Zwei Start-ups, eine Promotion und eine Community in 3 Jahren mit Gründerin Natalie Brüne – Startup-Schule (S01EP04)

Nora Sophia Hansen

Gründerschiff Business Model Innovationan Talk

Zwei Start-ups, eine Promotion und eine Community in 3 Jahren mit Gründerin Natalie Brüne – Startup-Schule (S01EP04)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Gründungen sind mit Risiko verbunden – und damit auch an Angst und Selbstzweifeln. Natalie Brüne – Seriengründerin, und Doktorandin aus Düsseldorf – erzählt, wie unternehmerisches Handeln schon Kindern und Jugendlichen mit auf den Weg gegeben werden kann, wie In- und Entrepreneuren durch Teilen Ihres Alltags Kollegen und Bekannte inspirieren können und wie Team strukturiert sein sollten.

Lernen Sie, welche Perspektive Forschung und eigene Erfahrung zum Thema „Unternehmerisches Handeln“ haben und wie Sie mit Authentizität und Persönlichkeit im Wettbewerb überzeugen können. Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

Vollständiges Transkript

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören! Bei uns zu Gast ist heute Natalie Brüne, sie ist selbst Gründerin der Startup-Schule, das ist unter anderem ein Podcast, und sie promoviert im Bereich Entrepreneurship Education. Herzlich willkommen, Natalie! Ich freue mich, dass du da bist!

Natalie Brüne: Hallo! Und ich freue mich, dass ich dabei sein darf!

Nora Hansen: Mit dir habe ich glaube ich eine sehr gute Interviewpartnerin gefunden.

Natalie Brüne: Danke schön! Das höre ich gerne.

Nora Hansen: Das freut mich. Ganz kurz für unsere Hörer, erzähle doch mal aus deiner Sicht, was du genau machst.

Natalie Brüne: Also ich mache so einiges. Ich habe einen Podcast, der heißt Startup-Schule beziehungsweise bin ich die Gründerin der Startup-Schule, denn um den Podcast herum gibt es jetzt noch einige andere Sachen. Ich gründe gerade das zweite Startup, bin Mehrfach-Gründerin also, Serial Entrepreneur nennt man das ja so in der Fachsprache.

Und ich schreibe meine Doktorarbeit im Bereich Entrepreneurship Education für Kinder und Jugendliche, und kombiniere das alles so ein bisschen, also meine Praxiserfahrung, die Forschungsergebnisse, all das fließt so in meine Arbeit ein, und ich vertrete so den Ansatz, dass unternehmerisches Denken und Handeln für alle Menschen geeignet ist, für alle Menschen sehr, sehr gut sein kann, und ich denke, da kommen wir später noch dazu.

Nora Hansen: Wow! Das ist wirklich vielfältig. Du hast gesagt, dass um die Startup-Schule noch Dinge drum herum passieren. Was muss man sich da vorstellen?

Vom Podcast zum Coaching zu Event – Live Entrepreneurship als Mindset

Natalie Brüne: Ganz genau. Also was ich mache, ist, ich habe damals vor eineinhalb Jahren ungefähr den Podcast gestartet, habe dann auf Instagram angefangen, immer den Podcast ein bisschen zu bewerben, habe da Postings gemacht, Stories gemacht, immer so ein bisschen, wenn ich erfolgreiche Gründerinnen und Gründer interviewt habe, habe ich auch die auf Instagram vorgestellt und habe dann gemerkt, wow, da ist echt Nachfrage und die Menschen interessiert so auch meine Reise, die ich als Gründerin gehe.

Dann habe ich irgendwann angefangen, auch Coachings anzubieten im Bereich Unternehmensgründung und Live Entrepreneurship, wie ich das immer nenne, und habe dann eine ganz große Vision, und zwar eben weil ich weiß wie wichtig das ist und dass der Grundstein schon auch recht früh gelegt wird, das eben auch in Schulen zu bringen und auch vielleicht eine eigene Schule irgendwann zu gründen, und wir machen jetzt auch Get-togethers, also sozusagen Treffen, Netzwerktreffen, wo wir zusammenkommen mit anderen Gründerinnen und Gründern und anderen Menschen, die eben auch einfach sagen, hey, ich möchte beruflich und privat das Live Entrepreneurship erlernen, also dieses Unternehmer-Mindset erlernen. Das ist so das, was ich mache und was ich lieben gelernt habe.

Nora Hansen: Da scheinst du ja wirklich gut dabei zu sein, und vor allen Dingen, wenn das auf Instagram so gut ankommt, vermutlich auch schon recht groß mit deinem Podcast, oder?

Natalie Brüne: Ja, das tatsächlich. Und ich muss dir echt sagen, Nora, ich habe das gar nicht so erwartet anfangs, ich habe da die erste Folge mal hochgeladen, da ist natürlich nichts passiert, also ich habe wirklich gar nicht irgendwie Werbung dafür gemacht, das gar nicht angekündigt, und dachte aber, ich gehe den Schritt jetzt. So nach und nach kamen irgendwie Menschen auf mich zu über Social Media und haben gesagt, ich habe jetzt mal eine Folge gehört, das ist echt cool, was du machst, ist nochmal was ganz anderes, normalerweise gibt es da immer nur so die knallharten Business-Leute und so, und du bringst da irgendwie Herz mit rein und bist selber irgendwie im Prinzip nur einen Step weiter jetzt zum Beispiel als ich, und das kam gut an.

Ich muss sagen, dass das nach und nach gewachsen ist, und dann ich mich natürlich auch bestärkt darin gefühlt habe, dass diese Vision, die ich habe, dass die toll ist, dass ich genauso weitermachen soll, und dann ist eines nach dem anderen gekommen sozusagen. Ja.

Nora Hansen: Da sieht man mal, wie viel es bewirken kann, wenn man einfach mal anfängt und dann so eine große Vision hat, auf die man hinarbeitet. Da habe ich immer das Gefühl, man zieht das schon so ein bisschen an, wenn man da voll mit dem Mindset drin ist und denkt, boah, ich schaffe das, ich mache das jetzt, dann wird das irgendwie auch.

Natalie Brüne: Ja, absolut. Und dann auch noch neben eben einer Vollzeitstelle, das war bei mir halt eben die wissenschaftliche Mitarbeit an der Uni, und da hatte ich eben eine Vollzeitstelle, und habe dann gemerkt, ich bin einfach nicht der Typ, der sich auf eine Sache fokussiert voll und ganz, und habe dann gemerkt, ich hatte damals auch schon meine erste Gründung hinter mir, und habe gewusst, ich werde niemals nur eine Sache machen, und dieses mit dem Podcast, das hat mir total viel/ das hat mir eigentlich einfach gezeigt, was meine Leidenschaft ist, hat mich irgendwann aus dem Bett springen lassen und sagen lassen, wow, ich möchte genau das machen und in die Richtung möchte ich mein Wissen anderen Menschen weitergeben.

