Innovation in Deutschland und den USA mit Dominik Groenen – Gründer & Speaker (S01EP05)

Nora Sophia Hansen

Innovation in Deutschland und den USA mit Dominik Groenen – Gründer & Speaker (S01EP05)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Innovation muss man in ein Unternehmen integrieren – 365 Tage im Jahr. Dominik Groenen – Gründer 16 eigener Startups und an 43 weiteren beteiligt – berichtet von  Erfahrungen aus der Jugend, die ihn auf seinen Weg stark geprägt haben. Normal zu sein fand er immer langweilig.

Lernen Sie, wie man Produkte nah am Kunden entwickelt und wie unterschiedlich das unternehmerische Denken und Handeln von Land zu Land sein kann. Nora Hansen interviewt jede Woche Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau das Richtige für Sie.

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Vollständiges Transkript

NORA HANSEN: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören! Schön, dass ihr heute wieder dabei seid. Heute zu Gast haben wir Dominik Groenen, er ist Gründer, seitdem er 21 Jahre alt ist, das heißt, jetzt schon seit knapp 20 Jahren. Dabei liegt sein Schwerpunkt vor allen Dingen auf Banking and Finance. Er hat selber 16 Startups gegründet und ist insgesamt an 43 beteiligt. Und ich freue mich sehr, ihn heute dabei haben zu dürfen. Hallo Dominik.

DOMINIK GROENEN Hallo Nora, grüß dich.

NORA HANSEN: Echt schön, dass du dir Zeit genommen hast heute für ein Interview.

DOMINIK GROENEN Gerne.

NORA HANSEN: Erzähle doch nochmal den Hörern persönlich ein bisschen über deinen Werdegang, wie kam es denn überhaupt dazu, dass du angefangen hast selber zu gründen und wie, um Gottes Willen, bist du auf 16 eigene Startups gekommen?

Wie ein Auslandsjahr zum Gründer – Mindset führen kann 

DOMINIK GROENEN Also es ist so, dass ich damals im Grunde genommen die zehnte Klasse normal absolviert habe und bin dann anderthalb Jahre in die USA gegangen. Da war ich mit 16 im Grunde genommen/ beziehungsweise 16 ½ bin ich in die USA gegangen, und meine Eltern haben dann damals so ein, sage ich mal, begleitetes Exchange Student Program für mich finanziert. Und ich glaube, das ist letzten Endes auch so ein Stück weit der Ursprung gewesen. Also ich bin halt durch diese anderthalb Jahre oder knapp zwei Jahre, die ich dann auch in den USA war, bin ich sehr selbstständig geworden und habe natürlich dann mit 16 Jahren oder mit 16 ½ Jahren zum ersten Mal die USA gesehen. Ich weiß heute noch, wie ich mit meinen Gasteltern nach New York gefahren bin und man erstmalig die Freiheitsstatue gesehen hat und in Manhattan reingefahren ist. Das waren natürlich alles Eindrücke, die mich schon sehr geprägt haben. Und nachdem ich dann zurückgekommen bin, habe ich dann mein Abitur gemacht und bin dann im Grunde genommen, ja, bedingt auch ein Stück weit durch den Lebenslauf meines Vaters, in den Bereich Banking reingekommen. Also mein Vater ist über 40 Jahre bei der Deutschen Bank gewesen, und ich habe dann also eine Ausbildung als Bankkaufmann angefangen und bin über das Thema Banking dann hinterher auch in den Bereich Versicherungen reingekommen. Habe erst für ein Versicherungsunternehmen in Düsseldorf gearbeitet im Bereich Produktentwicklung und Innovation und bin darüber dann halt nach London gekommen. Und das war eigentlich so der Ursprung. Also ich habe dann quasi mein erstes Startup aus meinem damaligen Arbeitgeber heraus gegründet und, ja, das war so ein Stück weit der Ursprung auch des Weiteren Lebenslaufes.

NORA HANSEN: Ach ja, cool, dass da so ein Auslandsaufenthalt nachher dafür sorgt, dass du dadurch so selbstständig geworden bist und dann irgendwie so in diese ganze Schiene reingerutscht bist.

DOMINIK GROENEN Ja, also es ist halt so, dass ich mich/ Ich habe, also meine Mutter, die hat das am stärksten gemerkt, die hat halt gesagt: “Dominik, wie du zurückgekommen bist, du warst nicht mehr derselbe.”

NORA HANSEN: Oh, wow.

DOMINIK GROENEN Also, ich bin halt sehr selbstständig geworden, ich bin sehr erwachsen geworden. Also das war so das Feedback, was ich da bekommen habe. Und ich war seitdem eben auch/ Also ich war sehr, sehr oft in den USA auch längere Zeiträume. Bin auch ab dem Moment, eigentlich hat sich sogar meine Leidenschaft auch entwickelt für das Thema Reisen. Also ich reise privat wie beruflich super-gerne und letzten Endes war das, glaube ich, auch so ein Stück weit der Moment, wo man halt gesagt hat, okay, die Welt ist mehr als, ich sage mal, ein kleines Dorf am Niederrhein, denn da bin ich gebürtig/ Also bin im Ruhrgebiet geboren, aber wir sind dann, so Mitte 8 war ich, an den Niederrhein gezogen ins kleine Dorf, 5.000 Einwohner/

NORA HANSEN: Ach, cool.

DOMINIK GROENEN /und dann war ich auch der einzige in der Klasse im zehnten Schuljahr, der dann halt dieses Austauschprogramm gemacht hat und in die USA gegangen ist. Und ich glaube, das war so ein Stück weit auch für mich, da gibt es noch mehr, ja. Also da gibt es noch mehr als ein Dorf mit 5.000 Einwohnern, da gibt es noch mehr als im Grunde genommen Sonntagmorgens irgendwie den Nachbar beim Bäcker zu treffen und irgendwie mit Freunden irgendwie Tischtennis zu spielen. Also das hat mich halt seitdem dann nicht mehr losgelassen, und ich hatte da halt, glaube ich, auch sehr, sehr viel Zeit/ Also habe mich persönlich auch sehr weit entwickelt und, ja, ich glaube, das war so ein bisschen der Hintergrund.

NORA HANSEN: Ja, ich kann dich da sehr gut verstehen, ich habe tatsächlich auch in einem 5.000-Einwohner-Dorf am Niederrhein gelebt und bin da halt aufgewachsen.

DOMINIK GROENEN Echt?

NORA HANSEN: Ja.

DOMINIK GROENEN Wo denn? Wo denn?

NORA HANSEN: In der Nähe von Strahlen.

DOMINIK GROENEN Ja, super. Also ich komme aus Rheurdt, also Geldern und die E3/

NORA HANSEN: Ach ja.

