Der Innovation Ecosystem Canvas mit Gedi Deckers von Gründerschiff (S01EP17)

Nora Sophia Hansen

Der Innovation Ecosystem Canvas mit Gedi Deckers von Gründerschiff (S01EP17)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Der Innovation Ecosystem Canvas – ein Tool zur Abbildung des Innovationsmanagements im eigenen Unternehmen, heute vorgestellt von Gedi Deckers. Diese Matrix ermöglicht einen Überblick über den Ist-Stand und verrät bei genauer Betrachtung und Analyse vieles über die Innovationsfähigkeit des Unternehmens und die Stellen, an denen noch Verbesserungsbedarf besteht. Die Arbeit mit dem Innovation Ecosystem Canvas dient als Grundlage für den Auf- und Ausbau eines funktionierenden Innovationsmanagements.

Lernen Sie neben den Vorteilen und der Arbeitsweise mit dem Canvas welche Schritte auf dem Weg zur Innovation von grundlegender Bedeutung sind. Für jedes Feld des Canvas, das wir uns anschauen, nennt Gedi Beispiele und Ideen zur Umsetzung.

Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

Unser Extra für Sie: Durch stetige Geschäftsmodellinnovation sichern Sie sich Wettbewerbsvorteile und nutzen Trends voll aus. Damit wächst Ihr Unternehmen gesund. Wenn Sie regelmäßig erfolgreich im Unternehmen Innovationen auf den Markt bringen möchten, hilft Ihnen unser Innovation Ecosystem Canvas. Mit dem kostenlosen Innovation Ecosystem Canvas bilden Sie zügig ab, wie es um das Innovationsmanagement in Ihrem Unternehmen bestellt ist, wo Sie bereits gut sind und wo es Lücken zu schließen gibt. Laden Sie den Canvas hier herunter.

Vollständiges Transkript 

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Hallo. Ich freue mich heute, euch Gedi Deckers vorstellen zu dürfen. Sie ist Innovations- und Gründungsberaterin bei Gründerschiff. Und damit meine Kollegin. Die heutige Folge wird sich rund um den Innovation Ecosystem Canvas drehen. Was das genau ist, das erklärt Gedi euch gleich. Aber erstmal: Hallo Gedi.

Gedi Deckers: Hallo. 

Nora Hansen: Schön, dass du da bist.

Gedi Deckers: Ja, freut mich auch.

Nora Hansen: Auch, wenn ich weiß, dass das vermutlich nicht so ganz dein Ding ist, weil du normalerweise ganz andere Sachen tust. Aber ich finde es immer sehr spannend, wie unterschiedliche Leute hier sitzen. 

Gedi Deckers: Ja, ich bin gespannt.

Gedis Reise vom eigenen kleinen Unternehmen zum Gründerschiff

Nora Hansen: Okay. Dann lege doch mal ganz kurz los zu dir. Du bist bei Gründerschiff.

Gedi Deckers: Genau. Ich bin seit ein paar Monaten bei Gründerschiff. Habe vorher selber ein eigenes, kleines Unternehmen gegründet. Und das zwei Jahre lang geleitet. Und bin jetzt eben hier, um so ein bisschen meine Erfahrung, was Gründen und so weiter angeht, mit einspielen zu lassen.

Nora Hansen: Okay. Das klingt ziemlich cool. Und hast du tatsächlich auch irgendetwas in die Richtung studiert? Oder hast du dir selber das Wissen dazu angeeignet durch deine eigene Gründung?

Gedi Deckers: Nein. Ich habe einen Studiengang studiert, der heißt Management sozialer Innovationen in München. Und da ging es schon viel auch um das Thema Entrepreneurship, um Innovationsmanagement und so weiter. Insofern sollte das inhaltlich doch einigermaßen zu dem passen, was wir hier machen. 

Nora Hansen: Okay, gut. Und was genau machst du bei Gründerschiff? Ich habe dich jetzt zwar als Innovations- und Gründungsberaterin betitelt: Aber was sind die Teile deines Jobs? Was machst du?

Gedi Deckers: Also wir arbeiten ja zum einen eben mit Gründenden zusammen. Also Leuten, die sich selbstständig machen möchten. Da unterstützen wir an ganz unterschiedlichen Stellen im Gründungsprozess. Sei das, wenn jemand nach Finanzierung sucht, dass wir dabei unterstützen. Sei das Unterstützung bei dem Prozess, einen Businessplan zu schreiben. Sei das auf der Suche nach dem richtigen Geschäftsmodell. Also da gibt es ganz viele verschiedene Ecken und Enden, an denen wir damit unter die Arme greifen. Dann gibt es einen zweiten Baustein, das ist eben die Arbeit mit Unternehmen. Auch etablierten Unternehmen. Wo es eher so um den Bereich Innovationsmanagement geht. Also, dass man da eben einfach zum einen den Innovationsprozess, den Unternehmen haben, untersucht, ob das soweit auch alles passt und dahinführt, wo es eben hinführen soll. Also da unterstützen wir Unternehmen einfach dabei. Und auch grundsätzlich so etwas überhaupt neu aufzubauen. Das ist, glaube ich, auch der Grund, weshalb wir heute sprechen. Und der dritte Baustein ist, dass wir mit Kommunen zusammenarbeiten und diese dabei unterstützen, wie sie vor Ort ein gründungsfreundliches Klima schaffen können. Also das heißt, für Gründenden, die in den einzelnen Kommunen ansässig sind. Sei es Veranstaltungen zu etablieren, Einrichtungen zu etablieren für Startups und so weiter. Also da sind wir mit vielen Kommunen in der Zusammenarbeit.

Business Model Canvas und Innovation Ecosystem Canvas – Beide bilden sie das Geschäftsmodell ab, aber jeweils auf ihre eigene Art und Weise 

Nora Hansen: Ja, das sind ja doch relativ unterschiedliche Themen, sehr spannend. Aber, wie eben erwähnt, heute geht es uns um die Innovation und um die Unternehmen. Jetzt habe ich eben vom Innovation Ecosystem Canvas gesprochen. Aber Canvas ist vermutlich vielen ein Begriff. Aber wie unterscheidet sich das jetzt von dem Regulären, das man so kennt? Und was ist das überhaupt?

Gedi Deckers: Also den, den du eben schon so im Hinterkopf hattest, wahrscheinlich ist der Business Model Canvas von Osterwalder. Das ist ja so sehr etabliert. Damit arbeiten sehr viele auf der Suche nach ihrem Geschäftsmodell. Oder auch um das Geschäftsmodell zu erweitern. Und wir haben quasi auf dieser Grundlage oder ich sage mal mit dem grundsätzlichen Mindset dieses Business Model Canvas haben wir einen neuen Canvas entwickelt, der es ermöglicht, dass man sein eigenes Innovationsmanagement oder den Umgang mit Innovation im Unternehmen untersucht, um herauszufinden an welchen Stellen das Ganze (humpelt? 00:04:22), die man eben noch ausbauen kann. Wo man eben noch zusätzlich aktiv werden muss, damit das Ganze eben tatsächlich gut funktioniert.

