Das Intrapreneurprogramm bei Trumpf mit Ann-Sophie Reinelt (S01EP19)

Nora Sophia Hansen

Das Intrapreneurprogramm bei Trumpf mit Ann-Sophie Reinelt (S01EP19)
Business Model Innovation Talk

 
 
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Durch eine Bauchentscheidung landete Ann-Sophie Reinelt bei Trumpf im Innovationsmanagement und entwickelte innerhalb weniger Monate ein Intrapreneurprogramm. Auf diesen Weg nimmt sie uns in der heutigen Folge mit. Ann-Sophie berichtet davon, wie man innerhalb eines 30-tägigen Programms aus einer Idee ein Geschäftsmodell entwickeln kann.

Lernen Sie wie eine Innovationsmanagerin innerhalb dieses kreativen Chaos einen kühlen Kopf bewahrt und wie so ein Intrapreneurprogramm überhaupt abläuft. Wer trifft die Entscheidungen, wo kommt das Geld her und was passiert überhaupt nach der Ausgründung?

Nora Hansen interviewt jeden Freitag Menschen, die tagtäglich mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu tun haben. Wenn Sie C-Level oder im Innovationsmanagement tätig sind, dann ist dieser Podcast genau richtig für Sie.

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Vollständiges Transkript

Nora Hansen: Herzlich willkommen zum Business Model Innovation Talk von Gründerschiff, dem Podcast für C-Levels und Innovationsmanager. Ich bin Nora und sorge dafür, dass ihr neue Strategien, erprobte Methoden und wertvolle Erfahrungen rund um das Thema Geschäftsmodellinnovation zu hören bekommt. Viel Spaß beim Zuhören. Hallo und herzlich willkommen. Heute habe ich Ann-Sophie Reinelt bei mir zu Gast. Sie ist Mitarbeiterin bei Trumpf, in einem Unternehmen mit circa 13.400 Mitarbeitern weltweit. Genauer gesagt arbeitet Sie dort als Innovationsmanagerin der Trumpf im Unternehmertum. Was dort ihre Aufgaben sind und warum sie dafür zwei Jobangebote ausgeschlagen hat, ich würde sagen, das erzählt sie uns am besten selber. Hallo.

Ann-Sophie Reinelt: Hallo.

Wenn der Bauch entscheidet

Nora Hansen: So, die erste Frage, die ich gerade in den Raum geworfen habe, warum bist du bei Trumpf und warum hast du dafür zwei Jobangebote ausgeschlagen? Was machen diesen Job für dich so besonders?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, das war sehr, sehr eindeutig, das war einfach eine absolute Herzens,- oder Bauchentscheidung, sage ich. Wahrscheinlich beides zugleich. Und zwar, ich war auf der Suche nach einem neuen Job und bin dann über die Stelle im Innovationsmanagement bei Trumpf gestolpert und dachte mir so, ja, ganz nett, Innovationsmanagement finde ich klasse, habe mich aber auch bei zwei anderen Firmen in die Richtung beworben und war dann zum Vorstellungsgespräch. Und dann hat die Chemie erstens sehr gut gestimmt zwischen mir meinem Chef und er meinte dann, hast du nicht Lust, bei uns so ein Intrapreneur Programm aufzubauen. Wir gehen schon lange schwanger mit dieser Idee, sowas zu machen, wir wissen aber nicht so ganz richtig wie. Also deine Aufgabe wäre die Konstruktion oder der Aufbau von diesem Programm. Und dann habe ich gedacht, naja, was kannst du denn Cooleres machen, als mit hochmotivierten zusammenarbeiten, die geile Ideen haben und daraus Geschäftsmodelle machen. Das ist genau das, was ich machen möchte.

Nora Hansen: Da kriegt man natürlich auch eine mega Chance, wenn einem so etwas angeboten wird, dass man da so ein ganzes Programm selber aufbauen darf.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, total. Und man macht es halt auch irgendwie zu seinem eigenen Baby. Ich bin jetzt zwei Jahre da und wir machen dieses Programm seit zwei Jahren und das ist halt total mein Baby und soll halt immer weiter wachsen und das ist echt klasse, macht richtig Spaß und wenn man dann halt so sieht, was man selbst geformt hat, natürlich immer mit Hilfe von ganz vielen Leuten, gar keine Frage, das ist schon echt richtig cool.

Nora Hansen: Ja, man hat ja irgendwie auch ein ganz anderes Verhältnis zu so einem Bereich in einem Unternehmen, wenn man das selber aufbaut und von Anfang an mit dabei ist.

Ann-Sophie Reinelt: Absolut, ja. Das ist echt so, man macht das zu seinem eigenen. Manchmal ist es natürlich ein bisschen gefährlich, weil man schon extrem für das Thema kämpft. Das heißt, dass man echt viele Stunden kloppt auf der einen Seite. Sei es, dass man natürlich im Unternehmen / Innovation verlangt ja immer irgendwo Kompromisse. Oder halt, wenn das immer was Neues ist, was man in die Organisation trägt, ist es natürlich erst so, der eine kann da schneller adaptieren oder der eine Bereich kann sich da schneller danach drehen oder will sich auch schneller danach drehen. Und wenn man natürlich immer so krass hinter einem Thema steht, ist es natürlich schon so, dass man manche Bereiche überrollt. Und dann muss man sich selbst halt schon disziplinieren und mal so einen Schritt zurücktreten, ja.

Wie führt man ein Intrapreneur Programm in ein Unternehmen ein?