DOMINIK GROENEN /waren am Wochenende immer/

NORA HANSEN: Ach cool.

DOMINIK GROENEN Ich hatte sogar mal/ Ich hatte sogar mal lange Zeit eine Freundin aus Strahlen, also von daher bin ich sehr oft nach Strahlen gefahren und habe lustigerweise auch damals in den Ferien sehr, sehr oft in Strahlen bei Bofrost gearbeitet und habe mir nebenbei mein Geld verdient.

NORA HANSEN: Das ist ein sehr lustiger Zufall. Die Aufnahme vor dir hat mit jemandem stattgefunden, die im gleichen Stadtteil von Düsseldorf zur Schule gegangen ist, in dem ich geboren bin. Heute sind es lauter Zufälle.

DOMINIK GROENEN Ja, lustig.

NORA HANSEN: Geil.

DOMINIK GROENEN Ja, lustig.

NORA HANSEN: Aber jetzt zurück zu den USA. Haben die dich auch irgendwie so schon im unternehmerischen Sinne inspiriert oder erstmal einfach, in Anführungsstrichen, nur, dass du selbstständig geworden bist?

Dominik tritt in die Fußstapfen seines Vaters – Ein Weg vom Dorf in die Finanzwelt 

DOMINIK GROENEN Also damals war noch nicht so groß/ Also ich wusste noch nicht, in welche berufliche Laufbahn ich wirklich gehe. Ich wusste halt nur, dadurch dass mein Vater im Grunde genommen im Bereich Banking tätig war, also ich sage mal, wenn ich an Klassenkameraden denke, dann war der Vater irgendwie Gas-Wasser-Installateur oder Maurer oder was auch immer, und ich habe halt damals schon gemerkt, dass ich innerhalb der Klasse oder auch im Freundeskreis schon was Besonderes war. Also wir hatten damals drei Autos vor der Tür, mein Vater ist jeden Morgen in Anzug aus dem Haus gegangen, ist abends wiedergekommen, war auch viel beruflich unterwegs, und ich habe immer gedacht, ich finde das halt spannend und interessant. Und dann, ja, war es irgendwann an dem Punkt, wo man sich Gedanken darüber gemacht hat, in welche berufliche Richtung soll es gehen. Und bedingt dann halt durch zuhause, habe ich mich dazu entschlossen, dann halt zur Deutschen Bank nach Düsseldorf zu gehen, und habe halt da dann dementsprechend auch die Ausbildung gemacht.

NORA HANSEN: Ja. War dein Ziel dann, einen gewissen Lebensstandard zu kriegen oder war dein Ziel wirklich: “Boah, ich möchte unbedingt was mit Banking machen.”

DOMINIK GROENEN Also das war/ ist im Grunde genommen miteinander verbunden gewesen. Also natürlich habe ich gesehen, dass, wenn man relativ stark auch, sage ich mal, seine Karriere plant oder wenn man Karriere macht, dass man sich dadurch halt auch bestimmte Dinge ermöglichen kann. Ja, aber auf der anderen Seite war das für mich halt auch irgendwie, ähnlich wie auch bei den USA, war das für mich halt irgendwie wieder was Besonderes, ja? Also wenn man jetzt von einem kleinen Dorf am Niederrhein kommt, ich habe dann jeden Morgen habe ich im Grunde genommen den Zug genommen von Krefeld nach letzten Endes dann Düsseldorf, und das war halt schon immer was Besonderes, ja? Also man ist nach Düsseldorf reingekommen in die Stadt, und das war auch, selbst wenn man nur die Ausbildung gemacht hat, war es irgendwie was Besonderes, und das hat mich irgendwie gereizt. Also ich habe auch seitdem oder auch schon seit den USA habe ich eine Faszination für Städte, also ich liebe die ungemeinen Städte und mich beeindrucken Städte halt, ja? Egal welche, also gerade so Großstädte wie, auch in Asien, wenn ich an Hongkong, Bangkok oder so was denke. Also auf mich hat das eine Energie und die hat sich irgendwie so entwickelt.

NORA HANSEN: Das ist voll cool, dass einfach teilweise so objektiv kleine Dinge einen zu so was irgendwie reizen und du dann sagst, einfach du wolltest aus dem Dorf raus und was neues sehen und/ Ach, finde ich voll cool.

DOMINIK GROENEN Ja.

NORA HANSEN: Da sieht man mal, dass es gar nicht immer unbedingt direkt dieser Weg sein muss von wegen und Uni, Doktor und dann so: “Jetzt gründe ich mal was”, sondern eher die Faszination tatsächlich das eigentliche ist.

DOMINIK GROENEN Ja, absolut. Ja.

Die erste Gründung 

NORA HANSEN: Was war denn dein erstes Unternehmen oder Startup, was du gegründet hast?

DOMINIK GROENEN Also es ist so gewesen, dass ich dann im Grunde genommen über den, ja, also quasi über den Arbeitgeber, über den Job, den ich hatte, da gab es dann halt eine Möglichkeit aus dem Arbeitgeber heraus halt quasi ein Startup zu gründen, an dem ich dann auch beteiligt war, und das war eigentlich so der Moment. Also ich hätte wahrscheinlich selber irgendwann auch den Weg in diesem Bereich gefunden aber letzten Endes war es halt so, dass ich das, ja, bedingt halt einfach durch den Arbeitgeber halt so erfahren habe.

NORA HANSEN: Ja, klar, das ist natürlich so auch ein Weg, der einfacher und vielleicht auch schneller war, als wenn das erst mit der Zeit gekommen wäre bei dir, oder?

DOMINIK GROENEN Ja. Ja, ja, absolut.

NORA HANSEN: Hast du heute noch mit dem Startup selber was zu tun oder hast du das schon/

DOMINIK GROENEN Nein.

NORA HANSEN: /verkauft oder wie auch immer?

DOMINIK GROENEN Ja, verkauft. Ja, verkauft 2014. Also von daher habe ich da nichts mehr mit zu tun. Aber es war natürlich irgendwie eine sehr gute Erfahrung und vor allen Dingen war natürlich zum Beispiel auch Anfang so das Thema ein Stück weit gesichert, wie kriegt man so die Startfinanzierung hin also auch weil es aus dem Unternehmen heraus finanziert worden ist. Das war so schon ganz interessant, man hat halt super-viel Erfahrung gesammelt.

NORA HANSEN: Ja, klar.

DOMINIK GROENEN Und von daher bin ich da eigentlich auch happy, dass das so sich entwickelt hat.

NORA HANSEN: Ach, das ist schön. Hattest du dann trotzdem, auch wenn es aus dem Unternehmen heraus gegründet war, selber genügend mit Entscheidungsfreiheit?