Nora Hansen: Das heißt, mit dem Canvas, von dem du jetzt sprichst, das so ein bisschen aufzubauen? Kann man das so unterscheiden?

Gedi Deckers: Ja. Also das Standard-Canvas ist grundsätzlich dazu da, das Geschäftsmodell abzubilden. Und nichts Anderes tut unser Canvas. Also der bildet auch ab: Wie steht es um Innovation im Unternehmen? Aber eben nicht mit dem Fokus zunächst auf das Geschäftsmodell, sondern einfach grundsätzlich auf das Thema Innovation. Der normale Business Model Canvas schafft eben auch die Möglichkeit, da gleich kreativ dran zu arbeiten. Uns geht es jetzt erst einmal um so eine Bestandsaufnahme, die dann Grundlage ist für kreatives Arbeiten.

Der Innovation Ecosystem Canvas als Tool um die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens zu messen 

Nora Hansen: Okay. Super. Ja, gut, ich glaube, jetzt versteht man den Unterschied ein bisschen besser. Aber jetzt würde mich doch mal interessieren: Wie kamst du auf die Idee, so etwas zu entwickeln? Also man steht ja jetzt nicht morgens auf und denkt sich so: Ich brauche jetzt einen neuen Canvas.

Gedi Deckers: Ja. Also die ist in Arbeit entstanden hier bei Gründerschiff, wo wir uns einfach immer wieder die Frage stellen: An was liegt es eigentlich, ob ein Unternehmen tatsächlich innovationsfähig ist oder nicht? Ja, wenn man da immer wieder in verschiedene Unternehmen reinschaut und mit Unternehmen zusammenarbeitet, dann stellt man fest: Es gibt eben verschiedene. Davon ist es abhängig, ob ein Unternehmen innovativ ist oder eben nicht. Und das war so die Idee, dass man eben da eine Hilfestellung entwickelt, die es Unternehmen zum einen eigenständig, aber auch mit externer Unterstützung ermöglicht, das bei sich zu untersuchen: Wie steht es eigentlich um das Thema Innovation bei uns? Wie können wir uns da weiterentwickeln? Weil es gibt nicht wenige Unternehmen, bei denen es da eben nicht so ganz funktioniert. Weil die Kunst an so Innovationsprozessen und so weiter, natürlich auch ist, dass man auf der einen Seite dem Ganzen eine Struktur geben muss und will. Auf der anderen Seite ja trotzdem genügend Raum, Offenheit, Flexibilität für Querdenken, für kreatives Denken und so weiter dableiben muss. Und das ist eben, je nach Größe des Unternehmens, vor allem oft dann schwierig.

Nora Hansen: Ja, ich denke auch, dass das ganz schwierig ist, wenn ganz viele kreative Ideen aufeinandertreffen, aber niemand so Struktur reinbringt. Oder man einfach das tatsächlich mal niederschreibt und das alles bündelt und vielleicht auch Probleme herausfindet. Also ich denke, es kommen viele nicht so auf die kleinen Probleme, wenn man sich mit so etwas nicht ganz intensiv auseinandersetzt.

Gedi Deckers: Ja.

Nora Hansen: Okay, sehr spannend. Und jetzt habe ich gerade mal vorweg noch einen Tipp an euch Zuhörer. Und zwar, wir haben jetzt hier beide natürlich unseren Canvas vor uns liegen. Aber da wir gleich die einzelnen Felder besprechen werden und so bisschen darauf eingehen, wie man damit arbeitet und wie der Aufbau ist, würde ich euch tatsächlich empfehlen, parallel auf die Gründerschiff-Website zu gehen. Da haben wir bei den Headern das Feld Unternehmen. Und da könnt ihr euch den Innovation Ecosystem Canvas angucken und auch herunterladen. Und dann kann man so ein bisschen besser mitkommen bei der Podcast-Folge. Ich denke, das wäre ziemlich cool für euch. So viel dazu. Dann fangen wir doch mal an. Das Innovation Ecosystem Canvas ist im Prinzip wie eine Art Tabelle oder wie würdest du das beschreiben?

So arbeitet man mit dem Innovation Ecosystem Canvas

Gedi Deckers: Ja, ich würde sagen, das ist eine Matrix. Und die hat insgesamt 16 Felder. Das heißt, wir haben auf der Horizontalen eben vier Felder und senkrecht auch vier Felder. Und diese einzelnen Felder sollten eben eine bestimmte Funktion in diesem ganzen Innovationsökosystem ausüben. Wenn diese Funktion nicht ausgefüllt wird an der ein oder anderen Stelle richtig, dann ist das genau der Punkt, an dem man eben einhaken kann und da eben noch etwas verändern kann.

Nora Hansen: Das heißt, wir haben die Felder. Man trägt in alle etwas ein. Was genau, besprechen wir gleich. Und wenn man feststellt, in einem steht etwas, was einen noch nicht so weiterbringt oder so, dann arbeitet man vermutlich an dem Punkt.

Gedi Deckers: Genau. Erstmal geht es darum, dass wir erstmal alles erfassen, was wir so haben und was uns zu diesem Thema einfällt. Am besten ist es eigentlich, wenn man sich den Canvas entweder groß ausdruckt oder ihn überträgt auf ein Flipchart oder auf ein Whiteboard oder ähnliches. Und wenn man dann mit Post-its oder ähnlichem arbeitet, damit man eben auch da die Flexibilität hat, die einzelnen Dinge nochmal zu verschieben und zu ändern. Grundsätzlich noch ist es natürlich sinnvoll, so etwas im Team zu machen. Wenn man das alleine macht, da hat man schon auch vielleicht einen gewissen Einblick oder man kann auch ein bisschen etwas rausfinden. Aber ich denke im Team kommt man da durchaus noch auf ganz andere Ergebnisse. Und dann sollte es vielleicht auch einen geben, der das Ganze so ein bisschen moderiert.

Nora Hansen: Genau. Das wollte ich auch gerade vorschlagen.