Nora Hansen: Ja, das kann ich mir vorstellen. Dann fangen wir doch mal ganz vorne an. Als du das aufgebaut hast, vor welchen Herausforderung standest du und wie hast du das Ganze eingeführt? Ich meine, wenn dann da so ein Boss zu dir kommt und sagt, hey du, bau doch mal ein Programm innerhalb des Unternehmens auf, um Innovation zu betreiben. Was macht man dann?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, also tatsächlich habe ich zum einen Kontakt zu den anderen Unternehmen in der Region, da sind ja einige und auch einige, die um einiges größer sind als Trumpf selbst, also in der Stuttgarter Region, und die natürlich auch schon so Intrapreneur Programme aufgebaut haben. Es ist ja nicht so, dass das das allererste Intrapreneur Programm ist, dass es gibt. Und ich habe mir dort halt natürlich auch / habe mich mit denjenigen Leitern zusammengesetzt und habe mir da Input geholt. Habe dann angefangen abzuwägen, und ich muss auch sagen, die waren alle super offen und haben unglaubliche viele Informationen darüber geteilt, was quasi so ihre Learnings sind, aus ihrem Aufbau. Dann habe ich zum anderen viel mit Dienstleistern gesprochen. Gerade so der Bereich Company Building ist ja die / also, der Company Builder ist so das, was man so trifft, wenn man sich mit Intrapreneuring, Inkubation und so weiter beschäftigt, da gibt es natürlich unglaublich viele Dienstleister, die pitchen lassen und daraus habe ich eigentlich so mein eigenes Set gestrickt, weil ich gesagt habe okay, da aus dem Learning ziehe ich das, aus dem Angebot von dem Company Builder denke ich, okay, darauf muss man irgendwo Wert legen und dann ist so das Programm daraus entstanden. Und dann kommt natürlich noch das dazu, was macht Trumpf denn aus. Also, wer ist Trumpf. Durch was wird was Trumpf geprägt. Trumpf hat unglaublich viel Erfindergeist, sehr Technologie lastig und so weiter, also Hightech und daraus haben sich im Endeffekt so die Bausteine entwickelt. Und da muss ich halt wirklich sagen – und das ist immer noch mein größtes Glück – ist erstens, dass Trumpf unglaublich gut rekrutiert, unglaublich super Mitarbeiter einstellt, die halt echt bombastisches Wissen mitbringen, aus denen ganz tolle Ideen entstehen können, erstens. Und zweitens, dass Trumpf schon wirklich / also, ich habe am Anfang abgewehrt, naja, Trumpf schreibt sich auf die Fahne, Innovationsgarant zu sein. Aber das machen viele Firmen.  

Nora Hansen: Ja, ja, genau.

Ann-Sophie Reinelt: Aber wenn man dann mal ein Innovationsprogramm vorantreiben möchte, merkt man relativ schnell, ist das Unternehmen wirklich bereit, Innovationen zu akzeptieren oder auch zu fördern.

Nora Hansen: Ach, cool.

Ann-Sophie Reinelt: Und ich kann jetzt sagen, das tun sie wirklich.

Wenn Unternehmen sich gegenseitig helfen

Nora Hansen: Das ist ja wirklich / das sind super Voraussetzungen. Aber jetzt mal eine Frage. Du hast dich mit anderen Unternehmen zusammengesetzt und die haben dir von ihren Programmen erzählt? Warum tut man sowas? Warum behält man das nicht für sich selber und teilt diese Infos dann auch noch mit anderen?

Ann-Sophie Reinelt: Das ist das schöne im Innovationsbereich. Wir reden natürlich weniger über das, was am Ende thematisch bei unseren, also in dem Programm quasi rauskommt. Also, zumindest nicht bis Patente angemeldet sind und so weiter, aber über das Framework, wie so ein Programm aufgesetzt wird, da finde ich, ist die Kommunikation unglaublich offen. Da, finde ich, sind die Netzwerke klasse. Weil wir können alle nur davon lernen und als deutsche Industrie muss man eh schauen, dass man im internationalen Wettbewerb mithält und dann würden wir uns echt keinen Gefallen tun, wenn wir jetzt auch noch bei Innovation mauern, gerade wenn es nur um das Framework geht, zum Aufbau von so einem Programm. Am Ende steht und fällt es ja alles eh mit der Idee und dem Geschäftsmodell, was daraus entsteht.

Langsam ist nicht Ann-Sophies Art die Dinge anzugehen

Nora Hansen: Ja, das ist wahr. Da hast du recht. Und wie hast du dann angefangen, was waren die ersten Schritte? Du hast gesagt, das Unternehmen war eh Innovations bereit, aber wie hat das dann Trumpf beeinflusst, dass du so ein Programm da aufgebaut hast?

Ann-Sophie Reinelt: Das schöne war, also ich bin im Juni ins Unternehmen gekommen vor zwei Jahren und im Oktober haben wir dann tatsächlich schon mit den ersten Teams gestartet.

Nora Hansen: Oh wow, das ging aber fix.

Ann-Sophie Reinelt: Ja. Also, wir haben echt richtig Gas gegeben den Sommer über und es war aber halt einfach so, die Ideen waren jetzt Ideen, die einfach so der Geschäftsführung oder auch so unserem Innovationsbereich bekannt waren. Das waren so Themen, die schon eine Weile rumwaberten im Unternehmen quasi und nicht so richtig einen Platz hatten, weil sie einfach zum Kerngeschäft nicht richtig passten. Und über das Kerngeschäft hinausgingen. Und das ist immer genau das, was wir suchen und dann habe ich gesagt, naja gut, was halt so ist, wir starten jetzt einfach durch, das ist ein Pilot, wir müssen / es muss so sein, dass wir halt einfach auch hier, sagen wir mal, sehr agil unterwegs sein dürfen und auch genauso wie die Ideen, die über so ein Programm hinweg einfach immer wieder etablieren, auch das Programm über den Zeitlauf quasi etablieren dürfen. Wir haben einfach mal gestartet und haben im / an der laufenden Maschine quasi Anpassungen vorgenommen. Und ich würde es heute immer wieder so machen, weil man kann das meiste lernen bei dem, wenn man es wirklich durchführt.

Nora Hansen: Da hast du recht.

Ann-Sophie Reinelt: Ich kann das vorher hypothetisch durchdenken, aber irgendwann kommt aber der Punkt, wo du sagst, jetzt müssen wir aber ausprobieren. Die Theorie steht, aber irgendwann muss man auch irgendwie in die Praxis kommen. Und das war echt klasse und das war halt auch so, halt unser CTO, der ist der Sponsor von dem Programm, für den war das echt absolut in Ordnung, dass wir so starten und ich muss dir ganz ehrlich sagen, wir haben gestartet, das geht bei uns drei Monate dieses Programm, dieses Drei-Monats-Programm, ich wusste noch nicht, dass ich den Ideengebern, die da drinnen sind, anbieten kann, was unsere Weiterführungsoptionen sind. Auch die habe ich dann wiederum während der drei Monate erarbeitet und da haben wir was ganz Gutes gefunden, wie wir die Themen quasi dann am Ende weiterführen, wo wir hinsteuern.

