber auch erste Firmen direkt aus Deutschland. Und wir wollen natürlich wachsen. Wir wollen nicht nur in der Schweiz und in Deutschland wachsen. Wenn wir jetzt mal in Drei-, Fünf-Jahres-Horizonten denken, also dann wollen wir darüber hinauswachsen. Wir wollen die Nummer Eins-Lösung werden, wenn es um Intrapreneurship geht. Wir wollen da einen neuen Standard setzen, auch mit der Kickbox und der Methode darüber hinaus. Wir sind momentan sehr viele Dinge auch am Machen in der Schweiz mit Universitäten zusammen. Also wir glauben auch, dass Intrapreneurship zwar immer einen starken Kern in der Unternehmung braucht, aber sich auch immer mehr Richtung Open Innovation entwickeln kann. Sprich, man kann Challenges an Universitäten ausschreiben. Man kann aber, was heute schon geht und was wir schon machen, auch Projekte teilen mit einer anderen Firma. So haben wir schon Projekte geteilt.

Nora Hansen: Ah, okay.

Reto Wenger: Also es ist ein Megading, das ist Open Innovation.

Nora Hansen: Es wird ein richtig krasses Netzwerk.

Reto Wenger: Ja, ist ein krasses Netzwerk, ist momentan aber auch ein Riesen-Buzzword, deshalb sind wir da immer ein bisschen auch zurückhaltend, wenn wir erzählen, weil man kann halt nicht nur ein Feature, was wir haben, machen und dann teilt man etwas. Es braucht eine Community, es braucht Menschen dahinter, die sich verstehen, die die gleiche Sprache sprechen und, und, und. Deshalb das wäre die Vision, in kleinen Schritten da hin. Der Kern, den wir können und den wir eben, wie gesagt, gecrackt haben, der bei uns funktioniert und bei anderen, das ist Intrapreneurship. Das andere ist unsere grüne Spielwiese, wo wir sehr gerne testen für uns als Swisscom, aber vermehrt auch mit anderen Vorreiterfirmen in der Schweiz und im Ausland.

Nora Hansen: Ja, da müsst ihr ja auch als Kickbox Team noch ganz schön wachsen, wenn ihr euch so ausweiten wollt.

Ralph Hartmeier: Ja, das stimmt.

Nora Hansen: Also ich meine, ihr habt jetzt inzwischen schon relativ viele Mitarbeiter, auch darüber haben wir eben schon kurz gequatscht, aber wenn man wirklich auf lange Sicht, so in drei bis fünf Jahren, so eine Riesenvision hat, da seid ihr noch zu wenig im Team, würde ich sagen.

Ralph Hartmeier: Absolut. Wir sind jetzt, wie gesagt, vier Leute. Wir haben einige Entwickler natürlich im Hintergrund.

Nora Hansen: Die braucht es, klar.

Ralph Hartmeier: Und wir werden unterstützt von einer wirklich sehr guten Crew an Lernenden. Aber unsere Vision bedingt natürlich weitere Leute und wir sind super intrinsisch motiviert. Wir arbeiten auch viel und gerne. Jetzt sind wir aber auf der Suche auch nach weiteren Mitarbeitern, die uns in dieser Vision unterstützen, weil wir wirklich glauben, wir können was Großes und vor allem auch was aufbauen, das einen Impact hinterlässt.

Nora Hansen: Ihr habt ja nun wirklich ein Projekt, was einzigartig ist. Habt ihr nicht Angst, dass euch das irgendwer klaut? Also wenn ihr damit so groß rausgeht und das Firmen erzählt und auf irgendwelchen Konferenzen seid, habt ihr die Kickbox irgendwie geschützt, das Modell? Es war ja mal eine Open Source, ist es das immer noch?

Ralph Hartmeier: Ja, echt, es ist eine gute Frage, weil ich meine, das ist so ein Ding, das wir im Coaching auch immer wieder von unseren Intrapreneuren gefragt werden und beantworten müssen. Also, ja, kann ich das jetzt rumerzählen? Darf ich irgendwohin? Und wir halten die Devise, dass wir sagen, hey, so lange man der Schnellste ist, die Execution im Griff hat, nicht nur das Visionieren und Denken, sondern es auch auf den Boden bringen, dann können noch viele kommen, aber die kommen nicht mit. Und so wollen wir es auch halten. Wir stellen weiterhin viele von unseren Bestandteilen Open Source, also wir wollen auch was zurückgeben. Wir sind stark inspiriert von Adobe, wir machen das auch gemeinsam wollen wir dieses Open Source-Movement weitertreiben. Unser Buch, das wir jetzt geschrieben haben, dass eben das der Kern ist der Kickbox ist Open Source-verfügbar. Also für uns wichtig, weil je mehr Firmen damit starten, je mehr Firmen mit Intrapreneurship starten, desto mehr Intrapreneurship-Cases werden sie haben. Und dann brauchen sie irgendwann eine supertolle Plattform dahinter, ein ganzes Programm. So ist es uns auch gegangen, von dem her alle starten, egal ob selber, mit uns und, und, und.

