Warum es sich für Kommunen lohnt bessere Bedingungen für Gründer zu schaffen – Moritz Meidert vom Gründerschiff (S01EP22)

Nora Sophia Hansen

Warum es sich für Kommunen lohnt bessere Bedingungen für Gründer zu schaffen – Moritz Meidert vom Gründerschiff (S01EP22)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Wer mit Kommunen arbeiten will, muss erstmal bei den ansässigen Unternehmen vorstellig werden – so die Kernessenz vom heutigen Interview. Moritz Meidert, Mitgründer vom Gründerschiff, erzählt über seine Arbeit mit Kommunen und den Aufbau von Innovationsökosystemen. Aber was haben Flachwasserzonen und Krötenkonzerte damit zu tun?

Lernen Sie welche Rollen besetzt werden müssen, um ein Ökosystem aufzubauen. Welcher Akteur bzw. Unternehmen eignet sich wofür am Besten? Woher kommt das Geld dafür? Und welchen Vorteil bringt das meiner Gemeinde eigentlich? Diese Fragen werden anhand von zwei Positiv-Beispielen beantwortet. Auch stellt Moritz den Wettbewerb der Gründerfreundlichen Kommunen vor, welcher ein sehr guter Einstieg dafür sein kann, eine gute Grundlage für Innovation und Gründungen in der eigenen Stadt/Region zu schaffen.

Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

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Vollständiges Transkript

 

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Hallo. Schön, dass Ihr heute dabei seid. Ich muss sagen, diese Folge wird ein bisschen ungewöhnlich für mich, da hier mein Chef gegenübersitzt. Aber wir verstehen uns recht gut. Insofern hoffe ich, dass das kein Problem sein sollte.

Moritz: Ja. Außerdem hast du mir gesagt, ich darf ins Mikro beißen, aber dich halt dann nicht.

Nora Hansen: Ja. Ich werde hoffentlich nicht gebissen. Na ja, wie dem auch sei. Moritz Meidert, der Mitgründer von Gründerschiff Konstanz und ich werden heute über Meta-Innovation sprechen. Das heißt, die heutige Folge wird weniger darum gehen, wie wir im Unternehmen Innovationen praktizieren oder angehen, sondern eher darum, wie wir anderen Unternehmen, Kommunen, Gründern, wie auch immer, dabei helfen können.

Moritz Weg zum „Kapitän“ vom Gründerschiff

Moritz: Richtig.

Nora Hansen: Bist du damit einverstanden?

Moritz: Ja.

Nora Hansen: Perfekt. Dann würde ich sagen, starten wir doch einfach mal. Stell dich doch mal kurz vor. Sag mir beziehungsweise eher den Hörern, wer du bist und wie es zu Gründerschiff kam.

Moritz: Das könnte jetzt eine längere Geschichte werden. Ich versuche mich kurz zu fassen.

Nora Hansen: Fass dich ausnahmsweise mal kurz.

Moritz: Ja genau. Ja also mein Name ist Moritz Meidert. Ich bin tatsächlich einer der Gründer von Gründerschiff. Einer der Gründer heißt, wir sind ein Kernteam von vier Leuten plus noch ein paar, die anfangs mit investiert haben. Die haben alle die Firma mitgegründet. Insofern ist es keine klassische One-Man-Thematik. Wie es zu Gründerschiff kam, ich sage mal long story short. Ich wollte schon immer Unternehmer werden. Habe mich deshalb direkt nach dem Studium in ein unternehmerisches Wagnis gestürzt, das dazu führte, dass ich mit 28 etwa eine viertel Million Schulden und eine Insolvenz an der Backe hatte. Ja, ungünstig. Und also die große Schwierigkeit oder die große Thematik war, hätte ich mal auf meine Gattin gehört, damals auch schon Gattin. Ich habe gerade überlegt, wie das zeitlich in der Reihenfolge war. Aber ja, wir hatten erst geheiratet. Dann habe ich den Mist gebaut.

Nora Hansen: Ist vielleicht besser so.

Moritz: Ja, wobei tatsächlich die Firmengründung war vor der Hochzeit. Das schiefgegangen ist erst danach. Hatte aber nicht zur Scheidung geführt bis heute. Und ja, also sie hatte vorher schon mich gewarnt, mich auf den Geschäftspartner einzulassen. Und ja, das war offensichtlich eine berechtigte Warnung.

Nora Hansen: Weibliche Intuition ist manchmal gar nicht so schlecht.

Moritz: Ja, insbesondere da meine Mutter das Gleiche gesagt hat.

Nora Hansen: Oh nein. So ein Mist.

Moritz: Genau. Also seitdem müssen sich neue Partner immer bei meiner Frau vorstellen, nicht jetzt bei meiner Mutter auch noch. Das wäre too much, glaube ich, aber bei meiner Frau. Und mit den aktuellen Partnern lag sie auch durchaus richtig mit ihrer Einschätzung. Insofern, soweit alles gut. Genau. Und nachdem das schiefgegangen ist, habe ich mich tatsächlich eher versehentlich immer mehr in Richtung Gründungsberatung entwickelt. Ich hatte dann zwar noch mal mich an einem anderen Unternehmen beteiligt. Da haben sich dann die Interessen der Gesellschafter, ich sage mal, einigermaßen friedlich auseinander entwickelt.

Nora Hansen: Passiert.

Moritz: Ja, das passiert ganz häufig sogar. Und bin selber immer mehr in die Gründungsthematik rein. Habe dann irgendwann mit einem Freund zusammen, dem Hans Christian Hillmann Gründerschiff gegründet, damals noch nicht in der heutigen Rechtsform, sondern als reine Gründerschiff UG. Heute sind wir eine KG, die eben später mit dem Kernteam von vier Leuten gegründet wurde. Christian ist krankheitsbedingt ausgestiegen. Und ja, dann habe ich ein neues, ein größeres, inhaltlich sicher auch nicht schlechter passendes, sondern fast noch besser passendes Team gesucht, weil wir auch dann den Fokus so ein bisschen verändert haben. Und so ist Gründerschiff entstanden. Ursprünglich als reine Gründungsberatungseinrichtung mit dem Ziel, in der Gründungsberatung paar Sachen anders zu machen. Das ist uns auch durchaus gelungen.

Nora Hansen: Ja, finde ich auch.

Moritz: Nichtsdestotrotz haben wir uns versehentlich so ein bisschen darüber hinaus weiterentwickelt. Das heißt, wir machen mittlerweile auch sehr viel Betreung von öffentlichen Partnern, insbesondere Kommunen. Betreuung von öffentlichen Partnern heißt, wir unterstützen Kommunen dabei, Wege zu finden, mit denen sie Innovation und Gründung in ihrer Kommune oder in ihrer Region fördern und unterstützen können. Und wir setzen das dann auch gemeinsam mit der Kommune in der Kommune um. Also bishin zu dem, dass wir von größeren Innovationsarealen auch den Betrieb übernehmen, wie wir das zum Beispiel in Konstanz aktuell machen.

Nora Hansen: Das heißt tatsächlich nicht nur den Prozess, sondern nachher auch das Endergebnis weiter betrachten?

Moritz: Genau, richtig. Also es geht nicht nur darum, ein Hochglanzkonzept zu schreiben. Das kann, glaube ich, nicht jeder, aber relativ viele.

Nora Hansen: Können mehr Leute, als es dann auch letztendlich auf den Beinen zu halten.