Da war dieser erste Schritt natürlich ganz, ganz entscheidend, auch wenn der jetzt noch sehr zaghaft war und am Anfang natürlich auch jetzt nicht super selbstbewusst war, was das anging. Ich habe auch die ersten Podcast, ich weiß gar nicht, wie es bei dir war, aber die ersten Podcast-Folgen, ich habe so lange gebraucht, weil ich hier noch geschnitten habe, da noch perfektioniert habe, und letztlich heute ist es/ das ist einfach ein Prozess, aber dieser erste Schritt ist ganz, ganz wichtig, und heute ist das alles für mich so, ich lade es jetzt halt hoch und wenn da ein „Ähm“ oder ein kleiner Sprung dabei ist, dann ist das schon okay.

Nora Hansen: Ja, man lernt ganz viel daraus. Also ich muss sagen, ich bin vor allen Dingen auch bei den ersten Folgen immer sehr nervös gewesen, bin es teilweise auch immer noch, aber das ist einfach, wie du sagst, ein Prozess.

Natalie Brüne: Ganz genau. Und die meisten Menschen können sich super gut dann mit dir identifizieren, wenn sie auch merken, da ist noch ein bisschen Nervosität und die Person ist irgendwie auf deinem/ ist so wie du und ich, also die Person, die da spricht, die zu mir spricht, und ich möchte mich ja auch irgendwie mit ihr identifizieren können, möchte auch nachfühlen können, und das ist für mich immer schon so gewesen, wenn ich einen Mentor hatte oder irgendjemanden, den ich mal nach seiner Meinung gefragt habe, war es für mich immer wichtig, dass die Person auch nahbar war. Und das verzeiht einem jeder, wenn am Anfang mal ein bisschen Nervosität dabei ist und macht es sogar noch sympathisch.

Nora Hansen: Ja, das hoffe ich doch mal. Welche Themen sprichst du denn in deinem Podcast genau an? Also deine eigene Gründung, hast du gesagt, und was noch?

Kein Tag wie der andere

Natalie Brüne: Genau. Also meine eigene Gründung, davon berichte ich immer mal wieder. Generell so was ich als Gründerin so erlebe, weil da ist ja auch irgendwie nie/ also es gibt keinen Tag, der dem anderen ähnelt oder gleich ist, also ähneln vielleicht schon, aber keinen Tag, der genau wie der vorherige ist, und deswegen ist das auch total spannend.

Jetzt habe ich zum Beispiel einen Praktikanten bei mir für einen Monat und das ist auch wieder was anderes. Und das ist natürlich für andere Menschen, die so was noch nicht machen und die vielleicht noch im Angestelltenverhältnis sind, sehr, sehr spannend, einfach mitgenommen zu werden auf die Reise. Dann mache ich selber viel im Bereich persönliche Weiterentwicklung, also ich beschäftige mich auch selbst sehr viel mit mir selber und meiner Persönlichkeit und gebe da auch Seminare und mache Fortbildungen und lese sehr, sehr viel, und wenn ich da irgendwas habe, wo ich sage, hey, das hat mich total weitergebracht, einmal in meinem Erfolgsdenken aber auch im Bereich um zur Expertin, Gründungsexpertin zu werden, das heißt, auch im Bereich, wenn da irgendwelche Tipps und Tricks für Gründer sind, da, aber auch was die Persönlichkeit angeht, was das Mindset angeht, und das ist eigentlich immer so ein bisschen/ ja, ich plane das nicht weit im Voraus, muss ich sagen, ich mache das immer sehr aktuell, also wenn mich eine Woche lang irgendwie eine Frage beschäftigt, dann sage ich, dann mache ich doch da jetzt einfach mal eine Podcast-Folge darüber und hole mir dann auch Feedback ein von meiner Community, sage ich mal.

Die Startup-Schule-Community hat sich mittlerweile schon gebildet, dass da ganz, ganz feste Zuhörerinnen und Zuhörer sind und kriege dann da ein Feedback, was gerade so für die Personen um mich herum auch wichtig ist, und manchmal sind es eben ganz klassische Sachen, so Gründungsformalitäten oder die ersten Schritte einer Gründung, und manchmal sind das Themen, wie gehe ich mit Nervosität um, wie werde ich achtsamer, also Themen, die im Prinzip direkt scheinbar nichts mit einer Gründung zu tun haben.

Nora Hansen: Ach, wie cool! Das finde ich total sympathisch, dass du da auch menschlich dran gehst und nicht einfach nur immer über den manchmal vielleicht trockenen Prozess mit Bürokratie und Gründung redest.

Natalie Brüne: Genau.

Nora Hansen: Total cool!

Mit einer Gründung sind immer Ängste und Zweifel verbunden – bei Entrepreneuren wie auch Intrapreneuren

Natalie Brüne: Gehört halt auch alles dazu. Also ich kann natürlich Folgen machen, so, das sind die ersten Schritte, und jeder hört sich das an und sagt, okay, ich darf jetzt einen Gewerbeschein anmelden, ich darf jetzt erst mal zum Steuerberater gehen, gucken, was fällt denn da an und was muss ich beachten.

Aber das ist ja nicht alles, sondern mit einer Gründung oder generell mit wenn ich etwas Eigenes starte und mich sozusagen öffentlich zeige, mit etwas rausgehe, damit sind ja auch immer ganz, ganz große Zweifel verbunden und Ängste, und da einfach mal das zu teilen, was ich durchgemacht habe, ich glaube, da können sich ganz, ganz viele Menschen mit identifizieren und würden gerne wissen, wie ich denn zum Beispiel meine Ängste am Anfang überkommen habe und wie ich wirklich gesagt habe, ich gehe jetzt diesen Schritt mit meiner eigenen Gründung.

Nora Hansen: Es ist ja auch so, dass, nur weil du einmal gegründet hast, heißt das ja nicht, dass dieser Prozess beendet ist. Selbst ein Unternehmen oder dein Startup, was du gegründet hast, entwickelt sich ja auch mit der Zeit weiter und dann wirst du bestimmt immer mal wieder feststellen, boah, da musste ich jetzt hier und da feinjustieren und das hat mir dabei geholfen und, oh Gott, das ist völlig schiefgelaufen.