Nora Hansen: Das ist ja ganz schönes Learning by Doing.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, in der ersten Runde definitiv. Also, wir gehen jetzt im Herbst in die vierte Runde und da ist natürlich schon mehr ein Standardprozess. Das hat sich eingefahren. Also eingefahren ist das falsche Wort. Ich glaube, es hat sich gut eingespielt, wir haben so das klassische Framework, aber es ist natürlich so, jede Idee ist anders. Jeder Gründer oder potentieller Gründer ist anders und jeder Markt ist anders. Also so einen Standard kann man eigentlich eh nie aufsetzen.

Der Weg in das Intrapreneur Programm, so darf man mitmachen

Nora Hansen: Wie läuft denn dieser Prozess ab? Du hast ja gesagt, das Ganze passiert innerhalb des Unternehmens und ihr überlegt euch Innovationen und Verbesserungen innerhalb des Unternehmens, die aber vielleicht auch das eigentliche Geschäftsmodell so ein bisschen / noch darüber hinaussteigen. Aber wie kommen die Ideen zu dir, wer überlegt sich diese Ideen und wie laufen diese drei Monate ab?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, starten wir ganz vorne. Das ist so, ich mache einen offenen Ideenwettbewerb ins Unternehmen hinein, über verschiedene Kanäle. Wo ich dann sag: „Hey Leute, bewerbt euch doch, werdet Teil des Unternehmertums“ und inzwischen ist das Unternehmertum doch sehr stark bekannt so im Unternehmen. Und es ist schon eine Ehre, da hinein zu kommen. Also, es ist nicht so, dass man sagt, okay, Zusatzarbeit, ja. Also auf jeden Fall kommen die mit einem offenen Ideenwettbewerb in die Organisation rein und dann dürfen sich alle kreativen Ideenbewerber halt bewerben. Relativ formlos, mit so einem Onepager, wo sie einfach grob die Idee skizzieren. Natürlich, wenn die Vorauswahl starten, dann findet so ein Ideen Bootcamp statt, in dem wir uns die Ideen mit dem meisten Potenzial anschauen.

Nora Hansen: Bewerben sich denn überhaupt genügend Leute? Also, kommen da so viele Ideen rein, dass man wirklich ein Auswahlverfahren braucht?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, tatsächlich. Also, viel ist ja immer relativ, aber das sind natürlich schon so 30 bis 40 Bewerbungen, die wir kriegen, pro Mal. Und anschauen tun wir uns dann 15 und fünf kommen dann wiederum mit in diese Drei-Monats-Phase.

Nora Hansen: Okay.

Ann-Sophie Reinelt: Genau. Und Ziel ist immer, dass wir Ideen finden, die über das Kerngeschäft hinausgehen, weil das Unternehmertum soll nicht die rechts Überholspur für das Kerngeschäft sein, sondern es soll tatsächlich Ideen und Potenzial haben für neue Geschäftsfelder von Trumpf. Wo wir zukünftig Umsatzhebel haben wollen. Genau. Und dann haben wir dieses Ideen Bootcamp, wo wir uns Ideen nochmal näher angucken über einen Tag hinweg und vor allem halt auch die Gründer, weil natürlich / jede Idee steht und fällt mit dem Gründer, der dahintersteht. Und sogar, das ist mit das wichtigste Kriterium. Und genau, dann starten wir drei Monate später nach der Nominierung, damit halt in den Kernbereichen auch um priorisiert werden kann, was die Projekte angeht, in unser Drei-Monats-Programm. In diesem Drei-Monats-Programm sind die Mitarbeiter zu 50 Prozent bei mir im Unternehmertum und wir gehen ganz klassisch von der reinen Idee hin zu einem Geschäftsmodell, weil ich erwarte, dass die Teams einen Product Market Fit haben und dann am Ende halt einen kleinen MVP haben und wir dann am Ende entscheiden können, ob wir das Thema ausgründen als zum Beispiel als hundertprozentige Tochter von Trumpf oder auch als eigenständiges Unternehmen und wir als Trumpf nur mit der Trumpf Venture als eine Minderheitsbeteiligung rein investieren oder die Themen beenden.

Nora Hansen: Aber, wenn du sagst, die Mitarbeiter haben 50 Prozent ihrer Zeit dafür und dann wird vielleicht sogar auch noch ein neues Unternehmen gegründet, zieht ihr euch damit nicht eigentlich eigene Mitarbeiter ab?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, wir ziehen uns eigene Mitarbeiter ab, das ist vollkommen richtig. Aber wir ziehen sie ab für Zukunftsthemen von Trumpf und wenn man im Gruppengedanken oder im Gesamtkonzerngedanken denkt, ist es natürlich so, dass wir uns dadurch natürlich selbst wieder mehr erwirtschaften.

Nora Hansen: Ja, klar, das entwickelt euch natürlich auch wieder weiter, da hast du recht. Und diese Ideenfindung, gebt ihr da Unterstützung, gebt ihr da einen Workshop oder setzen die sich einfach alleine hin und überlegen?

Ann-Sophie Reinelt: Tatsächlich ist es so, dass bisher – und das ist das, was ich vorher meinte mit den unglaublichen vielen kreativen Köpfen, also bisher entstehen die Ideen tatsächlich einfach bei den Mitarbeitern.

Nora Hansen: Wow. Okay.

Ann-Sophie Reinelt: Und das sind so bombastische Ideen, zum Teil halt / ja. Wir haben zum Beispiel zwei Ideen, die jetzt in die Ausgründung gehen, wo / die einfach / zum Beispiel die Mitarbeiter haben eine Doktorarbeit geschrieben nach ihrem Studium, waren am Institut, haben irgendwie sich einen super coolen Side Effekt entdeckt und sind dann jetzt eingestellt bei Trumpf und haben dann gedacht, naja, dieser Side Effekt lässt mich nicht los, irgendwie habe ich den immer noch im Kopf, lass uns da doch ein Geschäftsmodell basteln und das sind natürlich sehr, sehr Potenzial trächtige Ideen.

Nora Hansen: Das finde ich sehr erstaunlich, dass tatsächlich von den Mitarbeitern die Ideen kommen und du da selber gar nicht mit eingreifen musst. Das habe ich so auch noch nie gehört.

Ann-Sophie Reinelt: Ich hätte auch nicht gedacht, dass das auf Dauer so funktioniert. Ich habe gedacht, das funktioniert bei der ersten Runde, weil die dann schon so lange mit ihren Ideen unterwegs sind, aber es ist tatsächlich so, wir brauchen bisher nicht eingreifen bei der Ideenfindung.

Ann-Sophie behält einen kühlen Kopf im kreativen Chaos

Nora Hansen: Okay, fiese Frage. Wenn du nicht eingreifen musst bei der Ideenfindung, wofür braucht man dich dann?

Ann-Sophie Reinelt: Bei der Geschäftsmodellentwicklung, weil der Punkt ist natürlich schon, so eine Idee hat man, in die verliebt man sich unglaublich schnell, aber eine Idee ist ja lange noch kein skalierbares Geschäftsmodell. Da hat man sich den Markt noch nicht angeguckt, da weiß man noch überhaupt gar nicht, welchen Use Case man verfolgen möchte, also für was kann man diese Idee denn wirklich alles anwenden, gibt es da auch noch Branchen, über die ich überhaupt noch nie im Leben nachgedacht habe, wenn ich mich zum Beispiel im Maschinenbau auskenne oder / genau. Oder wie rechne ich überhaupt so einen Business Case.

Nora Hansen: Okay. Das heißt, du machst dann die ganze Strukturierung und die Organisation, dass die Idee dann wirklich Hand und Fuß bekommt und auch wirklich umsetzbar ist.

Ann-Sophie Reinelt: Genau. Also ich sehe mich tatsächlich als Enabler für die Teams, weil grundsätzlich ist es so, ich selbst trage die Idee nicht zu einem Geschäftsführer, sondern ich gebe nur das Framework und die Hilfestellung, dass die Ideengeber selbst ihre Idee dorthin entwickeln.

Nora Hansen: Ach, das ist ja /

Ann-Sophie Reinelt: Weil die Ideengeber selbst werden auch die Gründer.

So gehts nach dem Programm weiter

Nora Hansen: Okay, das heißt, die Ideengeber selber gehen dann auch in das gegründete Unternehmen rein und suchen sich gar nicht zwangsläufig erstmal neue Mitarbeiter, die ihren Job ersetzen in dem neu gegründeten Unternehmen, sondern steigen direkt über?

Ann-Sophie Reinelt: Wir trennen nie die Idee vom Ideengeber. Weil ich einfach der Überzeugung bin, die Ideengeber sind am intrinsischsten motiviert, dieses Thema voran zu treiben.

Nora Hansen: Da hast du recht.

Ann-Sophie Reinelt: Genauso wie dieses Programm für mich, das ist ihr Baby. Und die geben unglaublich viel dafür. Und klar kommt man irgendwann an einen Punkt, das ist in jedem Startup so, dass ab gewissen Reifegraden vielleicht der Ideengeber nicht mehr der richtige CEO ist. Vollkommen richtig. Aber das ist ab einer gewissen Reife. Aber im ersten Schritt ist der Ideengeber plus sein Teamkollege, der entweder mit hinzu gekommen ist auf die Idee, oder die gemeinsam die Idee gesponnen haben, die sind das beste Gründungsteam, weil die einfach unglaublich viel Power reingeben, um dieses Thema voran zu treiben.

Nora Hansen: Da ist vermutlich ganz, ganz viel Energie und Euphorie dabei.

Ann-Sophie Reinelt: Richtig, ja.

Nora Hansen: Kannst du mir ein Beispiel aus der Vergangenheit nennen, das ihr schon ausgegründet habt?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, also wir haben zwei Teams jetzt frisch / oder wir haben zwei Team ausgegründet, das eine ist aber, würde ich mal sagen, ein sehr Forschungs lastiges Thema, aber zu finden ist das. Das ist Quant. Die beschäftigen sich mit Quantentechnologie. Die sind seit 01.07.2018 ausgegründet und jetzt ganz frisch, 01.03.2019, das ist One Click Metal und da werden wir im Herbst lüften, was die tun.

Nora Hansen: Und beim ersten, was du gesagt hast, das 2018 ausgegründet wurde, wo kam die Idee her, was war die Idee und wie habt ihr das dann letztendlich / zu was wurde das umgesetzt?

Ann-Sophie Reinelt: Die Idee kam her, und das ist das, was ich vorher schon mal angedeutet hatte, das ist von einem der Gründer entstanden in der Doktorarbeit.

Nora Hansen: Ach tatsächlich, okay.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, genau. Und daraufhin hat er sich gedacht, hmm, wie schaffen wir da ein Geschäftsmodell drum herum und das haben sie dann eben genau in dem Programm gemacht und haben dann auch direkt im Durchmarsch, weil es auch zwei sehr, sehr kluge Köpfe sind, also der hat sich dann noch einen Co-Founder quasi gesucht und dann haben wir die Ausgründung als 100 prozentige Tochter von Trumpf und die sind gerade noch dran, eben das Quantentechnologiethema und die sind gerade dran, ihr erstes Produkt marktfähig zu machen.

Nora Hansen: Und unterstützt ihr die weiterhin, selbst wenn es schon ausgegründet ist oder ist dann deine Aufgabe da vorbei?

Ann-Sophie Reinelt: Meine Aufgabe ist in dem Falle vorbei. Es ist aber so, die werden natürlich / also erstens werden sie voll finanziert von Trumpf plus die haben aber auch noch Fördergelder bekommen, also externe Fördergelder und die werden betreut von einem Beirat oder die haben einen Beirat, der aus Trumpf Managern besteht, der ihnen bei Rat und Tat über das gesamte zur Seite steht.

Nora Hansen: Das ist gut, dann werden sie nicht völlig alleine gelassen, so frisch nach der Gründung.

Ann-Sophie Reinelt: Nein, gar nicht, gar nicht.

In 30 Tagen kann man viel erreichen

Nora Hansen: Und jetzt kommen wir doch mal auf dieses 30-Tage-Programm zurück. Was passiert in diesen 30 Tagen?