Von links nach recht und von unten nach oben – So wird der IEC ausgefüllt

Gedi Deckers: Wir starten bei der untersten Ebene und immer von links nach rechts. So, wie wir das ja auch gewohnt sind beim Schreiben und Lesen. Und wir haben eben vier Ebenen. Die unterste Ebene nennen wir Basis. Also das ist quasi so das, was das Unternehmen ausmacht. Dann gibt es die zweite Ebene, das ist die Werkzeugebene. Also sprich, da geht es um die Ressourcen, die ein Unternehmen hat zum Thema Innovation. Und die dritte Ebene ist die Umsetzungsebene. Also da geht es dann ganz konkret darum: Wie wird was umgesetzt? Wer ist wofür zuständig? Und so weiter. Und ganz oben die vierte Ebene ist die Kommunikationsebene. 

Nora Hansen: Das heißt, es ist ganz wichtig, dass man tatsächlich von unten anfängt und das so ein bisschen aufeinander aufbaut? Oder kann man auch die Felder so ein bisschen durcheinander ausfüllen, wenn man bei einem noch keine Lösung gefunden hat gerade für das Feld oder noch nicht genau weiß, was man da reinschreiben will?

Gedi Deckers: Ja, klar. Ich glaube, man sollte das einfach grundsätzlich so als Rahmen nehmen. Aber natürlich darf man da ausfüllen wie man möchte. Wir gehen eben, wenn wir das ausfüllen, immer von unten links nach oben rechts. Aber man kann natürlich auch zwischen drin mal was freilassen, wenn einem da jetzt gerade nicht die passende Sache dazu einfällt.

Nora Hansen: Jetzt habe ich ganz vorneweg noch eine generelle Frage dazu, bevor wir ins Detail gehen. Und zwar haben wir gerade gesagt, dass man anhand dieses Canvas nachher herausfinde, wo vielleicht noch kleine Schwierigkeiten sind. Aber woher weiß man, was die optimale Antwort für ein so ein Feld wäre? Woher weiß ich jetzt: Ah, das ist vielleicht noch nicht ganz passend? Und vielleicht sollte ich in die und die Richtung streben? Gibt es da eine richtige Lösung sozusagen?

Gedi Deckers: Ja, gute Frage. Dazu haben wir uns natürlich auch Gedanken gemacht. Und gerade in diesem Download Package, was du angesprochen hast, gibt es auch noch eine ausgefüllte Version. Also da ist kein Beispiel drin, sondern da ist eine Beschreibung drin. Das heißt, wir haben beschrieben, was die Funktion der einzelnen Felder im besten Fall sein sollten. Sprich, wenn man das Ganze ausgefüllt hat, kann man am Ende da so ein bisschen einen Abgleich machen. Und kann dann damit eigentlich relativ schnell herausfinden: Okay, passt das jetzt, was da bei mir drinsteht? Oder ist es eben vielleicht an der ein oder anderen Stelle noch zu wenig? Oder könnte ich da vielleicht noch irgendwie anders aktiv werden?

Nora Hansen: Und um den nachher zu bearbeiten, braucht man dich oder kann man das alleine tun?

Gedi Deckers: Ja, ich will mal sagen, grundsätzlich kann man natürlich selber versuchen, sein Innovationsmanagement weiterzuentwickeln. Und wenn man Unterstützung von Externen gerne dazu haben möchte, dann stehen wir natürlich Gewehr bei Fuß. Aber das ist jedem selber überlassen.

Nora Hansen: Ja, gut. Okay. Also bei Bedarf ja und vielleicht kriegt man es auch alleine hin. Aber werden wir sehen. Ich finde das Ganze dann doch recht ausführlich. 

Gedi Deckers: Genau. Also ich denke, ganz grundsätzlich lohnt es sich natürlich auch immer, so ein bisschen ein Blick von außen zu bekommen, weil man dann doch natürlich irgendwie so eine bestimmte Brille aufhat. Und weil man gewisse Dinge einfach, wenn man intern auf die Dinge schaut, vielleicht gar nicht unbedingt sieht. Also so das Thema blinde Flecken.

Nora Hansen: Rosarote Brille und so etwas.

Gedi Deckers: Nichtsdestotrotz wollen wir damit eben auch so ein bisschen ein Tool an die Hand geben, mit dem man schon mal erstmal selber starten kann.

Nora Hansen: So ein bisschen Vorarbeit leisten. Ja, das ist vielleicht sogar echt ganz sinnvoll. Haben wir die generellen Sachen abgearbeitet oder fehlt dir noch ein wichtiger Punkt?

Gedi Deckers: Ich glaube, wir können starten.

Nora Hansen: Okay, dann starten wir bei der Basis unten links.

Expertise – Die “Basis der Basis”

Gedi Deckers: Genau. Also wir haben unten links das Feld Expertise. Sprich, da geht es so ein bisschen darum: Was sind eigentlich die Stärken von meinem Unternehmen? Was ist vielleicht auch die Expertise im Team? Also wen habe ich da so? Was sind ganz grundsätzlich die Dinge, die wir als Unternehmen tun? Weil wenn es um das Thema Innovation geht, ist es natürlich am besten, man packt das an, was man am besten kann und versucht daraus etwas zu machen.

Nora Hansen: Ja. Also im Prinzip ist die Expertise sozusagen die Basis der Basis.

Gedi Deckers: Richtig, genau. Was natürlich auch noch eine wichtige Grundüberlegung ist, ist das Thema Motivation. Also das ist das zweite Feld dann in der ersten Reihe. Da geht es darum: Was ist eigentlich meine Motivation, mich mit dem Thema Innovation zu beschäftigen?

Nora Hansen: Was könnte das sein?

Gedi Deckers: Also zum Beispiel könnte es sein: Ich möchte Kundenbedürfnisse besser befriedigen. Das könnte eine Motivation sein. Es könnte aber sein, wenn es um interne Geschichte geht: Ich möchte, dass meine Mitarbeiter zufriedener sind. Das kann alles Mögliche sein. Nur man sollte sich vielleicht so ein bisschen darüber im Klaren sein: Was ist jetzt eigentlich die Motivation? Es kann auch sein: Ich möchte Marktführer in einem Bereich werden und deshalb beschäftige ich mich mit dem Thema Innovation. Also da gibt es ganz unterschiedliche Ansätze. Und schadet aber nicht, sich vorher Gedanken zu machen.

Nora Hansen: Okay. Was folgt auf die Motivation?

Vision – Die Richtung, die das Unternehmen einschlägt 

Gedi Deckers: Dann folgt das Feld Vision. Ist, denke ich, auch ein ganz wichtiger, grundsätzlicher Baustein eines Unternehmens. So ganz grundsätzlich die langfristige Vision: Wo wollen wir uns als Unternehmen hin entwickeln? Was wollen wir eigentlich am Markt anbieten? Und das ist ebenso ein bisschen die Stoßrichtung dann auch, in welche Richtung Innovation gehen in diesem Unternehmen.

Nora Hansen: Das heißt, Motivation und Vision entscheiden sich dadurch, dass die Motivation sozusagen der Grundstein ist, weswegen man so etwas tut oder der Antrieb dahinter. Und die Vision ist das, wo man hin möchte. 