Natalie Brüne: Ganz genau. Klar. Also um ehrlich zu sein, Nora, ich glaube so was hört niemals auf. Da kannst du noch erfolgreicher sein in deiner Unternehmensgründung, ich glaube, dass da immer Punkte kommen werden, wo du sagst, hey, da weiß ich jetzt gerade nicht weiter und da komme ich an einen Punkt, wo ich wirklich auch mal irgendjemand anderen fragen muss und mal gucken kann, wie haben die anderen das geregelt, wie sind die damit umgegangen.

Also jetzt gerade auch in unserer aktuellen Gründung, es ist ja auch immer noch in den Kinderschuhen, also so richtig, dass wir da/ wir sind immer noch viel in der Planung und da sind immer noch viele Unsicherheiten, die mit unserem Startup verbunden sind, aber darum geht es ja eben gerade, also dieser Umgang mit einer Unsicherheit, mit dem Risiko, und das einfach alles mal so ein bisschen locker zu nehmen, als Abenteuer zu sehen, mal zu gucken, hey, wir probieren das Ganze jetzt aus und wenn es in die Richtung nicht geht, dann in eine andere Richtung, das nennen wir dann ja Kurswechsel, ein Pivot, kennst du wahrscheinlich als Gründerschiff auch oder kennt ihr/

Nora Hansen: Ja, auf jeden Fall.

Natalie Brüne: Genau.

Nora Hansen: Vor allen Dingen den Begriff Kurswechsel.

Natalie Brüne: Das passt gut zu euch. Ja, der Kurswechsel.

Nora Hansen: Ja, total.

Natalie Brüne: Und da einfach zu gucken, das hört nie auf, du hast immer irgendwann einen Kurswechsel, weil die Einrichtung vielleicht nicht weitergeht. Aber das alles ein bisschen mehr mit Leichtigkeit, Gelassenheit zu nehmen, und das habe ich ehrlich gesagt in den letzten Jahren erst lernen müssen.

Nora Hansen: Um unsere Hörer jetzt nochmal mitzunehmen, ich weiß natürlich, was dein Startup ist, aber erzähl doch nochmal, was du gegründet hast.

Capskeeper – Zeitkapseln-as-a-Service

Natalie Brüne: Ja, gerne. Also mein zweites Startup heißt Capskeeper und das ist ein Zeitkapsel-Service. Vielleicht kennt ihr noch ursprüngliche Zeitkapseln, die früher von Menschen befüllt worden sind mit irgendwelchen Dingen, die sie für die Nachwelt aufbewahren wollten, haben das dann irgendwo verbuddelt und gehofft, dass das dann Jahrzehnte später oder vielleicht sogar Jahrhunderte später wieder gefunden wird, dass man sich an die Zeit zurück erinnern konnte, zu der die Person gelebt hat.

Und was wir machen, wir haben das Ganze neu aufgegriffen, haben diese Tradition/ haben dem sozusagen einen neuen Rahmen gegeben, und zwar können unsere Kunden Zeitkapseln befüllen mit zum Beispiel Briefen, mit Erinnerungsstücken, mit Momentaufnahmen, also all das, von dem sie sagen, das ist erinnerungswürdig, und dann können die die Zeitkapsel versiegeln, an uns zurückschicken und wir schicken sie dann in der Zukunft wieder an die Person zurück, zum gewünschten Datum.

Ja, ich liebe die Idee, du kannst das vielfältig nutzen, also wie du jetzt gerade gemerkt hast, du kannst zum Beispiel Ziele für dich selber aufschreiben und sagen, hey, ich gehe da jetzt ein Commitment mit mir selbst ein und sage, ich möchte bis dann und dann das Ziel erreicht haben und weiß, da kommt meine Zeitkapsel wieder, also sehe ich auch zu, dass ich das bis dahin erreicht habe.

Damit fütterst du natürlich auch dein Unterbewusstsein. Dann kannst du aber auch das als Geschenk super verwenden, für eine Hochzeit oder so, wenn die Braut und der Bräutigam, wenn die irgendwie sich selber einen Brief schreiben wollen und dass dann zum Jahrestag wieder öffnen wollen. Also es ist vielfältig einsetzbar und/

Nora Hansen: Ach, total!

Natalie Brüne: Das ist Capskeeper, das ist mein Startup gerade.

Nora Hansen: Ach, wie cool! Das ist irgendwie eine total romantische Idee auf der einen Seite, aber ja auch total nützlich mit den, wie du gesagt hast, mit den Zielen, dass man sich da vielleicht Ziele da reinsteckt.

Natalie Brüne: Genau. Oder einen Brief an dich selber, an dein zukünftiges Ich. Ich weiß nicht, ob du so was schon mal gemacht hast.

Nora Hansen: Oh ja, das habe ich tatsächlich.

Natalie Brüne: Und ich weiß nicht, Nora, wie war es für dich? Wahrscheinlich ein Wahnsinn zu lesen, was du für eine Entwicklung durchgemacht hast, oder? So zu lesen, was du für Gefühle damals hattest und was generell dein Status Quo damals war und wo du jetzt heute bist.

Nora Hansen: Ja, genau. Ich habe mir einfach aber auch vor allen Dingen zu dem Zeitpunkt ganz viele so Motivationen aufgeschrieben, weil ich an dem Zeitpunkt auf einem richtig guten Weg war und dann dachte, boah, ich schreibe diesen Brief jetzt, wenn ich dann irgendwann wieder Zweifel habe, dann weiß ich, wofür es sich lohnt, lese das durch und habe dann vielleicht wieder die Kraft und die Motivation.

Natalie Brüne: Ach, wie schön! Das ist wunderbar! Das ist genau richtig. Das sage ich auch immer zu meinen Startup-Gründerinnen und Gründern, schreib dir auf jeden Fall auf, warum du das alles angefangen hast, weil es werden Momente kommen, wo du denkst, oh Gott, ich stecke den Kopf in den Sand, ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll, und dann kannst du dir genau so was nochmal durchlesen, warum habe ich das Ganze überhaupt gestartet. Und das ist auf persönlicher Ebene, aber jetzt eben auch auf beruflicher Ebene ganz, ganz wichtig.

Nora Hansen: Hattest du diesen Ich-Stecke-Den-Kopf-In-Den-Sand-Moment mit deinem zweiten Startup jetzt auch schon mal?