Ann-Sophie Reinelt: In den 30 Tagen ist vor allen Dingen am Anfang erstmal der Punkt, dass wir sagen okay, komm da raus. Ein normaler Mitarbeiter hat sein Themengebiet, auf dem ist er unterwegs, das tut er jeden Tag, und dann kommt er auf einmal in dieses Programm und man sagt ihm, du musst ganzheitlich denken, du musst komplett alles durchdenken, egal ob du Psychologe bist, egal ob du BWLler bist, was auch immer du vorher getan hast, wir brauchen ein komplettes Geschäftsmodell. Also, du musst sowohl die Idee verstehen, du musst die Märkte verstehen, du musst die Konkurrenz verstehen und du musst deine Finanzen verstehen. Und das ist dann dieser Punkt, wo wir sagen, okay, und du selbst bist verantwortlich für den Erfolg deiner Idee. Ich gebe denen 30.000 Euro, die lege ich denen auf ein Bankkonto, die kriegen Kreditkarte und Online Banking und das dürfen sie komplett verwenden, also zweckgebunden für dieses Thema und ich werde denen aber nirgendwo vorschreiben, wofür sie diese 30.000 ausgeben, sondern das Ziel ist immer, am Ende haben wir ein skalierbares Geschäftsmodell. Wenn die der Meinung sind, sie müssen zu einer Konferenz irgendwo hinfliegen, dann fliegen sie von dem Geld zu der Konferenz irgendwohin. Wenn die meinen, sie müssen sich einen externen Experten einkaufen, dann machen sie das. Wenn sie meinen, sie müssen sich einen Demonstrator bauen lassen, dann machen sie das. Also das ist wirklich das, was am Ende dazu führt, dass dieses Geschäftsmodell bestmöglich zu unseren Vorstellungen präsentiert werden kann und die sich dafür entscheiden, dieses Thema auszuführen.

Nora Hansen: 30.000 Euro klingt natürlich erstmal für die Zeit ziemlich viel, aber ich nehme an, wenn man sich das alles vielleicht erstmal angewöhnen und anarbeiten muss, was man noch gar nicht weiß, über die Finanzen und das ganze Geschäftsmodellzeug und gar nicht mal nur die Idee, dann ist das Geld vermutlich sogar relativ schnell weg, oder?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, genau, also dieses Wissen zum Geschäftsmodell und so weiter, das kriegen sie schon von mir. Also, das ist schon so, dass das quasi das Programm an sich stellt, also sie können Experten dazu fragen, aber ich selbst helfe ihnen und so weiter. Also interne und externe Experten, also so dieses „wie komme ich zum Geschäftsmodell?“, das bekommen sie, zumindest grob. Wenn sie dann sagen, okay, also dieser Markt / also, wenn sie zum Beispiel / wir haben einen super Experten, der macht Markt und Markteintritt irgendwie und wenn sie dann sagen, ah, dann würde ich aber jetzt doch gerne nochmal zwei Tage Workshop im Nachgang draufsetzen, das ist sowas, was sie dann selber bezahlen. Aber grundsätzlich so der erste Schritt, den ersten Part mit ihnen zu übernehmen. Naja, aber es ist halt so, wir reden immer vom Venture Building , wir reden / oder meistens, ja. Und es gibt Teams, die brauchen 10.000 Euro oder 8.000 Euro, ist auch gut, ist auch nicht schlecht, wenn sie weniger brauchen, aber grundsätzlich können sie es haben. Aber wenn sie zum Beispiel / wer gibt uns Partnerschaften eigentlich? Mit einem Institut oder sowas, da ist man natürlich schon relativ schnell bei 20, 25.000 Euro und dann sind die 30.000, wenn sie dann noch ein bisschen Reisekosten haben, gar nicht so viel.

Nora Hansen: Und was machen die Leute mit dem Geld, wenn was übrig bleibt?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, also bisher ist es tatsächlich so, es hat noch keiner abgefeiert, wird dann mir wieder zurückgegeben, sage ich mal, und dann geht es zu den nächsten Teams weiter.

Nora Hansen: Oh wow, so ehrlich, dass die euch das tatsächlich wieder /

Ann-Sophie Reinelt: Ja.

Nora Hansen: Respekt, richtig cool. Und was macht ihr, wenn ihr jetzt während des Prozesses feststellt, diese Idee wird nichts oder vielleicht auch erst nach dem Ausgründen feststellt, oh, klappt doch nicht so wie gedacht.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, das sind sehr, sehr relevante Fragen. Also, grundsätzlich ist es so, inzwischen, wenn wir feststellen während den 30 Tagen, das Thema wird nichts, das ist ja meistens so, dass wir irgendwie festgestellt haben, technologisch gibt es ein No-Go, also irgendwas funktioniert überhaupt nicht. Das merken die Gründer ja auch selber. Oder die Ideengeber an der Stelle. Und das andere Thema ist, wir sehen, es ist überhaupt gar kein Marktpotenzial da. Also, wir hatten zum Beispiel auch eine Idee, wo wir festgestellt haben, dem Markt ist bekannt, dass es dieses Problem gibt, aber es ist heute einfach niemand bereit, dafür Geld auszugeben. Niemand.

Nora Hansen: Oh, okay. Das ist ärgerlich.

Ann-Sophie Reinelt: Das ist sehr ärgerlich. Und dann haben / dann heißt es erstmal mit vielen, vielen potenziellen Kunden sprechen und wenn die Meinung immer gleichbleibt, dafür gebe ich kein Geld aus oder dafür würde ich nicht bereit sein, zu sagen, ja. Und immer die Aussage, ja, wir kennen das Problem schon, aber so groß und so stark finanziell belasten tut es uns nicht. Da ist natürlich der Punkt, dass man sagt gut, die Idee – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – macht keinen Sinn.

Bedeutet Scheitern das endgültige Aus der Idee?

Nora Hansen: Wenn sie zu dem jetzigen Zeitpunkt noch keinen Sinn macht, könnt ihr die dann später nochmal aufgreifen oder ist dann diese Idee für das Programm erstmal gestorben?

Ann-Sophie Reinelt: Wir sollten das wieder tun. Also, das ist ganz wichtig. Bisher haben wir es noch nicht getan, das Programm ist ja noch relativ jung mit den nicht mal ganz zwei Jahren, aber durchaus. Es ist tatsächlich auch so, dass die Ideengeber sich doch stark mit dem Thema identifizieren und wenn ich mich mal drei Monate mit was intensiv beschäftigt habe, habe ich ja meine Augen ganz anders offen für so ein Thema, wenn ich durch die Welt gehe. Und deswegen hoffe ich an der Stelle, aber das ist ein guter Punkt übrigens, sollte ich auch nochmal mitnehmen, dass man denen auch nochmal klar macht, hey, aber Leute, wenn das Thema doch irgendwann nochmal auftaucht, wir holen gerne die alten Unterlagen nochmal raus und gehen mit euch nochmal dran an das Thema, um zu prüfen, ob sich der Markt an der Stelle nicht vielleicht verändert. Oder jetzt verändert hat. Genau.

Nora Hansen: Ja. Ich weiß nicht, da stelle ich mir wie so eine Art Wild Card vor, dass man dann irgendwie anderthalb Jahre später oder so, wenn man selber vielleicht privat nochmal ein bisschen daran gearbeitet hat und gemerkt hat, boah, jetzt boomt der Markt in dem Bereich, dass man dann dieses Bewerbungsverfahren vielleicht so ein kleines Stückchen überspringen kann und dann als Weiterarbeit an dem Projekt wieder reinkommt.

Ann-Sophie Reinelt: Definitiv. Also, es ist ja auch so, dass diejenigen, die in dem Programm sind ja auch in einen super Kontakt zu all denjenigen oder den wichtigen Entscheidern in dem Bereich kommen. Und da sind die Wege dann auf einmal viel, viel kürzer. Das stimmt.

Nora Hansen: Wenn ihr jetzt so eine Idee habt, die tatsächlich vielleicht im Unternehmen eine Innovation ist, wer entscheidet dann, ob die tatsächlich in dem Bereich umgesetzt werden darf? Kannst du einfach sagen, ja, machen wir und dann macht ihr das oder musst das tatsächlich nochmal zum Oberhaupt von Trumpf gehen und der muss sagen ja, okay, geht durch.

Ann-Sophie Reinelt: Im Endeffekt ist das wie immer im Bereich Innovation so ein Funnel. Die erste Auswahl treffe ich. Das bereite ich auf und zeige es dann meinen beiden Chefs, das ist aber nicht so, dass die dann sagen, oh mein Gott / also, irgendwie große Mitsprache oder so. Also, die erste Auswahl wird durch mich getroffen. Dann in dem Bootcamp, was ich vorhin erzählt habe, dieser Eintages-Termin, wo wir nochmal rausfinden, da haben wir dann ein crossfunktionales Entscheidungsteam dabei. Das sind aber auch noch nicht die höchsten Entscheider. Aber das sind so von den höchsten Entscheidern benannten Vertreter, die einfach auf Arbeitsebene sehr, sehr gut mit den Teams den Tag über arbeiten können und wir am Ende des Tages einfach aufgrund von den Komponenten Team, Lösung und Markt eine Entscheidung treffen können, welches denn die, sagen wir mal, vielversprechendsten fünf Teams sind, die wir weiter anschauen wollen. Und während dem Drei-Monats-Programm ist es dann tatsächlich so, dass unser CTO und unser CFO bei der Endentscheidung plus unser sogenanntes F&E Board, wo eben alle Technologieleiter der Geschäftsbereiche mit drinne sind, das Entscheidungsgremium sind.

Selbst das innovationswilligste Unternehmen ist nicht immer über Neuerungen begeistert

Nora Hansen: Aber vielleicht sind die Mitarbeiter in dem Geschäftsbereich, den es dann betrifft, ja gar nicht so begeistert von der Innovation. Oder ist das bei euch ganz im Gegenteil kein Problem, weil alle Innovations willig sind?

Ann-Sophie Reinelt: Naja, tatsächlich doch klar, das ist schon so, dass wir auch starke Widerstände / oder dass ich auch in vielen Bereichen starke Widerstände spüre. Ganz ehrlich, die Ideengeber, die also echt kluge Köpfe sind, die bereit sind eine Meile mehr zu gehen, die echt Kämpfer sind für ihr Thema, naja, will die ein Bereich verlieren? Natürlich nicht.

Nora Hansen: Ist klar.

Ann-Sophie Reinelt: Das sind genau die, die will man in seinem eigenen Bereich natürlich nicht verlieren. Natürlich kann man das dann schönreden, beziehungsweise muss man es auch so sehen, weil es tatsächlich so ist, dass halt, wenn man für die gesamte Gruppe denkt, es natürlich schon sinnvoll ist, den Mitarbeiter da raus zu lösen. Dem jeweiligen Bereich tut es natürlich immer weh, das kann ich auch nicht schön reden an der Stelle, das ist halt / das ist tatsächlich so. Stehen die Leute so stark hinter den Ideen, die da immer eingereicht werden? Nein. Wir haben schon durchaus, sehe ich mich der Aussage gegenüber, dass halt viele sagen, naja, ob die Idee so groß wird. Aber das ist natürlich auch so das erste Gefühl, die Idee, so wie sie eingereicht wird, so steht sie ja nach drei Monaten nicht mehr da.

Nora Hansen: Nein, ist klar.

Ann-Sophie Reinelt: Die etabliert sich so krass, die wird so stark am Markt selbst validiert und oftmals haben wir ja einen richtigen Pivit drinne, manchmal halt einfach auch nur, dass wir sagen okay, ganz, ganz andere Märkte, ganz andere Distributionsstrukturen oder sonstiges und da ist schon ein starker Wandel dann nochmal drinne.

So verläuft die Ausgründung

Nora Hansen: Ja. Habt ihr auch Innovationen, die wirklich bei Trumpf selber passieren oder sind das immer Tochterunternehmen oder kleine Ausgründungen?

Ann-Sophie Reinelt: Nein. Wir haben in den Geschäftsbereichen selbst ganz, ganz viel Innovation. Viele auch sogenannte U-Boot-Projekte, wo einfach mal lange an Themen gebastelt wird ganz im Verborgenen und irgendwann kommt es so / ploppt es so auf und wir haben viel Innovation, was aus dem Kern selbst heraus entsteht, ja.

Nora Hansen: Und Innovation, findet die nur bei dir im Programm statt oder passieren da auch unabhängig davon noch Innovationen oder Prozesse von selber?

Ann-Sophie Reinelt: Da passiert viel. In sämtlichen Geschäftsbereichen selbst, an sich, die sind vor allem in Richtung Kundeninnovation stark unterwegs, aber auch erweiternde Innovation, sage ich mal, andockend an die bestehenden Produkte, Erweiterungen. Aber viel natürlich schon im relevanten Markt heute. Aber es findet natürlich auch / die Innovationsabteilung bei uns besteht natürlich nicht nur aus dem Intrapreneur Programm, sondern ich habe auch noch Kollegen, die sich auch mit Technologietrends beschäftigen, mit Technologieradaren und so weiter und da auch viel Initiative in die Richtung machen. Und jetzt auch ganz neu zum Beispiel eine Kollegin sich mit dem Technologiefeld Management beschäftigt, wo sie einfach potenzielle, zukünftige Technologiefelder über das ganze Unternehmen hinweg trägt und vorantreibt.