Gedi Deckers: Ja, das kann man schon so sagen. Ich würde sagen, ganz grundsätzlich, die Vision ist etwas, was man ja ganz unabhängig vom Thema Innovation sich als Unternehmen überlegt hat und vielleicht auch immer mal wieder so ein bisschen überarbeitet. Das Motivationsthema kann, wenn man Innovation anschaut, auch wechseln. Es kann ja auch, je nach dem an was ich jetzt gerade dran bin, kann es ja einfach mehr um die interne Sicht gehen, mehr um die externe Sicht gehen. Und so weiter. Also das kann ganz unterschiedlich sein.

Nora Hansen: Wie groß sollte die Vision denn sein? Ist das so die Gesamtvision, dass man sagt, zum Beispiel: Man hat ein Werbeunternehmen und man möchte der größte Werbeunternehmer in Deutschland werden? Oder ist die Vision: Ich möchte erst einmal in der Stadt bekannt werden?

Gedi Deckers: Das kommt ganz auf das Unternehmen an. Ich würde sagen, Vision ist schon eigentlich eher etwas Großes, was so ein bisschen dann im Alltäglichen vielleicht auf einzelne Ziele und so weiter runtergebrochen werden muss. Also, zum Beispiel, ist ja unsere Vision bei Gründerschiff, dass wir eben Menschen dabei unterstützen möchten, dass sie ihren eigenen Arbeitsalltag so gestalten können, wie sie möchten. Also sprich, sich selbstständig auch machen können und so weiter. Das ist, zum Beispiel ein Teil unserer Vision. Ich hoffe, ich habe es jetzt gerade richtig wiedergegeben. Also es ist eher so etwas ganz Grundsätzliches, etwas Übergeordnetes, wohin das Unternehmen eben möchte oder was Ziel und Zweck des Unternehmens ist. 

Nora Hansen: Okay. Ja, gut. Und next One.

Einflüsse – Sie wirken von außen und können Chancen für Innovation bieten 

Gedi Deckers: Genau. Also das nächste Feld auf der untersten Ebene ist jetzt noch das Thema Einflüsse. Da geht es um Einflüsse von außen, die auf das Unternehmen wirken und die eben eine Chance für Innovation sein können. Oder eben auch ganz grundsätzlich die Notwendigkeit für Innovation bieten. Also wenn sich jetzt irgendetwas politisch, zum Beispiel, so verändert, dass das Unternehmen die Produkte, die es bisher hergestellt hat, so nicht mehr herstellen darf, kann oder verkaufen kann. Dann muss dieses Unternehmen sich natürlich weiterentwickeln. Und dann ist das zum Beispiel ein Einfluss von außen der ganz wichtig ist an der Stelle.

Nora Hansen: Können Einflüsse auch negative Einflüsse sein, die sozusagen das Geschäftsmodell eventuell disruptieren könnten und man dann da so ein bisschen aufpasst und deswegen innovieren muss?

Gedi Deckers: Klar. Also das kann wirklich alles sein, was das eigene Geschäftsmodell entweder in Frage stellt oder da eben neue Möglichkeiten bietet. Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Wobei negativ ist ja nur, wenn ich da keine Idee habe, wie ich darauf reagieren soll.

Nora Hansen: Eben, also jeder Einfluss kann einem irgendwie helfen eigentlich.

Gedi Deckers: Klar.

Nora Hansen: Und das ist jetzt alles insgesamt die Basis.

Finanzielle Mittel – Es kommt nicht zwingend auf die Höhe dieser an, sondern eher darauf, wie sie eingesetzt werden 

Gedi Deckers: Genau. Das war jetzt so die erste, unterste Ebene. Die Basisebene. Wenn wir jetzt auf die zweite Ebene gehen, auf die, der Werkzeuge, dann steht auf der linken Seite zuerst das Feld finanzielle Mittel. Also da geht es zum einen um die Höhe der Mittel, die zur Verfügung stehen, um sich mit dem Thema Innovation auseinanderzusetzen im Unternehmen. Zum anderen geht es aber auch darum, wo und an welcher Stelle werden sie für was eingesetzt. Also, dass man da eben auch so ein bisschen schauen kann dann nachher im Abgleich: Sind die Mittel an der richtigen Stelle eingesetzt? Es muss nicht unbedingt eine riesige Zahl dastehen, damit das Thema Innovation gut funktioniert im Unternehmen: Es kommt ganz darauf an, wie das Geld eben eingesetzt wird.

Nora Hansen: Das heißt, du würdest gar nicht sagen, man braucht unbedingt riesige, finanzielle Mittel. Sondern es kommt tatsächlich darauf an, wie man damit haushaltet?

Gedi Deckers: Ja. Also das denke ich schon. Aber ich meine, das ist natürlich sehr abhängig von der Unternehmensgröße auch. Es ist sehr abhängig davon, wie viel Raum man diesem Thema Innovation gibt. Wie wichtig es für das Unternehmen ist, sich da immer wieder neu und weiter zu entwickeln: Also da kann man jetzt nicht pauschal sagen: Der Betrag X sollte ausreichen oder ein kleiner Betrag reicht auch. Also ich denke, natürlich je mehr Geld ein Unternehmen da an richtigen Stelle einsetzt, desto

Nora Hansen: mehr kann am Ende dabei rauskommen.

Gedi Deckers: mehr kann natürlich auch bei rauskommen. Aber es muss eben auch richtig eingesetzt werden.

Nora Hansen: Das heißt, man muss das Geld für sich gewichten, aber auch richtig einteilen und jetzt nicht nur in innovatives Arbeitsumfeld, sondern vielleicht auch in die Personen investieren.

Gedi Deckers: Ja, genau. Also an ganz verschiedenen Stellen eben.

Nora Hansen: Okay, ja gut, das ist ja vermutlich eigentlich relativ klar. Jetzt sehe ich hier als nächste Bildung beziehungsweise Programme.

Programme – Was gibt es für passende Veranstaltungen, die man nutzen kann? 

Gedi Deckers: Genau, also da geht es einfach darum: Gibt es irgendwelche Aktivitäten, die inhaltliches oder methodisches Wissen vermitteln? Also zum Beispiel eben an die Mitarbeiter. Oder gibt es, zum Beispiel, irgendwelche Impulse? Gibt es Veranstaltungen? Also es gibt ja so Entrepreneurship-Programme, zum Beispiel. Es gibt immer wieder so Challenges, die man mit seinen Mitarbeitern machen kann und so weiter. Also da gibt es ja alles Möglichkeiten. Oder Weiterbildungsprogramme zum Thema Innovation. Also das wäre das, was man eben da einträgt.