DOMINIK GROENEN Ja. Also ich war im Grunde genommen Geschäftsführer in der Company und war letzten Endes dann auch dementsprechend derjenige, der ja da das Ruder in der Hand hatte. Also von daher habe ich da schon einiges auch natürlich beeinflussen können.

NORA HANSEN: Ja. Und dann hattest du so ein bisschen Feuer gefangen und wolltest in die ganze Startup- und Gründungs-Welt rein oder wie kam das?

DOMINIK GROENEN Na ja, es kam zu dem Zeitpunkt fing es halt schon relativ stark an, dass sich halt auch Konzerne verändern und Unternehmen letzten Endes sich auch sehr stark mit dem ganzen Thema digital und Innovation beschäftigen. Und da ist man natürlich sehr, sehr stark in diese Gründerszenen reingekommen. Also nicht nur in Deutschland, wenn ich jetzt an Berlin denke, sondern sehr stark auch London, sehr stark New York, San Francisco, Asien. Und man hat sich dann sehr, sehr intensiv mit dem ganzen Thema beschäftigt und, ja, darüber ist das letzten Endes so ein Stück weit auch dann entstanden.

NORA HANSEN: Okay, ja. Und was war denn das zweite Startup, was du gegründet hast? Wie hast du da die Kurve geschlagen und warst du dann in dem ursprünglichen Unternehmen, aus dem das erste Startup raus gegründet wurde, überhaupt noch drin oder war das damit dein Ende in dem ersten Unternehmen?

DOMINIK GROENEN Genau, also ich habe meine Anteile dann verkauft im Jahr 2014/

NORA HANSEN: Genau.

DOMINIK GROENEN /hatte dann im Grunde genommen noch ungefähr sechs Monate, wo ich dann in dem Unternehmen noch tätig war, und bin dann im Grunde genommen komplett rausgegangen und habe mich aber in diesen sechs Monaten dann halt auch schon mit einem weiteren Thema oder mit einem neuen Thema beschäftigt, was aber auch sehr, sehr stark an dem alten Thema angelehnt war. Einfach weil man gemerkt hat, Mensch, okay, man sieht da einfach einen bestimmten Optimierungsbedarf und da kann man halt noch Dinge verbessern und das war letzten Endes auch so die Motivation, das zweite Unt/

NORA HANSEN: Das wäre jetzt meine Frage gewesen, die Motivation dahinter.

DOMINIK GROENEN Genau. Also letzten Endes war es so, dass dann man im ersten Unternehmen halt schon viele Dinge entwickelt hat, aber man halt gesehen hat, dass Dinge oft an einigen Stellen man noch besser oder effizienter machen kann. Und zu dem Zeitpunkt war halt schon die Mitarbeiteranzahl in dem Unternehmen relativ groß und es war halt immer noch irgendwie auch so durch den Konzern gesteuert, und dadurch war es halt letzten Endes dann irgendwann der Punkt, wo ich gesagt habe, vielleicht/ Also so ein Stück weit back to the roots, also vielleicht kann man doch mit einem kleineren Team wieder an besseren Themen arbeiten, schneller sein, als wenn man halt hinterher irgendwie auch schon eine gewisse Größer hat, wo man dann halt, ich will nicht sagen, Konzernstrukturen hat, aber zumindest konzern-ähnlich Strukturen.

NORA HANSEN: Also wolltest du damit direkt in die Verbesserung und Optimierung rein?

DOMINIK GROENEN Genau, ja.

NORA HANSEN: Das heißt, du hast im Prinzip das, was du in deinem vorigen Unternehmen beziehungsweise in dem, in dem du gearbeitet hast, einfach optimiert und verändert und bist dann damit deinen eigenen Weg gegangen?

DOMINIK GROENEN Genau, also abgewandelt ein bisschen, auch von der Zielgruppen-Fokussierung haben wir uns ein bisschen verändert beziehungsweise erweitert, aber wir sind relativ stark dann auch in dem Bereich geblieben. Also das war schon so, weil wir gesehen haben, da geht halt noch mehr und haben dann, wie gesagt, die Zielgruppen-Fokussierung noch ein bisschen geändert, haben uns dann nochmal sehr stark auf das Thema B2B konzentriert. Und darüber, gerade über das Thema B2B haben wir dann da auch relativ schnell eine sehr gute Entwicklung gemacht.

NORA HANSEN: Wie bist denn du diesen Optimierungsprozess angegangen? Du wusstest, das und das stimmt im alten Unternehmen vielleicht nicht, aber wie kamst du dann auf deine Ideen, wie du es besser machen kannst?

Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen ist wichtig 

DOMINIK GROENEN Also ich sage immer bei solchen Themen oder Fragen sage ich, also ich glaube, im Endeffekt muss man einfach nur offenen Augen durch die Welt gehen, und auf der einen Seite privat, auf der anderen Seite auch beruflich, ich glaube, dass ich, und das zeichnet einen vielleicht auch aus, dass ich immer probiert habe, trotzdem man an bestimmten Themen arbeitet, immer noch eine bestimmte Offenheit zu haben und halt nicht diese Scheuklappen zu entwickeln, wo man im Grunde genommen dann nur noch in eine Richtung marschiert, sondern ich war immer offen, ich habe immer nach links und rechts geguckt und war auch immer offen dafür, nicht auf diesen vielleicht schon geplanten Wegen zu bleiben, sondern ruhig auch nochmal irgendwie den Weg zu ändern und/ Also ich gehe halt immer sehr, sehr offen durch die Unternehmen und bin generell auch so gestrickt, dass ich sage, ich gucke sehr viel nach links und rechts. Und ich glaube, das führt auch letzten Endes dazu, dass man dann auch diese Dinge genau sieht.

NORA HANSEN: Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt, diese Offenheit ermöglicht einem ja auch Flexibilität, Anpassung, Weiterentwicklung. Wenn man die gar nicht hat, dann kommt eben das Problem, dass du irgendwo festhängst und denkst, ja, das Alte funktioniert doch ganz gut, bleiben wir doch mal dabei.

DOMINIK GROENEN Genau, und das ist ja natürlich auch einfach, ja? Also ich sage immer, ich glaube, wichtig ist, immer die Komfortzone zu verlassen und sich immer wieder kritisch zu hinterfragen und auch zu hinterfragen, ist das, was wir hier machen, das Richtige? Ist das vor allen Dingen auch im Sinne des Kunden das Richtige? Hat der Kunde eine andere Erwartung? Verbindet der Kunde andere Dinge mit dem Produkt oder mit dem Service? Was erwartet der Kunde? Also sich nicht darauf auszuruhen, sondern wirklich hinzugehen und zu sagen, man arbeitet eigentlich rundum dabei oder daran, wirklich ein Produkt, einen Service, Abläufe halt zu optimieren und zu verbessern. Und ich glaube, das ist halt oft in etablierten Unternehmen so, dass man im Grunde genommen auf, ich sage mal jetzt, ein Produkt, was jetzt gut läuft, daran hält man auch fest und sagt, ist doch alles super. Und die Mitarbeiter sagen auch, ist doch alles super, aber irgendwann kommt vielleicht ein Punkt, wo nicht mehr alles so super ist. Und den probiere ich halt im Vorfeld schon entgegenzuwirken, indem man das gar nicht so weit kommen lässt.