Natalie Brüne: Oh ja. Na klar. Den gab es auch. Auch nicht nur einmal. Also ich kann dir eine Situation nennen, und zwar habe im letzten Jahr eine Crowdfunding-Kampagne gemacht, um unsere erste Mini-Serie, unseren Prototyp sozusagen bestellen zu können, und ich dachte so, Crowdfunding-Kampagne, ja, mein Netzwerk ist schon riesig groß und wir haben ja auch ein tolles Video.

Und generell ist Capskeeper eine ganz tolle Idee, und haben dann angefangen und der Launch war auch super und da kam ganz viel Geld sofort rein, aber dann war das so ein bisschen/ Ich weiß nicht, Crowdfunding, ob das deinen Zuhörerinnen und Zuhörern was sagt, da kann man/

Nora Hansen: Ich nehme es an. Ja.

Natalie Brüne: Wahrscheinlich. Und da kann man die Idee sozusagen finanzieren lassen von vielen Menschen, und am Anfang kam ganz viel Geld zusammen und dann war so ein bisschen so U-Shape, also U-förmig, und dann ging es so runter und es passierte nichts, und ich habe diese Crowdfunding-Kampagne viel zu lange angesetzt, irgendwie sechs Wochen lang, um das Zahlungsziel zu erreichen, um das Funding-Ziel zu erreichen, sagen wir so, und habe dann gemerkt, okay, du musst jeden Tag eigentlich was machen, und hatte nicht genug geplant, ich hatte so ein, zwei Sachen dann geplant, aber habe dann immer jeden Tag so ein bisschen erinnert, ja, wisst ihr noch, die Crowdfunding-Kampagne, könntet ihr mal und so, und das war echt, da war kurz ein Moment, dann ging mein Internet auch nicht und/

Nora Hansen: Ach, scheiße!

Natalie Brüne: Ich war total eingebunden noch in meiner Vollzeitstelle tatsächlich, und da gab es teilweise echt einen Moment, wo ich gesagt habe, boah, warum mache ich das alles hier. Ja.

Nora Hansen: Da ist es dann so wichtig, dran zu bleiben und sich an seine große Vision zu erinnern.

Das Schlimmste, was passieren kann ist wahrscheinlich… gar nichts

Natalie Brüne: Genau. Das habe ich dann auch gemacht und ich bin auch ganz, ganz froh, dass ich dann Menschen um mich habe, die da auch/ das hilft nämlich enorm, einfach auch manchmal dann Leute anrufen zu können und zu sagen, hey, so sieht es aus, so fühle ich mich gerade, und die dann sagen, jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern weitermachen, weil das ist genau das, was eben erfolgreiche Gründerinnen und Gründer oder generell erfolgreiche Menschen auch von anderen unterscheidet, so dieses da passiert was, aber das ist jetzt kein Weltuntergang, ich lebe ja noch, was ist denn das Schlimmste, was mir jetzt gerade passieren kann, gar nichts, und da einfach dran zu bleiben.

Nora Hansen: Ja, das ist nicht nur in der Gründungsphase ganz wichtig, sondern auch später im weiteren Verlauf des Unternehmens, da hat doch bestimmt jeder mal einen Einbruch oder merkt, oh, ich muss das Geschäft jetzt aber dringend mal in eine andere Richtung führen, sonst geht es hier bald zu Ende.

Da ist es ganz wichtig, dass man immer jemanden hinter sich stehen hat, der einem einfach mal zuhört. Vielleicht gar nicht mal unbedingt jemanden, der das gleiche Fachgebiet ist, sondern einfach jemanden, der ein offenes Ohr für einen hat.

Deep-Working und Deep-Briefing

Natalie Brüne: Genau. Ganz genau. Und das finde ich wirklich ganz, ganz wichtig und da sprichst du einen guten Punkt mit an, so dieses Umfeld, wie wichtig das gerade ist, wenn du weißt, du machst da etwas, was mit viel Risiko verbunden ist, mit viel Unsicherheit, auf jeden Fall irgendwie Menschen schon mit auf die Reise nehmen, die du ab und zu dann mal anrufen kannst oder mit denen du dich austauschen kannst, vielleicht auch Commitments eingehen kannst, dass ihr gegenseitig sagt, hey, bis dann und dann habe ich das und das gemacht und wenn nicht, dann muss ich irgendwie das und das machen.

Das haben wir gerade gestern noch gemacht in unserem Team, dass wir gesagt haben, wir machen immer so Deepwork-Phasen, also Phasen, wo wir dann wirklich ruhig sind und nicht sprechen dürfen, und wenn wir uns nicht daran halten, dann müssen wir bestimmte Dinge machen, die uns unangenehm sind.

Nora Hansen: Oh, wie gemein!

Natalie Brüne: Ja. So ist es halt echt cool.

Nora Hansen: Ach, das ist auch eine total coole Methode. Entwickelt ihr dann da auch neue Ideen oder ist das einfach alltäglich im Geschäft, diese Deepworking-Phase?

Natalie Brüne: Die Deepworking-Phase, die machen wir jeden Tag und da ist jeder erst mal für sich, also wir haben dann irgendwie vorher, sage ich mal, ein Briefing gemacht, was es gerade für Aufgaben gibt, und in der Phase werden die dann abgearbeitet.

Und dann gibt es da noch so ein Deep-Briefing, dass man immer sagt, so, was habe ich jetzt geschafft in meiner Phase, habe ich die Aufgaben geschafft, die wir vorher vereinbart hatten. Also da ist wirklich jeder nur für sich und da weiß auch jeder, dass der andere nicht gestört werden darf.

Nora Hansen: Das ist ganz klasse! Und wenn irgendwer von euch eine neue Idee hat und sagt, boah, das müsste man doch eigentlich mal ausprobieren, wie geht ihr denn dann an die Sache ran?

Natalie Brüne: Also erst einmal machen wir das immer so, dass es gar kein Richtig/ also wir werten nicht, also Ideen sind per se immer gut und die werden gesammelt und dann auch wirklich tatsächlich jegliche Idee wird eigentlich angeguckt, weil es kann immer sein, dass es/ zum Beispiel auch der Zielkunde, die Zielgruppe hinterher, wir wissen eigentlich gar nichts über die, wir müssen wirklich immer wieder, wie du sagtest, feinjustieren, immer wieder gucken, was will denn gerade der Kunde, und da sind so neue Ideen, oder wenn jemand gerade irgendwie eine Beobachtung gemacht hat, das ist super, super wichtig, und deswegen werden die auf jeden Fall gesammelt, und dann gucken wir uns an, sind die denn auch wirklich marktfähig oder ist das überhaupt möglich, das umzusetzen. Aber generell sind wir sehr, sehr offen, was Ideen angeht. Auf jeden Fall.