Nora Hansen: Muss das mit den finanziellen Mitteln zusammenhängen? Oder meinst du, es gibt da auch irgendwelche Quellen, die man kostenlos kriegen kann?

Gedi Deckers: Es kommt darauf an, wie erfinderisch man da ist. Also ich meine, das ist ja immer egal bei welcher Art von Veranstaltung oder so. Man muss eben da schauen, welche Mittel man zur Verfügung hat. Und dann wird sich auch daraus irgendwie was Passendes basteln lassen.

Nora Hansen: Ja gut, das stimmt. Dann hängt ja eigentlich praktisch diese ganze Spalte schon so ein bisschen auch mit dem ersten Feld zusammen, oder?

Gedi Deckers: Ja sicherlich. Also ich meine, das ist so ein bisschen natürlich auch irgendwie eine Grundlage, auf der ich dann aufbauen kann. Also wenn ich weiß, ich habe das und das zur Verfügung, dann kann ich damit spielen

Nora Hansen: Ja klar, dann kann man gucken, was alles geht. Okay, gut, dann das nächste Feld.

Zeit – Niemand möchte seine Freizeit verschwenden müssen, um sich innovative Ideen zu überlegen 

Gedi Deckers: Das nächste Feld hat den Titel Zeit. Da geht es darum: Gibt es Freiräume, um sich mit dem Thema Innovation zu beschäftigen? Oder gibt es generell Freiräume, um sich mit neuen Ideen zu beschäftigen im Unternehmen? Weil natürlich, jeder von uns kennt es, im Alltagsstress hat man jetzt in der Regel nicht so wahnsinnig viel Zeitkapazitäten und Muse, sich mit neuen Ideen zu beschäftigen. Wenn man aber jetzt gerade im Team eben immer wieder die Möglichkeit gibt, da sich frei Ideen zu überlegen, Ideen einzubringen, innovativ zu denken, dann kann natürlich viel mehr entstehen, als wenn das quasi in der Freizeit passieren muss.

Nora Hansen: Ja, klar. So gut auch der Arbeitswille ist, ich glaube, niemand würde sich freiwillig nach seinem Acht-, Neun-Stunden-Tag noch hinsetzen und irgendwelche innovativen Ideen überlegen. Da hängt es vermutlich dann an der Geschäftsleitung oder den Innovationsmanagern oder so, da Zeit und Gelegenheiten einzuräumen, oder?

Gedi Deckers: Genau. Also ich denke schon, dass das auch etwas ist, was ganz grundsätzlich auch von der Unternehmensleitung her eben signalisiert werden. Das hängt auch dann mit diesem ganzen Thema Unternehmenskultur vielleicht auch zusammen, wo wir später nochmal drauf zu sprechen kommen. Also wie wichtig ist mir das, dass meine Mitarbeiter mitdenken, dass meine Mitarbeiter da aktiv sind und wie viel Freiraum richte ich dafür ein?

Nora Hansen: Da wir jetzt hier Zeit und finanzielle Mittel und das nächste Feld gleich Räume ist, muss es ja eigentlich so sein, dass man davon ausgeht, dass man mehrere Personen für Innovation braucht, oder? Oder würdest du sagen, du als Innovationsmanagerin, zum Beispiel, könntest das bei uns im Unternehmen komplett alleine einleiten?

Gedi Deckers: Ja, ich glaube, da kann man nicht pauschal irgendwas dazu sagen, aber ich denke, dass das immer hilfreich ist, im Team zu arbeiten, gerade bei dem Thema. Und angestoßen werden kann das ja durchaus durch eine Person. Es gibt ja, zum Beispiel, auch so Erfindertypen.

Nora Hansen: Das ist wahr.

Raum – Orte schaffen, an denen kreatives Denken leicht fällt 

Gedi Deckers: Also die sprudeln vor Ideen und das ist natürlich total super, wenn man so jemanden hat, der dann immer wieder dafür sorgt, dass man neue Ideen bearbeiten kann. Aber ich denke, gerade wenn es dann eben um die Umsetzung geht und so, macht das natürlich Sinn, auch das immer wieder im Team anzugehen solche Dinge. Und das letzte Feld jetzt von der zweiten Ebene, Räume beziehungsweise Treffpunkte, geht es halt wirklich darum, dass eben auch ganz physisch Räumlichkeiten wichtig sind, wo man kreativ arbeiten kann. Oder zum Beispiel, wenn es im technischen Bereich ist, vielleicht irgendeine Art Werkstatt gibt oder ein Labor oder irgendetwas, wo man eben an neuen Ideen arbeiten kann. Es können aber auch Onlineräume sein, sage ich jetzt mal. Also es kann auch ruhig digital sein. Aber es muss eben irgendwo den Raum geben und auch Treffpunkte geben. Es kann auch Kickerraum oder sonst irgendetwas sein. Oder die Sofaecke. Wo man eben ins Gespräch kommt, wo man immer wieder sich austauschen kann zu neuen Ideen und so weiter.

Nora Hansen: Ja, das ist so ein bisschen wie einfach generell der Arbeitsplatz, den man braucht, um in das Arbeiten reinzukommen, oder?

Gedi Deckers: Genau.

Nora Hansen: Okay, super. Perfekt, dann haben wir ja schon die zweite Reihe.

Innovationstreiber – Wer bringt die Ideen im Unternehmen voran und sorgt dafür, dass sie umgesetzt werden? 

Gedi Deckers: Genau, dann machen wir uns mal an die dritte Reihe. Das ist die Umsetzungsebene. Da steht ganz links das Feld Innovationstreiber. Da geht es jetzt darum: Wer treibt denn eigentlich das Thema Innovation im Unternehmen voran? Sind es vielleicht die Unternehmensgründer? Sind es bestimmte Abteilungen? Sind es, wie eben schon angesprochen, bestimmte Typen Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, die eben einfach vor Ideen sprudeln oder es gewohnt sind, um die Ecke zu denken? Gibt es vielleicht aber auch einen Inkubator? Gibt es irgendeine Forschungsabteilung oder so? Also das kann auch Innovationstreiber sein.

Nora Hansen: Wenn es schon eine Forschungsabteilung oder Inkubator gibt, dann wäre das Unternehmen demnach ja schon ganz schön weit.

Gedi Deckers: An der Stelle sicherlich.

Koordinierung – Es braucht jemanden, der in all dem kreativen Chaos den Überblick behält 

Nora Hansen: Okay. Gut. Innovationstreiber. Als nächstes haben wir Koordinierung. Das heißt, es braucht jemanden, der diese Leute irgendwie koordiniert, oder?