NORA HANSEN: Ja, das ist ziemlich sinnvoll, denn sonst steht man irgendwann da und muss dann auf Knopfdruck sich was Neues überlegen.

DOMINIK GROENEN Absolut. Ja.

NORA HANSEN: Du hast gerade davon gesprochen, dass ihr das immer an die Kunden anpasst. Heißt das, ihr macht direkten Kundenkontakt und vielleicht auch irgendwie Umfragen oder Meinungsbilder?

DOMINIK GROENEN Na ja, also wir sind/ Also alle Themen, mit denen ich mich beschäftige, da ist es halt so, dass wir sehr, sehr stark im Grunde die Kunden mit einbinden und das auch schon direkt von Beginn an, was ja auch eigentlich sehr konzern-unüblich ist. Oft ist es ja so, dass man in Konzernen halt bestimmte Dinge entwickelt in der Hoffnung beziehungsweise weil man der Überzeugung ist, dass das genau das Produkt oder der Service ist, den der Kunde halt sucht, so. Und man stellt dann relativ schnell fest, nach einem Zeitraum von 18, 24 Monaten, sehr viel Geld, was man investiert hat, dass man möglicherweise das Produkt am Kunden vorbei entwickelt hat. Und das ist halt etwas, was wir grundsätzlich und was ich eigentlich schon immer gemacht habe, dass man hingeht und sagt, okay, wir gehen so früh wie möglich damit raus, ja? Also wir fragen so früh wie möglich potenzielle Kunden, potenzielle Leute, die unser Produkt kaufen, nutzen, empfehlen, was auch immer, wie sie das empfinden, würden sie das nutzen und das auch wirklich sehr, sehr, sehr strukturiert, sodass man sagt, also wir führen teilweise wöchentliche Interviews, wo wir im Grunde genommen Fortschritte, die wir in der letzten Woche gemacht haben, direkt in der Folgewoche auch wieder mit Kunden besprechen und diskutieren, und dadurch ist natürlich das Risiko vor größeren, also nicht vor kompletten Fehlinvestitionen geschützt, aber vor großen Fehlinvestitionen geschützt, weil man natürlich relativ schnell ein Feedback immer bekommt.

NORA HANSEN: Da hast du gerade meine nächste Frage schon mitbeantwortet. Ich hätte dich nämlich jetzt gefragt, wie du mit Risiken umgehst, aber so beugst du ja vielen Risiken tatsächlich schon vor.

Feedback von Außenstehenden einholen 

DOMINIK GROENEN Genau, also ich glaube, und, ich meine, da gibt es ja auch andere Stimmen, aber ich glaube, man sollte so früh wie möglich mit Ideen, mit Produkt, mit Services rausgehen und mit so vielen Menschen wie möglich darüber sprechen. Also ich glaube, das ist halt auch wirklich der Punkt, wo man davor ein Stück weit bewahrt ist, in eine Richtung zu gehen, die letzten Endes dazu führt, dass man Geld fehlinvestiert oder dass das Produkt am Markt vorbeigeht. Ich glaube, es ist halt super-wichtig, so früh wie es geht, mit Kunden zu sprechen. Und die sollten in der Regel nicht welche aus der Familie sein, weil man denen in der Regel, oder Familie, Freunde, wenn man denen Dinge vorstellt, finden die sowieso alles super.

NORA HANSEN: Ja, das stimmt.

DOMINIK GROENEN Aber letzten Endes geht es nicht um diejenigen, die es super finden, sondern es geht um ehrliches, kritisches Feedback und da halt auch letzten Endes, glaube ich, sind Leute, die gar nichts mit einem selber, mit Familie, Freunden, mit dem Umfeld zu tun haben, immer besser. Also wir machen das hier bei uns in der Regel so, dass wir sehr, sehr viel über Facebook und die sozialen Netzwerke machen, das heißt also, wir holen dann im Grunde genommen die Leute zu uns ins Office, wir stellen denen die Themen vor, die werden dann incentiviert über bestimmte Dinge. Mal ist es ein Amazon-Gutschein, mal ist es irgendwie Pizza und Bier, wo wir die einladen, und wo wir dann wirklich sehen/ Bestimmte Themen vorstellen, das diskutieren und dann aber wiederum auch das Feedback und die Erkenntnisse, die wir bekommen, mit in die Produktentwicklung einbeziehen.

NORA HANSEN: Ach, cool, das ist ja auch mal/ Schon allein das ist schon eine extrem innovative Idee, die Leute da einfach zu euch zu holen oder meinetwegen zu Pizza und Bier oder mit einem Amazon-Gutschein. Voll geil.

DOMINIK GROENEN Genau, ja. Also das ist richtig gut. Wir haben jetzt gerade im Dezember hatten wir eine relativ große Runde, wo wir so/ Da geht es um ein Startup im Bereich Familie, Kind, Mutter, und da haben wir dann wirklich auch ganz konkret über Facebook haben wir halt Mütter gesucht, die dann gekommen sind, und wir hatten dann irgendwie an einem Abend hier 25 Mütter sitzen, die mit ihren Kindern gekommen sind, und wo wir dann im Grunde genommen das Geschäftsmodell diskutiert haben. Wo wir diskutiert haben, ob dieses Geschäftsmodell überhaupt auch ein Problem löst und letzten Endes auch so ein Stück weit würden die das Produkt nutzen, was müssen wir machen, damit sie es nutzen? Also da/ und das haben wir dann sehr strukturiert auch mit Fragebögen gemacht, mit Feedback und haben das wiederum dann auch ausgewertet, und das funktioniert eigentlich sehr, sehr gut.

NORA HANSEN: Ja, das klingt danach. Wie ist denn das, kommen die Ideen dann von euch und ihr setzt sie den Leuten vor oder können die, die zu euch kommen, auch selber Ideen mit einbringen, die komplett neu vielleicht auch sind?