Nora Hansen: Ich glaube, das ist auch ganz, ganz wichtig, wenn man einfach offen und häufig miteinander spricht und alle Ideen ihre Daseinsberechtigung haben, dann hat man auch die Möglichkeit, flexibler und anpassungsfähig zu bleiben und vielleicht auch immer mal wieder in kleinen Schritten sich zu verändern und nicht sich drei Monate gar nicht verändern und dann plötzlich einen riesen Schritt gehen zu müssen.

Natalie Brüne: Ganz genau. Und jeder hat ja auch eine andere Perspektive. Also bei uns jetzt unser Praktikant, der ist ja auch noch jünger als jetzt ich, und der hat zum Beispiel nochmal/ der kennt ja auch ganz andere Menschen als ich jetzt zum Beispiel und weiß, für die und die Altersgruppe ist das und das gerade gewünscht, oder ist fitter in einem bestimmten Bereich, sage ich mal, was Social Media angeht, ist er sehr, sehr fit und hat mir jetzt schon einige Tipps gegeben, da wusste ich überhaupt nichts von. Also es ist immer sehr, sehr wichtig, da offen zu sein, offen zu bleiben.

Nora Hansen: Ja, da helfen auch verschiedene Persönlichkeiten und verschiedene Denkstrukturen total.

Teammitglieder mit komplementären Ressourcen zusammenführen

Natalie Brüne: Richtig. Also das ist auch so eine Sache, Team, wenn du jetzt irgendwie eine Idee hast oder so, da ein Team zusammenzustellen, wo es wirklich so komplementäre Ressourcen, sage ich immer, gibt, dass ihr euch ergänzt, der eine kann das, der andere kann das, der andere hat die und die Sichtweise, der andere die und die Sichtweise, also ganz, ganz wichtig, sich da zu ergänzen.

Nora Hansen: Habt ihr dann bei euch im Unternehmen überhaupt wirkliche Hierarchien oder ist das alles ganz locker und alle Arbeiten sehr auf Augenhöhe zusammen?

Natalie Brüne: Also was mir immer ganz wichtig ist, wir haben schon einen Rahmen, also dass wir schon sagen, jetzt auch für die Deepwork-Phasen oder generell, dass wir schon auch/ dass ich jetzt, sage ich mal, als/ das sage ich zum Beispiel/ also ich bin jetzt nicht die typische Chefin, würde ich mal sagen, aber es ist schon so, dass ich einen Rahmen sehr, sehr befürworte, einfach damit wir auch alle gut arbeiten können, dass wir alle irgendwie einen Rahmen haben, in dem wir uns wohlfühlen, wo wir auch wissen, es gibt bestimmte Dinge, die es zu beachten gilt, und auch was Aufgaben angeht oder so, dass die klar definiert sind, sodass wir dann auch ein Ergebnis haben, weil dann hat jeder bei uns auch eben ein Erfolgserlebnis.

Wenn ich jetzt einfach machen kann, was ich will und/ ich glaube, das scheint vielleicht erst mal ganz cool zu sein, locker und lässig, aber letztlich sind es ja diese kleinen Erfolge, die wir auch feiern wollen, und deswegen ist so ein Rahmen unglaublich wichtig, dass man dann sagt, zum Beispiel wir haben eine Deepwork-Phase und bis dann und dann ist das und das fertig und dann kann man da den kleinen Erfolg feiern. Ja. Aber so Hierarchisch würde ich das überhaupt nicht bezeichnen bei uns, ganz und gar nicht.

Nora Hansen: Das finde ich toll, dass du die Struktur nicht einfach nur deswegen machst, damit du sagst, damit es vorangeht, sondern auch, dass die Leute persönlich Erfolgserlebnisse haben. Ich glaube, da spielt die Motivation ja auch einfach eine riesen Rolle.

Natalie Brüne: Ja, ganz genau. Also wenn ich mit Menschen zusammenarbeite, dann sowieso mit/ diese intrinsische Motivation finde ich ganz, ganz wichtig, und dann auch, dass jeder hier seine Erfolge feiern kann.

Also mir geht es auch, um ehrlich zu sein, so dieses/ ich habe ja selber irgendwann den Moment gehabt, wo ich gemerkt habe, wow, da ist etwas, das ist gar keine Arbeit mehr für mich, ich mache das, weil das einfach Spaß macht, das ist wirklich meine Leidenschaft, und ich finde, dass jeder, der sozusagen mitwirkt auch jetzt bei uns am Projekt, dass das wichtig ist, dass diese Person das auch verspürt, weil, ich weiß nicht, ob du das schon mal hattest, aber wahrscheinlich schon, allein schon in der Schule hat man das ja oft, dieses Gefühl, ich mache hier irgendwas, aber ich weiß gar nicht so richtig wofür und es macht mir auch irgendwie nicht so richtig Spaß, und da habe ich irgendwann entschieden, das möchte ich nicht, ich möchte jeden Tag aufstehen und sagen, boah, das wird heute ein richtig cooler Tag, das wird ein guter Tag, weil ich genau das mache, was ich liebe/

Nora Hansen: Ach, wie schön!

Natalie Brüne: Und das soll bei uns halt auch so sein. Also meine Vision ist, dass auch im Unternehmen/ das Unternehmen auch klar wird, dass es ganz, ganz wichtig ist, die Mitarbeiter auch so zu motivieren und dass auch Mitarbeiter das verspüren, diese Leidenschaft und diesen Drang, da dem Unternehmen was Gutes zu tun, aber auch sich mit der Arbeit was Gutes zu tun.

Nora Hansen: Ja, also ganz wichtig sind so ein bisschen das Persönliche und die Leute selber motivieren, dann eben so ein gewisses Maß an Struktur, aber eben auch die Motivation, alle einbinden, Ideen dürfen da sein. Gibt es noch irgendwas, was bei euch ganz, ganz wichtig ist?

Nora Hansen: Ja. Also der Spaß darf nicht fehlen.

Nora Hansen: Ach so. Klar. Der Spaß. Ja.

