PR Strategien, der Golden Circle und mentale Gesundheit – Joel Kaczmarek von Digital Kompakt (S01EP11)

Nora Sophia Hansen

PR Strategien, der Golden Circle und mentale Gesundheit – Joel Kaczmarek von Digital Kompakt (S01EP11)
Business Model Innovation Talk

 
 
00:00 / 00:54:45
 
1X
 

„F*** it, dann mach ich’s eben selbst“ – dachte sich Joel Kaczmarek, als er digital kompakt gründete. Sein Weg zum Ziel verlief nicht immer gradlinig. Er nahm die eine oder andere Abzweigungen und lernte viel daraus.

Hier geht es um mehr als nur PR und Werbung. Tauchen Sie tiefer in die Welt der Unternehmer ein. Der Weg zum Erfolg bedarf viel Durchhaltevermögen und harte Arbeit. Wie man die Energie dafür erhält, ist eines der vielen Themen dieser Folge. Nora Hansen interviewt jede Woche Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau das Richtige für Sie.

Unser Extra für Sie: Durch stetige Geschäftsmodellinnovation sichern Sie sich Wettbewerbsvorteile und nutzen Trends voll aus. Damit wächst Ihr Unternehmen gesund. Wenn Sie regelmäßig erfolgreich im Unternehmen Innovationen auf den Markt bringen möchten, hilft Ihnen unser Innovation Ecosystem Canvas. Mit dem kostenlosen Innovation Ecosystem Canvas bilden Sie zügig ab, wie es um das Innovationsmanagement in Ihrem Unternehmen bestellt ist, wo Sie bereits gut sind und wo es Lücken zu schließen gibt. Laden Sie den Canvas hier herunter.

Vollständiges Transkript

Nora Hansen: /wertvolle Erfahrung rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Hallo, herzlich willkommen zur heutigen Folge. Heute bei mir zu Gast ist Joel Kaczmarek. Er ist von Digital Kompakt. So, Digital Kompakt, was ist denn das eigentlich? Es ist ein digitales Kompetenzzentrum. Und laut Joel machen sie Wissen zugänglich. Aber Joel, erzähl doch selber mal, was ihr eigentlich genau macht.

Joel Kaczmarek: Ja, hallo und danke schön, dass ich hier sein darf. Du hast eine so tolle Podcast-Stimme, darf ich dich mal loben.

Nora Hansen: Vielen Dank.

Digital Kompakt – nicht nur ein Podcast

Joel Kaczmarek: Ja, was machen wir? Im Prinzip hast du es ganz richtig erklärt. Also ich glaube, jeder, der uns jetzt im Web findet, wird uns erst mal verorten als Podcast. D.h. du kannst irgendwie auf die üblichen Plattformen gehen, iTunes, Spotify, Soundcloud und Co. und kannst da Digital Kompakt abonnieren. Aber wenn man man so ein Stück weit versucht, so zu dekonstruieren, wie ich gestartet bin, macht das das vielleicht ganz plastisch. Und vielleicht auch, worüber wir jetzt zusammen reden werden. Weil bei mir war es so, ich habe länger irgendwie Gründerszene geleitet, eine Plattform, ein Magazin, was sich so um den ganzen Themenbereich Internet, Wirtschaft, Digitalwirtschaft abspielte. Und mich hat irgendwann genervt, dass der Tiefgang flöten gegangen ist. Weil wenn du ein Magazin machst, wo irgendwie, weiß ich nicht, sieben Artikel waren es damals pro Tag, als ich raus bin, glaube ich. Und mittlerweile sind es wahrscheinlich so bei 14 oder so. Dann hast du nicht mehr die Chance, jede Story so zu erzählen, wie sie wirklich ist oder wie du sie zumindest wahrnimmst, wie sie wirklich ist. D.h. du willst eigentlich Tiefgang haben, willst verstehen, willst das ganze Konstrukt dahinter begreifen. Weil das ist ja manchmal das Spannende. Und es geht aber nicht, weil die Frequenz so hoch ist, so. Und dann habe ich gleichzeitig aber für mich so festgestellt in der Folgegründung, dass es ganz viele Sachen gibt, die ich auch noch nicht weiß, obwohl ich irgendwie lange das gemacht habe und wahrscheinlich so über eines der besten Netzwerke in der Branche verfüge. Und das in Kombination mit Tiefgang hat mich dann irgendwie animiert, wieder was zu machen. Aber ich habe so dagesessen und gedacht scheiße/

Nora Hansen: Cool.

Joel Kaczmarek: Ja, so dachte ich auch, das ist cool, du hast Bock. Aber ich dachte, scheiße, wie kriegst du es denn hin, dass du Tiefgang produzierst und die Leute es auch noch konsumieren könnten. Weil wir hatten früher so /

Nora Hansen: Das ist nicht einfach.

Joel Kaczmarek: Ja, wir hatten früher so Artikel, die waren drei Seiten lang. Und Leute haben Fragen gestellt oder alle so Kritik gegeben und gesagt so: Ja, hast du ja das und das berücksichtigt, so ein Scheiß, fehlt doch. Ich habe gesagt so: Ja, hast du mal geguckt, das ist ja unter dem und dem Abschnitt, steht doch genau das, was du sagst. Und da habe ich zum ersten Mal gelernt, Leute lesen einfach nicht alles. So.

Nora Hansen: Genau, die überfliegen meistens.

Joel Kaczmarek: Exactement, und dann haben wir hier so die Facebook-Generation mit 25 Sekunden Aufmerksamkeitsspanne.

Nora Hansen: Genau.

Joel Kaczmarek: Aber es ist ja wirklich so. Also, wenn man sich so die ganzen SnapChat-Längen und Instagram-Längen mal anguckt. Und da habe ich halt darüber nachgedacht, wie kriege ich Tiefgang konsumierbar hin. Und so ist quasi der Name auch entstanden, es soll digital, also Digitalwirtschaft als Thema haben mit Tiefgang und kompakt in dem, was tun. So. Sprich /

Nora Hansen: Ach cool.

Joel Kaczmarek: Ja, wir haben uns verschrieben zu sagen: wir wollen Tiefenwissen erzeugen, von dem Leute gut lernen können und sich weiterentwickeln. Und das aber so, dass sie es auch noch aufnehmen können.

Nora Hansen: Und deswegen hast du dann das Format Podcast gewählt, weil du gemerkt hast, lesen ist vielleicht nicht der richtige Zugang zu den Leuten?

Joel Kaczmarek: Ja, es kamen drei Sachen zusammen. Das Erste war, wir haben angefangen mit Videos, weil wir früher bei Gründerszene auch oft Videos gemacht haben. Und ich habe dann aber gemerkt, das ist einfach unfassbar teuer. Also du brauchst irgendwie einen Videoguide, der mit dabei ist. Du musst ganz viel Material produzieren, so nur zum Bebildern. Was gar nichts mit dem Interview zu tun hat, damit es hinterher schick aussieht und schick geschnitten werden kann.

Nora Hansen: Irre viel Aufwand, ganz klar.

Joel Kaczmarek: Und der Schnitt ist teuer. Habe ich gesagt: Ach geil, da brauchst du nur ein Interview, ist viel billiger. Also nur ein Mikro und machst ein Interview. Viel, viel günstiger, sparst dir voll viel Geld, das kannst du alles selber machen. Du bist ja auch ein bisschen technisch versiert. Punkt eins. Punkt zwei war, ich habe kommen sehen, dass da eine Welle irgendwie in Gang tritt. Und Punkt drei, was sich irgendwie einfach so rausgestellt mit der Zeit war: Podcasts haben den Charme, du machst unproduktive Zeit produktiv. D.h. jemand tut gerade etwas, wo er nicht seinen Geist braucht. Also meinetwegen, er sitzt im Zug oder im Auto und fährt zur Arbeit. Oder er macht Sport. Oder er geht spazieren oder den Abwasch. Und hat theoretisch den Kopf frei, um Wissen aufzunehmen. So, und d.h., die drei Sachen kamen so zusammen, weshalb sich das total gut eignet. Und wir betrachten Podcasts als erstes Element, um quasi Leuten beim Lernen zu helfen. So, und dem werden noch weitere Elemente folgen. Also wir sind gerade genau dabei jetzt mal, also wir waren bei einer richtig, richtig guten Kreativagentur, die unchristlich viel Geld kostet, was wir uns gar nicht leisten könnten. 

Nora Hansen: Hat es geholfen, hat es was gebracht?

Zu viele Möglichkeiten, zu viele Visionen

Joel Kaczmarek: Ja, wir sind noch mitten im Prozess. Das sind Raketen, so richtig, richtig gut. Also wer mal mit Fjord – so heißt die Agentur – zu tun hat und Christopher Böhnke in Berlin, der sei hier herzlich gegrüßt. Unfassbar, was die für ein Auffassungsvermögen haben, wenn man so eine Nutzerbefragung macht und sich über Konzeption Gedanken macht. Und der meinte so zu uns, das fand ich sehr charmant: Joel, andere haben keine Vision, ihr habt zu viele. 

Nora Hansen: Na gut.

Joel Kaczmarek: So, d.h. wir haben uns gesagt, genau, was können wir tun, um Leute bei ihrer Weiterbildung zu fördern? Weil das ist so ein Markenkern. Digitales Verständnis erzeugen und teilen. Und, weiß ich nicht, das fängt mit / ihr seid ja genauso. Im Gründerschiff, wenn ihr hier sagt: Leinen los, und es geht in Richtung Innovation. Du kannst über Datenbanken nachdenken. Du kannst über Transkripte nachdenken, über Zusammenfassungen. Du kannst irgendwelche E-Learning-Systeme machen. Du kannst Events machen. Und in die Richtung, sage ich mal, wird noch einiges kommen.

Nora Hansen: Aber genau das ist das Problem. Du hast so viele Möglichkeiten. Wie du gerade schon gesagt hast, zu viele Visionen. Und da muss man dann erst mal sortieren, mit welcher man überhaupt anfängt.

Joel Kaczmarek: Genau. Manchmal ist es ja auch so, ich meine, es gibt ja Methoden dafür. Da sind wir ja eigentlich schon mitten in deinem Thema Innovationsentwicklung. Wer sich mal mit Sachen wie Lean Start-up auseinandergesetzt hat. Oder die Uni St. Gallen hat z.B. auch ein sehr schönes Format, um Innovationsentwicklung in dieser frühen Phase zu konstruieren oder zu dekonstruieren, je nachdem, wie man es sieht. Ein Start-up-Navigator nennt sich das. Der weiß ja eigentlich, es gibt ja Mittel und Wege, man muss da immer nur so die Technologien haben, seine Passionen auch mal ein Tooling zu gießen.

Nora Hansen: Ja, das haben wir heute Morgen gerade in unserem Skills Meeting gemacht. Wir hatten die Frage Kreativität, ob das ein Talent ist oder ein Handwerk. Und wie du sagst, da kann man dann die Skills anwenden. Und wir haben gemerkt, mit unseren ganzen Strategien ging das aber ratz-fatz mit den Ideen, die wir da produziert haben.

Joel Kaczmarek: Ja, ich meine, es ist eines Tages eine Disziplinfrage. Also es ist ganz lustig. Ich meine, ich kenne so viele Start-ups und ich habe Start-ups, die ich irgendwie coache. Oder wo wir drüber reden, ob wir uns nicht sogar beteiligen in unserer Firma. Und ich habe es manchmal, dass mir die Start-ups was beibringen, dass ich so denke /. Und da habe ich einen ganz konkret im Kopf, der immer meinte: Joel, du denkst an der Front viel zu groß. Mach irgendwie Pi, mach Testing, mach Prototyping und dann sieh weiter. So auch in diesem Charme. Der hat total recht. Also was ist so ein erstes Take-away? Vielleicht wie man da jetzt irgendwie zuhört und irgendwie das noch nicht so tagtäglich atmet? Man kann halt manchmal einfach kleiner denken und sollte versuchen, möglichst früh mit möglichst wenig Aufwand halt einen Eindruck zu gewinnen. Dass ich mir einen kleinen MVP baue, also ein kleines Minimum Viable Product, um mal hier ein paar Buzzwords reinzuschmeißen, mit dem man dann halt gleich schon testet. So und das ist bei uns halt auch so, dass wir merken, wir haben jetzt z.B. so – wollen wir ein bisschen in Details gehen? Hast du Lust?

F*** it, Komma, dann mache ich es halt selbst

Nora Hansen: Gerne. Aber jetzt muss ich ganz kurz vorneweg noch was fragen.

Joel Kaczmarek: Ja.

Nora Hansen: Du hast Digital Kompakt gegründet?

Joel Kaczmarek: Ja, habe ich.

Nora Hansen: Ganz alleine, mit einem Team? Wie hat es angefangen?

Joel Kaczmarek: Ganz alleine ursprünglich mal. Bei mir war es so, habe ich, glaube ich, wenig on the record erzählt. Ja, darf man gar nicht laut sagen. Aber es war so, ich hatte eine Gründung nach /. Also ich war bei Gründerszene, bin dann da rausgegangen, weil mich der Gründergeist gepackt hat. Habe mit drei sehr, sehr guten Techis einen Dienst gestartet, mit dem konnte man Online-Meetings übers Netz führen. Und das war so eine Mischung aus „Skype trifft Google Docs“. Also du konntest quasi eine Gruppenkonferenz machen und dabei gemeinsam an Dokumenten editieren. Das war relativ cool, wenn man irgendwie in Berlin saß und hat gesehen, wie in Bonn einer so einen Textmarker über ein Dokument zieht.

Nora Hansen: Klingt praktisch.

Joel Kaczmarek: So, und ich habe halt gemerkt, die potenziellen Kunden haben die einfachsten Dinge nicht verstanden so. Weiß ich nicht: Willst du ein Meeting starten oder planen? Da habe ich gedacht, ist doch total klar. Also entweder mache ich es jetzt, ich starte es. Oder ich plane es für nächste Woche. Und da kam eine Frau, die echt pfiffig ist, und meinte so: Ja, aber warte mal, muss ich jetzt ein Meeting planen, damit ich es starten kann? Also muss ich es quasi erst anlegen, um es dann zu beginnen? Und da habe ich so gedacht: Okay, damned! Du musst hingehen, es erklärbarer machen. Wie machst du das? Über Video, so. Also bin ich hingegangen, habe gesagt: Lass uns Video machen, Erklärvideos. Und wie man als Start-up so ist, wenn man irgendwie gebootstrappt arbeitet, dachte ich: F***, wie kann ich so ein Videoguide irgendwie refinanzieren? Und hatte in Erinnerung, dass es einige große Magazine gibt, die mit mir so Kooperation machen wollten für – wie sagt man – Kolumnen. So.

Nora Hansen: Ja, genau.

Joel Kaczmarek: Dann bin ich zu einem großen Wirtschaftsmagazin gegangen, habe gesagt: Hey, wollen wir nicht irgendwie eine Video-Kolumne machen zum Thema Start-ups? Ja, machen wir. Eine Folge ausprobiert, wurde super cool. Da habe ich dann auch genau gelernt, was kostet das, wie aufwendig ist das, wenn man das extern produziert? Bei Gründerszene war ja alles inhouse. Da hatten wir unsere fixe Person, die hat nur Gehalt dafür gekriegt, dass die Videos macht. So, und da kriegst du mal ein Gefühl, wenn du es extern einkaufst, was kostet das eigentlich.

Nora Hansen: Ja, das ist ganz schön teuer.

Joel Kaczmarek: Ja, geht. Also ich glaube, wir haben so 900 Euro pro Video gezahlt. Und das war schon eher Freundschaftsdeal. Und das krieg halt mal wieder rein, 900 Euro für ein Content Piece. Und Video lässt sich ja ganz schnell monetarisieren.

Nora Hansen: Das ist nicht einfach.

Joel Kaczmarek: Erstes Learning. Zweites Learning war halt, für das Wirtschaftsmagazin jetzt war es eigentlich interessant, aber es war irgendwie nicht interessant genug jetzt, dass sie gesagt hätten: Machen wir. Also zum zweiten Wirtschaftsmedium gegangen, noch wertiger in der Ausrichtung. Auch ausprobiert, auch für gut befunden, aber da es ein Printmagazin war, gesagt haben, wir kommen nicht dazu. Da habe ich auch gedacht: Okay, f*** it, dann machst du es halt selbst.

Nora Hansen: Das ist frustrierend. Und dann selber in die Hand nehmen, ja.

Joel Kaczmarek: Na ja, das ist ja der typische Gründergeist. Siehst ein Problem /

Nora Hansen: Voll, total.

Joel Kaczmarek: Und das ist für mich so der typische Gründersatz: F*** it, Komma, dann mache ich es halt selbst. Ja, das ist so der /

Nora Hansen: Das ist eine gute Einstellung.

Joel Kaczmarek: Ja, ist ja wirklich so. Also irgendwie vor kurzem haben wir in Schweden in Stockholm eine Gründerin interviewt, die vor irgendwie 20 Jahren so eines der ersten, gefühlt ersten Bio-Unternehmen für Babyprodukte gebaut hat. Ja, bei der war es genauso. Die war Anwältin, hat irgendwie gesehen, Windel enthalten tierisch viel Erdöl, es gibt keine, wirklich keine, die du dir kaufen kannst, wo das nicht so war. Also hat sie gesagt: mache ich selber. So. Und hat seitdem so die umweltfreundlichsten Windeln in ganz Europa etabliert. Liefert bis nach Australien, Südkorea und die USA. Von daher, das ist, glaube ich, so das Gen. Und dann kam so ein bisschen dieses ganze Strukturelle zusammen, dass man sagt: Wie macht man es konsumierbar? Was muss ich eigentlich für eine Frequenz schaffen für eine Themenausrichtung und so weiter und so fort.

Erfolg ist harte Arbeit

Nora Hansen: Ja genau, und dann hat sich das so ein bisschen, war es wie so ein Selbstläufer irgendwann, oder?

Joel Kaczmarek: Schön wär’s. Also die Leute, ja, man denkt ja immer, es ist einfach und sieht von außen einfach aus. Es steckt halt auch sauviel Arbeit dahinter. Und das ist so /

Nora Hansen: Ja gut, das weiß ich ja natürlich zu gut mit der Arbeit.

Joel Kaczmarek: Ja, aber, weißt du, wenn man immer irgendwie zuhört, das sei mal sozusagen allen gesagt, ja: Auch so ein Gründerschiff segelt nicht ohne Wind, wo viele Mitarbeiter pusten müssen. Also vieles von außen, auch bei den ganzen Top-Unternehmen sieht immer so leicht aus. Die haben irgendwie Geld zugeworfen bekommen, die hatten Erfolg und es passiert von selbst. Und so ist es halt nicht, also.

Nora Hansen: Nein, da steckt ganz, ganz viel dahinter immer, auch wenn man es nach außen hin gar nicht so sieht.

Joel Kaczmarek: Ja, man sieht ja auch nicht die Ehekrisen, die man vielleicht mal hat, weil man irgendwie seine Familie zu wenig sieht. Man sieht nicht die Erschöpfungszustände, die man hat, weil man irgendwie kaum zum Schlafen kommt bei manchen Sachen. Ich will da gar nicht jammern, ja. Das ist halt so, wer selbstständig ist, arbeitet selbst und ständig, sagt ja der Volksmund.

Nora Hansen: Das sagt ja auch der Name irgendwie schon.

Joel Kaczmarek: Und man weiß auch, wofür man arbeitet, aber es wird einem jetzt auch nichts geschenkt. Das darf man schon fairerweise sagen.

Nora Hansen: Das stimmt. Damit umzugehen, ist nicht immer einfach. Gut. Jetzt kennen wir die Story, ich würde sagen, jetzt können wir langsam in die kleinen Details einsteigen und ein bisschen mehr in die Einzelheiten gehen.

Mit Podcasts Geld verdienen – ein geschicktes Konzept

Joel Kaczmarek: Ja wir waren ja z.B. gerade beim Thema Prototyping, so. Und wir haben z.B., für uns hatten wir so eine Situation, unser Podcast refinanziert sich ja im Wesentlichen über Podcast-Werbung. Das ist eine starke Achse. D.h. wir gehen hin, sprechen am Anfang und in der Mitte irgendeinen Werbespot ein. Also ich kriege ein Briefing und dann sage ich was zu den Produkten. Und im Prinzip, ja, also echt klassische Werbung, wie man es kennt, nur halt auf eine besondere Art umgesetzt. So und Anfang des Jahres hatten wir halt so eine Situation. Da hast du immer, glaube ich, jede Firma und jede Agentur weiß, der Januar ist immer scheiße. Ich sage viele Schimpfwörter, vielleicht müssen wir so einen Euro in irgend so einem Schweinchen verpacken.

Nora Hansen: Oder wir bauen so ein „piiiiip, piiiiiiip“ ein.

Joel Kaczmarek: Ja, genau. Also wenn du nachbearbeitest dann, ja. Anyway, I do my best. Auf jeden Fall, Januar ist immer die Phase, da geben sich Unternehmen ihre Budgets, du hast teilweise die Situation, dass du verkaufen willst und kannst nicht, weil die Leute halt die Handbremse noch angezogen haben, weil noch nicht klar ist, was geht. So, dann haben wir überlegt: Was machen wir mit der Situation? Und ich wollte die ganze Zeit schon mal ausprobieren, wie es funktioniert, wenn man für Sachen wirbt, die wir selber machen. Weil man ja auch so ein Gefühl kriegt, wie messbar ist das Ganze? Und mein Gedanke war immer, wir haben gute Erfahrung teilweise damit gemacht. Ich werde öfters von Unternehmen gefragt, wo ich PR mache. Welche PR-Agentur ich empfehlen kann. Dann habe ich hie und da mal welche empfohlen und schlau, wie man ist, redet man dann irgendwann mal mit den Agenturen und sagt: Kannst du mir nicht irgendwie eine Provision dafür geben, dass ich dir Kunden irgendwie vorstelle. Und so verdienst du relativ gute Gelder teilweise mit ein, zwei E-Mail. Das ist nicht irre und du musst dir das über die Jahre sicherlich auch aufbauen etc. pp. Aber ich wusste so: Hey, es wäre eigentlich interessant mal zu gucken, ob das als Modell für Digital Kompakt insgesamt passt. So, was haben wir gemacht? Beispiel Prototyping, Innovationsentwicklung. Ich habe einfach mal eine ganz kleine Seite ganz schnell aufgesetzt: digitalkompakt.de/pr. Habe gesagt: Hey, ich bin der Joel. Was kann ich irgendwie, warum weiß ich, kenne ich mich mit PR-Agenturen aus? Weil ich seit Jahren auf der anderen Seite sitze, weil ich mit denen die ganze Zeit rede. Und ich weiß, welche gut sind. Und ich kenne die ganzen Unternehmen, die sagen wir, wer kacke ist und wer nicht. So. Ein Schimpfwort da! Und dann sage ich so: Okay, es ist klar, woher ich es kenne. Dann sage ich: Pass mal auf, ich habe unten so ein Formular, wenn du mir irgendwie drei, vier Sachen zu dir sagst, was du brauchst, gucke ich, welche Agenturen für dich passen können, und stelle sie dir sogar vor. Du zahlst nichts, es wird für dich nichts teurer, du hast keine Verpflichtung, gar nichts. Du hast eigentlich wirklich den Service, jemand, der sich mit dir beschäftigt, stellt dir Agenturen vor. Und du kommst in den Genuss des direkten Kontakts, fertig. No strings attached. So und das ist so ein Beispiel, das haben wir ausprobiert, dass wir da einfach mal zwei, drei Werbespots geschaltet haben, diese Seite angesatzt, Prinzip erklärt und geguckt, wie es funktioniert. Es zeigte sich, es funktioniert solide. Also es geht nicht irrwitzig durch die Decke. Aber es macht teilweise ganz andere Netzwerke auf. Ja, also wir gewinnen ganz andere Kontakte auf dem Weg. Und wir rücken auch ganz nah so an unsere Zielgruppe ran. Das war ein schönes Beispiel, wir werden es jetzt weitermachen. Wir werden jetzt irgendwie so, fraktuell heißt dann diese ganze Kategorie. Das werden wir mit Steuerberatern machen, weil ich welche kenne. Mit Anwälten, die ich kenne. Und so haben wir quasi mal so ein Zeh reingesteckt und geguckt, okay, Innovationsidee. Wie kann es funktionieren? Umsetzung, was für ein Aufwand steckt dahinter, ohne dass man jetzt eine riesige Fallhöhe haben.

Was MVPs und Unkraut miteinander zu tun haben

Nora Hansen: Ja, da hast du recht. Also diese kleinen Ausprobier-Modelle sozusagen sind immer sehr hilfreich. Erstens, falls es schief geht, zieht es nicht so einen riesen Rattenschwanz hinter sich her. Und zweitens steckt man nicht extrem viel Aufwand in was, bei dem man noch gar nicht weiß, ob es jetzt tatsächlich so funktioniert, wie man es sich erhofft hat.

Joel Kaczmarek: Ja, ganz genau. Ich bin so ein Kandidat, wie wir es hatten. Ich habe nicht zu wenige, sondern zu viele Visionen. Wenngleich Helmut Schmidt und lehrte: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.

Nora Hansen: Toll.

Joel Kaczmarek: Und man muss immer aufpassen, finde ich, also ich finde Opportunismus ganz solide, dass man Opportunitäten erkennt und nutzt. Also man muss irgendwie – das Glück ist auch mit dem Tüchtigen – man muss schon auch draufspringen.

Nora Hansen: Ja klar.

Joel Kaczmarek: Aber, es hat halt immer eine Langzeitkomponente auch. Und die vergessen Menschen wie ich, die kreativ und begeisterungsfähig sind, schnell.

Nora Hansen: Ja, die wollten ganz schnell Ergebnisse und ganz schnell was haben.

Joel Kaczmarek: Ja, unter Umständen. Und du musst halt bedenken, das braucht halt auch einen Prozess. Und es muss halt irgendwie in einem Jahr auch noch funktionieren. Und es muss halt auch irgendeiner machen, wenn du mal irgendwie Schnupfen hast oder so. Das sind halt so die Faktoren. Darum ist es auf kleiner Flamme testen einfach sehr, sehr charmant.

Nora Hansen: Ja. Wie gehst denn du damit um, dass du das dann aufrechterhältst. Wenn du dieses eine MVP z.B. jetzt rausgebracht hast, und du stellst fest: Okay, funktioniert gut. Wie baust du das dann weiter auf und was steckt so dahinter in dem Prozess?

Joel Kaczmarek: Ja, ist ganz schwierig. Also ich muss auch manchmal mir Disziplin irgendwie aneignen. Also wir merken auch manchmal, wir haben Wildwuchs. Und da muss man manchmal auch den Rasenmäher holen und Sachen auch mal wieder einstellen.

Nora Hansen: Unkraut jäten.

Joel Kaczmarek: Also man muss wirklich da irgendwie kritisch mit sich selber sein. Also merke ich auch. Du bist einfach unzufrieden, wenn du dann Sachen anprobierst oder ausprobierst, antestest und weiß ich nicht. Es bringt noch nicht so viel, weil du es einfach nicht richtig machst, ja. Also ich glaube, man muss A die Disziplin haben, nach dem Antesten auch den größeren Slot zu probieren. B genau hinterfragen, was es kann und ob Aufwand und Ertrag in einem Verhältnis stehen. Und dann C gehe ich eigentlich hin und versuche irgendwie einen Prozess zu bauen und Verantwortlichkeiten zu definieren. D.h. wir überlegen uns, was brauchen wir jeweils dafür. Also wenn ich irgendwie so ein System brauche, brauche ich einen halbwegs intelligenten E-Mail-Dienst, der mir das Formular in leicht zu verarbeitende E-Mails übersetzt. Brauche vielleicht eine Person, die da draufschaut, wenn man auch mal Urlaub ist und so weiter und so fort. 

Durchhaltevermögen, Mindset und ein Händchen für Geschäfte

Nora Hansen: Genau. Würdest du sagen, der persönliche Aspekt ist eigentlich der Grundstein? Wenn du sagst: Man braucht Durchhaltevermögen, man muss da dranbleiben. Man muss das Ganze vorher sortieren, die Gedanken im Kopf. Das ist ja ganz, ganz viel, was noch gar nicht unbedingt digital oder sonst was ist, sondern wirklich von Menschen abhängt. 

Joel Kaczmarek: Ja, ich glaube, man muss schon Überzeugungstäter sein ein Stück weit. Ich weiß, wir hatten mal eine Mitarbeiterin bei der Gründerszene, die ist so nach Vietnam, Kambodscha und so gereist, war da richtig monatelang und hat da bei Familien gelebt. Und die hat bei einer Familie gelebt, die hatten so einen Bootsverleih, also wo man jetzt so Kanus, muss man sich nicht eine Yacht vorstellen, sondern wirklich so zwei Baumstämme und eben die Leute paddeln und mit dir aufs Wasser raus und zeigen dir so die Sehenswürdigkeiten der Natur und ein Restaurant. So und dann hat die teilweise in dem Restaurant mit bedient. Und die hat denen halt so ganz viele Sachen beigebracht. Z.B. dass man ja bei den Restaurantkunden Sales machen kann für die Bootsfahrten. So. Dann hat sie halt, weil sie gut Englisch sprechen konnte, als Deutsche den Touristen auch gesagt so: Hey, wollt ihr nicht so was buchen? Hat ganze viele Fahrten quasi verkauft und dann saß die Familie da und sagte: Ah super, wir haben ja jetzt so viel Auslastung, dann können wir uns ja jetzt an den Strand legen und ausruhen. So und meint sie: Nein, ihr habt jetzt hier irgendwie Auslastung, ihr müsst jetzt hier losgehen, müsst paddeln. Denk mal darüber nach, ob du ein größeres Boot baust, ja. Also du musst schon, wenn die Maschine angeworfen ist, natürlich derjenige sein, der auch am Paddel am Ruder sitzt und dann da tätig ist. Ja, ganz klar.

Nora Hansen: Vor allen Dingen musst du das nutzen, was dir geboten wird, und darauf aufbauen. Und dann nicht sagen: Oh cool, jetzt bin ich weitergekommen, jetzt gibt es erst mal drei Wochen Urlaub. Sondern, nein, wenn man weitergekommen ist, dann darauf aufbauen und genau das als Chance nutzen. 

Joel Kaczmarek: Ja, in der Tat. Und es gibt ja so viele Podcasts, wo es so um das Thema Mindset geht. Und bei mir ist es so, ich weiß das aber nicht so richtig, ich glaube, erschwerlich ist, dass man sich so ein Mindset hart antrainieren kann. Also ich finde immer so ein bisschen, ich hatte im Studium einen Kommilitonen, sehr netter Typ, mag den auch gerne. Und wenn wir bei dem zu Besuch waren zum Fußball-Gucken, bist du auf die Toilette gegangen. Und dann hing so neben dem Spiegel immer: Du bist ein guter Typ! Du kannst alles schaffen! Glaube an dich! Usw., ja. 

Nora Hansen: Und Joel denkt sich dann so: Ey, Leute, kommt schon! 

Joel Kaczmarek: Ja, das war schon ein bisschen ein komischer Film, bei dem ich da war. Wie gesagt, nett, ich mochte den gerne usw. Aber ich finde das immer schwierig, im Podcast wird ja auch immer gerne irgendwie vermittelt: Du musst immer ackern und du musst immer dranbleiben und immer großdenken. Und du willst den Porsche fahren, dann lies dann das, dann jenes. Ich glaube, am Ende des Tages, man braucht eine gewisse so Work-Ethics. So, du musst schon irgendwie, also / es gibt drei Faktoren, von denen ich glaube, dass sie ein erfolgreiches Unternehmen ausmachen. Das sind Talent, Glück und Fleiß. 

Das Glück herausfordern

Nora Hansen: Okay. Talent und Glück kann man natürlich jetzt nicht wirklich beeinflussen.

Joel Kaczmarek: Habe ich auch immer gesagt. Bis mich da jemand mal darauf hinwies: Ja, Moment, Talent kannst du ja auch fördern. Also du kannst dich ja schulen, weiterbilden. Beim Glück gebe ich dir recht, das kann man jetzt irgendwie / ich hatte mal einen Investor bei uns, der hat mich immer angemault so: Ja guck mal, dein Mitgeschäftsführer hat es viel besser gemacht als du! Sage ich: Ja, dir ist aber schon klar, dass er einfach nur Glück hatte. Der hat durch Zufall jemanden getroffen, der bei uns einen Auftrag platziert hat. Sagt er: Ja, aber Glück kann man auch forcieren durch harte Arbeit und so. Also in der Form kam es jetzt nicht positiv rüber, wie bei mir das macht hat. Ja, aber auch jetzt unterm Strich stimmt es schon, wenn man die Wahrscheinlichkeiten erhöht, das Glück einem passieren kann, dann ist sozusagen die Wahrscheinlichkeit, dass einem so was passiert, höher.

Nora Hansen: Ja, gut, das stimmt. Wenn man irgendwie jetzt sagt, man geht irgendwie auf irgendwelche Events oder keine Ahnung, mögen es auch nur irgendwelche hippen Cafés sein, dann kann es natürlich sein, dass da die Leute einem über den Weg laufen, die man braucht. Und wenn man am Schreibtisch im Büro sitzt, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass die Leute einem die Mail von alleine schreiben.

Joel Kaczmarek: Ja, es gab mal diesen schönen Film, also gut, das ist jetzt kein, sagen wir mal Meisterwerk der Filmgeschichte. Aber es gab diesen Film mit Jim Carrey „Der Ja-Sager“. So. Das war so ein Typ, da trennt sich irgendwie die Frau. Der hat sich irgendwie so ein bisschen wie so ein Lebensverlierer gefühlt. Und dann kam er in so eine Gruppe, so bei den Amis ist es ja immer so bekloppt, die füllen immer ganze Hallen. Und dann ist ja wie so Religion, dann stehen die auf und schreien und sind begeistert. So, quasi so eine Ja-Sager-Gruppe. Das hieß: Wann immer dich jemand jetzt was fragt, musst du ja sagen, egal was ist.

Nora Hansen: Okay.

Joel Kaczmarek: So. Da gab es so einen coolen Slogan in diesen Seminaren. Also ich meine, das ist eine Geschichte, ist jetzt nicht echt. Also eine Geschichte: Say yes to opportunities. So und ich glaube, das ist schon was, was man mitnehmen kann. Weil wie ist der durch die Welt gegangen? Der hat halt zu allem ja gesagt. So, der kam erschöpft um ein Uhr nach Hause, weil er Party immer macht mit Leuten. Ein Kumpel rief ihn an und sagte: Ey, wollen wir irgendwie Kitesurfen gehen. Und dann war er gezwungen, ja zu sagen.

Nora Hansen: Boah, das ist aber heavy.

Joel Kaczmarek: Ja, der war auch irgendwie, saß auch im Taxi und der Taxifahrer sagt: Kann ich für die Fahrt jetzt 500 Euro berechnen anstatt 50 – oder Dollar -,hat er auch ja gesagt, so. Also so was passiert halt irgendwann auch. Aber der Case, oder was er jetzt gelernt hat, war, wenn er sich dem Leben öffnet, wenn er sozusagen sich Möglichkeiten öffnet, passieren ihm auch viele, viele tolle Dinge. Ja, also beim Kitesurfen in der Nacht bemerkt er dann – das war jetzt ausgedacht, das hat er nicht gedacht. Zum Beispiel passiert dir halt irgendwie, weiß ich nicht, dass du irgendwie eine tolle Erfahrung mit jemandem machst zusammen. Oder der Taxifahrer investiert das in seine Familie und hat dem Sohn was Gutes getan. All so Möglichkeiten. Um wieder den Bogen zurückzuführen zu dem, was wir gerade gesagt haben, also Talent kannst du fördern, indem du dich weiterbildest. Glück kannst du fördern, indem du dich auf Gelegenheiten einlässt. Und was war das Dritte?

Nora Hansen: Fleiß.

Joel Kaczmarek: Fleiß, genau. Fleiß ist halt sozusagen deine Hausarbeit, die du leisten musst. Das ist so der Kitt, der alles zusammenhängt. Das vergessen halt die Leute immer, da sind wir wieder bei den Booteverleihern aus Vietnam. Da muss man halt schon hinterher sein. So und ich glaube halt nicht daran, dass man jetzt sagen kann: Hurra, hurra, ich schreibe mir jeden Tag neben den Spiegel irgendwie: ich werde der geilste Typ der Welt. Sondern ich glaube, man sollte was machen, wofür man Leidenschaft empfindet. Dann kommt Fleiß ganz automatisch, weil es einmal einfach Spaß macht. 

Suche dir einen Job, bei dem du nicht die Tage bis zur Rente zählst

Nora Hansen: Ja, das ist einfach der Flow.

Joel Kaczmarek: Genau. Und gepaart mit diesen anderen beiden Faktoren kann dann was Gutes entstehen. Es ist immer noch so, wahrscheinlich dass vier von fünf Sachen nichts werden. Aber man reift ja auch persönlich.

Nora Hansen: Aber immerhin hat dann eine funktioniert. Und diese eine ist dann die wichtige. Als man kann ja nicht erwarten, dass alles funktioniert.

Joel Kaczmarek: Ja und ich meine ganz ehrlich, wie viele Leute suggerieren einem, dass man irgendwie eine Firma baut, muss die dann für 42 Millionen Euro an Google verkaufen und hinterher irgendwie nur noch Martinis schlürfen, irgendwie auf Gran Canaria. Weiß ich nicht. Die Leute, die ich treffe, die sozusagen diesen Erfolg haben, das sind ja nicht wenige. Das sind alles Überzeugungstäter. Und die haben das, manche fürs Geld sicherlich getan. Aber irgendwann kommt halt der Punkt, ich sage mal, meinem Sohn erkläre ich das auch immer, wenn der noch mehr Autos haben will, wir haben halt nur zwei Hände. Da passen halt maximal zwei Matchbox-, vielleicht vier rein. So. Ob es dann noch 20, 30 oder 40 sind, macht es halt keinen Unterschied mehr. D.h. auch diese Leute geraten irgendwann an so einen Punkt, die sind saturiert. Die haben alles, was sie haben wollen.

Nora Hansen: Und dann stagniert es irgendwie.

Joel Kaczmarek: Ja und dann, entweder wirst du depressiv und suchst so nach einem Lebensinhalt. Oder du hast halt so deine Passion, der du nachgehst. Und das ist, glaube ich, was der Mensch eigentlich braucht. Also wenn bei uns in der Firma bei Digital Kompakt Leute so über Rente reden, dann sage: Ja, willst du echt in Rente gehen? So: Ja klar. Und dann sage ich immer: Wieso, was willst du denn da machen? Ja, ich will der Welt helfen oder mal für mich mal dies, mal das, mal jenes. Und ich sage halt immer: Ich versuche eine Arbeit zu bauen, wo ich so glücklich bin /

Nora Hansen: Wo du keine Rente brauchst.

Joel Kaczmarek: Ja. Das ist quasi meine Rente. Also da kann ich klar auch mal sagen, ich nehme mir ein halbes Jahr Auszeit oder so was. Aber ich mache das gerne, was ich da tue, ja. So.

Nora Hansen: Ich glaube, das ist wirklich einer der wesentlichen Punkte, den du da gerade angesprochen hast. Leidenschaft bei der Arbeit hat ja auch ganz, ganz viel mit dem eigenen Wohlbefinden dann nachher zu tun. Ich denke, wenn man eine Arbeit macht, wo man extrem viel arbeiten muss, ich weiß nicht, 50-, 60-Stundenwochen oder so, dann macht einen das kaputt. Aber wenn man bei dem Ganzen mit Leidenschaft und einer Vision dabei ist, dann ist das einfach was ganz anderes. Und man braucht auch nicht so oft diese Auszeit in dem Sinne von der Arbeit, weil man einfach voll dahintersteht und irgendein Ziel damit auch verfolgt. Das ist ja, wie wenn man jetzt stumpfsinnig hin- und herarbeitet und irgendwie keinen Fortschritt sieht, dann bringt einen das persönlich nicht weiter. Und ich glaube, dann geht die Laune und die Motivation auch ganz schnell in den Keller.

Joel Kaczmarek: Ja, ich meine, es gibt ja auch Prostress und Distress. 

Nora Hansen: Ja genau, also positiven und negativen, klar.

Joel Kaczmarek: Genau. Und weiß ich nicht, ich habe das immer, wenn ich so meine Schwiegereltern sehe oder auch manchmal meine Eltern. Und dann so kriegst du so mit, die arbeiten eigentlich nur zu dem Zwecke, ihre Wohnung und ihre Ernährung und ihre Privatvergnügen zu refinanzieren. Also da ist Beruf nicht Berufung, sondern eigentlich mehr Söldnertum. Und das finde ich eigentlich immer schade. Das beobachte ich so oft, dass Leute was tun, was sie gar nicht der Leidenschaft halber tun, sondern einfach, weil es quasi die Brötchen auf den Tisch bringt. Und ich glaube, das ändert sich halt bei vielen Menschen gerade.

Nora Hansen: Das ist mir auch schon so oft aufgefallen. Und ich stand immer daneben und dachte mir: Oh Gott, so möchte ich das für mich später nicht. Das kann nicht mein Weg sein. Und das fühlt sich so falsch an, einfach nur einen Job zu machen, um das Geld zu verdienen. Ich verbringe doch eigentlich mehr als die Hälfte meiner Woche damit zu arbeiten. Dann muss es doch auch was sein, was mir irgendwie Freude bereitet.

Joel Kaczmarek: Ja, also ich habe dann immer Mitgefühl. Ja, also Mitleid will man ja gar nichthaben, man hat ja schon selbst genug.

Nora Hansen: Mitgefühl ist besser.

Joel Kaczmarek: Ja, aber Mitgefühl, und unterm Strich, ich meine, man verbringt die meiste Zeit wahrscheinlich mit dem Schlafen. Dann kommt die Arbeit und dann vielleicht noch irgendwo Essen. Also man verbringt manchmal mehr Zeit mit seinen Arbeitskollegen als mit seiner Familie. Das sollte man sich halt immer mal vergegenwärtigen und mal hinterfragen, was man da eigentlich tut. So. Ich finde, man ist trotzdem nicht gefeit vor Überarbeitung und vor irgendwie Burnout oder was weiß ich. Also auch ich merke, ich muss manchmal einfach mich vor der Überstimulation schützen, weil wenn man eigene Dinge tut, da gibt es auch immer so viele Sachen, die man toll findet. Und man saugt das in sich auf, dass es auch zu viel sein kann. Wie immer im Leben: die Dosis macht das Gift.

Es ist nicht die Lebenslotterie, die uns das Glück beschert

Nora Hansen: Genau.

Joel Kaczmarek: Unterm Strich ist es, glaube ich, immer noch besser, als wenn du da irgendwie in so einem Cubicle sitzt, irgendeiner Tätigkeit für irgendeine Firma nachgehst, die die Welt jetzt nicht gerade besser macht, und du eigentlich gar keinen Bock drauf hast, was du da tust.

Nora Hansen: Ja, keine Frage. Da hast du völlig recht. Und ich würde sagen, da haben wir zwei auch einfach das Privileg, dass wir die Möglichkeit dazu haben und diese Chance dann auch einfach nutzen sollten.

Joel Kaczmarek: Ja, klingt so, als wenn das uns beiden jetzt zugefallen ist. Als wenn wir in der Lebenslotterie diejenigen waren, die irgendwie Glück hatten, aber de facto /

Nora Hansen: Das ist auch wieder nicht ganz wahr, da hast du auch recht.

Joel Kaczmarek: Ja, de facto hat halt jeder die Möglichkeit, ja. Also ich glaube, ich meine, ich habe ja in meinen Podcasts auch viel mit KI zu tun, künstlicher Intelligenz. Werden wir Menschen überhaupt noch Jobs haben in der Zukunft? Das ganze Kladderadatsch jetzt mal außen vor, wir können mal die Kirche im Dorf lassen. Aber es wird, glaube ich, schon so sein, dass viele Menschen ihre Arbeit verlieren werden durch Digitalisierung, ja. Man denke z.B. nur an LKWs, die mittlerweile geradeausfahren einfach alleine können. Und dann muss man sich mal fragen, wie viele Leute irgendwie als Fernkraftfahrer aktiv sind oder Busfahrer oder Taxifahrer. Was machen die denn dann alle, ja, so. Und ich glaube, wir werden halt in Zeiten kommen, wo man sich seine Arbeit aussuchen kann. Ob das jetzt hier bedingungsloses Grundeinkommen wird etc. pp. Wie gesagt, auch da mal die Kirche im Dorf lassen. Aber wir steuern auf eine Phase zu, wo Arbeitskraft sich relativiert. 

Nora Hansen: D.h. du siehst das Ganze eigentlich eher als Chance, diese Entwicklung?

Joel Kaczmarek: Ja absolut. Es ist doch immer so, wenn irgendwie jetzt der Spiegel bei dir anklopft und du bist ein KI-Start-up und die wollen eine Story zu dir machen, dann kommt hinterher so eine Horrorstory raus. Also entweder geht es immer um das Thema Daten und Datenschutz. Und oh Gott, oh Gott, wer kann mich hinterher durchleuchten? Oder: Ach du Scheiße – der nächste Euro ins Schweiß – ach ojemine, in einem Jahr muss ich quasi meinen Job beenden, weil dann werde ich von einer Maschine ersetzt. Dann habe ich da so einen Roboter vor mir sitzen, der macht dann, was ich tue. Ich meine ja ganz ehrlich, das gilt auch für dich und mich. Journalismus wird auch mittlerweile durch / es gibt Datenjournalismus. Fußballergebnisse schreibt kein Mensch mehr. Reiseberichte soll er auch schreiben, Herr Computer. Das ist so. Anwaltsdienstleistungen sind eigentlich hochgradig algorithmisch. So, all solche Dinge.

Nora Hansen: Eigentlich schon, ja.

Joel Kaczmarek: Und da kann ich dir noch viele, viele andere aufzählen. Von daher ja, also Veränderung ist doch per se immer gut. Es wird etwas anders. Klar kannst du hinterher auch mal schlechter dastehen. Aber Veränderung gehört zum Leben. Die anzunehmen ist wichtig. Und was du draus machst, ist dir überlassen.

Nora Hansen: Wow. Das muss man jetzt erst mal sacken lassen. Das war ein Satz.

Joel Kaczmarek: Ja, hat immer was, nicht?

Erfolg ist wichtig, die mentale Gesundheit erst recht

Nora Hansen: Ja, der hatte richtig, richtig Wumms dahinter. Jetzt eben wollte ich das was fragen. Moment, ach ja genau. Wenn du jetzt sagst, du bist voll überarbeitest und merkst, dieses ganze ständig verbessern, neue Ideen finden, Geschäft und deine Strukturen verändern. Und irgendwann ist einfach zu viel. Was machst du persönlich, wenn du merkst: Oh Gott, mir fällt die Decke auf den Kopf, ich drehe durch.

Joel Kaczmarek: Also ich glaube, es gibt fast keinen Topmanager, der nicht sich in Meditation übt. 

Nora Hansen: Ja, Meditation ist ja auch einfach toll, da kann man nichts dagegen sagen.

Joel Kaczmarek: Ja, ich wünschte, ich wäre besser da drin, das zu einem Habit sozusagen zu machen, einem regelmäßig verfolgten Hobby sozusagen. 

Nora Hansen: Dieses schlechte Gewissen sitzt mir täglich im Nacken. Das denke ich mir jeden Tag.

Joel Kaczmarek: Wem nicht? Gefühlt heutzutage. Also das ist, glaube ich, ein Faktor, wo ich gemerkt habe, dass es irgendwie was hilft. Ich habe gebraucht, ich musste mich anleiten lassen, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Vielleicht fangen wir mal so rum erst an. 

Nora Hansen: Okay, ja genau. Fangen wir mal von vorne an.

Joel Kaczmarek: Achtung, böses Wort kommt! Ich habe mich in Therapie begeben. Ja, das klingt ja, ach, um das mal öffentlich auszusprechen. D.h. ich war schon mal kurz davor, dass ich so Burnout-Geschichten irgendwie gehabt hätte. Ich war wirklich kurz vorm Kippen, glaube ich, war es bei mir. Ich habe gerade noch den Absprung halbwegs gekriegt. 

Nora Hansen: Oh Respekt, dass du das geschafft hast, sehr gut.

Joel Kaczmarek: Ja, freue mich auch. Und dann gehst du zum Arzt und fragst, was kann ich tun. Und dann wird dir halt gesagt: Ja, mach mal eine Psychotherapie. So, setzt man sich da hin und dann wird einem erst mal so /. Ach, ich finde Therapie per se ehrlich gesagt ineffizient. Ich bin so ein Typ, ich bin halt irgendwie eher so Daten, also eher Autobahn, was jetzt die Denkprozesse angeht. Und dann sitzt du halt da und kommst da, schlägst da jede Woche auf. Und dann heißt es: Na ja, wie geht es uns denn heute? So und das fand ich irgendwie immer per se nervig, erklären Sie bitte so, meinen Tag runterzuspulen. Du merkst dann irgendwann: Okay, es geht darum, dass man dir aufzeigt, dass es Muster gibt in deinem Verhalten. Und wie die sich in deinem Alltag denn gefunden haben. Und Therapeuten haben ja immer so den Anstrich irgendwie zu sagen: Ich sage dir nicht die Lösung, sondern du sollst selber draufkommen. Da mag alles was dran sein, es entzerrt sich halt dann. Ja, so.

Nora Hansen: Es ist halt für eine Zeit ganz hilfreich. Und wenn man das dann irgendwann gelernt hat, wie das funktioniert, dann /. Eigentlich würde ich sagen, sind Therapeuten eine Stütze, und die Stützräder beim Fahrrad muss man auch irgendwann loswerden.

Joel Kaczmarek: Ja, das hast du schön gesagt. Nach dem Satz sollten wir jetzt mal eine kleine Pause einlegen.

Nora Hansen: Eine kleine Denkpause jetzt bitte mal, alle sacken lassen!

Joel Kaczmarek: Okay, reicht.

Nora Hansen: Das kann man noch weiter /.

Joel Kaczmarek: Nein, Spaß beiseite. In der Tat hast du da vollkommen recht. Es ist sozusagen, die Mischung macht es. Ich fand z.B. Coachings teilweise eher interessant. Weil ich habe ja irgendwie sehr gute Coaches, auf die ich auch zurückgreifen kann, da ich viele Leute kenne. Da hast du halt konkrete Anleidungen, nach denen du handeln kannst, aus denen du was lernst. Dann habe ich gemerkt, es gibt Therapeuten, die sind besser und die sind schlechter. Also das mag gar nicht mal kompetenzseitig sein, sondern auch so mit dem persönlichen Fit quasi, wie die zu einem passen.

Nora Hansen: Genau.

Joel Kaczmarek: Side-Notiz: Leute, die man privat zahlt, habe ich gemerkt, also war zumindest meine Erfahrung jetzt, ich habe, glaube ich 3 zu 1 getestet. Drei Krankenkasse, drei Private. Der eine Private war deutlich besser, fand ich. 

Nora Hansen: Ja, man entscheidet sich auch viel, viel bewusster.

Joel Kaczmarek: Ja, in der Tat. Und ich finde, da fragst du ja genauer. Und du sitzt halt genau da, wenn du 100 Euro für so eine Sitzung da zahlst, da überlegst du dir, was du damit tust.

Nora Hansen: Eben, da wird es jemand machen, der dir sympathisch ist und wo es persönlich passt.

Joel Kaczmarek: Ja, und wo du auch halt reingehst mit einem Plan. Also ich habe es sowieso immer so, ich bin – ist wahrscheinlich unüblich – aber ich bin dann in so eine Therapie gegangen, habe gesagt: Passen Sie mal auf, ich möchte über folgende fünf Baustellen mit Ihnen reden. Weil ich glaube, das zahlt irgendwie alles auf das Thema ein, was ich habe. Was weiß ich, zwei Sitzungen meine Mutter, zwei Sitzungen mein Vater, eine Sitzung über die Schulzeit, eine Sitzung über, was weiß ich, beziehungsfähig usw. Es funktioniert halt leider nicht ganz so. Aber um den Leuten mal so ein bisschen ein Gefühl zu geben, die das noch nicht machen und das für ein Stigma halten. Es bringt einen nicht um. Man kriegt es teilweise von der Krankenkasse bezahlt. Es geht einem hinterher in der Regel besser als vorher. Ich muss sagen, ich hatte auch Therapeuten, die haben mich dann so wuschig gemacht, so wo ich dachte: Wow, jetzt traust du dich gar nichts mehr. Weil die tendieren so ins andere Extrem. Du hast erst zu viel gemacht. Und jetzt hinterfragst du alles. Oh Gott, kann /?

Nora Hansen: Ja, das kenne. Aber auch so, dass einem dann irgendwie /. Was mir auch öfter passiert ist, was mich nachher total geärgert hat, ist, dass mir irgendwas unterstellt wurde. Und ich dann ganz oft festgestellt habe, irgendwie nachher in irgendwelchen Berichten: So habe ich das nie gesagt. Warum habt ihr das jetzt so interpretiert? Was soll denn das? Aber ja.

Joel Kaczmarek: Ja, manchmal wenn man einen Hammer in der Hand hat, sieht halt alles aus wie ein Nagel.

Nora Hansen: Genau, wurde halt einfach drauf gehauen.

Joel Kaczmarek: Aber also unterm Strich, man muss dann irgendwie für sich so eine Mitte finden. Man sensibilisiert sich. Ich glaube, das kann man sagen. Man wird trainierter. Und mittlerweile, also ich glaube, vorher war das auch schon so, aber jetzt noch mal stärker, man kennt therapierte und untherapierte Menschen. Das kriegst du mit.

Nora Hansen: Total. Also ich würde jetzt mal ganz dreist von mir behaupten, dadurch dass ich schon eine Therapie durchlaufen habe, bin ich ein recht selbstreflektierter Mensch und weiß, was mein Kopf und meine Gefühle so mit mir anstellen. Und wann das gesteuert ist und wann ich mir einfach bewusst machen muss, dass das gerade eigentlich gar nicht so wirklich ich bin.

Joel Kaczmarek: Ja, man wird empathischer auch. /

Nora Hansen: Ja genau.

Joel Kaczmarek: Also man setzt sich mit sich selbst und der Wirkung auf andere auseinander, was andere tun. Da geht es ja viel darum. Und was ich gelernt habe beim Thema Burnout, ist auch, dass vieles nicht mit Arbeitslast zu tun hat, sondern mit – ja, wie soll man das sagen? – manipulativen, ungesunden Menschen vielleicht auch. Also bei mir war es damals so, ich hatte halt Leute irgendwie, mit denen ich teilweise eng zusammengearbeitet habe, wo vieles so irgendwie Krampf und manipulativ war. Und dann verbiegt man sich ja auch. Und das kostet halt alles Energie. So, das geht alle flöten, so.

Nora Hansen: Ja klar, das zieht ganz viel.

Joel Kaczmarek: Und jetzt, also eigentlich per se, wenn du einen Job machst, der dich glücklich macht, also wenn du jetzt derjenige bist, der von der Lebenslotterie mit Selbstständigkeit gesegnet wurde mit Themen, die er mag, wenn du nicht gerade sozusagen es nicht schaffst, die Hyperstimulation, also wenn die dich übermannt, dann kann dir vielleicht Burnout auch passieren. Aber an und für sich passiert dir das nicht, wenn du was tust, was dich glücklich macht, und das tust du sehr, sehr intensiv. Ja und dann gibt es dann auch Resilienz, wie jeder verträgt anders sozusagen Stress. Weiß ich nicht, dann geht das schon. So, oder ich habe mich auch viel mit Gesundheitsthemen insgesamt auseinandergesetzt. Also wir versuchen jetzt mal wieder den Bogen zu bauen, was du gefragt hast.

Nora Hansen: Ja okay, wir schweifen jetzt mal langsam wieder auf die Hauptstraße, genau.

Auch die größten Macher brauchen mal ne Auszeit

Joel Kaczmarek: Also was tut man, wenn man irgendwie merkt, es ist zu viel. Das Erste ist, man lernt erst mal ein Gefühl zu kriegen, wann ist es zu viel? Wie erkenne ich das? Therapie ein Mittel, Coaching ein Mittel. Selbstreflexion, sozusagen Sparrings mit anderen suchen, alles Mittel, um das zu tun. Das Zweite ist, man kann sich Meditation angucken, um den Geist wieder zu fokussieren und wieder runterzukommen. Das Dritte ist, man nimmt sich Auszeiten. Also ich nehme mir gern auch mal einen Tag frei, gehe in der Feinkostabteilung bummeln und stecke mir da vielleicht Sachen in den Mund, die in meinem Bäuchlein landen.

Nora Hansen: Das klingt auch recht schön. Und das klingt vor allen Dingen gerade sehr authentisch, das gefällt mir.

Joel Kaczmarek: Ich habe gerade gedacht, das klingt eher komisch, wie ich es formuliert habe, aber danke schön.

Nora Hansen: Echt? Ich fand, das klang jetzt sehr authentisch. Aber gut.

Joel Kaczmarek: Habe ich gerade gestern bei by the way gemacht. Den Mousse au Chocolat-Becher in der obersten Etage im Nachtisch, den kann ich sehr, sehr empfehlen, der ist sehr, sehr köstlich.

Nora Hansen: Oh, hör mir bloß auf mit Mousse-au-Chocolat. Ich habe Hunger.

Joel Kaczmarek: Wo wir aber bei einem anderen guten Thema sind, nämlich dem Thema Kompensationen. Das merkt man auch, wenn man sich mit Stress auseinandersetzt. Man kompensiert. Der eine tut das, indem er raucht. Der andere tut das, indem er sich Schokolade in den Mund steckt. Der Dritte tut das, indem er ganz viel kauft. Der Vierte tut das, indem er sich mit Arbeit betäubt. Da gibt es ganz, ganz viele Ebenen, auf denen man das tut. Und dahinter zu blicken, das ist nicht so leicht. Da kann auch irgendwie Therapie ein Thema sein. Ich bin z.B. so ein Überarbeitungstyp und irgendwie Schokolade. Oder ich kaufe auch mal gerne so was. Dann kaufst du dir einen dritten Pullover, obwohl du keinen brauchst. Gerade shoppen gehen ist ja so ein Ding, was viele haben. Da staunt man eigentlich. Und wenn man dann merkt so: Boah ey, ich habe jetzt schon wieder irgendwie mir die dritte Tafel Milka oder Rittersport reingejagt. Und irgendwie bin ich hier so immer im Transit. Lass mal ein Schritt zurückgehen, das Bild als Ganzes betrachten. Das kann halt helfen.

Nora Hansen: Ja, auf jeden Fall.

Joel Kaczmarek: So. Das sind so ein paar Bausteine, die da irgendwie eine Rolle spielen. Unterm Strich ist es auch mal, hängt aber davon ab, mit wem man sich umgeht. Also ich würde mir immer sehr, sehr gut aussuchen, mit wem ich das tue. Ich sage ja, man merkt therapierte Menschen. Die sind einfach anders. Die haben einen anderen Energiefluss, die haben eine andere Umgangsart. Und da kommt ja auch ein ganz anderes Verständnis. Bei Menschen ist es immer so, da nehme ich mich selbst nicht aus, bin ich ganz schlimm drin. Leute verstehen dich nicht, bis sie es selbst erlebt haben. 

Nora Hansen: Ja, recht hast du. Ganz klar. Ich denke noch, dass einfach dieser persönliche Faktor gar nicht zu unterschätzen ist. Und wenn man feststellt, der Job ist zwar gut, aber die Leute in meinem Umfeld tun mir nicht gut, dann vielleicht einen ähnlichen Job, aber in einem anderen Umfeld suchen. 

Joel Kaczmarek: Ja, es gibt ja drei Säulen, die irgendwie Stabilität im Leben bringen. Habe ich mal gelernt. Das sind quasi Familie und Freunde. Das ist die Wohnung. Und das ist der Job. Die drei müssen alle stimmen. Wenn eines im Argen ist, dann kommst du leicht ins Schlingern. Wenn zwei im Argen sind, bist du schon quasi in irgendwelcher Problemsituation. Bei allen dreien bist du flat. So und bei mir war es z.B. auch so, als ich kurz vor Burnout stand, ich hatte eine Wohnung gemietet, die war bescheiden – jetzt hätte ich beinahe wieder einen Euro reingetan.

Nora Hansen: Ja, ganz knapp dran vorbeigeschrammt.

Joel Kaczmarek: Die war bescheiden. Ich habe wirklich dann irgendwie sofort beschlossen, wieder auszuziehen. Ich habe mich immer vertan und habe dann zwischen Kartons gelegt. Beziehungsleben-Ebene war irgendwie auch nicht so pralle, aber vor allem die Arbeit war schlimm. Beziehungen so zu Freunden war noch das Stabilste. Und da guckt man halt, wie man die drei Sachen wieder hinkriegt. Last but not least, Bewegung, Sport, Yoga, Ernährung. Wie viel macht auch Ernährung aus? Unglaublich viel. 

Nora Hansen: Also ganz viel, da könnte ich dir jetzt extrem viel darüber dazu erzählen, aber ich würde sagen, dann sprengen wir den Rahmen. Das hat vor allen Dingen überhaupt nichts mit Innovation zu tun, aber. Also kleine Lebensaspekte sind halt doch nicht zu missachten.

Joel Kaczmarek: Ja, ich denke auch gerade schon, das ist hier sehr fern, innovationsfern, was wir reden. Aber man muss ja auch – weißt du – man sagt ja immer: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Und wir reden jetzt sozusagen, wenn der Geist Innovation will, wie kann ich das Fleisch auch dahin bringen, dass es innovationstauglich ist.

Nora Hansen: Ja, wir haben gerade einfach eigentlich so die persönlichen und menschlichen Grundlagen besprochen. Ich finde das voll cool, in welche Richtung das gegangen ist. Hätte ich nicht erwartet, muss ich gestehen. Aber ich bin sehr positiv überrascht.

Joel Kaczmarek: Ja, wir sind im Flow, würdest du sagen.

Nora Hansen: Genau, der Flow und das Mindset usw. Wie man das Ganze in den Podcasts immer so vorgelebt bekommt.

Joel Kaczmarek: Sehr gut. Dann als Nächstes, sag an.

Nora Hansen: Wir hatten jetzt, ganz kurz noch mal, um zusammenzufassen: Wir haben besprochen, was Digital Kompakt ist, was ihr macht. Dann deinen Weg, wie es entstanden ist. Und dann haben wir uns ganz viel mit deinem Persönlichen beschäftigt und einfach, was so die persönlichen Grundvoraussetzungen sind. Jetzt würde ich doch mal ganz gerne noch eine von deinen ganzen Visionen hören. Du hast gesagt, du bist voll mit Visionen. Jetzt erzähl mir ganz kurz, wie du erstens, Visionen, kommen die einfach so? Oder wie forcierst du die? Zweitens, was machst du, wenn du so eine Vision hast? Und drittens, hast du schon einen Plan, wo du hinwillst?

Joel Kaczmarek: Also, fangen wir vielleicht mal bei der ersten Frage an.

Nora Hansen: Das wäre sinnvoll, ja.

Joel Kaczmarek: Ich glaube, ganz vieles von dem, wie man mit Visionen umgeht, ist auch ein Stück weit Postrationalisierung. Also manchmal hat man so einen inneren Drive. Man sagt ja immer: auf seinen Bauch hören oder was das Herz einem sagt. Und dann hinterher stopft man das in irgendwie was, dass es auch logisch klingt. Also es ist ganz oft im Leben so, hat mir mal irgendwie eine Osteopathin gesagt: Dein Körper entscheidet sich für was. Und dein Kopf muss es quasi noch postrationalisiert kriegen, damit er das absegnen kann. So ungefähr. Wie tun wir das? Ich habe quasi meine Arbeit begonnen. Ich mochte Interviews führen, ich mochte diesen Spirit von Unternehmern. Ich hatte diese Vision, Tiefgang irgendwie interessierte mich. Ich hatte einfach Neugierde. Also ich glaube, der Kern meiner Firma ist Neugier. 

Nora Hansen: Okay, ja.

Joel Kaczmarek: Und dann bin ich irgendwie hingegangen und habe mir mal so überlegt: Wie kann man das eigentlich so mit, weiß ich nicht, sechs Monaten down the road in ein Fundament gießen. Zumal ich jetzt auch irgendwie mehrere Mitarbeiter habe, die musst du auch für diese Vision abholen. So, das musst du kommunizieren können, was du da tust.

The Golden Circle

Nora Hansen: Ja klar.

Joel Kaczmarek: Kannst du richtige Leute aussuchen? So und wir haben das nach diesem Modell von Simon Sinek gemacht, The Golden Circle. Kennst du den zufällig?

Nora Hansen: Nein, ich wollte dich gerade fragen, kannst du mir den ganz kurz einmal grob anreißen?

Joel Kaczmarek: Ja, liebe Zuhörer, wir stellen Ihnen jetzt vor den Golden Circle.

Nora Hansen: Den Golden Circle.

Joel Kaczmarek: Der hat ein Buch geschrieben, das nennt sich: Start With Why. So und wenn man Simon Sinek, Golden Circle eingibt, gibt es auch so 10-Minüter-TED-Videos. Die sind super. Da versteht man es hinterher sofort. Er sagt, es gibt drei Ebenen, wie so eine Zwiebel kann man sich das vorstellen. In der Mitte steht das Why, dann drüber steht das How in der nächst äußeren. Und in der ganz äußersten steht das What. Why – How – What, so. Ganz viele Unternehmen fangen jetzt außen an und sagen: What? Was mache ich denn? Ich mache ein Podcast, mit dem ich irgendwie Unternehmer zu Digitalthemen fortbilde. Wie mache ich das – How? Ich mache das mit einem gewissen Tiefgang. Ich habe mir als Eigenart irgendwie angewöhnt, dass ich immer erst die Geschichte des Interviewgastes irgendwie vorstelle, dann auch seine Erfahrungen und hinten raus versuche ich Tipps zu kriegen. Okay. Why – warum machst du das? So, und manche Unternehmen kommen gar nicht zu diesem Why und starten außen. Du solltest diesen Prozess aber eigentlich umdrehen. Du solltest eigentlich in der Mitte /

Nora Hansen: Innen anfangen. Ja.

Joel Kaczmarek: Genau. So und deswegen „Start With Why“. Was ist unser Why? Wir sagen, wir möchten Tiefgang erzeugen, also wir möchten ein Tiefenverständnis der Digitalwirtschaft für uns erlagen, weil wir Neugierde haben, und das mit anderen teilen. Darum mache ich den ganzen Kram hier.

Nora Hansen: Das ist schon mal gut zu wissen, warum man das macht.

Joel Kaczmarek: Ja, weil ich neugierig bin und das gerne mit anderen teile. So.

Nora Hansen: Okay, ja.

Joel Kaczmarek: Wie tue ich das? Ich tue das irgendwie mit einem hohen Qualitätsanspruch. Ich tue das irgendwie mit Tiefgang. Ich mache das irgendwie menschlich. Ich achte auf Nachhaltigkeit etc. pp. Und What – da kommen quasi die ganzen Medien. Podcast als eines, weil man da irgendwie unproduktive Zeit produktiv macht. Events könnten bei mir ein Thema sein, weil ich so Menschen vernetze. Weiß ich nicht, Weiterleitung, Empfehlung könnte ein Thema sein, weil ich so die Vernetzung erhöhe und so weiter und so fort. D.h. die erste Frage, wie strukturiere ich Vision, ist: ich mache erst mal mir klar, was ist meine Unternehmensvision, meine globale. Und dann gucke ich, wie meine Umsetzungsebenen sind. Und wenn ich sage, wir haben ganz viele Visionen – es ist streng genommen falsch formuliert gewesen von demjenigen, der uns da beraten hat. Wir haben quasi ganz viele Ideen, muss man sagen. Und ganz viele Stoßrichtungen, wo wir hin wollen. Diese ganzen /

Nora Hansen: Ach so, aber das sind noch keine konkreten Visionen.

Joel Kaczmarek: Es gibt ja, also sagen wir es mal so rum, man kann für jedes Produkt natürlich eine Vision haben. Aber es gibt nur eine Unternehmensvision. Und diese ganzen Ideen, die wir haben, die sind theoretisch alle auf der What- oder der How-Ebene. Und da haben wir dann sozusagen Gedanken, dass wir sagen: Okay, wir wollen irgendwie, weiß ich nicht, Vermittlungsdienst machen, was ich jetzt mit dem Fraktuell vorgestellt habe. Ich könnte mir irgendwie Konferenzen vorstellen, weil wir so viele Leute im Leute Zugriff haben. Und so kompetente Menschen. Unser Podcast ist ja z.B. auch sehr speziell gebaut. Also bei uns war es so, macht vielleicht sein, mal so eine kleine Seitenschleife zu drehen.

Nora Hansen: Sehr gerne.

Joel Kaczmarek: Ich weiß nicht, was ist eure Frequenz für Podcasts, habt ihr pro Woche?

Das Modell des Circles nicht nur theoretisch

Nora Hansen: Wir haben momentan noch einen pro Woche.

Joel Kaczmarek: So. Ich habe z.B. für mich gedacht: Okay, das ist so dein Hauptbetätigungsfeld gerade. Du willst zwei in der Woche schaffen. Du brauchst die Frequenz, dass Leute hinkommen, abonnieren. Und da habe ich mir gedacht: Hm, ich kenne aber gar nicht so viele Unternehmer, die ich so spannend finde, dass ich denen eine Stunde zuhören will. Also ich war super selektiv. Habe gedacht: Mist, wie kriege ich es denn hin, dass ich sozusagen die Frequenz halte? Und dann habe ich angefangen zu sagen: Okay, ich interviewe nicht nur Leute zu ihrer Firma, weil da hätte ich gar nicht so viele gefunden, dass ich 104 Stück pro Jahr hinkriege. Sondern ich fange an, auch unterschiedliche Verticals, also unterschiedliche Themenachsen zu bauen. Ich will z.B. das Thema künstliche Intelligenz als einen Themenschwerpunkt haben. Oder Mobility oder Cleantech oder Führung oder Vertrieb. Und so haben wir angefangen, dass wir Formate geschaffen haben, d.h. wenn du Digital Kompakt abonnierst, hast du eigentlich nicht einen durchgängigen Podcast, sondern du hast quasi 20 unterschiedliche Formate mit jeweils unterschiedlichen Themenschwerpunkten.

Nora Hansen: Ach cool. Das macht es ja auch für dich viel interessanter. Nicht nur für die Hörer, sondern für dich auch spannender, das Ganze dann zu gestalten.

Joel Kaczmarek: Auf jeden Fall. Vor allem ist jeder, mit dem du das zusammentust, also bei den ganzen unterschiedlichen Themen haben wir immer noch Co-Moderatoren mit drin, der bringt natürlich auch ein Netzwerk mit. Und du erschließt dir andere Zielgruppen, was dann für Werbepartner wieder attraktiver ist, weil ich dann irgendwie hingehen kann und kann da ganz gezielt Leute bewerben. Und das sozusagen macht ja auch was mit deinem Produkt. D.h. wir hatten auch auf der Ebene halt ganz viele Visionen thematischer Art. Und ja, Punkt.

Nora Hansen: Okay. Jetzt hatten wir das – was war das Erste noch mal in der Zwiebel?

Joel Kaczmarek: Why.

Nora Hansen: Das Why. Jetzt hatten wir gerade How. Und What hast du ja im Prinzip auch schon angeschnitten und mit beantwortet, okay.

Gelegenheiten erkennen und ergreifen

Joel Kaczmarek: Genau. So, und wenn wir jetzt irgendwie neue Ideen haben, dann gehen wir eigentlich nach dem Schema vor, was wir gesagt haben. Wir versuchen irgendwie uns zu fragen: Zahlt es auf unsere Unternehmensvision ein? Wenn ja, in welcher Weise? Welches Ziel verfolgen wir damit? Dann machen wir einen kleinen Prototypen, testen es an, gucken, wie die Ergebnisse sind. Versuchen irgendwie zu abstrahieren. Bei dem PR-Thema z.B. haben wir gemerkt, das hat gar nicht so darauf ausgezahlt, was wir erst dachten, dass uns das irgendwie tierisch Umsatz bringt, dass uns das voll skaliert. Sondern dass wir Leute nochmal ganz anders angesprochen bekommen. Dass wir Kontakt zu Menschen kriegen, mit denen wir sonst gar nicht in Kontakt geraten wären. Dass wir Beziehungen bauen. Also wir haben z.B., wir renovieren unser Büro in super umfangreicher Art und Weise. Dann war auf einmal irgendein Designmöbelshop dabei. Und dann habe ich gesagt so: Hey, ihr wollt PR machen, wollen wir nicht mal über Podcast-Werbung reden? Und wir machen gerade einen Umbau von unserem Büro. Vielleicht lässt sich das auch verbinden. So und zack sind die mittlerweile diejenigen, die unser Büro teilweise mit Möbeln ausstatten und die wir mit Werbung bekannter machen. Also wer sich schöne Designmöbel holen will, geht zu design-bestseller.com.

Nora Hansen: Das ist ja eine Win-Win-Situation auch von beiden Seiten und Networking vom Allerfeinsten.

Joel Kaczmarek: Ja. Und so, das meine ich, was mit Opportunismus quasi manchmal auch da ist: Erkenne eine Gelegenheit, ergreife sie! Das ist dann das Glück, was manchmal kommen kann. Und dann haben wir drüber geredet. Und dann habe ich z.B. irgendwie, wir haben so einen Messenger-Kanal. D.h. ich kommuniziere und Leute bekommen auf ihr Handy eine Message. Jetzt  haben wir Leute dabei, die sagen: Hey, ich berate zu Fördermitteln. Du kannst auch für Bürorenovierung Fördermittel kriegen. Und zack, hast du so die nächste Achse. Also das Glück ist da manchmal mit dem Tüchtigen. Und man sollte auch immer halt erzählen. Das ist gerade jetzt auch so ein Learning bei Innovationsentwicklung. Tue Gutes und sprich drüber. Sprechen, sprechen, sprechen, sprechen.

Nora Hansen: Genau und sich einfach auch trauen.

Joel Kaczmarek: Ja, wie viele Unternehmen habe ich, die mich immer fragen: Ja, Herr Kaczmarek, Sie kennen sich ja aus. Ich habe hier eine Spitzenidee, das wird das nächste Facebook. Das will ich aber keinem erzählen. Aber wenn Sie mich dabei unterstützen würden. Also die denken immer, ich wäre so ihre verlängerte Werkbank oder ich steige bei denen in der Firma ein. Das Erste, was ich immer sage, ist: Leute, kommt weg von diesem: ich habe eine Idee, die darf ich keinem erzählen. Weil Ideen sind nichts wert. Umsetzungen sind was wert. Und wenn du jetzt nicht gerade irgendwie eine chemische Formel erfunden hast, die irgendwie /. Zu mir hat mal ein PR-Berater gesagt: Das einzige Produkt, was sozusagen sich von selbst verkauft, wären Kondome, die die Geschlechtsteile zum Wachsen bringen. Wenn du (unverständlich 00:45:58) erfunden hast, dann würde ich auch sagen, lass dir die patentieren und schweige. Aber wenn du jetzt eine Geschäftsidee hast, ein Geschäftsmodell, das ist nichts wert, solange du es nicht mit Arbeit füllst.

Nora Hansen: Eigentlich selbst wenn es dir nachher geklaut werden würde, ist es trotzdem nicht genau dasselbe. Und es kommt ja auch ganz darauf an, wie das dann umgesetzt wird.

Joel Kaczmarek: Exakt. Und am Ende des Tages ist es die Passion und manchmal auch der Marktzugang. Also und das ist, glaube ich, so der weitere Faktor beim Thema Innovationsentwicklung. Du hast eine Idee. Dann bin ich hingegangen, habe erst mal z.B. mit PR-Agenturen geredet. Sage so: Sag mal, was bist du denn eigentlich bereit zu zahlen pro irgendwie Kunde? Was ist dir das wert? Und wie lange brauchst du eigentlich oder wie viel konvertierst du denn von Anfragen in Kunden? Und wie viel Geld nimmst du denen eigentlich pro Jahr ab? Und kann man das überhaupt schaffen, dass, wenn ich dir einen Kunden bringe, der nicht hinterher bei dir viel mehr zahlt, weil du mich erst mal ausbezahlst? Usw., und hast du auch noch genug zum Leben, wenn ich dir x Prozent abnehme? Das waren alles so Gespräche, hätte ich die nicht geführt, wäre diese Innovation gar nicht entstanden, hätten wir gar nicht irgendwie dieses Produkt entwickelt, hätte ich keine tollen Designunternehmen kennengelernt und so weiter und so fort.

Nora Hansen: Ja klar, rausgehen und anfangen.

Joel Kaczmarek: Ja, tue Gutes und sprich darüber. Ich kann es immer nur wiederholen. Wie gesagt, man kann sich auch überlegen, man muss ja jetzt nicht hingen und sagen: Ich habe vor, irgendwie, weiß ich nicht, ein Logistik-Start-up für XYZ zu machen und mein Geheimdreh ist, ich mache irgendwie dies und das anders und spare dadurch 50 Prozent der Kosten. Das musst du ja den Leuten nicht sagen. Aber du kannst ja sagen /

Nora Hansen: Na es reicht ja, wenn du grob sagst und erzählst, was du vorhast.

Joel Kaczmarek: Genau und was du so halbwegs für eine Marktchance siehst. Und vielleicht für einen unfair Advantage, wie man so Neudeutsch immer sagt, der unfaire Vorteil. Das muss ja aber nicht deine secret Source sein, so.

Nora Hansen: Ja, genau. Recht hast du.

Joel Kaczmarek: Ja, manchmal kommt es durch.

Podcasts – Zeit sinnvoll & lehrreich gestalten

Nora Hansen: Ja. Okay, ich würde sagen, wir haben jetzt eigentlich deinen ganzen Weg so ein bisschen beschritten. Voll cool, die Vision.

Joel Kaczmarek: Ja, man sagt ja immer, ein Podcast soll so lang sein wie ein Inlandsflug. Da bist du mit jetzt so 48 Minuten ganz gut unterwegs, würde ich sagen.

Nora Hansen: Also ich würde sagen, bis nach Kiel kommt man vielleicht von Zürich aus so in 48 Minuten. Wird ein bisschen eng, aber wenn der Pilot richtig Gas gibt, dann wird das was. Bei Start und Landung, da kann man eh nichts hören.

Joel Kaczmarek: Ja, wenn nicht, müssen wir jetzt hier noch 20 Minuten labern.

Nora Hansen: Wobei ich ja Podcasts tatsächlich morgens immer im Bad höre. Ich finde ja – oder abends – ich finde abschminken und Gesicht waschen so furchtbar nervig, oder duschen allein schon ist total nervig. Und wenn ich da Podcasts höre, dann geht das irgendwie immer viel schneller. Und man merkt gar nicht, dass es einen nervt, sondern man findet es plötzlich ganz toll.

Joel Kaczmarek: Ja, ich höre die auch immer beim Abschminken. Da hast du absolut recht.

Nora Hansen: Ja genau, wenn du dann deinen Eyeliner entfernst und das Makeup.

Joel Kaczmarek: Ja, stimmt, so Konturenstift, ach. Nein, aber /

Nora Hansen: Was es nicht alles gibt.

Joel Kaczmarek: Nein, aber ich finde schon interessant, in welchen Situationen Leute sich das anhören. Also mein bester Freund hört es beim Abwasch als Meditation. Andere sagen mir beim Putzen, ganz viele beim Sport, ganze viele auf dem Weg zur Arbeit, beim Fahrradfahren, im Urlaub, also ja.

Nora Hansen: Also eine Sache, die ich nicht kann, ist beim Sport. Also echt nicht. Beim Sport kann ich mich erstens nicht drauf konzentrieren, was jemand sagt. Und zweitens wäre mir da der Beat vom Podcast viel zu langsam.

Joel Kaczmarek: Ja, ich meine, ist halt so, wenn ich es mache, ich gehe aufs Laufband, laufe mich warm in kleiner Geschwindigkeit, starte einen Podcast, höre rein, ob ich ihn spannend finde. Dann muss ich auf Musik drehen, wenn ich schnell laufe, weil in der Tat, bei der Laufgeschwindigkeit, wenn dich da einer so volldönst, ist irgendwie hm. Da kommt dann eher so ACDC oder Rocky Balboa, ja. Und dann, wenn ich aber an Geräten bin, finde ich es wieder ganz okay. Es ist halt eher immer so der Schmerz, wenn du es so aus der Armtasche rausholst, weil du dir was aufschreiben willst, ja. Das ist natürlich /

Nora Hansen: Ja, das ist, na ja.

Joel Kaczmarek: Nein, ein Podcast hat da noch Luft nach oben, darf man ehrlicherweise sagen. Einfach aus dem Stand, letzter Satz: Wir haben öfters Leute, die sich dafür bedanken, dass wir schneiden und sagen, sie sind der einzige Podcast, den sie hören, wo sie nicht auf 1,5-fache Geschwindigkeit drehen müssen, weil er schon durchs Schneiden so schnell ist, also. Vielleicht auch tun beim Gründerschiff.

Nora Hansen: Guter Ansporn. Ach ja, ich muss echt sagen, ich finde es voll cool, wie viele Einblicke du uns heute gegeben hast. Vor allen Dingen auch so viele persönliche, finde ich echt, muss ich sagen, auch mutig von dir, dass du das so offen einfach teilst.

Authentizität schafft Nähe

Joel Kaczmarek: Ja, danke schön. Ertappe ich mich auch, weil man denkt immer, irgendwas Schlimmes passiert. Neulich, wir nehmen so Videos auf, Social Media-Videos für LinkedIn. Also wenn man mich, Joel Kaczmarek bei LinkedIn sucht, kriegt man so 2-Minüter-Videos oder 1-Minüter. Und da habe ich so über Lampenfieber geredet, ja, so.

Nora Hansen: Du, damit entblößt du dich natürlich ganz schön.

Joel Kaczmarek: Ja, ja. Dann habe ich so erzählt, habe gesagt: Leute, ihr glaubt das vielleicht nicht, aber ich stehe auch manchmal auf der Bühne und gucke mich um, wenn ich jetzt in Ohnmacht falle, wo muss landen, dass ich mir möglichst nicht den Kopf aufschlage? Oder wenn ich jetzt irgendwie mich übergeben muss, wo ist der nächste Eimer, in den ich irgendwie reinreihern kann? Oder irgendwie die Topfpflanze. Einfach zur Beruhigung, ja, so. Und dann guckte mich irgendwie der Kameramann an und meinte: Willst du das wirklich on tape erzählen, dass du auf der Bühne sitzt und denkst, wo du hinkotzt? Habe ich gesagt: Ja klar, warum denn nicht. Also es ist ja viel unsympathischer, wenn du immer wie so ein Halbgott wirkst, der da irgendwie auf den 1000-Mann-Bühnen irgendwie steht oder 3000. Wenn du so was mal zugibst, ist doch bei allen so.

Nora Hansen: Vor allen Dingen, wenn niemand so was teilt, dann denkt jeder, er ist alleine damit und macht sich allein deswegen schon wieder noch einen größeren Kopf.

Joel Kaczmarek: Ja. Ich habe dann sogar hinterher gesagt: Weißt du, eigentlich, wenn ich darüber nachdenke, mir wird eigentlich eher immer so 15 Minuten down the road schlecht. Ich glaube, weil ich immer so verkrampft sitze, dass ich mir irgendwas abschnüre. Wahrscheinlich ist das gar kein Lampenfieber, aber wir lassen es jetzt trotzdem drin, weil ich muss Leute, die auch Lampenfieber haben, denen muss ich Beruhigung geben, dass das irgendwie alles nicht schlimm ist und Punkt. Na ja, gut.

Nora Hansen: Ach wie cool. Ich mag deine Einstellung.

Joel Kaczmarek: Ja, in diesem Sinne, liebe Hörer, wenn ihr auch nervös seid, es geht auch anderen so.

Nora Hansen: Sucht euch eine Topfpflanze.

Joel Kaczmarek: Ja nein, aber es ist echt, Scherz beiseite, Ernst komm raus, ich hatte z.B. GründerInnen da, die haben mir erzählt, so Thema Burnout, wo ja auch keiner darüber redet, ja. Rote Flagge, du hast immer Angst, dass du dann ins Abseits gestellt wirst so, soziale Sanktion ist ja dann immer so Isolation. Also das Schlimmste, was dir passieren kann, ist, du bist außen vor. Ich hatte echt also top Leute da, egal ob jetzt bei Gründerszene oder Digital Kompakt. Ich erinnere mich an eine Gründerin, die hat sich mir so eingebrannt. Die meinte, sie war beim Arzt und sie hatte Hormonpegel, die sonst nur irgendwie Frauen haben, die ihre Kinder von der Kriegsfront wegtragen, ja. Die hatte Haarausfall, das Zahlfleisch ging zurück. Ich hatte eine andere Person, die hat mir erzählt, sie hat irgendwie den Geschmack verloren, es hat alles erst mal nach nichts mehr geschmeckt und so. Es kam dann wieder. Also es passieren Leuten ganz krasse Sachen, sie reden nur nicht drüber. Und das ist so, weiß ich nicht, da muss man gar keine Angst davor haben. Und das ist, glaube ich, auch so ein Volkssport mittlerweile, dass Leute gerne sogar eher darüber reden. Und ihr müsst mal ihr euch den Podcast hier „Hotel Matze“ anhören, von dem Matze Hielscher, ein netter Typ. Der hat auch so die Fähigkeit, so empathisch auf Menschen zuzugehen. Das ist wirklich so jemand, dem öffnet man sich, ganz faszinierend, wenn man den mal live trifft. Und wenn man sich da mal so Sarah Kuttner anhört oder Nora Tschirner, die erzählen auch alle hoch und runter, wie sie beim Therapeuten sitzen. 

Nora Hansen: Ja klar.

Joel Kaczmarek: Nun werden hier Filmschauspieler und Moderatoren vielleicht ein bisschen therapeutenaffiner sein, weil die ganzen Bekloppten, so wie ich, rennen vor die Kamera, ja. 

Nora Hansen: So ist es.

Joel Kaczmarek: Nein, Spaß beiseite, aber ich glaube, manche Leute haben schon so ein bisschen so einen Drang, sich selbst zu inszenieren. Ich übrigens by the way nicht so. Hatte ich eigentlich mal versucht. Und wir haben das bei Digital Kompakt lange versucht, personenunabhängig zu halten. Und dann aber gemerkt, es funktioniert einfach besser, wenn man einen Menschen ins Zentrum stellt. Ja, aber die Moderatorenfront ist da, glaube ich, noch mal affiner dafür.

Nora Hansen: Vielleicht eckt man damit bei jemandem an, aber im Endeffekt kommen dadurch mehr Leute. 

Joel Kaczmarek: Ja, ich hatte eine Diskussion, hatten wir neulich ein Corporate, mit dem wir irgendwie einen Podcast zusammen produzieren. Der kam erst mal überhaupt nicht darauf klar, dass wir einen Podcast mit ihm machen, der nicht seinen Namen trägt und wo die Farbe nicht seiner Corporate CI, die sehr bekannt ist – ich sage jetzt nicht, wer es ist – aber ist sehr bekannt, die Farbe, sozusagen nicht in der Farbe gehalten. Haben wir nicht gecheckt. Was, wirklich? Und warum sollen wir das denn dann tun? Habe ich gesagt: Leute, kein Mensch hört einer Firma zu. Sondern die Leute hören Menschen zu. Die wollen hören /

Nora Hansen: Klar, sie wollen über die Menschen was wissen.

Joel Kaczmarek: Ja. So, die wollen hören, was den Menschen da ausmacht, wie sehr das sieht. Ein Mensch steht dann für irgendwas. Ich höre z.B. irgendwie hier Gunnar Lott, den liebe ich zuzuhören. Wie heißt das? Stay forever, Gaming Podcast. Zwei alte Männer reden über zwei alte Spiele. Der ist so witzig. Da höre ich den Podcast eigentlich nur wegen Gunnar, weil ich Gunnar so lustig finde.

Nora Hansen: Nicht wegen Gaming.

Joel Kaczmarek: So, oder Matze Hielscher, angenehm empathischer Typ. Weil da hört man natürlich auch wegen den Gästen, weil die halt irgendwie namhaft sind so, und ja. Anyway, jetzt haben wir den Inlandflug wirklich voll auch bis Zürich.

Nora Hansen: Ja, genau. Ich danke für all das Teilen heute. Und ich freue mich, wenn die Hörer davon profitieren können.

Joel Kaczmarek: Ich mich auch, danke für die Gastfreundschaft.

Nora Hansen: Sehr gerne. Tschau, Joel.

Joel Kaczmarek: Tschau.

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.