DOMINIK GROENEN Also es ist so, dass wenn ich mich mit Themen beschäftige, also natürlich arbeitet man immer an eigenen Ideen, also wie schon vorhin gesagt, wer mit offenen Augen durch die Welt geht, dann ist für mich eigentlich immer wichtig, dass es irgendwo Defizite oder Probleme gibt, und ich glaube, die gibt es halt en masse in der Welt. Und genau das ist eigentlich für mich auch immer der Startpunkt. Also wenn es ein Problem, wenn es einen Punkt gibt, wo man eine gewisse Unzufriedenheit hat, dann ist das für mich halt ein Ansatz, sich mit neuen Themen, mit Verbesserungen zu beschäftigen. Und auf der einen Seite beschäftigen wir uns selber damit, auf der anderen Seite ist es natürlich auch so, dass man über die vielen, vielen Jahre auch, sage ich mal, Magnet ist für Leute, die sagen: “Mensch, Dominik, hier, ich habe eine bestimmte Idee, ich habe ein Thema, lass uns mal zusammensetzen.” Also ich würde mal so sagen, in der Woche sind es bestimmt so, ja, drei, vier, fünf Mails, Anrufe, die ich bekomme, wo Leute halt hingehen und sagen: “Mensch, Dominik, hast du nicht mal eine halbe Stunde Zeit, kannst du dir das mal anhören, angucken? Wie siehst du das, ist da ein Potenzial, ist da kein Potenzial?” Also das kommt schon relativ oft vor.

NORA HANSEN: Das ist ja interessant, dass du das dann selber so ein bisschen wie so ein Magnet eigentlich schon direkt anziehst und gar nicht unbedingt immer was selber dafür tun musst.

DOMINIK GROENEN Genau, also ich glaube, das ist letzten Endes auch das Interessante. Wenn man halt bestimmte Potenziale dann kennt, dass man sagt, okay, man kann dort halt auch dann einen bestimmten Support geben, man kann bestimmte Themen unterstützen. Man kann in bestimmte Themen auch investieren dann und ist letzten Endes dann so ein Stück weit auch ein Magnet und natürlich begleitet man diese Themen, aber letzten Endes ist es natürlich immer spannend, auch irgendwo die Erfahrung, die Expertise, die man selber gesammelt hat, dann weiterzugeben. Und das ist oft auch dann, so erlebe ich das halt, für Gründer oder für Leute, die sich halt irgendwie mit dem Thema Startup beschäftigen, wertvoll, weil sie halt Feedback bekommen von jemandem, der das halt schon ein paar Mal gemacht hat.

Stetig weiterlaufende Innovationsprozesse

NORA HANSEN: Ja. Und bei dir, wenn du jetzt dein Unternehmen hast und sagst, ihr müsst jetzt irgendwas verändern, trefft euch mit denen, die ihr angeschrieben habt, dazu, wer hat dann das Kommando? Bist sozusagen du der, der das Ganze Innovationsmäßige leitet oder macht das das ganze Team gemeinsam?

DOMINIK GROENEN Also letzten Endes, glaube ich, braucht das immer jemanden, der die Themen nach vorne treibt. Natürlich steht hinter allen Themen, die ich mache oder die wir hier auch machen, steht natürlich ein starkes Team, also alleine geht das nicht. Aber es ist so, dass ich schon merke/ Also ich bin so jemand, also ich arbeite nicht, bloß weil das für mich ein Job ist, sondern ich tue das, weil das für mich eine Leidenschaft ist. Und ich glaube, das ist halt der große Unterschied, und dass es für mich nicht entscheidend ist, ob man jetzt sich zwölf Stunden, 14 oder 16 Stunden am Tag mit bestimmten Themen beschäftigt. Wenn man mit Leidenschaft bei ist, dann zählt man halt überhaupt nicht diese Minuten oder Stunden. Und ich glaube, das ist halt das Entscheidende. Und ich probiere halt schon, die Themen hier intern bei uns auch so stark wie möglich nach vorne zu treiben und auch nicht diesen Zustand zuzulassen, sich zurückzulehnen. Also ich glaube, das ist halt wichtig, gerade in dem Bereich, in dem wir tätig sind, oder generell, wenn es um Innovation geht, dass man halt nicht diesen Stillstand hat. Sondern ich glaube, man muss rund um die Uhr/ Also Innovation oder auch, ja, also Innovation ist halt kein Thema, was ich irgendwie drei Tage im Jahr mache, sondern Innovation ist ein Thema, was ich im Grunde genommen integrieren muss in meinem Unternehmen. Und das im Grunde genommen 365 Tage im Jahr.

NORA HANSEN: Okay. Also denkst du, dass Unternehmen, die nur teilweise ab und an ein paar Mal im Jahr irgendwelche Innovations-Veranstaltungen machen, tendenziell eine eher schlechtere Zukunft haben können?

DOMINIK GROENEN Na ja, ich glaube, dass das viel alibi-mäßig ist. Ich glaube, dass es halt teilweise dann so ein Stück weit, na ja, wir haben es ja gemacht, wir haben jetzt irgendwie zwei Mal im Jahr unseren Innovations-Workshop, da machen wir ein paar Themen. Aber ich glaube, für diese Themen, es muss eine eigene Unit im Unternehmen geben, es muss Verantwortliche geben, die dieses Thema auch treiben. Ich glaube nicht, dass es reicht, dass man hingeht und sagt, man macht irgendwie zwei Innovations-Workshop und dann ist schön. Also es gibt ja die bekannte 72-Stunden-Regel, dass man hingeht und sagt, also nachdem ich einen bestimmten Workshop, ein Seminar oder was auch immer besucht habe, verfliegen im Grunde genommen die wahrgenommenen Eindrücke oder das, was ich gehört habe nach 72 Stunden. Und ich glaube, das ist im Grunde genommen auch das Schwierige, dass das halt bei Innovation muss das halt kontinuierlich nach vorne getrieben werden. Und ich glaube, es ist deswegen auch so wichtig, weil man sich damit halt auch sehr stark vom Wettbewerb damit abgrenzen kann. Letzten Endes, glaube ich, ist die Schwierigkeit, wenn ich mir heute die Landschaft von Firmen und Unternehmen angucke, dass die Menschen, die in diesen Unternehmen arbeiten, nicht die richtigen sind. Das heißt also, wenn ich mir heute ein Unternehmen, einen Konzern angucke, verwende ich immer gerne so die Aussage, dass ich sage: “Ihr müsstet eigentlich 50 Prozent der Leute rausschmeißen,/

NORA HANSEN: Oh je.

DOMINIK GROENEN /weil 50 Prozent der Leute das falsche Mindset haben.”

NORA HANSEN: Ja.

DOMINIK GROENEN Ja? “Also ihr braucht Leute, die/ Ihr braucht nicht die Leute, die hingehen und sagen, ist doch alles super und ist doch alles toll und wir haben das immer so gemacht, sondern ihr braucht die Leute, die wehtun. Ihr braucht die Leute, die kritisch sind, und ihr braucht die Leute, die im Grunde genommen genau den Finger in die Wunde legen.”

NORA HANSEN: Ja, ja, klar.