Gedi Deckers: Genau. Also ich denke, gerade wenn es da um Teamarbeit geht und so weiter, dann braucht es natürlich jemanden, der irgendwie Treffen koordiniert. Der ganz grundsätzlich so ein bisschen das Ganze aufbaut: Wie arbeiten wir zusammen? Wie kommunizieren wir? Und so weiter. Das ist natürlich wichtig, weil das sonst auch schnell wieder im Sande verläuft, so etwas.

Nora Hansen: Ja, das ist wie jetzt alleine schon in dem Canvas-Zimmer arbeiten. Man braucht eigentlich immer jemanden, der so ein bisschen die Verantwortung übernimmt und dem anderen vielleicht auch mal einen kleinen Arschtritt verpasst.

Gedi Deckers: Genau.

Nora Hansen: Okay. Gut. Rechts daneben?

Entscheidungskompetenz – Wer sollte dafür verantwortlich sein, die Entscheidungen zu treffen?

Gedi Deckers: Genau. Da geht es um das Thema Entscheidungskompetenz. Also sprich: Wo werden die Entscheidungen getroffen im Unternehmen? Wie werden die getroffen? Wer darf entscheiden? Also gerade in so einem Innovationsprozess gibt es ja immer wieder den Punkt, wo dann eben entschieden werden muss: Machen wir damit jetzt weiter oder eher nicht? Gibt es dafür ein Budget oder nicht? Und in diesem Feld muss dann einfach so ein bisschen deutlich werden: An welcher Stelle werden die Entscheidungen getroffen? Wer ist dafür zuständig? Wann werden diese Entscheidungen getroffen? Und so weiter.

Nora Hansen: Hast du Erfahrungen gemacht, wer für diese Entscheidungskompetenz vielleicht eine geeignete Person sein könnte im Unternehmen? Gibt es einen bestimmten Posten, der das besonders gut kann? 

Gedi Deckers: Also pauschal würde ich das jetzt nicht sagen, dass es da eine bestimmte Person oder Position gibt. Ich glaube, es kommt auch auf den Stand im Innovationsprozess an. Also wenn ich jetzt ganz am Beginn bin, können es vielleicht noch andere Menschen entscheiden als dann, wenn es wirklich darum geht: Okay, gehen wir jetzt hier mit irgendetwas neu in Produktion, zum Beispiel? Das heißt, es kann sich auch im Prozess dann verändern, wer die Entscheidung trifft, ob damit weitergegangen werden soll. Also ich würde sagen, da gibt es einfach verschiedene Positionen, die da ganz wichtig irgendwie sind. Also zum einen gibt es irgendwie da jemanden, der für die Finanzen zuständig ist, der natürlich da irgendwie so ein bisschen den Blick draufhaben sollte. Natürlich irgendwo auch die Unternehmensleitung, weil das natürlich in deren Interesse ist, genau zu wissen: In welche Richtung entwickeln wir uns? Und was möchten wir unterstützen? Was ist so unsere Vision? Es kann aber auch durchaus jemand aus dem Innovationsmanagement sein. Also wenn das Unternehmen so groß, dass es da wen gibt, der dafür zuständig ist. Dann ist das vielleicht jemand, der gerade am Anfang da noch entscheiden kann. Das kommt auch sehr auf eben wieder das Thema Unternehmenskultur und es kommt es auch sehr auf das einzelne Unternehmen an, wie offen und wie das Vertrauen auch in die Mitarbeiter ist und so.

Nora Hansen: Genau, die Hierarchien.

Gedi Deckers: Genau. Ja.

Nora Hansen: Also ich würde jetzt, ohne, dass ich das wirklich weiß, mal vermuten, dass es vielleicht sinnlos ist, wenn da nicht allzu viele Personen drinstehen, oder? Weil man sonst diese ewige Kette an Entscheidungsprozessen wiederhat. Und wenn man bei Innovation bei jeder kleinen, neuen Sache erst einmal fünf Leute fragen muss, dann dauert es ja auch ewig.

Gedi Deckers: Ja, das ist ein Punkt. Der andere Punkt ist der, wenn jetzt immer nur der Ober-Ober-Chef da drinsteht, also, wenn jetzt immer nur der CEO vom Unternehmen drinsteht und der ist nicht greifbar, dann kann das natürlich auch dazu führen, dass so Innovationsprozesse ganz schnell ins Stocken geraden. Also wenn ich da einfach so eine Nadelöhrposition habe, die eben die einzige ist, die da eine Entscheidung treffen darf, dann ist das natürlich schwierig. Aber das, würde ich jetzt mal sagen, ist gar nicht mal unbedingt davon abhängig, wie viele Personen das sind. Sondern es kommt auch sehr darauf an, wie schnell und wie gut sind die greifbar, wie schnell können da Entscheidungen getroffen werden.

Nora Hansen: Verstehe. Gut, da hast du recht, klar. Okay, gut, dann haben wir das auch.

Prozess und Umsetzung – Jetzt geht’s ans Eingemachte 

Gedi Deckers: Genau. Das nächste Feld ist das Thema Prozess und Umsetzung. Also da geht es wirklich ganz konkret darum, den Prozess zu beschreiben, den Innovationsprozess, wenn man denn einen hat. Also: Wie werden Ideen entwickelt? Wie wird das Ganze weiterbearbeitet? Wie wird das Ganze am Ende umgesetzt? Das gibt ja ganz gängige Innovationsprozesse. Und es gibt aber sicherlich auch viele vor allem auch kleinere Unternehmen, die es jetzt nicht gezielt so aufgesetzt haben. Sondern die einfach eine bestimmte Art und Weise sich so entwickelt haben, wie sie innovativ arbeiten.
Nora Hansen: Und was tut man, wenn man noch keinen Prozess hat? Wie kann man sich einen überlegen?

Gedi Deckers: Ich glaube, dass die Arbeit hier mit dem Canvas eigentlich schon ganz gut ist, um sich so generell darüber im Klaren zu werden: Was brauche ich denn eigentlich überhaupt alles, um innovativ arbeiten zu können im Unternehmen? Wenn man dann Unterstützung braucht, dann kann man sich natürlich von extern jemanden dazu holen, der einem dabei hilft, den richtigen Innovationsprozess zu finden. Wenn es denn so etwas ganz Offizielles sein soll. In manchen Fällen ist das auch nicht nötig. In manchen Fällen ist das Team so klein und die Offenheit und der Spirit so, dass es da keinen vorgeschriebenen Prozess braucht. Also das kommt sehr auf das Unternehmen an wieder einmal.

Nora Hansen: Ja, manchmal reichen einfach die Personen an sich.

Gedi Deckers: Genau, ja.

Nora Hansen: Okay. Gut. Jetzt haben wir die Basis, die Werkzeuge, die Umsetzung. Was fehlt da noch?

Gedi Deckers: Genau, jetzt fehlt noch das Thema Kommunikation.

Nora Hansen: Warum steht die ganz oben?

Gedi Deckers: Also zum einen, weil es gerade bei dem ganz linken Feld, wo es um Kommunikation intern und ganz rechts um Verbreitung extern geht, das natürlich irgendwo so ein bisschen auch der Output ist eines Innovationsprozesses. Aber sonst hat es jetzt keinen tieferen Sinn, würde ich jetzt mal sagen.

Interne Kommunikation – Neuerungen so an das Team kommunizieren, dass alle mit im Boot sind 

Nora Hansen: Ja, gut, aber das auszusprechen reicht ja eigentlich schon so als Endergebnis, das ist logisch, das da oben steht. Gut. Du hast gesagt, Kommunikation intern: Was stellt man sich darunter vor?

Gedi Deckers: Es geht generell darum, wie und wo wird über das Thema Innovation im Unternehmen kommuniziert. Einfach auch, um da so ein bisschen so ein Mindset zu schaffen und dazu anzuregen, sich mit neuen Ideen zu befassen. Und dann geht es aber auch ganz konkret darum: Wie werden denn konkrete Neuerungen an das Team kommuniziert, so dass dann wirklich auch alle an einem Strang ziehen können?

Nora Hansen: Das heißt, es ist so ein bisschen der zweite Schritt der Koordinierung?

Gedi Deckers: Ja. Also zum einen eben dieses ganz Grundsätzliche, einfach, was immer parallel laufen sollte. Um da einfach dieses Thema so in den Köpfen zu behalten, sage ich jetzt mal. Weil eben im Arbeitsalltag vergisst man das schnell. Und das andere ist eben ganz konkret: Wenn man jetzt was umgesetzt hat, ja, hast du recht, dann ist quasi so der nächste Schritt die Kommunikation, ja.

Kultur – Die Innovationskultur eines Unternehmens kann zum einen als Nährboden dienen, zum anderen aber auch Kreativität verhindern 

Nora Hansen: Okay, gut. Jetzt sind wir eben schon ganz oft auf die Kultur zu sprechen gekommen, jetzt haben wir das Feld endlich mal.

Gedi Deckers: Jetzt haben wir es, genau. Bei dem Thema Kultur geht es tatsächlich um die Innovationskultur im Unternehmen. Also sprich: Wie risikobereit sind wir? Wie offen sind wir? Wie flexibel sind wir? Wie ist unsere Fehlerkultur? Wie gehen wir mit Fehlern um? Was halten wir grundsätzlich vom Thema Scheitern und so? Also solche Themen sind, glaube ich, schon relativ entscheidend. Das kann so ein Nährboden sein für Innovation oder es kann eben auch Innovation so ein bisschen verhindern. Also wenn ich immer Angst habe, jetzt da einen Fehler zu machen oder mir einen blöden Kommentar wieder von meinem Vorgesetzten einzuholen bei einer neuen Idee, dann werde ich immer weniger das tun in Zukunft. Und wenn ich aber das Gefühl habe, das ist gewünscht, das ist Gang und Gäbe, dass man eigene Ideen einbringen kann, dass man da Innovation denken darf, um die Ecke denken darf, dann fördert es das Ganze natürlich.

Nora Hansen: Das heißt, es ist so bisschen die Persönlichkeit der Personen und des Unternehmens irgendwie auch?

Gedi Deckers: Ja. Ich würde sagen, sogar fast noch mehr die Persönlichkeit des Unternehmens.

Nora Hansen: Und wenn man da feststellt: Oh, unsere Mitarbeiter trauen sich vielleicht nicht so, das alles zu uns zu bringen. Dann ist das ja ein ganz wichtiger Punkt, an dem man arbeitet, der auch schon eigentlich wieder fast zur Basis passt. Denn wenn man sich nicht traut, neue Sachen irgendwie einzubringen, dann funktioniert das ja alles auch gar nicht. Und kreative Köpfe werden vielleicht so ein bisschen im Keim erstickt.

Gedi Deckers: Ja, da hast du völlig recht. Also man könnte theoretisch das Thema Kultur auch noch mit runter packen.

Nora Hansen: Das wäre doppelt gemoppelt.

Gedi Deckers: Es ist schon auf jeden Fall, denke ich, einer der Schlüsselpunkte, wenn es um das Thema Innovation geht.

Nora Hansen: Ja, das denke ich mir. Okay, gut. Jetzt haben wir Feld 1 und 2 der obersten Reihe, was fehlt noch?

Adressaten – Wer ist die Zielgruppe die man mit der Innovation ansprechen will? 

Gedi Deckers: Dann fehlt noch das Feld Adressaten. Also da geht es so ein bisschen darum: Wer sind eigentlich die Zielgruppen für Innovationsthemen? Also sprich: Sind das vielleicht eher unsere Kunden extern oder sind es Mitarbeiter intern, an die sich die Innovation richtet? Das kann natürlich auch von Fall zu Fall dann sich unterscheiden. Also das kann natürlich einmal sein, dass es sich eher irgendwie an intern richtet, an Prozesse im Unternehmen zum Beispiel. Es kann aber auch sein, dass es sich eben extern an Kunden richtet, wenn wir jetzt ein neues Produkt entwickeln, eine neue Dienstleistung anbieten oder ähnliches. Man sollte sich schon gut im Klaren sein, an wen sich das Ganze richtet, weil man natürlich dann sich auch entsprechend an den Bedürfnissen ausrichten kann.

Nora Hansen: Eben, genau. Das heißt, man kann den Canvas dafür benutzen, Innovation intern aber auch extern zu machen. Also für beides?

Gedi Deckers: Genau. Also ich denke, da ist Trennlinie vielleicht auch gar nicht so scharf.

Nora Hansen: Extern beeinflusst intern eigentlich immer und andersherum kann es ja vielleicht auch passieren?

Gedi Deckers: Also ich denke, bei manchen Innovationsprozessen wird sich sowohl intern einiges verändern als auch extern. Das ist jetzt gar nicht unbedingt so, dass man das so immer ganz trennscharf nehmen kann. Aber es gibt auch Fälle, zum Beispiel, wo ich sage: Okay, es ist tatsächlich meine Motivation, mich mit dem Thema Innovation zu beschäftigen, weil ich eben etwas für meine Mitarbeiter tun möchte. Weil ich möchte, dass die Fluktuation bei uns nicht mehr so hoch ist, zum Beispiel, oder, oder.

Nora Hansen: Ja, okay. Jetzt haben wir ein aller allerletztes Feld, was du eben schon mit seinem Namen genannt hast. Was ist es denn?

Verbreitung extern – Innovation ist schön und gut, bringt aber oft nicht viel, wenn sie nicht nach Außen getragen wird 

Gedi Deckers: Genau. Ganz oben rechts, Verbreitung extern steht da. Da geht es einfach darum: Wie werden Innovationen nach draußen kommuniziert? Wie erreichen wir eben potentielle Neukunden, zum Beispiel, für neue Dienstleistung, neues Produkt? Wie erreichen wir Medien? Über welche Kanäle, wie bespielen wir das ganze Thema? So, dass dann eben natürlich auch alle davon erfahren.

Nora Hansen: Also der Output im Prinzip, also die Kommunikation wieder. Die Linie ist schon ganz gut da oben. Okay, jetzt haben wir uns alle Felder im Einzelnen mal angeguckt. Das ist doch schon mal super. Dann hat man auch irgendwie eine ganz gute Vorstellung, was da rein soll. Dafür danke ich dir auf jeden Fall schon mal ganz doll.

Gedi Deckers: Ja, sehr gern.

Nora Hansen: Und um das Ganze jetzt nochmal so ein bisschen zusammenzufassen und wieder ein bisschen von den einzelnen Feldern wegzukommen: Wir haben gesagt, es soll dem Unternehmen helfen, Innovation, wie sagt man genau?

Gedi Deckers: Zu fördern. Fördern würde ich jetzt mal sagen oder innovationsfähig zu sein.

Der Grundgedanke hinter dem Innovation Ecosystem Canvas 

Nora Hansen: Ist das der Hauptgedanke, im Prinzip, hinter dem Canvas? Oder, dass man dem Unternehmen eine Hilfestellung leisten kann?

Gedi Deckers: Ja, ich denke schon. Also ich glaube, es kann sich heute kein Unternehmen leisten, sich irgendwie auf dem auszuruhen, was es tut. Sondern man muss sich einfach ständig wieder hinterfragen und weiterentwickeln. Und dabei ist eben wichtig zu wissen: Wie ist denn dieser Prozess? Wie kann denn bei uns überhaupt etwas Neues entstehen? Wie kann das unterstützen? Also gerade aus Unternehmensleistungssicht ist es ja dann oft so ein Thema, dass man gar nicht so richtig weiß: Wie soll ich denn da überhaupt rangehen? Wie kann ich dafür sorgen, dass bei uns ebenso eine Kultur entsteht, dass da viel Neues entwickelt wird? Und dafür ist das eine ganz gute Grundlage. Also jetzt haben wir das quasi alles ausgefüllt für unser eigenes Unternehmen. Und dann kann man eben jetzt im zweiten Schritt das abgleichen mit dem, was wir beschrieben haben, welche Funktionen die Felder in der Regel erfüllen sollen oder ausüben sollen. Und dann kann man feststellen: An der ein oder andere Stelle ist es vielleicht bei uns noch nicht so ganz so, wie es sein sollte. Oder auch darauf aufbauen und dann einfach sagen: Okay, an den Stellen, wo Lücken sind, was haben wir denn eigentlich für Ideen, was könnten wir denn da noch etablieren. Also gerade, zum Beispiel, beim Punkt Programme. Da kann man natürlich dann auch sich überlegen: Okay, wenn wir jetzt da noch gar nichts anbieten für unsere Mitarbeiter, was könnte man sich da in Richtung Weiterbildung vorstellen? Was könnte man sich da in Richtung Entrepreneurship-Programme oder generell Innovationsprogramme, was kann man sich für Inputs vorstellen? Und da kann man sich natürlich dann auch wieder externe Hilfe holen, Leute, die so etwas veranstalten. Es gibt da jede Menge Beispiele. Man kann es, zum Beispiel, auch unternehmensübergreifend machen. Also wenn es jetzt nicht so ein riesiges Unternehmen ist und man nicht genug Ressourcen quasi im eigenen Unternehmen hat, so etwas zu stemmen, dann kann man natürlich sich da auch mit anderen Unternehmen zusammentun und mit Mitarbeiter von verschiedenen Unternehmen da Projekte starten, was natürlich auch manchmal ganz spannend sein kann.

Nora Hansen: Das ist eine echt gute Idee. Auf die Idee wäre ich tatsächlich nicht von alleine gekommen jetzt.

Gedi Deckers: Genau. Also da gibt es alle Möglichkeiten. Also diese Matrix ist einfach echt so eine Grundlage, um für mich selber quasi wie so ein Selbstcheck zu machen: Wo stehe ich da? An welchen Stellen sollte ich noch was tun? Und dann kann man eben im nächsten Schritt entscheiden: Okay, gehe ich das jetzt alles allein an? Wie mache ich das?

Nora Hansen: Jetzt weiß ich, dass bei unserem Podcast natürlich nicht nur die Unternehmensleitungen zuhören. Wenn wir uns jetzt mal vorstellen, dass jetzt gerade ein Mitarbeiter zuhört, der feststellt: Oh, das könnte mein Unternehmen gut gebrauchen. Denkst du, ich kann auch als Mitarbeiter mit so einem Canvas zu meinem Chef gehen und ihm das vorschlagen, ob das vielleicht mal eine Idee wäre?

Gedi Deckers: Auf jeden Fall. Also das kommt natürlich auch wieder so ein bisschen auf die Unternehmenskultur an. 

Nora Hansen: Klar, das ist wieder ganz wichtig.

Gedi Deckers: Ob der Chef, die Chefin, dann nachher dafür offen ist. Aber ganz grundsätzlich, natürlich. Also ich als Unternehmensleitung würde mir immer wünschen, dass mein Team auf mich zukommt, wenn es da eine neue Idee hat.

Nora Hansen: Ja, also das ist ja dann wieder dieser Innovationsspirit.

Gedi Deckers: Genau.

Nora Hansen: Okay. Ich glaube, wir haben uns jetzt echt über alles bezüglich des Innovation Ecosystem Canvas unterhalten. Oder gibt es noch etwas, was du gerne ergänzen würdest?

Gedi Deckers: Nein, ich hoffe, dass das jetzt einfach schon so eine kleine Unterstützung war für alle, die zuhören, wie man ebenso sich als allererstes Mal damit beschäftigen kann.

Nora Hansen: Ja, das ist ein sehr, sehr guter erster Schritt.

Gedi Deckers: Genau. Und ansonsten, ja, man weiß, wo man uns findet. Und wir helfen gerne.

Nora Hansen: So ist es. Da wieder der Hinweis auf unsere Website mit dem Download für den Canvas. Dann könnt ihr den auch gerne selber bearbeiten. Genau. Dann verabschiede ich mich heute von dir. Und bedanke mich.

Gedi Deckers: Danke auch. Hat Spaß gemacht.

Nora Hansen: Das freut mich. Tschüss Gedi.

Gedi Deckers: Ciao.

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.