Natalie Brüne: Wir haben immer sehr, sehr viel Spaß. Auf jeden Fall. Muss ich wirklich sagen, der Spaß darf nicht fehlen. Ich überlege gerade, du hast es gerade schon wunderbar zusammengefasst, das ist so, wie wir arbeiten und wie ich das auch finde, und natürlich auch dieses unternehmerische Denken und Handeln, dass das wirklich für jeden möglich ist, dass jeder auch – eigentlich das, was du gesagt hast – die Ideen einbringen kann, dass jeder gehört wird, dass wir einen Rahmen haben, und dass auch diese Ängste von denen/ ich weiß jetzt gar nicht mehr, ob das im Vorgespräch war oder ob wir das jetzt schon im Podcast besprochen haben, aber so diese Ängste, die auch jeder hat, auch mit denen rauszugehen und so, dass es die halt gar nicht gibt, sondern dass hier quasi jeder sein kann, wie er sein möchte.

Nora Hansen: Und wie würdest du unternehmerisches Handeln denn für dich definieren? Also was ist unternehmerisches Handeln für dich und was nicht?

Unternehmerisches Handeln – Perspektive der Forschung und der Unternehmerin

Natalie Brüne: Also ich könnte dir jetzt einmal die Forschungsperspektive nennen und einmal und einmal so meinen eigenen Eindruck. Also ich fange mal an/ obwohl sich das total überschneidet, also es gibt halt viel Forschung zu dem Thema, dass man geguckt hat, hey, was macht denn unternehmerische Menschen aus, was macht Unternehmer und erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus, und hat dann darüber Studien gemacht, und da sind so Sachen rausgekommen wie: Die sind alle sehr selbstwirksam, die wissen, wenn es eine schwierige Aufgabe gibt, dass sie das aus eigener Kraft schaffen können, internale Kontrollüberzeugung nennt man das auch, und dass sie eben, wenn ihnen was passiert, dass sie nicht die Schuld außen suchen, sondern quasi bei sich und immer erst gucken, was hat das jetzt mit mir zu tun, was kann ich jetzt tun, um das Problem zu beheben.

Dann gibt es was wie Risikoaffinität, dass du sehr gut mit Risiko und Unsicherheiten umgehen kannst, denn Unternehmer oder Unternehmerinnen sind halt sehr, sehr häufig mit Risiken und Unsicherheiten konfrontiert, einfach weil ihre Vorhaben meistens nicht erprobt sind und es die so noch nicht gibt und du weißt gar nicht, wollen die Menschen das überhaupt, du musst da einfach sehr, sehr offen sein, offen auch für Neues, es gibt da so die, das nennt man Big Five sind das auch, und da ist auch Offenheit für Neues mit enthalten, ich muss gucken, dass ich mich schnell einstellen kann auf Veränderungen, die jetzt am Markt entstehen, die aber auch generell vorhanden sind, und das überschneidet sich eben mit meinen eigenen Erfahrungen auch jetzt im Podcast Interview, ich habe viele Gründerinnen und Gründer, ich hatte jetzt zum Beispiel den Gründer von FlixBus hatte ich im/

Nora Hansen: Ach nein. Wie cool!

Natalie Brüne: Ja, das war super. Und eben von verschiedenen Startups. Und da ist mir bewusst geworden, das sind immer Menschen, die eine große Vision haben, das ist das eine, die eine Vision haben, die machen das nicht, weil sie sagen, ich will jetzt so und so viel Geld verdienen, sondern die lieben den Prozess, den Prozess der Unternehmensgründung, des Unternehmensaufbaus, und letztlich eben, um etwas Großes zu schaffen.

Da sind die meisten sehr offen, auch wie ich gerade gesagt habe, für Neues, sind dann meistens im Interview auch total offen, die scheuen das Risiko nicht, also wissen eben um die Unsicherheiten, sagen aber, das ist okay für mich, ich kann mit der Unsicherheit sehr, sehr gut umgehen. Dann haben die meisten ein sehr, sehr gutes Netzwerk. Das sind auch so diese drei Fragen, die sich ein Unternehmer immer stellt, wer bin ich, was kann ich und wen kenne ich. Und wer bin ich, was kann ich, klar, aber dieses Wen-Kenne-Ich wird oftmals unterschätzt/

Nora Hansen: Das stimmt.

Natalie Brüne: Also irgendwie fragt man sich das sehr, sehr selten.

Nora Hansen: Ja, total.

Unternehmerisches Handeln bedeutet Verantwortung zu übernehmen

Natalie Brüne: Und das ist ja oftmals so, ich kann ja gar nicht alles können, und als Unternehmer da auch immer zu gucken, wer bin ich, was kann ich und wo kann ich mir die Engpässe, also wie kann ich die füllen, mit wem, mit den Ressourcen von jemand anderem, und da haben die meistens sehr, sehr große Netzwerkfähigkeiten.

Also unternehmerisches Denken und Handeln zusammengefasst in ein paar Worten geht eigentlich gar nicht, aber das Größte ist für mich eigentlich Verantwortung zu übernehmen, und das kennen wir auch viel aus der Persönlichkeitsentwicklung, zu sagen, wenn irgendwas passiert, dann bin ich alleine dafür verantwortlich und nicht irgendwer anders und ich bin nicht das Opfer meiner Umstände, sage ich mal. Das ist auch in der Unternehmensgründung ganz, ganz wichtig, und deswegen finde ich gibt es auch so viele Parallelen zum eigenen Leben und zur Unternehmensgründung, wo diese Unternehmer-Skills total helfen.

Nora Hansen: Ja. Das höre ich jetzt auch gerade bei uns im Gespräch die ganze Zeit wieder raus, dass dir oder einfach dass du sagst, dass es ganz wichtig ist, wer die Personen überhaupt sind. Ich finde auch das, was du gerade gesagt hast, mit dem bei sich selber suchen die Fehler und eine große Vision haben, das ist ja gar nicht nur auf die Person bezogen, sondern das kann man ja auch gerade auf das ganze Unternehmen beziehen, das ganze Unternehmen muss eine Vision haben, man muss die Fehler beim Unternehmen immer wieder ausbessern und so weiter.

Natalie Brüne: Absolut. Ja. Das kannst du definitiv so sagen. Ja.

Nora Hansen: Total spannend, wie sich das überschneidet. Jetzt hast du ganz am Anfang noch gesagt, dass du ja gerade noch deinen Doktor schreibst. Wie hat das jetzt mit dem Ganzen zu tun?

Natalie Brüne: Genau. Also ich habe meinen Master gemacht, und das ist richtig wichtig auch, dass ich das sage, weil ich wusste auch im Masterstudium teilweise noch gar nicht so richtig, wo es bei mir denn hingehen soll, wo die Reise hingehen soll. Das haben ja auch ganz, ganz viele, dass sie auch im Studium immer noch nicht so richtig wissen, was sie machen sollen.