DOMINIK GROENEN Das wird viel zu selten gemacht, ja? Weil A) will man natürlich/ Also es ist ein Störfaktor, es ist ungemütlich, es tut auch mal weh.

NORA HANSEN: Ist unangenehm, auf jeden Fall.

DOMINIK GROENEN Aber genau das gehört da hin, ja? Und es gibt ja heute, wenn ich mir Firmen angucke oder auch große Unternehmen, dann gibt es halt oft die Situation, dass man sagt: “Na ja, hätten wir das mal ein bisschen eher gemacht”, ja? Und es gibt halt heute viele Unternehmen, die nicht mehr am Markt sind, wie vor vielen Jahren, wo es undenkbar war, dass diese Unternehmen vom Markt verschwinden. Und das wird in der Zukunft noch viel mehr der Fall sein. Und ich glaube, das ist im Grunde genommen das Wichtige, rund um die Uhr sich mit diesen Themen halt zu beschäftigen, rund um die Uhr an Produkten, an Services, an/ vor allen Dingen an den Kundenanforderungen zu arbeiten und Kunden halt besser zu verstehen. Ich glaube, dass viele Unternehmen komplett aufgehört haben Kunden zu fragen. Also wenn ich einige Produkte mir heute im Markt angucke, oder Services, da stelle ich mir einfach die Frage, ja, wann ist da letztmalig wirklich kritisch und auch in die Tiefe mal das Kunden-Feedback einbezogen worden?

NORA HANSEN: Ja, ja, klar, die Unternehmen, die da nicht dran arbeiten, da ist die Gefahr groß, dass die irgendwann eingestampft werden.

DOMINIK GROENEN Ja, absolut.

Kultur und Innovation – Deutschland vs. USA 

NORA HANSEN: Du hast ja gesagt, du hast auch nicht nur in Deutschland zu tun, habe ich das richtig verstanden?

DOMINIK GROENEN Ja, ja.

NORA HANSEN: Genau. Hast du irgendwie einen Vergleich, dass du sagst, Innovation funktioniert in anderen Ländern besser als in Deutschland? Hängt Deutschland hinterher oder ist Deutschland mittelmäßig dabei oder wie sieht es da aus?

DOMINIK GROENEN Ich glaube, wenn ich mir mal das ganze Thema Kultur angucke und da nehme ich immer gerne so das Beispiel die Kultur eines Startups gegenüber der Kultur eines etablierten Unternehmens, eines Konzerns, und da vielleicht auch so ein Stück weit in dem Denken wie USA, es ist letzten Endes so, dass wenn ich hier in Deutschland gründe, und das ist ja letzten Endes auch so ein Stück weit wie, sage ich mal, Gefahr, die von außen oft junge Gründer trifft, dass man hingeht und sagt: “Hast du dir das auch gut überlegt?”

NORA HANSEN: Ja.

DOMINIK GROENEN Ja? Also du willst deine Firma gründen, du willst deinen Job kündigen, also in der Regel wird man für geisteskrank erklärt, wenn man das machen will, ja, weil die sagen: “Mensch, du hast doch einen ganz tollen Job/

NORA HANSEN: So viel Sicherheit wie möglich.

DOMINIK GROENEN /bleib doch da drin” und “Ist doch alles super”, ja? Also ich weiß, wenn ich an meine Schwiegermutter denke, die im Grunde genommen hingegangen ist und gesagt: “Mensch, Dominik, also das ist natürlich auch ein Risiko. Und du musst dich privat krankenversichern und so was.” Also es gibt halt viele, viele Vorstellungen, die dazu führen, dass Leute Angst davor haben, sich selbstständig zu machen, ja? Und weil sie die gewisse Unsicherheit spüren. Und ich glaube, das ist halt anders in den USA, weil man einfach hingeht und sagt, dort ist der Trend ein anderer und selbst wenn man mal scheitert, dann ist das total okay, aber in Deutschland ist es halt immer, und das kriegen wir ja eigentlich auch von Kind auf beziehungsweise schon in der Schule mitgeteilt, dass Scheitern oder Fehler schlecht sind. Und jetzt trifft auf einmal eine Kultur aufeinander, wo Scheitern gefordert ist, ja? Und das ist im Grunde genommen genau diese Umgebung Startup und dieses Ökosystem Startup, wo man hingeht und sagt, es ist gewollt, dass man scheitert, es ist gewollt, dass man im Grunde genommen auch Fehler macht und besser ihr macht die Fehler früh als zu spät. Also Fail fast ist bei uns zum Beispiel intern total wichtig. Also ich möchte, dass Leute Fehler machen, ich möchte aber, dass die Leute die Fehler schnell machen und nicht so spät, ja? Weil wenn sie die Fehler schnell machen, dann sind sie günstiger, als wenn sie die Fehler nach einem Jahr oder zwei Jahren machen.

NORA HANSEN: Das stimmt.

DOMINIK GROENEN Und das ist, ja, das ist halt so, wenn man hingeht und sagt: “Okay, ich habe mal ein Startup gegründet und das ist irgendwie pleite gegangen oder Insolvenz oder so was”, dann ist das oft so, dass die Leute da total erschrocken sind. Aber wenn ich jetzt einfach mal die USA sehe, da wird einem eher auf die Schulter geklopft und wird gesagt: “Mensch, super, cool, was hast du denn gelernt daraus? Ja, was machst du denn als nächstes?” Also ich habe sehr, sehr viele Gespräche in den USA schon geführt, auch mit Gründern, die auch, wo nicht mehr alles super gelaufen ist, aber wo halt man völlig anders damit umgeht, ja? Und die sagen: “Ey, was machst du jetzt?” Ja? Also okay, deine Company, die hat irgendwie nicht funktioniert, die ist irgendwie, ja, hat sich einfach nicht durchgesetzt am Markt, aber was machst du jetzt? Ja? So, und ich glaube, das ist halt das Interessante, sich mit den Learnings, sich mit den Erfahrungen zu beschäftigen. Natürlich sollte oder natürlich darf man diese Fehler nur einmal machen, aber ich glaube, das ist das wirklich Spannende. Also was hast du gelernt aus einer Situation, die sehr negativ war? Und wenn ich damit halt smart umgehe, dann kann ich da super-viel draus rausziehen und super-viel für mich im Grunde genommen auch gewinnen, was ich halt im Grunde genommen in der nächsten Company wieder besser machen kann, ja? Also ich weiß, die erste Company, die ich gegründet habe, die ist kläglich gescheitert, ja?

NORA HANSEN: Oh je.

DOMINIK GROENEN Ja? Also wir haben im Grunde genommen die Company nach anderthalb Jahren haben wir die wieder geschlossen, weil wir gesagt haben, also es funktioniert einfach nicht mehr. Also wir haben einfach da Fehler gemacht und so haben die Fehler dann im Grunde genommen beim zweiten Mal nicht mehr gemacht und auf einmal hat sich so eine Company ganz anders entwickelt. Und ich glaube, das ist halt auch etwas, was in Deutschland grundsätzlich nicht üblich ist. Offen über sein Scheitern, offen über Themen auch zu sprechen, die schief gelaufen sind. Weil das immer noch so Themen sind, wo man sagt: “Na ja, okay, die müssen wir lieber hinter dem zuhen Vorhang halten” und ich glaube, das ist halt wichtig, auch die Möglichkeit zu haben, offen darüber zu sprechen und auch zu sagen: “Ey, ich habe was probiert, das hat aber nicht funktioniert, und jetzt probiere ich halt was anderes.”

NORA HANSEN: Ja, da schämt man sich momentan eigentlich eher noch für, als dass man dann stolz drauf ist, was man trotzdem geschafft hat und draus gelernt hat.

DOMINIK GROENEN Genau, und ich glaube, das ist halt das Schlimme und ich glaube, das sollte halt anders sein. Und es gibt da ja auch schon bestimmte Formate, wenn ich mal an diese Fuck-up Nights denke, wo man hingeht und sagt, also da wird ganz offen drüber gesprochen. Ich glaube, das müsste nur viel mehr sein und man darf halt auch nicht den Fehler machen zu signalisieren, dass Fehler schlecht sind. Und wenn ich jetzt an die Schule denke, ja, da gibt es immer nur den Rotstift und Rot ist immer Fehler und Rot ist immer schlecht. Es gibt aber nicht den grünen Stift, der, wo man dann hingeht und sagt: “Ey, alles das hast du richtig gemacht.” Ja? So, und ich glaube, das ist halt auch wieder eine Frage der Einstellung, des Mindsets, und ich denke, das ist halt etwas, was die Startup-Szene auch sehr, sehr stark von der Konzern-Welt unterscheidet.

NORA HANSEN: Ja. Wie du gerade gesagt hast, das ist ganz klar ein Mindset-Ding. Also da muss auch, denke ich, noch viel passieren, damit das Ganze in Deutschland sich vielleicht noch ein bisschen mehr ankurbelt und sich mehr Leute vor allen Dingen auch trauen. Es gibt ja einige Leute, die vielleicht eine Idee hätten, sich aber aufgrund verschiedener Umstände gar nicht trauen.

Innovation als eine Modeerscheinung 

DOMINIK GROENEN Ja, absolut.

NORA HANSEN: Denkst du persönlich, dass Innovation, dadurch dass die Zeit heute so schnelllebig ist, wichtiger geworden ist? Also man stellt ja schon fest, dass Innovation irgendwie so eine Art Modewort ist. Klar, Innovation gibt es schon immer, allein das Feuer entdecken ist ja irgendwo auch eine Art von Innovation vor vielen, vielen, vielen Jahren gewesen, aber man hatte das früher ja oft so: “Gut, ich habe jetzt Schuster gelernt, ich bleibe mein Leben lang Schuster, mein Unternehmen oder meine kleine Werkstatt läuft, da muss ich nicht viel dran verändern.” Aber das ist heute ja anders. Woran liegt das?

DOMINIK GROENEN Also ich glaube, dass das halt gerade so in den letzten, ich würde mal so sagen, zwei, drei Jahren richtig Mode geworden ist. Jeder gönnt sich irgendeine Innovations-Abteilung. Jeder gönnt sich einen Chief Digital Officer. Also das ist im Grunde genommen einfach Mode, ja, so. Die Frage ist natürlich immer, auch da wieder beim Mindset, und da gibt es halt sehr, sehr viele Beispiele, welche Mitarbeiter werden genau in diese Teams gesteckt? In der Regel gibt es oft die Vorstellung, dass ich jemanden, der vorher, ich sage mal einfach, im Marketing war, den mache ich jetzt auf einmal zum Chief Innovation Officer und auf einmal sind wir alle innovativ und digital, weil wir jetzt ein MacBook, eine Apple Watch und ein iPhone haben, ja? So, und das ist ja ein Stück der Wahrheit, ja? Und ich glaube, das funktioniert halt nicht. Ich glaube, das müssen halt Leute mit einem anderen Mindset da rein. Natürlich muss in so einem Team auch/ müssen Leute und die gibt es ja auch in den Unternehmen, die innovativ sind und die auch letzten Endes ein richtiges Mindset haben, aber die müssen im Grunde genommen zusammengebracht werden mit Leuten von außen. Ich glaube, das ist halt das Wichtige. Und ich glaube, aktuell ist es halt so eine Mode, dass jeder irgendwo sich auch mit diesen Ideen beschäftigen möchte. Es ist natürlich auch vom Image her super, ja, wenn man hier jetzt so sagt: “Hier, wir haben eine Innovation-Abteilung, wir haben einen Chief Innovation Officer, die sich mit den Themen beschäftigen.” Das macht natürlich auch eine gewisse Attraktivität, aber die Frage ist natürlich immer, wie viel steckt dahinter? Ja? Also ich behaupte einfach mal, dass viele Themen gemacht werden, ohne wirklich auch, ja, oft eine richtige Strategie zu haben. Also wenn ich erlebe, wie viele Unternehmen sogenannte Pilgerreisen wirklich schon ins Silicon Valley machen oder nach Berlin. Ich war gerade heute Morgen bei einer Firma, die gesagt haben: “Mensch, Herr Groenen, ich war im letzten Jahr in Berlin und das war ja so toll und dann haben wir uns da ein paar Startups angeguckt und/ Also das ist ja wirklich super.” So, und das ist dann im ersten Moment auch super, ja, also man muss sich das so ein Stück weit wie einen Zoo vorstellen.

NORA HANSEN: Oh Gott.

DOMINIK GROENEN Ich habe das selber schon unzählige Male erlebt, ja. Aber wirklich, wo man also/ Es gibt teilweise wirklich Reise-Agenturen, die solche Startup-Touren organisieren, ja? Und dann muss man sich das so vorstellen, dass dann die netten Herrschaften in Anzug und Krawatte kommen, bei dem Startup durchgeführt werden und dann können sie sich das im Grunde genommen alles angucken, ja? So, und spätestens da greift wieder die 72-Stunden-Regel, denn wenn die wieder in ihren Alltag kommen und wenn die wieder zurück im Konzern sind, stellen sie dann am Ende des Tages fest, dass viele Dinge so gar nicht umsetzbar sind oder abbildbar, ja? Und ich glaube, das ist halt so ein Stück weit die Situation, die wir halt heute auch bei vielen Unternehmen missen.

NORA HANSEN: Da muss ich sagen, das ist mir echt neu. Das kannte ich auch noch nicht. Das klingt fast ein bisschen absurd eigentlich.