Nora Hansen: Jetzt hast du eben erwähnt, dass ihr immer so ein bisschen den Markt prüft, ob die Ausgründung überhaupt sinnvoll ist oder ob es überhaupt einen Markt gibt. Aber wenn wir uns jetzt über Innovation unterhalten, da muss man doch auch manchmal der Vorreiter sein, oder?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, richtig. Allerdings ist es natürlich so / also, klar, da kommt man jetzt an den Punkt, wo wir sagen, ist ein Geschäftsmodell Problem or Opportunity driven und natürlich, und das Standardbeispiel was immer kommt, naja, ein iPhone hat auch niemand haben wollen oder Smartphones, hat keiner geäußert, dass er dort Probleme hat, was irgendwie durch Apple dann gelöst wurde. Das ist ja das Standardbeispiel. Ja. Es kann ja auch oft sein, dann ist es Opportunity driven. Aber dann ist es ja trotzdem so, dass ich ein Konzept habe, das ich trotzdem am Markt prüfen kann. Ich kann ja zu dir kommen und irgendwo mit meinem Konzept, was ich dir verkaufe, wo dann MVP, den ich dabeihabe oder irgendwas Gebasteltes, du kennst das ja alles, zu dir komme und sagen, sag mal, kannst du dir irgendwie vorstellen, das zu nutzen, würde es dir irgendwie einen Mehrwert bringen und so weiter. Oder auf der anderen Seite, du hast ein Problem im Markt, da ist halt überhaupt keiner. Und im ersten Schritt wirkt das immer so, ein bisschen einfacher zu sein. Okay, ich bin Problem driven und habe halt einfach irgendwo ein klares Problem identifiziert im Markt, das ist mit meiner Lösung löse.

Nora Hansen: Ja klar, das scheint erstmal ein bisschen einfacher zu sein.

Ann-Sophie Reinelt: Es scheint so im ersten Moment, aber das andere macht natürlich auch super viel Spaß, wenn dann jeder sagt, „boah, geil über sowas hab ich noch nie nachgedacht, aber ja, will ich haben“.

Nora Hansen: Das ist auch cool, wenn man dann Leute dafür begeistert und dann die plötzlich feststellen, hmm, habe ich zwar noch nie darüber nachgedacht, aber ja, brauche ich.

Ann-Sophie Reinelt: Genau, genau. Das ist auch cool.

Nora Hansen: Und wie fragt ihr dann die Leute? Geht ihr zu Unternehmen oder habt ihr irgendwelche Testpersonen, die dann immer gefragt werden, oder wo holt ihr eure Meinung dazu?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, also, wie ich vorhin auch sagte, wir haben ja unglaublich / also, unglaubliche Varianz in den Ideen drinne. Also, ich könnte jetzt nicht sagen, wir haben ein Eigenblatt an Testpersonen, die wir immer fragen. Nein. Weil die einfach unsere potenziellen Kunden von was ganz, ganz unterschiedlichem / Industrie, die haben ganz andere, ganz unterschiedliches Knowhow, was die auch mitbringen. Deswegen heißt es immer am wirklichen Markt validieren. Also immer überlegen, wer sind meine potenziellen Kunden und dann auf diese potenziellen Kunden zugehen. Natürlich ist es ein großer Vorteil, dass wir aus dem Corporate heraus agieren und sagen hey, gibt es da vielleicht Bestandskunden, die eh schon Trumpf Kunden sind, die wir ansprechen können oder ähnliches. Aber durchaus auch haben wir Ideen, die wir an ganz andere Branchen adressieren und dann hilft es natürlich viel, dass wir so ein hoch aufgehangenes Entscheidungsgremium haben, die natürlich auch  Netzwerke andere Branchen kennengelernt haben.

Nora Hansen: Ja, ist klar. Aber wenn du sagst ganz andere Branchen, haben die dann teilweise gar nicht mehr mit Technologie zu tun?

Ann-Sophie Reinelt: Das ist eher weniger. Tatsächlich, wobei da gibt es auch ein Thema, da beschäftigen wir uns mit / das ist eine Plattform, die Personalentwicklung und zusätzliche digitale Transformation vorantreibt. Und da muss ich sagen, naja, digitale Transformation kann nicht nur in der Industrie stattfinden, das kann auch in allen möglichen anderen Bereichen, sei es Handel oder über was man sonst so nachdenken kann, sein. Und dort ist es dann natürlich schon so, jetzt wird natürlich jeder aus dem Handel die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn ich sage, das hat nichts mit Technologie zu tun. Deswegen ist das vielleicht / ja. Wahrscheinlich ist es immer Technologie orientiert und wir sind natürlich schon tendenziell eher geneigt B2B Ideen voranzutreiben. B2C ist jetzt nicht so stark bei uns im Fokus, ist aber auch nicht ausgeschlossen.

Trumpf auf dem Weltmarkt

Nora Hansen: Okay, und würdest du sagen, ihr seid so ein bisschen Innovationsvorreiter?

Ann-Sophie Reinelt: Als Trumpf?

Nora Hansen: Ja.

Ann-Sophie Reinelt: Ich denke schon. Trumpf ist schon bekannt als ein sehr innovatives Unternehmen und ja, natürlich kommt es immer drauf an. Bekannt für irgendwas und es auch tatsächlich zu sein. Und ich muss sagen, Trumpf ist meine dritte Station auf meinem Karriereweg und ich muss echt sagen, so Innovations fördernd hatte ich vorher nie erlebt. Also, ich würde schon sagen, Trumpf ist an der Stelle schon Vorreiter für so etwas.

Nora Hansen: Okay. Und ihr seid ja nicht nur in Deutschland tätig, oder?

Ann-Sophie Reinelt: Ja.

Nora Hansen: Und bist du nur für Deutschland zuständig oder deckst du auch die anderen Länder ab?