Moritz: Genau. Aber also die PS, die man in das Konzept reinschreibt, dann auch auf die Straße zu bringen, das ist unser eigener Anspruch, dass uns das auch gelingt. Und deshalb geben wir von vornherein das Commitment, dass wir nur Konzepte entwickeln, die wir auch bereit sind umzusetzen. Und parallel arbeiten wir mit Unternehmen an den Themen Ausgründung, Intrapreneurship, Innovationsmanagement. Schwerpunkt dabei ist die Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen, für die wir auch Outsourcing Themen in dem Bereich übernehmen. Aber da kommen wir, glaube ich, nachher noch ein bisschen genauer dazu. Zumindest war das der Plan. Genau. Vielleicht noch zwei Takte zu mir als Person, was ich so an inhaltlichen Hintergrund habe. Ich habe hier in Konstanz Jura und VWL studiert. Habe Jura mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen und VWL bis kurz vor das Vordiplom getrieben. Dann haben, glaube ich, noch zwei Scheine gefehlt. Und habe dann aber nicht VWL weitergemacht, sondern ein Master an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen angeschlossen, die damals noch ganz, ganz frisch war, was zu fantastischen Studienkonditionen damals geführt hat. Also wir waren zu sechst im Semester.

Nora Hansen: Das ist natürlich ziemlich geil.

Moritz: Traumhaft. Vor allem nachdem ich in Konstanz mit 550 im Semester war. Das ist einfach so.

Nora Hansen: Was für ein Kontrast.

Moritz: Ziemlicher Kontrast, ja. Für das Grundstudium sind viele Studierende aus meiner Sicht überhaupt kein Problem. Für ein Masterstudium sind wenig Studierende einfach ungefähr das Geilste, was man sich vorstellen kann, weil die inhaltliche Arbeit natürlich so viel tiefer gehen kann als woanders. Das war ein Master, nannte sich oder nennt sich Corporate Management and Economics, also ein Schwung BWL, ein Schwung VWL, mit einem Schwerpunkt auf Unternehmensführung und noch ein Nebenabschluss in Kommunikationswissenschaften dazu mit anderen Worten. Eigentlich habe ich damals schon Gründungsberatung studiert, ohne das aber genau zu wissen.

Nora Hansen: Jetzt hast du dich ganz in Moritz-Manier vorgestellt und einmal alles abgearbeitet. Jetzt müssen wir aber noch einmal ganz kurz zusammenfassen.

Moritz: Mir wird schon noch mehr einfallen, aber das muss an der Stelle nicht sein.

Von Flachwasserzonen & Krötenkonzerten und was sie mit der Gründung von Innovationsökosystemen in Kommunen zu tun haben

Nora Hansen: Genau. Wir fassen einfach noch mal ganz kurz zusammen, was Gründerschiff denn eigentlich macht, weil das ja so ein bisschen nachher auch der Fokus wird. Du hast gesagt, die Arbeit mit Kommunen ist wichtig. Da kommt es darauf an, dass nicht unbedingt die Kommunen an sich innovieren, sondern dass sie eigentlich eher den Rahmen für Innovationen schaffen. Und dann haben wir die Unternehmen, die eigentlich meistens eher Klein- und Mittelständler sind und da Intrapreneur oder auch einfach innovative Programme innerhalb des Unternehmens.

Moritz: Ja. Natürlich kann es auch bei Kommunen darum gehen, da Innovationen, irgendeine Verwaltung oder so zu schaffen, aber das ist nicht unser Fokus. Da gibt es wahrscheinlich auch andere, die da, ich sage mal, besser auf das Thema Verwaltung spezialisiert sind als wir. Mit der uns eigenen unternehmerischen Ungeduld weiß ich auch nicht sicher, ob wir die Richtigen für das Thema Verwaltung, also Innovation innerhalb der Verwaltung, wären.

Nora Hansen: Ja kritisch bist du ganz gerne, so Idee, machen, umsetzen, fertig. Und nicht Idee, Verträge, Bürokratie, Verträge, Bürokratie und so weiter.

Moritz: Ja, Verträge ist noch nicht mal das Schwierige, sondern ist tatsächlich eine Mindset-Thematik. Also das ist, und das ist auch nicht negativ gemeint, sondern das ist einfach nur relativ schwer, da mit unserer Herangehensweise dann Erfolge zu erzielen.

Nora Hansen: Genau. Da muss man einfach ein bisschen darauf spezialisiert sein.

Moritz: Wir haben zwar schon eine Idee im Köcher, wie wir das in Zukunft mal angehen können, aber das ist noch unsere Zukunftsthematik. Da sprechen wir dann vielleicht in einem Jahr oder in zwei noch mal darüber.

Nora Hansen: Ja, wer weiß.

Moritz: Genau. Deshalb, also tatsächlich geht es bei Kommunen primär darum, Rahmenbedingungen zu schaffen oder zu helfen, Rahmenbedingungen zu schaffen, wie ein Gründungsökosystem entstehen kann, wie ein Innovationsökosystem entstehen kann. Wir denken da relativ klar in diesem Ökosystemdenken. Ökosystem heißt, ich brauche bestimmte Rahmenbedingungen, die zusammenspielen müssen, die auch zusammen funktionieren müssen, damit Gründungen und Innovationen, ich sage mal, aus sich selber heraus immer wieder entstehen können, also dass es aus dem System heraus, das entstehen kann. Das ist im Prinzip vergleichbar wie, wenn man so einen kleinen Tümpel im Garten hat.  Wenn da die Rahmenbedingungen passen, also beispielsweise eine Schilfzone da ist, eine Flachwasserzone da ist und eine Tiefwasserzone da ist und ein bisschen Fischbesatz drin habe, dann kommen relativ schnell die Kröten und Frösche. Und ich habe ein entsprechendes Konzert. Ich habe aber dann auch keine Schnaken mehr, weil die das nämlich alles weggefressen haben. Und dann kann relativ schnell viel zusammen agieren. Dann kommen Libellenlarven und so weiter. Das ist aber nur dann, wenn die Wasserqualität stimmt. Die wiederum ist bedingt durch die Schilfzone. Und so funktioniert ein Ökosystem. Ich habe einfach verschiedene Komponenten, die zusammenspielen müssen, damit am Ende das rauskommt, was ich will.

Nora Hansen: Was sind denn das für Möglichkeiten, die ihr jetzt habt, wie ihr mit einer Kommune arbeiten könnt? Also ganz klar, grundlagenbasiert und schauen, dass die ganzen Grundlagen und so ein bisschen der Grundstein einfach stimmt. Aber was sind jetzt Wege, in die man sich mit einer Kommune entwickeln kann? Und was für Projekte, Prozesse, Strategien, Methoden hat Gründerschiff da?

Es gibt verschiedene Rollen zu besetzen, wenn man ein Innovationsökosystem aufbauen will

Moritz: Das, wenn man so pauschal sagen kann, kann man nicht, weil jede Stadt, jede Gemeinde, jede Region ist für sich unterschiedlich. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man was zum Thema Gründung oder Innovation machen kann. Ich mache mal ein Beispiel. Wir arbeiten mit einem sogenannten Gründungsökosystem Canvas, den wir entwickelt haben. Der basiert auf einzelnen Rollen, die wahrgenommen werden müssen, damit ein Gründungsökosystem funktioniert. Beispielsweise brauche ich, damit Gründer oder Gründende, Gründungsinteressierte so ein bisschen auch, ich sage mal, Rollmodels haben, brauche ich Vorbilder. Die gibt es in jeder Region. In jeder Region gibt es nämlich erfolgreiche Unternehmen, die innerhalb der letzten ein oder zwei Generationen gegründet wurden, wo also quasi die Ursprungsunternehmer noch greifbar sind, die einen guten Namen haben und die wirklich als Vorbilder auch zum Thema Gründen taugen können. Aber die reine Existenz reicht nicht.

Nora Hansen: Das ist klar. Da muss mehr passieren.

Moritz: Ich muss diese Vorbilder, in Anführungszeichen, auch „spielen“. Ich brauche die bei Veranstaltungen. Ich brauche die als Testimonial-Geber. Ich muss die auch als Gesichter zeigen können. Und die müssen auch bereit sein, sich zu zeigen. Manche wollen das ja auch gar nicht. Und ich habe auch schon Unternehmer erlebt, die super Erfolgsstorys mit ihrem Unternehmen hingelegt haben und sagen: „Na ja, eigentlich haben wir ja noch gar nichts geschafft.“ Weil die Wahrnehmung auch nicht immer die gleiche ist.

Nora Hansen: Ja, es gibt die Bescheidenen und die, die gerne damit rausgehen.

Moritz: Ja, genau richtig. Und tatsächlich aber diese Vorbilder, im Optimalfall sogar noch die Bescheidenen, nicht die, die sich selber gravierend überhöhen. Die braucht es in einer Region. Genauso braucht es aber auch Zugang zu Mentoren. Genauso braucht es Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten. Und, unter uns, reine Bankenfinanzierungen sind da nicht immer die Lösung oder in Klammer, meistens eigentlich nicht.

Nora Hansen: Da braucht man andere Hilfe vom Land? Von wo kriegt man das?

Moritz: Ja, da gibt es Fördermittel. Aber tatsächlich geht es primär darum, private Finanzierungsinstrumente aufzubauen, weil das die einzigen sind, die vernünftig mit dem Risiko, das in Gründungen steckt, umgehen können. Und das ist kein Vorwurf an Banken oder so was.

Beispiele für eine mögliche Rollenbesetzung anhand von Konstanz und Villingen-Schwenningen

Nora Hansen: Das ist einfach nicht das passende Modell für die Gründung immer, oder?

Moritz: Ja, also die Anforderungen an Eigenkapital, an Risikobewertung, an Sicherheiten bilden und ähnlichen, die Banken haben, denen Banken auch zwangsläufig unterliegen, ist halt einfach so geregelt. Die passen nicht auf das Thema Gründung oder nur in wenigen Fällen. Und machen es für die Banken auch häufig sehr unattraktiv, Gründer zu finanzieren. Oder anders formuliert, Gründungsfinanzierung ist für Banken kein funktionierendes Geschäftsmodell. Und solange das der Fall ist, muss man nach privaten Finanzierungsmöglichkeiten und Lösungen suchen. Da muss man sich pro Region anschauen, was vorhanden ist, und wie man agieren kann, und wie man die einzelnen Rollen besetzen kann. Also beispielsweise gibt es Regionen oder Städte, jetzt wie in Konstanz beispielsweise, wo die beiden Hochschulen, die wir hier haben mit ihren 17500 Studierenden oder so um den Dreh rum, also ein Fünftel der Einwohner sind einfach Studierende. Oder wenn man alle Mitarbeiter noch dazurechnet, sind es wahrscheinlich ein Viertel der Einwohnerschaft, also brutal viele.

Nora Hansen: Typische Studentenstadt.

Moritz: Genau. Typische Studenstadt, brutal viele. Und die spielen natürlich eine andere Rolle für so ein Gründungsökosystem als in zum Beispiel der vergleichsweise, genau gleich großen Stadt Villingen-Schwenningen. Die hat bloß minus tausend Einwohner, ziemlich genau gleich viele Einwohner wie Konstanz, hat sogar drei Hochschulen. Aber das eine ist eine relativ kleine Nebenstelle der Hochschule Furtwangen. Das zweite, also mit einem gewissen Schwerpunkt in bestimmten Bereichen, die aber überwiegend direkt aus der Region von den Unternehmen absorbiert werden. Das zweite ist eine duale Hochschule. Und dann duale Hochschulen bringen meistens weniger Gründer hervor, Intrapreneure.

Nora Hansen: Ja, die sind ja meistens schon im Unternehmen dann.

Moritz: Genau. Intrapreneure ja. Und das sind durchaus auch sehr, sehr gute Leute, die da zum Teil studieren, die viel in Unternehmen bewegen können. Aber die sind häufig nicht darauf ausgelegt, Ausgründungen zu machen. Es gibt mittlerweile auch Entrepreneurship Studiengänge an der THBW, die cool sind. In Karlsruhe beispielsweise läuft da so was, ziemlich coole Studiengänge. Aber das ist nicht der Schwerpunkt. Und in Villingen gibt es meines Wissens so einen Studiengang bisher nicht. Und das dritte, die dritte Hochschule, die es in Villingen gibt, ist die Polizeihochschule.

Nora Hansen: Ja, gut. Die bringt natürlich absolut keine Gründer.

Moritz: Genau, richtig, ja. Und deshalb geht es gar nicht darum, zum Beispiel zu gucken, was habe ich an Institutionen, sondern es geht darum, welche Rolle kann welche Institution wahrnehmen? Und da können zum Beispiel die Hochschulen in Konstanz eine ganz andere Rolle wahrnehmen, weil sie sehr viel mehr Absolventen haben, weil sie sehr viel mehr Studierende haben, weil auch zum Teil da Fächer dabei sind, die vermeintlich am Arbeitsmarkt nicht ganz so stark nachgefragt sind wie Geisteswissenschaften oder auch einige Sozialwissenschaften wie Soziologie oder/ Und bei denen besteht zumindest häufig die Vermutung oder das Vorurteil, dass die am Arbeitsmarkt nicht so gut nachgefragt werden. Das ist zwar nicht ganz richtig.

Nora Hansen: Na ja gut, wir haben ja jetzt ziemlich viele Soziologen bei uns im Unternehmen.

Moritz: Ja, genau.

Nora Hansen: Das wäre ein gutes Beispiel für.

Moritz: Gründerschiff ist durchaus Soziologen geflutet mittlerweile.

Nora Hansen: Passiert.

Moritz: Ja, das hängt auch natürlich zum Teil damit zusammen, dass die Soziologie in Konstanz wirklich gute Leute ausbildet, die durchaus auch Praxiseinsatzfähigkeit haben. Aber nichtsdestotrotz ist halt bei diesen Studiengängen häufig die Thematik, dass die Studierenden selber für sich sagen: „Ja, ich weiß nicht so recht, wo ich was finden kann. Oder wenn, dann nicht in Konstanz. Aber am See ist es halt schon geil.“ Und dann will man irgendwie bleiben. Und dann überlegt man sich halt das mit der Gründung doch noch mal.

Nora Hansen: Na gut, aber da muss ja dann von außen sozusagen die Möglichkeit wieder gegeben sein, damit sie das auch tun können.

Moritz: Genau. Und dann muss ich gucken, dass es auch räumliche Anlaufstellen gibt, dass es Veranstaltungen gibt. Das gibt es grundsätzlich alles in Konstanz. Es gibt ein Gründerzentrum. Es gibt eine privat organisierte, sogenannte Startup-Launch. Die Startup-Launch Bodensee, wo zwischen 120 und 150 Teilnehmer zu den Veranstaltungen in Konstanz kommen, obwohl sie Eintritt kosten. Das gibt ganz wenige solcher Veranstaltungsreihen überhaupt, die Eintritt kosten und so viel Resonanz bringen. Und das ist eine ganz großartige Struktur, die da entstanden ist, nicht nur über die Startup-Launch, sondern auch über die anderen Gründungsangebote, die es hier gibt. Es gibt regelmäßige Fuckup-Nights. Es gibt regelmäßig Hackertons und solche Sachen. Das ist alles das, was zusammenspielt. Und das ist auch nicht alles von der Stadt zu steuern. Und es soll auch gar nicht alles gesteuert sein. Aber als Stadt oder als Kommune kannn ich mir angucken, in welche Richtung geht so was? Und an welcher Stelle fehlt vielleicht noch was? Und wen kann ich vielleicht ermutigen, da noch was zu machen? Oder kann ich die letzte Lücke, die noch fehlt in so einem Gründungsökosystem, in Summe sind das 13 Rollen, die da zusammenspielen müssen, kann ich vielleicht die 13. Rolle, die noch fehlt, vielleicht als Stadt selber leisten? Also an Beispiele denn, wenn ich, eine der Rollen heißt Verbreitung. Also man muss darüber sprechen können über das Thema Gründung.

Nora Hansen: Das kann die Stadt ja gut übernehmen eigentlich?

Moritz: Ja, so eigentlich ist das Aufgabe von lokalen Medien, so was zu tun. Hier in Konstanz funktioniert das auch sehr, sehr gut. Aus Südkorea unterstützt zum Beispiel die Startup-Launch intensiv, unterstützt das Technologiezentrum. Und ist da kommunikativ sehr intensiv dabei, ist auch bei Hackertons mit dabei. Das ist aus meiner Sicht durchaus vorbildlich, wie das funktioniert. In anderen Städten funktioniert das mit der Lokalzeitung zum Beispiel dann nicht oder mit den lokalen Medien, aus welchen Gründen auch immer. Und dann kann die Kommune aber sagen: „Ja gut. Aber wir haben eigene Kommunikationsmöglichkeiten, Kommunikationsmedien, um solche Kommunikationen zu machen.“ Genau.

Wer Gründungen generieren will, muss mit den Unternehmen gemeinsame Sache machen

Nora Hansen: Ja, gut. Jetzt haben wir gesagt, man braucht ganz viele Gegebenheiten in einer Kommune, damit das so ist. Aber wie führt ihr das denn jetzt ein? Ich meine, ihr könnt ja nicht einfach die Unternehmen herholen und plötzlich irgendwelche Vorbilder nach Villingen-Schwenningen setzen, die eigentlich in Konstanz ansässig sind oder sonst irgendwas. Wie geht man das an? Das ist ja alles schön und gut, wenn man die Punkte hat, die es bräuchte. Aber wie kriegt man die dann auch tatsächlich in die Kommune rein?

Moritz: In Villingen gäbe es sogar selber Vorbilder, so ist es nicht. Da gibt es genügend mittelständische Unternehmen, auch sehr, sehr gut laufende mittelständische Unternehmen, in denen die Unternehmensgründer oder zumindest mal die Kinder der Unternehmensgründer noch im Unternehmen aktiv sind. Und die durchaus erzählen können, wie das funktioniert. Da gibt es auch Gründungen aus den letzten zehn bis 15 Jahren, die auch aus ihrer, also bei denen die eigene Gründungs- und Aufbauphase durchaus im Kopf noch präsent ist und nicht, ich sage mal, historisch verklärt ist durch den Erfolg der letzten Jahre.

Nora Hansen: Aber nehmen wir eine Stadt, wo das nicht so ist.

Moritz: Die gibt es fast überall. Das ist gar nicht der Punkt. Also finden tut man die. Und die einzelnen Rollen lassen sich auch in jeder Stadt besetzen. Und wenn ich in einer Stadt keine Hochschule habe, muss ich die Aufgaben, die woanders die Hochschule übernimmt, die müssen woanders her übernommen werden. Also ein Beispiel, eine der wichtigsten Aufgaben, die Hochschulen oder Rollen, die Hochschulen in so Gründungsökosystemen wahrnehmen, ist typischerweise, sie liefern potenzielle Gründer, weil einfach viele junge motivierte Leute sind.

Nora Hansen: Klar, sind alle auf einem Haufen.

Moritz: Die Interesse haben, was zu gestalten und was zu bewegen. Das ist eine tolle Sache. Tatsächlich sind Hochschulgründungen aber gar nicht so erfolgreich wie zum Beispiel Ausgründungen aus bestehenden Unternehmen. Und bestehende Unternehmen gibt es überall, also jetzt hier in Baden-Württemberg sowieso. Da ist das nicht das Problem. Und dann muss ich, wenn ich Gründungen generieren will, quasi mit den Unternehmen gemeinsame Sache machen und mit den Unternehmen überlegen, gibt es nicht einfach Rahmenbedingungen, unter denen es für euch als Unternehmen total spannend und interessant ist?

Nora Hansen: Das vielleicht die auch bereichert, oder?

Moritz: Genau, auch die bereichert, euren Mitarbeitern das Thema Ausgründung zu erleichtern oder zu ermöglichen. Das beginnt mit dem Thema Interpreneurship, also die Mitarbeiter erstmal an das Thema denken zu lassen und über das Thema Gründung oder Geschäftsmodellentwicklung oder sowas nachdenken zu lassen. Das endet damit, dass man die auch aktiv unterstützen kann, auszugründen, dass man eben das nicht als Angriff auf das eigene Unternehmen oder die eigene Wertigkeit sieht.

Nora Hansen: Nein, auf gar keinen Fall.

Moritz: Na ja, das machen viele Unternehmer so. Aber eigentlich ist es das in der Tat nicht.

Nora Hansen: Nein, eben, ganz klar, gar nicht.

Das Medizinbranchen-Cluster in Tuttlingen – Ein positiv Beispiel für die Entstehung eines Innovationsökosystems

Moritz: Und es gibt grandiose Beispiele, wie solche Ausgründungen zu einem Entstehen von einem Innovationsökosystem, von einem Branchencluster geführt haben, das heute internationales Renommee genießt. Also, ich sage mal, das grandioseste Beispiel dafür ist die Statt Tuttlingen, in der, je nachdem, wie man es rechnet, und wen man fragt, irgendwie zwischen 250 und 600 Unternehmen der Medizintechnikbranche sitzen.

Nora Hansen: Wow, in Tuttlingen alleine?

Moritz: Genau. Egal, ob es jetzt 300, 400 sind, ist wurst. Es ist das größte Cluster für Medizintechnik weltweit.

Nora Hansen: Und das hat sich auch aus irgendeiner Ausgründung mal entwickelt vermutlich, oder?

Moritz: Und das hat sich daraus entwickelt, dass da im Prinzip zwei große Unternehmen sitzen, die Firma Storz und die Firma Aeskulap, zwei große Medizintechnikunternehmen. Und daraus haben sich Ausgründungen und Zulieferer und neue Ideen und so weiter entwickelt.

Nora Hansen: Und dann kommt eins zum anderen?

Moritz: Genau. Viele von diesen paar hundert Unternehmen, sind relativ klein. Manche sind schon relativ groß geworden. Nach wie vor sind die beiden Genannten die großen Treiber in Tuttlingen und profitieren davon, dass so viele da sitzen, dass die Stadt quasi das Mekka für Medizintechnik geworden ist. Übrigens das zweitgrößte Cluster für Medizintechnik ist eine Stadt, ich meine, Norden von Pakistan, in der zwei Dinge stattfinden. Zum einen werden dort irgendwie 98 Prozent aller Lederfußbälle auf dieser Welt genäht. Und zum anderen ist da das zweitgrößte Cluster für Medizintechnik.

Nora Hansen: Komische Kombi, aber gut.

Moritz: Genau. Und dieses zweitgrößte Cluster ist so entstanden, dass sich einzelne Unternehmen aus Tuttlingen entschlossen haben, dorthin zu gehen, die anderen dann mitgegangen sind, quasi ein Tochter, Bruder, Tochter, Sohn oder wie auch immer man das nennen, ein Ableger.

Nora Hansen: Eigentlich ein fast künstlich erzeugter Ableger.

Moritz: Genau, ein Ablegercluster. Es gibt auch noch andere Beispiele, beispielsweise im Hohenlohschen, in der Stadt Crailsheim. Oder rund um die Stadt Crailsheim hatten sich ein, zwei oder drei Packaging-Unternehmen, also Verpackungsunternehmen, mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung angesiedelt, unter anderem, glaube ich, Bosch Packaging. Ist schon einige Jahrzehnte her. Und daraus haben sich wieder neue Unternehmen entwickelt. Mittlerweile wird die Gegend um Crailsheim als Packaging Valley bezeichnet, in Anlehnung natürlich an das Silicon Valley. Aber das ist halt einfach, da sitzen Weltmarktführer, mehrere, rund um das Thema Packaging, weil es sich halt einfach so entwickelt hat.

Nora Hansen: Ja klar, die profitieren ja alle voneinander.

Moritz: Genau, richtig. Wenn der Maschinenbauer zum Thema Verpackungsmaschinen gleichzeitig die verpackenden Unternehmen vor Ort hat, gleichzeitig die Zulieferer vor Ort hat, dann entwickelt sich da natürlich eine Menge daraus. Und deshalb, solche Cluster sind für die Unternehmen nicht nur wegen der kurzen Wege, sondern auch wegen der Attraktivität für Mitarbeiter und ähnlichem großartig. Also beispielsweise, wenn ich Mitarbeiter suche. Und der Mitarbeiter weiß, ich ziehe jetzt nach Crailsheim, dann sagt er: „Okay, das ist jetzt schon ziemlich ab vom Schuss.“ Da hat es zwar zwei Autobahnanschlüsse und ein bisschen paar Zügle, also auch in einige Richtungen, glaube, mindestens vier Himmelsrichtungen. Aber das ist ja schon gar nicht so schlecht. Aber das ist halt doch eine kleine Stadt, eine verhältnismäßig kleine Stadt mit einem/

Nora Hansen: Da fehlt halt der Rest, oder, neben den Unternehmen?

Moritz: Da fehlt halt relativ viel Rest. Aber wenn ich dann weiß, ich ziehe da nicht nur hin, und wenn es schiefgeht, muss ich wieder wegziehen, sondern ich kann da wirklich bleiben und mich niederlassen mit Familie und allem, was dazugehört. Weil wenn das eine nicht klappt, gibt es noch zehn andere Verpackungsunternehmen, bei denen ich arbeiten kann, wo ich dann vielleicht besser reinpasse. Dann wird das ja viel leichter für die Mitarbeitergewinnung oder für die Unternehmen, Mitarbeiter zu gewinnen.

Was hat eine Stadt von vielen Gründungen?

Nora Hansen: Gut, das sind jetzt die Vorteile für die Arbeitnehmer und die Unternehmen. Aber es geht ja eigentlich um die Kommunen, die gründerfreundlicher oder innovativer oder sonstwas werden wollen. Welchen Vorteil haben denn nachher die Kommunen daraus, wenn ihr jetzt so ein bisschen den Mediator da spielt und alle zusammen an einen Tisch bringt und überlegt, was man machen kann?

Moritz: Na ja, mehr Gründungen und innovativere Unternehmen.

Nora Hansen: Aber was bringt das einer Stadt?

Moritz: Das ist ja das, was mich Städte auch häufig fragen, die sagen: „Warum soll ich das tun?“

Nora Hansen: Ja eben. Was bringt das?

Moritz: Also wir arbeiten aktuell mit Städten zusammen, die haben 1,5 Prozent Arbeitslosenquote. Mit anderen Worten, die natürliche Arbeitslosenquote in Deutschland liegt bei drei Prozent eigentlich, sollte die liegen. Also nicht die durchschnittliche, sondern die natürliche, die, die man immer hat. Wenn man darunter liegt, heißt es, es besteht eigentlich dringender Bedarf an Arbeitskräften. Es gibt viel zu wenig Arbeitskräfte, und zwar wirklich viel zu wenig Arbeitskräfte. Und trotzdem arbeiten wir mit diesen Kommunen an solchen Themen. Warum machen wir das? Für die Kommunen geht es da vor allem um die Zukunftssicherung. Was ich heute an Gründungen und Innovationsthemen aufbaue, führt nicht heute zu Arbeitskräften, zu Arbeitsplätzen, führt nicht heute zu Steuereinnahmen, sondern führt in zehn bis 15 bis 20 Jahren zu Arbeitskräften und zu Steuereinnahmen.

Nora Hansen: Sichert aber, dass die Kommune bestehen bleibt und nicht alle die anderen Cluster ziehen?

Moritz: Genau. Sichert Diversität in der Kommune, sichert langfristiges Bestehen, langfristige Attraktivität und ganz ehrlich, sichert vor allem auch den Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter zu gewinnen. Weil wenn ich die Wahl habe, wo ich hingehe und die meisten gut ausgebildeten Mitarbeiter haben heute die Wahl, wo sie hingehen, dann gehe ich doch lieber in eine Kommune, in der, in Anführungszeichen, „was geht“.

Nora Hansen: Was passiert.

Moritz: In der junge Unternehmen unterwegs sind, in denen Dinge entstehen, in denen man neuer denkt, weiter denkt als in eine, die immer noch im alten Saft schmort von vor 30 Jahren.

Nora Hansen: Oder wo nur ein Unternehmen davon besteht, oder?

Moritz: Oder wo nur ein Unternehmen da ist und ich genau weiß, wenn dieses Unternehmen einen Schnupfen hat, dann hat die ganze Region nicht nur Schnupfen, sondern meistens gleich eine Lungenentzündung.

Nora Hansen: So ein Mist.

Moritz: Also da gibt es ja krasse Beispiele. Also erst jetzt war wieder, ich glaube, das war vor, jetzt am Freitag, Samstag oder so was in den Nachrichten, die neuesten Steuerschätzungen für die Gewerbesteuer. Gewerbesteuereinbrüche von um die 70 Prozent in Rastatt oder in Sindelfingen. Eine Haushaltssperre sofort verhängt und alles. Warum? Weil der Daimler halt hustet.

Nora Hansen: Ach so, es gibt nur den? Und dann.

Moritz: Na ja, in Sindelfingen hat der Daimler halt 20000 Mitarbeiter. Entsprechend hoch ist der Gewerbesteueranteil.

Nora Hansen: Wenn der halt bröckelt, dann/ Ist klar.

Moritz: Genau. Die Stadt hat so um die 50000 Einwohner, wenn ich es recht weiß.

Nora Hansen: Das kann man sich dann ziemlich schnell ausrechnen, was da passiert.

Moritz: Genau. Und in Rastatt ist es ähnlich. Da ist auch ein Daimler-Werk, in Mannheim hat ähnliche Folgen. Da ist auch ein Daimler-Werk. Und das ist, sobald das da Schwierigkeiten gibt, und wir alle wissen, die Automobilindustrie steht vor massiven Umbrüchen. Und keiner weiß, wie es ausgehen wird. Keiner weiß, wer profitieren und gewinnen wird, ob es der ZF oder der Bosch ist, ob es der Daimler ist, weiß man nicht.

Nora Hansen: Das kann man jetzt noch nicht wissen.

Moritz: Und auch selbst ein Mann+Hummel überlegt sich in Ludwigsburg, wie er sich aufstellt, weil viele seiner Produkte sind auf Verbrennungsmotoren ausgerichtet.

Nora Hansen: Und wenn die irgendwann dann out werden, dann/

Moritz: Dann braucht man die nicht mehr. Das ist, ZF hat das gleiche Problem. Die bauen Getriebe. Das ist deren Kernkompetenz. Und das brauche ich nicht mehr mit einem Elektroauto. Und das zweite ist, dass man halt einfach auch noch nicht weiß, welche der aktuell bestehenden Unternehmen nach dem und dem Umbruch Richtung Digitalisierungszeitalter, der ja gerade erst begonnen hat, der für viele Unternehmen noch massive Veränderungen in den Geschäftsmodellen, in den Prozessen und so weiter bringen wird. Weiß man noch nicht, wo das hinsteuern wird.

Nora Hansen: Man weiß auch nicht, wer dann da der neue Marktführer wird? Ob es der alte bleibt, ein ganz neuer auch kommt?

Moritz: Genau. Wer was wie übersteht, das weiß heute noch keiner. Und deshalb ist es für die Kommunen im Sinne ihrer Daseinsvorsorge unfassbar wichtig, sich jetzt schon divers aufzustellen und jetzt die Rahmenbedingungen zu schaffen, um neue Sachen zu schaffen. Davon abgesehen, dass man dann auch bestehenden Unternehmen es erleichtert, Schritte in Richtung Digitalisierung oder so zu gehen.

Nora Hansen: Na klar, oder sich Unterstützung von den anderen Unternehmen zu holen.

Moritz: Ja, genau. Also auch zu lernen, dass die Zukunft aus Kooperationen besteht und nicht aus Ego.

Durch Cluster und Gründungen kommen die Menschen in die Stadt, aber wie schafft man es, dass diese dann auch bleiben?

Nora Hansen: Und nicht nur aus einem Einzelkämpfer. So ist es. Ja gut, aber das ist jetzt der Nutzen der Kommune im wirtschaftlichen Sinne. Aber wenn du jetzt diese ganzen Unternehmen da hast, da die ganzen Leute hinkommen, aber du so ein kleines Städtchen hast, das außerhalb der Unternehmen komplett schläft, dann braucht man ja irgendwie auch so ein bisschen Kultur und sonstiges Programm. Sorgt ihr dafür auch? Oder würdest du sagen, das kommt von alleine, wenn die Menschen kommen?

Moritz: Nein, das kommt nicht von alleine. Oder anders, es kommt nicht vollständig von alleine. Also da kann man durchaus sehr viel anschieben und unterstützen.

Nora Hansen: Aber da will man natürlich nicht nur jetzt gründerbezogen unterstützen?

Moritz: Nein, nein.

Nora Hansen: Sondern komplett generell?

Moritz: Ja, also unser Kernthema ist es jetzt nicht, dass wir Kommunen helfen, sich kulturell insgesamt weiterzuentwickeln. Das ist nicht unser Fokus.

Nora Hansen: Das ist dann deren Problem sozusagen?

Moritz: Das passiert häufig dann auch von selber. Wenn ich motivierte, innovative Leute, manchmal auch junge Leute anziehe und attrahiere und da behalte, dann entsteht automatisch Kultur drumrum.

Nora Hansen: Dann kommt da das eine Café, hier der nächste Club.

Moritz: Genau richtig.

Nora Hansen: Fitnessstudio und sonst was.

Moritz: Genau. Das ist exakt so, also wenn ich mich erinnere, jetzt wieder am Beispiel Konstanz, das ich einfach sehr gut kenne. Deshalb ein gutes Beispiel. Als ich 2002 nach Konstanz gekommen bin zum Studieren, hatten die Hochschulen zusammen etwa halb so viele Studierende wie heute. Also die haben sich verdoppelt in den letzten 17 Jahren.

Nora Hansen: Das ist ein guter Schnitt.

Moritz: Und entsprechend hat sich die, ich sage mal, Kneipen- und Gastronomie-Szene entwickelt.

Nora Hansen: Also kannst du im Prinzip an jeder Straßenecke einen Kaffee trinken.

Moritz: Heute ja, auch in durchaus sehr coolen Cafés und auch in Cafés, die vom Feeling her durchaus auch die, ich sage mal, coolen, hippen Cafes von München, Berlin und Co oder Hamburg sind.

Nora Hansen: Ganz zu meiner Freude, kommen ganz viele coole Hipster Cafés. Das stimmt.

Moritz: Genau. Also da braucht man sich nicht zu verstecken. Und das liegt natürlich zum einen an der Kaufkraftnähe zur Schweiz, dass wir sehr viele Schweizer Kunden haben. Es liegt aber vor allem auch daran, dass die Zahl der Kunden aus dem studentischen Millieu sich verdoppelt hat. Und deshalb, sowas zieht das eine dann nach dem anderen.

Nora Hansen: Gut, aber da sieht man ja auch wieder, dass ist ein langer Prozess. Das geht nicht innerhalb von einem Jahr oder sechs Monaten. Das braucht seine Zeit.

Moritz: Ja, genau richtig, ja. Und da setzt man Impulse und danach evaluiert man, wie sie gewirkt haben, um neue Impulse setzen zu können. Das ist durchaus ein Schleifenprozess, den man immer wieder durchläuft, und mit dem man Schritt für Schritt sich da voranarbeitet und verbessert. Und da kann man viel machen von Gründerzentren über dann entsprechende Veranstaltungsangebote über Beratungsangebote und so weiter. Da gibt es kaum Grenzen, die aus meiner Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor am Ende ist. Gelingt es auch, die bestehenden Unternehmen einzubinden und auch deren Mitarbeiter. Also nicht nur quasi Unternehmer zu finden, die sich sagen, ja, coole Sache, gründen, schön, finden wir super.

Nora Hansen: Aber das halt auch nicht machen.

Moritz: Ja, die haben ja schon gegründet. Und die unterstützen das vielleicht. Und die sind dann auch Teil von so einem Finanzierungsökosystem oder so was, aber ich brauche eigentlich deren Mitarbeiter, die mitwirken in so einem Gründungsökosystem.

Bis jetzt scheint es so, als würde die Arbeit mit und für eine Kommune eigentlich eher mit den ansässigen Unternehmen stattfinden, ist das richtig?

Nora Hansen: Aber dann arbeitet ihr ja gar nicht zwingend mit der Kommune, sondern eher wieder doch mit den Unternehmen in der Kommune, oder?

Moritz: Ja.

Nora Hansen: Bleibt ihr ja doch irgendwo bei den Unternehmen?

Moritz: Ja, es ist immer ein sowohl als auch. Also das ist kein entweder oder, sondern es ist immer ein sowohl als auch. Man muss in der Kommune viel institutionelle Rahmenbedingungen schaffen. Wenn man gleichzeitig mit den Unternehmen vor Ort daran arbeitet, auch denen die Rahmenbedingungen zu schaffen. Das ist das, was ich vorher schon angesprochen habe, zum Beispiel Intrapreneurship Programm für mittelständische Unternehmen. Da gibt es bisher wenig funktionierende Angebote, die auch bei Mittelständlern funktionieren. Wenn ich einen 250/

Nora Hansen: Das meiste funktioniert bei den großen Unternehmen?

Moritz: Ja, genau. Also die großen Konzerne haben alle mittlerweile ihre eigenen Entrepreneurship Programme.

Nora Hansen: Jeder oder sonst was.

Moritz: Genau, richtig. Die quasi auch weg vom, ich sage mal, internen Vorschlagswesen. Beim Wort Wesen weiß man ja schon, dass das irgendwie nicht zu hundert Prozent funktionieren wird. Die weg vom internen Vorschlagswesen gehen und den Leuten mehr Freiheiten geben, aber auch mehr Verantwortung für ihre Idee. Und sagen: „So und jetzt bist du plötzlich das CEO deiner eigenen Idee und kannst zeigen, ob die was taugt oder nicht. Und dafür kriegst du ein bestimmtes Zeitbudgets und bestimmtes finanzielles Budget.“

Nora Hansen: Ich denke vor allen Dingen auch, dass finanziell und das Zeitbudget ist einfach bei den Mittelständlern was anderes, weil die großen Unternehmen vielleicht mehr Mittel haben oder auch mehr Mitarbeiter?

Moritz: Nicht einmal, ich glaube tatsächlich, dass für einen 50 bis 500 Mann-Mittelständler es unproblematisch ist, wenn ihrgendwie zwei, drei, vier Mitarbeiter zu 20 Prozent freigestellt sind für zwei Monate.

Nora Hansen: Also das ist nicht die Welt.

Moritz: Das ist nicht die Welt. Das ist im Prinzip wie, wenn einer krank ist oder so. Und das müssen sie auch kompensieren können.

Nora Hansen: Schwanger?

Moritz: Krank, schwanger oder auch einfach auf einer Weiterbildung. Das sind acht Tage. Und das ist einfach nur eine intensive Weiterbildung von weniger als zwei Wochen. Deshalb die Leute gibt es, also man kann das auch machen. Die Schwierigkeit ist was anderes. Ich bräuchte dafür ein bis zwei Vollzeitkräfte, die so ein Programm managen. Und dafür habe ich zu wenig Ideen in so einem kleinen Unternehmen und da auch zu wenig Ressourcen, weil dann wird es halt teuer. Da muss ich ja die auch noch zusätzlich finanzieren.

Nora Hansen: Da zieht es auch wieder einen Rattenschwanz mit sich.

Moritz: Genau, richtig. Und deshalb haben wir an so einem Entrepreneurship Programm, sehr erfolgreiches Entrepreneurship Programm, das von Adobe, das Swisscom entwickelt wurde, die sogenannte Kickbox genommen und gemeinsam mit der Swisscom das weiterentwickelt dahingehend, dass wir die jetzt als, ich sage mal, als Kooperationsprogramm oder Kooperation, Schrägstrich Outsourcing Programm für Unternehmen einsetzen können.

Nora Hansen: Das kann ja dann im Prinzip den Kommunen auch schon wieder helfen.

Moritz: Das hilft den Kommunen todsicher sogar. Genau.

Nora Hansen: Also das hängt dann wirklich alles komplett zusammen. Das kann man ja gar nicht richtig trennen.

Moritz: Das ist, was ich mit denken in Ökosystemen meine.

Nora Hansen: Ja, verstehe ich. Und das heißt, diese Kickbox ist im Prinzip ein Intrapreneur oder ein Outsourcing? Oder was ist das?

Moritz: Also ist ein Entrepreneurship Programm, bei dem ich Mitarbeiter enable, also ihnen das ermögliche, dass sie eigene Ideen wie ein, quasi ein CEO, ihre eigene Idee zu verfolgen und bearbeiten. Und gleichzeitig ist es so gestaltet, dass ich das eben nicht mit eigenen Innovationsmanagern betreuen muss, sondern extern über die Kickbox beziehungsweise über Gründerschiff betreuen lassen kann.

Nora Hansen: Na ja, gut, das wäre ja dann eigentlich eine ziemlich einfache Lösung so für die ganzen Kunden oder Unternehmen erstmal?

Moritz: Für die Unternehmen wäre das eine unglaublich, oder ist es eine unglaublich charmante und einfache Lösung. Und Programm Kickbox ein, das ist was einfach schon eingeführt und erprobt ist, außer das Swisscom nutzen, das unter anderem die SBB, die Swiss Bosch, die Axpo, die Baloise, die ETH.

Nora Hansen: Auch das hat sich entwickelt.

Moritz: Auch das hat sich entwickelt. Und auch da sind einfach, sind eine Menge Erfahrungswerte, die da drinstecken, die auch in dem Online-Portal, das dem ganzen zugrundeliegt, drinstecken, wo wir deshalb sehr, sehr froh sind, mit so einem wirklich guten, auch mehrfach ausgezeichneten Programm von der Swisscom da zusammenarbeiten zu können, weil wir damit einfach sicherstellen können, dass das auch wirklich funktioniert, und dass die Ideen auch wirklich vernünftig bearbeitet werden, und da brauchbare Ergebnisse rauskommen.

Nora Hansen: Da haben wir auch geplant, in Zukunft da im Podcast noch mal darüber zu reden und etwas ausführlicher, damit man das so ein bisschen kennenlernt, eben weil das so eine gute Methode ist und eigentlich kreativ gesehen, dann doch eine relativ einfache Lösung fast schon.

Moritz: Genau. Ich glaube, die Jungs von der Swisscom kommen demnächst auch zu Besuch, wenn ich das recht im Kopf habe.

Nora Hansen: Ja, die sind demnächst da.

Moritz: Genau. Ich habe nur die Info bekommen, dass wir danach noch einen heben gehen. Deshalb, da freue ich mich schon sehr.

Nora Hansen: Das ist die wichtigste Info überhaupt.

Moritz: Ja, wir waren schon paar Mal mit denen einen heben. Das geht ganz gut.

Nora Hansen: Ja, ich weiß. Das Pizza-Essen war sehr amüsant abends. Jetzt haben wir natürlich unseren Fokus ziemlich auf die Kommunen gelegt. Das fand ich aber sehr gut, weil wir das tatsächlich noch so gar nicht hatten. Wir haben bisher im Podcast eigentlich immer nur über die Unternehmen gesprochen und über die Innovationsmanager, die es dann eben in den kleinen Unternehmen braucht. Aber damit wir das ganze jetzt so ein bisschen abrunden, müssen wir das noch mal kurz zusammenfassen. Kommunen, was muss gegeben sein, damit man sowas anfangen kann?

Moritz: Also erstmal der Wille zu gestalten. Wenn die Kommune sagt, ich würde gerne in dem Bereich was machen, ist das ein Ausgangspunkt. Alles andere ist, was wir in der Zusammenarbeit mit den Kommunen machen.

Gründerfreundliche Kommunen – Ein Wettbewerb um das beste Konzept

Nora Hansen: Und dann seid ihr sozusagen so ein bisschen der Moderator, der alle zusammenbringt?

Moritz: Ja, genau. Also der, der alle zusammenbringt, hilft aufzuzeigen, wo denn die Lücken sind und Wege entwickelt, wie man diese Lücken füllen kann. Das ist quasi Arbeit mit dem Gründungsökosystem Canvas. Das kann man als Kommune auch machen im Rahmen von staatlicher Förderung. Es gibt einen Wettbewerb, nennt sich gründerfreundliche Kommune.

Nora Hansen: Den hätte ich auch noch angesprochen.

Moritz: Genau. Der findet aller Voraussicht nach ab September wieder statt. Da hilft das Land den Kommunen finanziell dabei, die Entwicklung solcher Konzepte und Projekte hinzukriegen, indem einfach ein Teil der externen Beraterkosten übernommen werden.

Nora Hansen: Das ist natürlich auch super hilfreich.

Moritz: Das ist super hilfreich für die Kommunen. Nichtsdestotrotz sind wir jetzt gerade nicht so unbezahlbar, dass sich Kommunen das nicht leisten können.

Nora Hansen: Kommunen haben ja meistens doch auch finanzielle Mittel.

Moritz: Es sind finanzielle Mittel da, in der aktuellen Zeit ohnehin. So langsam aber sicher merken einige erste Absprungzeichen, wie vorher die Daimler Kommunen. Aber das wird im Anschluss sicher auch noch weitere Kommunen treffen, die im Automotive Sektor stark sind. Nichtsdestotrotz sind wir jetzt eben kein McKinsey und deshalb durchaus finanziell stressfrei, bezahlbar an der Stelle. Genau. Und das ist der Anfangspunkt. Und daraus entstehen Ideen, was man machen kann. Und im nächsten Schritt werden daraus Projekte entwickelt. Und im Anschluss an die Projektentwicklung geht es um die Umsetzung. Und, wie gesagt, in Konstanz sind wir da schon relativ weit. Konstanz hat bei der letzten Runde des Wettbewerbs in der Kategorie über 20000 Einwohner, also Städte über 20000 Einwohner, den Landessieg eingefahren.

Nora Hansen: Respekt.

Moritz: Mit einem Konzept, das wir entwickelt haben. Da sind wir auch echt stolz darauf.

Nora Hansen: Ja, da darf man auch gerne mal ein bisschen mit prahlen. Das ist auch völlig in Ordnung.

Moritz: Genau. Und also da handelt es sich um ein integriertes Innovationsareal mit etwa 20000 Quadratmeter Gewerbefläche plus noch mal etwa fünftausend Quadratmeter Mikrowohnfläche. Wobei Mikrowohnen nicht Manager wohnen, sondern Studierende, Gründer, zuziehende Fachkräfte und so was bedeutet.

Nora Hansen: Manager können sich meistens ja auch eine Wohnung selbst am See leisten.

Moritz: Ja, wenn man eine finden würde. Das ist in Konstanz das Hauptproblem, dass man gar nicht erst eine findet. Aber darum geht es tatsächlich weniger, sondern es geht einfach darum, ich sage mal, kurzfristige Wohnmöglichkeiten zu schaffen, die eine relativ hohe Fluktuation haben, damit sehr flexibel zur Verfügung stehen. Weil aktuell ist so, wenn Fachkräfte von außerhalb zuziehen wollen, finden die einfach/

Nora Hansen: Das ist halt schwer möglich. Das ist fast nicht möglich.

Moritz: Sie finden keine Wohnung, können nicht zum gewünschten Termin starten, weil sie einfach keine Unterkunft haben, müssen da in Hotels unterkommen. Ist im Sommer auch schwierig oder in Ferienwohnungen und so. Also es ist alles, ist nicht so ganz einfach. Und da wollen wir Lösungen schaffen. Im Innovationsareal selber gibt es Cowork-Möglichkeiten, Besprechungsmöglichkeiten, Tagungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten, Nahversorgung, Gastronomie.

Nora Hansen: Hört ja gar nicht mehr auf die Liste.

Moritz: Makerspace für Unternehmen und so weiter. Also bis hin zum Gründerzentrum, das hierher umziehen wird. Also wird ein sehr volles Areal werden.

Nora Hansen: Hoffentlich viel Leben drin.

Moritz: Das ist die Zielsetzung. Also in der Agenda, was es können muss, steht das Wort Brodeln drin. Das dürfte es, glaube ich, ganz gut treffen.

Nora Hansen: Das klingt ziemlich gut, ja.

Moritz: Genau. Ist noch ein bisschen Weg, aber die ersten Unternehmen sind jetzt schon eingezogen.

Nora Hansen: Haben gesagt, es braucht Zeit.

Moritz: Genau, richtig. Bis die letzten eingezogen sind, glaube ich, wird es schon noch zwei, zweieinhalb Jahre dauern. Aber bis dahin gibt es einfach noch einen Schwung Aufbauphase.

Hat die Arbeit mit Kommunen eine Zukunft?

Nora Hansen: Jetzt habe ich eine abschließende Frage an dich, die ist so ein bisschen in die Zukunft blickend. Und zwar, wenn das so toll ist, dass man mit den Kommunen zusammenarbeitet, und wenn das so viele Möglichkeiten bringt und neue Cluster entstehen und ganz viele Menschen zusammenkommen, meinst du, das ist die Zukunft von Weiterentwicklung und Innovation? Oder wird das weiterhin eigentlich eher in den Unternehmen bleiben? Und die Kommunen werden eher so eine Nebensache sein?

Moritz: Na ja, die Kommunen selber sind ja nicht die Entwicklungstreiber, sondern sie sind eher die Ermöglicher von unternehmerischer Kooperation oder so ein bisschen Rahmenbedingungen-Setzer. Und ich bin mir sehr, sehr sicher, dass die Entwicklung und Entstehung von Innovationen immer stärker auf kooperativem Wege erfolgt.

Nora Hansen: Das heißt, da ist eine Entwicklung?

Moritz: Also ganz sicher, weil also ganz viele Herausforderungen einfach nicht mehr nur von einem Unternehmen mit einer fokussierten Kernkompetenz geleistet werden kann, sondern ich kann Kompetenzen kombinieren muss und zusammenpacken muss, manchmal auch einfach Investments zusammenpacken muss, weil das Risiko sonst zu hoch und zu teuer ist. Da bin ich mir sehr, sehr sicher, dass das dazu oder dass diese Kooperativität die Zukunft im Bereich Innovation und unternehmerische Entwicklung ist, dass es eben nicht um Kirchturm-Denken geht, sondern um vernetzteres Denken. Also deshalb bin ich auch im übrigen auch sehr, sehr froh, das sich immer mehr Regionen in Baden-Württemberg, dieses vernetzte Denken, sich seinen Weg bahnt. Da haben staatliche Fördermittel oder Förderprogramme wie das RegionWIN-Programm durchaus einen ersten Beitrag geleistet. Da hat aber auch, sagen wir mal so, in vielen Kommunen haben sich insbesondere auch im Bereich Wirtschafts- und Innovationsförderung gab es in den letzten fünf bis zehn Jahren Generationswechsel. In einigen stehen die noch an, aber in vielen gab es da Generationswechsel. Und die jüngere Generation ist sehr viel stärker auf Kooperation ausgerichtet als noch ihre Vorgängergeneration. Es gibt großartige Ausnahmen. Das ist schon ein Trend, den man beobachten kann, dass also immer weniger Berührungsängste auch vor der Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen besteht, mit denen man sonst immer mehrheitlich eine gesunde Rivalität gepflegt hat. Aber es ist halt einfach die Herausforderung einer Stadt, wie zum Beispiel, ich nenne wieder das Beispiel Konstanz, die enden einfach nicht an den Stadtgrenzen, sondern die gehen bis Radolfzell. Die gehen bis Singen. Die gehen auch auf die andere Seeseite bis Meersburg, Markdorf, Friedrichshafen, Ravensburg. Das lässt sich nicht mehr so kleinteilig denken, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Da beobachte ich doch mit sehr großer Freude, dass da an ganz vielen Stellen diese Rivalitäten und Kirchturmdenken sich so ganz Schritt für Schritt, ich sage mal/

Nora Hansen: Bisschen abbaut?

Moritz: Abbaut. Na ja, tatsächlich nicht nur ein bisschen abbaut, sondern wirklich verschwindet bishin zu ins Gegenteil verwandelt und sagt, hey, wir sind eine Region. Und wir ziehen jetzt einfach, verdammt noch mal, an einem Strang.

Nora Hansen: Wir brauchen einander. Das habe ich tatsächlich auch von vorherigen Podcast-Gästen ganz oft gehört, dass das einfach darum geht, zu kooperieren, dass die Unternehmen sich zusammenschließen, die Startups mit den großen Unternehmen zusammenarbeiten und so weiter.

Moritz: Genau, richtig. Und da sind wir einer derjenigen, die diese Kooperationen einfach mit koordinieren und mitorganisieren helfen.

Nora Hansen: Ja, spannenden Job, den du da hast.

Moritz: Einen der geilsten überhaupt, ja.

Nora Hansen: Klingt anstrengend und zeitintensiv, aber spannend.

Moritz: Ja, stimmt beides.

Nora Hansen: Sehr gut. Dann danke ich dir, dass du dich heute das Büro weitergesetzt hast.

Moritz: Sehr gerne.

Nora Hansen: Und vor mein Mikrophon und verabschiede mich im Sinne des Podcasts heute von dir.

Moritz: Danke.

Nora Hansen: Ciao. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.