Nora Hansen: Ja, das Ding ist ja auch, wenn man selber erstmal anfängt und dann feststellt, es gibt so was schon, das wir eigentlich gar nicht komplett selber entwickeln müssen, sondern wir können das irgendwo uns sozusagen, in Anführungsstrichen, besorgen oder kaufen, dann greift man dann vielleicht doch auf das ursprüngliche Produkt zurück. Weil wenn es das Beste ist, dann nimmt man halt das.

Nora Hansen: Absolut. Also es ist halt das Rad neu erfinden und dieses Syndrom Not invented here, das wir doch auch immer mal wieder sehen. Obwohl natürlich eine Firma, die mit uns arbeitet, die Mitarbeiter realisieren nicht, dass da irgendwie die Swisscom noch die Finger im Spiel hat selbstverständlich. Deshalb, was Reto gesagt hat, das kann ich nur unterstützen. Also jeder soll starten und wir haben ein Produkt, wir sind überzeugt davon. Aber einfach mal zu starten und nicht nur Folien davon zu pinseln und das Ding zehn Mal sich hin und her zu überlegen und nochmal ein Konzept zu bauen. Ich glaube, das ist unsere tiefe Überzeugung, dass wir einfach sagen, hey, bitte bringt es auch auf den Boden. Wir können euch helfen damit, aber wenn ihr es selber auf den Boden bringt, auch gut, wir sind da, wenn es mal eine andere Lösung braucht oder noch eine weitergehende Professionalisierung braucht.

Die Kickbox passt in jedes Unternehmen

Nora Hansen: Wow. Das klingt echt toll. Jetzt habe ich eine letzte Frage noch. Was sagt ihr Unternehmen, wenn ihr versucht, denen die Kickbox schmackhaft zu machen? Wenn man jetzt versucht, jemanden von der Kickbox zu überzeugen, wir sind da eure Argumente? Warum braucht ein Unternehmen eine Kickbox?

Ralph Hartmeier: Also am wichtigsten, meiner Meinung nach, ist, dass die Kickbox einen sehr spielerischen Weg bietet, Mitarbeiter mit Innovationsthemen zu beschäftigen. Und ohne viele Leute anzustellen, ein Intrapreneurship-Programm eigentlich out of the box, es ist morgen startbar, für jegliche Firma. Wir können es so schnell anpassen, kann die Firma loslegen. Und somit mit dieser ersten Phase, die automatisiert ist und trotzdem so spielerisch ist, viele Ideen generieren kann, weil das so ein positives Erlebnis auslöst und so tatsächlich viele Mitarbeiter transformieren kann. Und mit Zeit sicherlich auch der eine oder andere Gold Box-Case rausschaut. Also somit wirklich ein ziemlich cooles Tool, das morgen einsatzbereit ist, das wirklich Transformation und Innovation befähigt bei den Firmen.

Nora Hansen: Ja, da ist ganz klar dieser zeitliche Aspekt. Ja, den verstehe sogar ich als nicht Unternehmensführung. Okay. Gibt es noch was, was ihr gerne ergänzen würdet? Irgendwas, was euch noch irgendwie auf der Seele brennt, was wir noch nicht angesprochen haben? Eine Richtung der Kickbox, die noch fehlt?

Reto Wenger: Nein. Schaut rein, schaut vorbei, meldet euch. Also wir sind immer gern offen und happy, um noch mehr zu teilen rund um Intrapreneurship, rund um Kickbox et cetera. Ihr findet uns bestimmt.

Nora Hansen: Apropos finden. Habt ihr Social Media, wo man euch finden kann oder wie läuft das ab?

Ralph Hartmeier: Genau, also ihr findet uns unter www.getkickbox.com. Da könnt ihr uns anschreiben, da seht ihr auch unsere Bilder mit den Namen. Und wir sind natürlich selbstverständlich auch auf LinkedIn unter Reto Wenger und Ralph Hartmeier und freuen uns sehr über eure Nachricht.

Nora Hansen: Perfekt. Vielen Dank euch beiden. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Reto Wenger: Danke dir.

Ralph Hartmeier: Danke, war cool.

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.