Im Abitur hatte ich das schon gar nicht erst. Also das ist wirklich recht spät passiert bei mir, dass ich wusste, okay, das ist so mein Thema. Es kann sich auch alles immer noch ändern, auch im Leben der Kurswechsel, den gibt es ja auch, aber ich habe einen Moment gehabt im Masterstudium, dass ich dann gesagt habe, ich hatte diese Idee zu meinem ersten Startup und war so, okay, das kann echt was werden, und dann habe ich an einem Businessplan-Wettbewerb teilgenommen und habe das eben so ein bisschen aufgebaut, und dann habe ich mich nach dem/ der Master neigte sich so dem Ende zu.

Und ich habe gesagt, okay, entweder mache ich jetzt wirklich all-in das Startup oder aber ich finde irgendwie noch eine Stelle und am liebsten irgendwie in diesem universitären Bereich, weil das hat mir damals sehr, sehr gut gefallen, und habe dann einfach mal geguckt und da gab es diese Stelle und eben am Lehrstuhl für Entrepreneurship und ein Gründerzentrum und die haben jemanden gesucht, der auch Startup-Erfahrung hat, und zu dem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht genau, dass ich dann auch die Doktorarbeit schreiben werde, ich habe nur gedacht, boah, die suchen mich, als ich diese Stellenausschreibung gesehen habe, die suchen mich, und dann habe ich mich darauf beworben, und tatsächlich dadurch dass ich ein sehr großes Netzwerk dann im Startup-Bereich auch schon aufgebaut hatte, haben die mich dann genommen, und so ist das dann entstanden und dann wurde mir eben eröffnet, dass ich auch die Doktorarbeit schreiben kann, und das habe ich dann natürlich angenommen und hat sich so ergeben. Genau. Also gar nicht mal so geplant, dass ich das so geplant hatte, um ehrlich zu sein.

Nora Hansen: Mal wieder der schöne Lauf des Lebens.

Natalie Brüne: Genau. Immer im Vertrauen sein, es kommt schon immer alles so, wie es kommen soll.

Nora Hansen: Und was genau ist dein Thema, womit befasst du dich bei der Doktorarbeit?

Entrepreneurship Kindern und Jugendlichen in die Wiege legen

Natalie Brüne: Also das Thema lautet Entrepreneurship Education für Kinder und Jugendliche, so ganz grob gesagt, und ich gucke eben, ob und inwiefern der Grundstein für unternehmerisches Denken und Handeln schon in jungen Jahren gelegt werden kann.

Nora Hansen: Das ist dann recht psychologisch, oder?

Natalie Brüne: Ja, generell so diese ganze Entrepreneurship-Forschung hat auch viele psychologische Aspekte drin, also nicht nur jetzt mein Thema, sondern auch Themen wie welchen Investor suche ich mir denn und so. Da sind ganz, ganz viele psychologische Themen auch dahinter. Und bei mir ist es eben so, wenn man sich die Unternehmertypen anguckt oder was macht denn einen Unternehmer aus, da hast du immer auch ganz, ganz viele psychologische Aspekte dabei.

Und so was wie jetzt zum Beispiel internale Kontrollüberzeugung oder Selbstwirksamkeit, was ich gerade schon gesagt habe, was einen Unternehmer ausmacht, da kann man eben gucken, gibt es die schon im Kindes- und Jugendalter und werden die da schon entwickelt. Und ich habe eben Interviews geführt mit Jugendlichen der Oberstufe und der allgemeinbildenden Schulen und habe dann gefragt, ob so eine Selbständigkeit in Frage käme und was sie generell sich so vorstellen, und konnte dann eben auch mit verschiedenen Szenarien, die ich ihnen vorgestellt habe, zu denen ich sie befragt habe, auch gucken, wie unternehmerisch sind denn die Jugendlichen schon.

Nora Hansen: Und denkst du persönlich, das kann man im Jugendalter schon so ein bisschen vorbereiten?

Natalie Brüne: Auf jeden Fall. Also da bin ich selber jetzt/ also ich spreche jetzt mal unabhängig von dem, was ich in der Forschung so rausbekommen habe, spreche ich da aus eigener Erfahrung, dass ich denke, dass gerade da sehr, sehr viel Potenzial ist, um den Jugendlichen oder auch den Kindern aufzuzeigen, was sie denn überhaupt können, also ihre Stärken aufzuzeigen, weil meistens hinterher wenn ich irgendwie selbstständig werde oder ein Unternehmen gründe, dann passiert das ja meistens in einem Bereich, von dem ich sage, das ist so mein Ding, das ist meine Leidenschaft.

Und ich selber aus eigener Erfahrung habe so irgendwie schmerzlich erfahren in der Schule, dass ich/ also ich sage nicht, dass die Schule per se schlecht ist, das will ich damit nicht sagen, aber ich habe schon schmerzlich erfahren, dass ich eigentlich gar nicht wusste, wer ich bin und was ich kann in der Schule. Und da bin ich aber der festen Überzeugung, dass es ganz, ganz wichtig ist, schon früh den Kindern und Jugendlichen Themen an die Hand zu geben, die sie auch aufs Leben vorbereiten und die nicht nur auf Mathe, Deutsch, Englisch, Bio oder Chemie/ also das ist alles wichtig und das ist Teil der Allgemeinbildung, definitiv, aber es gibt Themen, wie jetzt zum Beispiel sage ich mal die Selbstwirksamkeit, was ich eben gesagt habe, jetzt wenn mir irgendwas passiert, und in deinem Leben wird dir/ einfach das Leben stellt einem ab und zu mal Herausforderungen, dass ich da weiß, wie ich mit so was umzugehen habe.

Oder auch hinterher jetzt nicht nur die Persönlichkeitsentwicklungsthemen, sondern auch die Themen jetzt Steuererklärung, ich weiß gar nicht, ob man das mittlerweile lernt in der Schule, aber eine Steuererklärung, die darf jeder irgendwann mal machen und ich habe nie gelernt, wie ich die mache in der Schule, und das sind alles so Sachen, die können wir den Kindern schon früh mit an die Hand geben. Auf jeden Fall.

Nora Hansen: Denkst du, dass du da in Zukunft vielleicht mitwirken kannst? Also ich kann aus Erfahrung sagen, Schule ist bei mir noch nicht lange her, so was wie Steuererklärung, keine Ahnung.