Ann-Sophie Reinelt: Ja, das ist / also, tatsächlich hatten wir in der ersten Runde ein Team aus einem Franzosen und einem Deutschen. Also, ich kann sagen, ich bin international unterwegs. Nein, Quatsch, Spaß beiseite. Bisher ist es tatsächlich so, das ist hauptsächlich DACH Region adressiert, heißt aber nicht, dass ich nicht potenziell über Internationalisierung nachdenke. Hier wäre halt der nächste Schritt irgendwo, anders ist es nicht abbildbar, zumindest aus meiner jetzigen Perspektive, dass man so Satelliten quasi macht. Das heißt, dass schon zentral irgendwo ein Innovationsmanagement zusammenläuft, es aber irgendwo Satelliten gibt weltweit, die diese Programme dann eben oder Ableger des Programms dann auch im Ausland durchführen.

Nora Hansen: Ja, ich wollte gerade sagen, das wäre eigentlich viel zu kompliziert, wenn das eine Person alles alleine macht, da braucht man ja eigentlich immer wieder einzelne Stationen und nicht alles in Deutschland oder von Deutschland aus.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, total wichtig. Ich bin da auch / also, ich bin immer noch ein Verfechter, egal wie, auch je stärker sich auf die Arbeitsweise verändert, dass man nicht mehr zentral an einem Standort zusammensitzen muss, alles bestens, aber es ist natürlich schon so, wenn man so richtig unter Druck an einem Thema arbeitet, da sitzt man halt am besten an einem Punkt mit diesem Team zusammen, weil die Stimmung in dem Team, merkt wer jetzt eher dazu tendiert, überfordert zu sein oder wer irgendwie nicht gerade so viel dazu beiträgt oder so Unzufriedenheiten spüren. Also, dann was dagegen / ja, irgendwas zu unternehmen, damit man aus dieser Spirale, Abwärtsspirale, rauskommt, finde ich, ist natürlich viel, viel einfacher, wenn man gemeinsam in einem Raum sitzt.

Nora Hansen: Auf jeden Fall. Also, über einen Bildschirm, da sieht man ja nur einen Mini Ausschnitt und man sieht keine Emotionen und irgendwelche Blicke oder Mimiken kommen vielleicht auch gar nicht so rüber, als dass du dann da so ein bisschen Detektiv spielen könntest. Das funktioniert ja dann überhaupt nicht mehr.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, ich finde das auch immer so schön, wenn wir in irgendwelchen Calls sind und alle sind gemuted und dann stellt derjenige, der den Vortrag hält eine Frage und dann dauert es erstmal, bis alle entmuted haben und dann reden sie übereinander drüber. Das ist manchmal echt schwierig. Und da ist es natürlich was ganz anderes und – wie du sagst – wenn dir einfach jemand zunickt, wenn du was sagst oder der schaut und dann weißt du ganz genau, oh, da müssen wir nochmal tiefer einsteigen oder so. Das ist halt echt ein ganz anderes Gefühl. Deswegen wäre ich eher dafür, dass man tatsächlich vor Ort, gerade bei so einem Thema, wo man wirklich in kurzer Zeit viel Leistung erbringen muss, halt einfach auch die besten Bedingungen schafft. Und das sehe ich schon so, dass der zuständige Coach oder Enabler, sage ich mal, vor Ort sitzt.

So soll es weitergehen

Nora Hansen: Okay, so, und um das Ganze jetzt noch so ein bisschen abzurunden: hast du Vorstellungen für die Zukunft, wie das Programm aussehen soll?

Ann-Sophie Reinelt: Ja. Also, ich finde, der nächste Schritt, der ganz, ganz wichtig ist, dass die Themen, die wir jetzt ausgegründet haben, sehr, sehr gut Fuß fassen in dem von ihnen ausgewählten Markt und einfach erste Erfolge erzielen. Das wird halt einfach auch nochmal ganz andere / das schickt nochmal zusätzlich positive Botschaften an die Organisation Trumpf zurück.

Nora Hansen: Ja.

Ann-Sophie Reinelt: Und ich glaube, da schaffen wir dieses Jahr. Also, das werden wir 2019 schaffen.

Nora Hansen: Ach, cool.

Ann-Sophie Reinelt: Da bin ich mir sicher. Ich glaube an all die, die wir da bisher ausgegründet haben. Das finde ich ganz wichtig, dann hoffe ich einfach weiterhin auf ganz, ganz viele motivierte Mitarbeiter mit bombastischen Ideen, klugen Köpfen und viel Energie darauf, gemeinsam den Weg mit mir zu gehen. Und weiterhin der tolle Support aus unserer Geschäftsführung, den wir einfach haben aktuell und ich glaube, dann sind wir ganz gut aufgestellt für die Zukunft.

Nora Hansen: Das hoffe ich doch auch. Und ich hoffe, dass da noch ganz, ganz viel Spannendes auf dich zukommt und viele tolle Unternehmen entstehen und die, die jetzt schon entstanden sind, sich ganz nach deinen Wünschen und auch nach den Wünschen der Gründer entwickeln.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, das hoffe ich auch. Vielen Dank dafür.

Nora Hansen: Da bin ich sehr gespannt. Dann danke ich dir für deine Einblicke.

Ann-Sophie Reinelt: Ja, gerne. Hat viel Spaß gemacht.

Nora Hansen: Das ist schön und ich freue mich zu sehen, wie das bei euch so weitergeht. Kann man denn irgendwo auf einen Blick sehen, was ihr so alles ausgegründet habt? Gibt es da so eine Übersicht?

Ann-Sophie Reinelt: Bisher nicht extern, nein. Das ist richtig. Lass uns mal dieses Jahr noch vergehen. Ich glaube einfach, das ist jetzt so ein ganz wichtiger Schritt, dass die ersten Teams wirklich ein Produkt an den Markt bringen und sobald wir das haben, sollten wir durchaus darüber nachdenken, nach extern da zu promoten.

Nora Hansen: Ja, ich glaube, das wäre total spannend zu sehen für die Außenstehenden, wenn sie feststellen, wow, Trumpf hat das mit denen gegründet und in dem Programm hier ist das entstanden und oh, das ist da her. Ich glaube, das wäre bestimmt ganz cool zu sehen.

Ann-Sophie Reinelt: Ja. Auf jeden Fall.

Nora Hansen: Ja, gut. Dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag.

Ann-Sophie Reinelt: Ich dir auch, vielen Dank.

Nora Hansen: Ja, Ciao.

Ann-Sophie Reinelt: Tschüss.

Nora Hansen: Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ja, dann lasst uns gerne eine Bewertung bei iTunes da und teilt den Podcast. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Mehr Infos zum Podcast und über uns findet ihr auf Gründerschiff.de oder über Facebook. Bis zum nächsten Mal.