DOMINIK GROENEN Ja. Ja. Aber das ist so. Also es war mal so lustig. Es gibt in Berlin die Factory, ich weiß nicht, ob du die kennst, und ich war an diesem Tag in der Factory, und auf einmal sind da sechs, sieben, acht Limousinen vorgefahren. Das waren dann halt alles/

NORA HANSEN: Äh, was?

DOMINIK GROENEN /Vorstände von weitem, die dort einen Innovations-Workshop hatten. Und die haben sich dann dort eingemietet, ja? So, und dann sind im Grunde die ganzen Gründer sind irgendwie mit ihrem E-Scooter gekommen oder mit ihrem Fahrrad oder mit DriveNow, Car2Go, und dann sind im Grunde genommen die Limousinen der Vorstände vorgefahren, die dann halt Anzug, Krawatte, Manschettenknöpfe da ausgestiegen sind. Also das, glaube ich, ist/ Deswegen sage ich Zoo, weil das halt wirklich schon so ein Stück weit sich so anfühlt, das/

NORA HANSEN: Ja, so wie du das beschreibst, klingt das echt danach. Und vor allen Dingen, das ist ja dann wieder dieser klassische Fall, da wird versucht, Innovation irgendwie zwanghaft herbeizuführen und nicht, dass Innovation schon längst ein Teil des Unternehmens geworden ist und ganz von alleine eigentlich passiert.

DOMINIK GROENEN Ja, absolut.

NORA HANSEN: Denkst du, man kann das irgendwie vermeiden, dass es diesen Zoo-Effekt und dieses Gezwungene gibt oder muss man dieses Gezwungene irgendwann mal durchleben, damit das Unternehmen überhaupt generell innovativ werden kann?

DOMINIK GROENEN Also generell ist es ja positiv, wenn sich Unternehmen und Firmen damit beschäftigen und wenn die nach links und rechts gucken, und wenn die auch den Kontakt in die Startup-Szene oder in diese Digital-Welt suchen, dann ist das ja grundsätzlich erstmal positiv. Ich glaube aber einfach, dass dieses Bild, ja, also acht Limousinen fahren vor die Factory in Berlin, dass das einfach das Falsche ist. Ja, also das ist einfach das Falsche und ich glaube einfach, dass man dann probieren muss, bestimmte Talente zu gewinnen, die vielleicht aus der Szene kommen, die die Szene sehr gut kennen und die dann im Unternehmen auch helfen im Grunde genommen diesen Switch zu schaffen und diesen Transformationsprozess. Letzten Endes komme ich nochmal zu dem Punkt, dass ich sage, es ist, glaube ich, oft alibi-mäßig, ja, dass man irgendwie jetzt so sagt: “Na ja, okay, wir machen da was, und wir waren da und da und wir haben jetzt auch eine Digital Unit oder eine digitale Einheit. Das sind Leute, die kümmern sich um die Themen.” Einfach weil man gegenüber vielleicht auch Wettbewerbern oder, ja, weiteren Marktteilnehmern nicht dastehen will als das im Grunde genommen, ja, man da nichts macht, ja? Also ich glaube, dass das halt oft auch so alibi-mäßig auch gemacht wird.

NORA HANSEN: Ja, klingt ja alles auch ganz cool. Innovationszentrum, Innovation Lab sonst was.

DOMINIK GROENEN Total, ist so. Ist so. Ja.

NORA HANSEN: Also wir haben jetzt festgestellt, es kommt ganz arg drauf an, dass man die Innovation integriert und nicht obenauf setzt, vor allen Dingen dass man neue Köpfe sich vielleicht ins Unternehmen holt. Möglichst sich nicht auf dem Alten ausruht und auch mal was Neues wagt und am eigenen Mindset arbeitet.

DOMINIK GROENEN Ja. Und vor allen Dingen, ich glaube, was halt wichtig ist, dass es direkt oben aufgehängt ist, also dass das halt eine Sache ist, die direkt von dem Vorstand oder auch vom Management getrieben wird und auch angestoßen wird. Alles andere, glaube ich, ist sehr schwierig. Also es muss halt ein Management immer geben, dass es gut aufzieht und der dann halt diese Themen auch nach vorne treibt und der vor allen Dingen auch die, ich sage mal, die, ja, Awareness irgendwo schafft, dass das, was man da tut, auch letzten Endes Geld kostet, ja? Also es ist halt so, dass ich immer wieder merke, wenn es um das Thema Innovation, wenn es um das Thema Transformation geht, dass viele überhaupt gar kein Vorstellung davon haben, dass da halt auch bestimmte Budgets und bestimmte Spendings mit verbunden sind. Und ich glaube, das ist halt auch nochmal ein Thema, dass es heute halt so ist, dass ich halt keinen Entwickler irgendwie für 2.000 Euro im Monat finde, ja? So, das sind halt alles Themen, die bei vielen vielleicht noch nicht so angekommen sind.

NORA HANSEN: Ja, ist klar. Und vor allen Dingen würde ich sagen, darf Innovation nicht nur so ein ganz kleiner Nebenzweig des Unternehmens sein/

DOMINIK GROENEN Nein.

NORA HANSEN: /sondern muss eben wirklich aktiv und fest dabei sein.

DOMINIK GROENEN Ja, absolut. Korrekt, also fest verankert und es muss halt/ Es kann halt nicht irgendwie im Marketing aufgesetzt sein, sondern es muss für sich im Grunde genommen eine eigenständige Einheit sein, die im Grunde genommen sich genau mit dem Thema beschäftigt.

NORA HANSEN: Ja. Da habe ich schon wieder mal eine andere Sichtweise, es ist so spannend, was mir die Leute alles kleine Unterschiedlichkeiten, aber teilweise auch wirklich ganz andere Einstellung zu den Themen haben. Also da nehme ich selber auch immer total viel draus mit und kann mir mit der Zeit irgendwann so meine eigene Meinung bilden, total cool.

DOMINIK GROENEN Ja, cool.

NORA HANSEN: Ach ja, ich danke dir, dass du dir diese lange Zeit für mich genommen hast und für unsere Hörer.

DOMINIK GROENEN Gerne. Gerne.

NORA HANSEN: Oh, das war echt klasse, was du da alles mit reingebracht hast und ganz viele spannende Themen. Vielen, vielen Dank.

DOMINIK GROENEN Ja, super. Gerne.

NORA HANSEN: Dann verabschiede ich mich von dir. Und/

DOMINIK GROENEN Super, alles klar.

NORA HANSEN: /wünsche dir einen schönen Tag.

DOMINIK GROENEN Ja, ich dir auch. Danke für die Zeit. Tschüss.

NORA HANSEN: Gerne. Ciao.

NORA HANSEN: (Musik) Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.