Natalie Brüne: Ja. Auf jeden Fall. Also meine ganz, ganz große Version ist ja, wirklich viele, viele Themen, die mir in den letzten Jahren sehr geholfen haben auf persönlicher, auf privater und auch auf beruflicher Ebene, die in die Schulen zu bringen und da zu gucken/ ich finde es immer sehr schwierig, das bestehende System zu ändern, das ist meiner Meinung nach gar nicht so einfach, weil die Schulen natürlich auch sich an bestimmte festgelegte Curricula zu halten haben und da wenig Freiraum ist, den gibt es allerdings, auch jetzt in Form von AGs oder Projekttagen oder so, aber das ist meiner Meinung nach nicht genug.

Und, ja, vielleicht sogar echt mal irgendwann die eigene Schule eröffnen, wo ich dann wirklich viele, viele Themen, die mir geholfen haben, auch schon/ oder die generell, wo ich den Eindruck habe, dass die noch fehlen, die auch mit einzubringen. Ja.

Nora Hansen: Das wäre ein ziemlich cooles, neues Schulmodell, und ich denke, dass das vor allen Dingen Leuten, die später in Unternehmen irgendwie was bewirken wollen, so auf ihrem Weg helfen könnte. Das ist einfach ein völlig neuer Ansatz, den du da irgendwie mit reinbringst.

Also ich habe mich jetzt schon mit einigen Leuten unterhalten und niemand war der Meinung/ also niemand hat so weit rückläufig gedacht, dass man bei der Entwicklung das Ganze schon vorbereiten kann.

Natalie Brüne: Ja, total. Also da muss ich auch immer sagen, ich war, als ich angefangen habe auch mit meiner Doktorarbeit und da so ein bisschen geschaut habe, was gibt es denn schon für Forschungen und wie kann ich daran anknüpfen, dass es sehr, sehr wenig noch gibt in dem Bereich, also wo/ man hat schon geschaut, so Langzeitstudien sind natürlich auch immer sehr, sehr schwierig, aber man hat schon geschaut, wenn Kinder jetzt in der Schule schon sehr unternehmerisch waren, unternehmerische Eigenschaften und Fähigkeiten hatten, sind die dann später auch eher selbständig geworden oder haben die die auch später noch, und dass man das so getrackt hat über Jahre, oder aber Leute retrospektiv eben, dass man Unternehmerinnen und Unternehmer gefragt hat, wie hat denn die Schule sich ausgewirkt oder warst du schon immer so.

Und da ist halt tatsächlich in der wenigen Forschung, die es gab oder gibt, da war das auf jeden Fall oder war das ein Punkt, der bestätigt worden ist, und das hat mich natürlich nochmal ein bisschen bestärkt, und auch generell zu sagen, okay, wenn anscheinend unternehmerisches Denken und Handeln einem Unternehmer sehr, sehr zuträglich ist und er das schon früh/ oder Kinder und Jugendliche das schon früh mit an die Hand gegeben bekommen können, dass man das auch dann wahrnimmt und auch letztlich in Unternehmen/ ich rede halt nicht nur von Unternehmertum selber, sondern generell auch für Menschen, die im abhängigen Beschäftigungsverhältnis sind, das auch/ oder generell im Leben, also ich übertrage das eben auf verschiedene Bereiche, dieses unternehmerische Denken und Handeln.

Nora Hansen: Ich glaube du leistest damit echt eine ganz tolle Arbeit, dass du das so ineinander überfließen lässt und beide Aspekte so sehr mit Berücksichtigst. Das finde ich klasse!

Natalie Brüne: Danke schön! Das freut mich, dass dir das gefällt.

Nora Hansen: Vor allen Dingen was du für einen unfassbaren Bogen in deinem Leben spannst von zwei Startups bis hin zu damals noch eine Festanstellung und Doktorarbeit und Persönlichkeitsentwicklung. Also wirklich, meinen vollen Respekt.

Natalie Brüne: Danke schön! Das freut mich. Ich muss auch sagen, dass ich den Weg, den ich eingeschlagen habe, dass ich den irgendwie total bestätigt sehe jetzt gerade auch und dass mir das alles ganz, ganz viel Spaß macht, und wenn das dann Menschen hilft und auch Menschen unterstützt, vielleicht auch diesen Weg einzuschlagen, dann geht mir das Herz auf, weil dann ist das genau das, was ich machen möchte. Genau. Ja.

Nora Hansen: Ja. Du scheinst einfach mit vollem Herzblut dabei zu sein. Ich danke dir so sehr! Ich habe so viel daraus mitgenommen und du verbreitest so eine tolle Stimmung und Ausstrahlung zu dem ganzen Thema, da können glaube ich so viele Leute was draus mitnehmen.

Natalie Brüne: Das hoffe ich doch. Vielen, vielen Dank!

Nora Hansen: Ach, ich freue mich, dass du heute dabei warst!

Natalie Brüne: Ich freue mich auch sehr! Ich finde, du machst das auch ganz, ganz klasse. Mach das auf jeden Fall weiter so. Weil ich immer sage/ also das ist nochmal jetzt kurz so, um das zu schließen, den Kreis zu schließen, weil wir auch darüber geredet haben, diesen ersten Schritt zu gehen, und wir haben gestern auch im Team darüber geredet, viele haben so diese Angst, den ersten Schritt zu gehen, egal mit was, und haben dann so Gedanken wie, aber das machen doch schon voll viele und ich weiß nicht genau, ob ich das machen soll, ob das irgendjemanden interessiert.

Ganz ehrlich, es wird immer jemanden geben, den es interessiert, und du machst es immer auf deine Art und Weise anders, also es gibt auch schon hundert Millionen Gründerberater und Berater, die irgendwie Startup-Coachings machen, und bei mir war das halt so, ich bringe meine eigene Persönlichkeit noch mit rein, dann halt eben ist mir irgendwann klar geworden, okay, Live Entrepreneurship, also dieses unternehmerische Denken und Handeln auch in andere Bereiche zu übertragen, das macht halt auch wieder keiner, und damit erreiche ich vielleicht wieder andere als der vor mir, und deswegen da keine Scheu zu haben und zu sagen, ich mache das jetzt, und diesen Gedanken, das machen schon so viele, warum sollte ich das noch machen, den mal ganz beiseite zu lassen.

Nora Hansen: Das war wirklich ein wichtiges Schluss-Statement. Dann verabschiede ich mich für heute bei dir. Vielen Dank und einen schönen Tag dir noch!

Natalie Brüne: Vielen Dank, Nora! Ich danke dir und auch dir einen schönen Tag noch!

Nora Hansen: Tschüss!

Natalie Brüne: Tschüss!

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören! Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf gruenderschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal!