Migration und Gründung – 6 spannende Fakten zur Gründung als Nicht-EU-Bürger

Nicht nur die zahlreichen Pizzerien, Gemüsehändler oder Chinarestaurants sind Beispiele für erfolgreiches unternehmerisches Denken von Mitbürgern mit Migrationshintergrund in Deutschland. Auch der indische Informatiker der nach seinem Studium in Deutschland gründet hat, die internationale Gründerszene in Berlin und zahlreiche erfolgreiche große Unternehmen wie der Social Network-Anbieter poolworks (u.a. StudiVZ), der Spieleentwickler Crytek oder das Photovoltaikunternehmern Engcotec sind Beispiele des erfolgreichen Unternehmertums von Menschen mit Migrationshintergrund.

Laut impulse.de, gründet gut ein Drittel der Gründer mit Migrationshintergrund in wissensintensiven Bereichen. Beispielsweise Amir Roughani, der die VISPRION GmbH (innovative Elektrik/Elektronik- und Mechatronik-Systeme) gründete.

So ist nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland die Gründungsquote von Ausländern (1,86% in Deutschland) höher als die der Stammbevölkerung (1,68%). Bei Menschen mit Migrationshintergrund und akademischem Abschluss beträgt die Gründungsquote sogar 3,46%. Und das, obwohl für diese Personen häufig sehr restriktive Regeln gelten.

Vor dem Hintergrund, dass kürzlich eine große Zahl an Asylsuchenden und Flüchtlingen in Deutschland angekommen ist, stellt sich auch die Frage, wie diese in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Die bisherigen Zahlen zur Gründungsquote lassen erwarten, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Neubürger den Sprung in die Selbstständigkeit wagt und damit auch erfolgreich sein wird.

Dieser Artikel ist sowohl interessant für Menschen mit Migrationshintergrund als auch für deutsche Gründer, welche mit ausländischen Experten oder Partnern zusammenarbeiten oder gemeinsam gründen möchten.



1) Der Aufenthaltsstatus

2) Volles Recht auf Existenzgründung

3) Eingeschränktes Recht auf Existenzgründung

4) Rechtliche Lage bei Studentenvisum

5) Kreative Wege

6) Ausblick


1) Der Aufenthaltsstatus

Während Bürger der Europäischen Union relativ unbürokratisch ein Unternehmen gründen können, ist dies für Nicht-EU-Bürger deutlich schwieriger. Das Recht zur Gründung ist abhängig vom jeweiligen Aufenthaltsstatus.


2) Volles Recht auf Existenzgründung

Flüchtlinge, deren Asylantrag angenommen wurde, gelten als asylberechtigt. Für diese Personengruppe gelten dieselben Regeln wie für deutsche Staatsbürger. Sie können ihr Unternehmen mit geringem bürokratischem Aufwand anmelden und brauchen keinerlei Bescheinigung der Ausländerbehörde. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel häufig Syrer, Afghanen oder Eritreer. Bis zur Annahme des Asylantrags können allerdings viele Monate bis Jahre ab Einreise nach Deutschland vergehen.


3) Eingeschränktes Recht auf Gründung

Eine eingeschränkte Erlaubnis zur Selbstständigkeit besteht in drei Fällen: für qualifizierte Geduldete, Aufenthaltsgewährung in Härtefällen und zum vorübergehenden Schutz. Eine selbständige Tätigkeit ist nur mit Erlaubnis der zuständigen Ausländerbehörde möglich. Je eindeutiger die Antragsteller dabei nachweisen können, dass ihre selbständige Tätigkeit tragfähig sein wird, desto größer die Chancen, dass der Antrag bewilligt wird. Gründungsinteressierte müssen daher im einzelnen deutlich machen, dass

  • ein wirtschaftliches Interesse oder ein regionales Bedürfnis besteht
  • die Tätigkeit positive Auswirkungen auf die Wirtschaft erwarten lässt und
  • die Finanzierung der Umsetzung durch Eigenkapital oder durch eine Kreditzusage gesichert ist

4) Rechtliche Lage bei Studentenvisum

Ausgehend von einer Aufenthaltserlaubnis, welche auf einem Studentenvisum beruht, ist grundsätzlich keine Gründung möglich, da der Aufenthalt lediglich mit dem Ziel eines erfolgreichen Hochschulabschlusses gewährt wird. Daher dürfen Studierende mit Studentenvisum nur eine gewisse Tageszahl (120 ganze Tage oder 240 halbe Tage) pro Jahr arbeiten. Diese Arbeit darf ausnahmsweise auch – wenn vom Bundesamt für Migration gestattet – selbstständiger Art sein.


5) Kreative Wege

Trotz der gesetzlichen Regelungen lassen sich relativ leicht rechtlich einwandfreie, aber nicht besonders steuergünstige Wege finden, gemeinsam mit deutschen Partnern Mitbürgern mit Migrationshintergrund eine Gründung de facto zu ermöglichen. Dazu ist aber nicht nur ein sehr vertrauenswürdiger Partner, sondern auch gute Planung und Überlegung notwendig. In vielen Fällen wird es am einfachsten sein, sich deutsche Mitgründer zu suchen und mit denen faire Vereinbarungen zu treffen. Aber auch Treuhandlösungen oder ähnliche Konstrukte sind im Rahmen der gesetzlichen Regelungen grundsätzlich denkbar. Sie sollten aber sehr gut durchdacht sein.


6) Ausblick

Die Migrationsbewegungen bringen Ideen, Köpfe und Unternehmer nach Deutschland, die eine große Bereicherung für die deutsche Gründungslandschaft werden können. Es gibt unterschiedliche Wege für Menschen mit Migrationshintergrund, auch tatsächlich zu gründen. Diese Wege sind aber vermutlich oft die kleinere Herausforderung.

Die viel größeren Herausforderungen werden bürokratische Hürden, die deutsche Begeisterung für Regelungen, die vielen einfach noch unbekannte deutsche Geschäftskultur oder die Finanzierung insbesondere über Banken sein. Bei diesen Herausforderungen werden sehr viele Gründer mit Migrationshintergrund auf die Begleitung durch Gründerkollegen aus der Gründerszene oder durch professionelle Gründerbegleiter angewiesen sein.

Auch Gründerschiff leistet seinen Beitrag für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die Arbeitswelt und vor allem die Gründerszene. Die Gründerschiff Lotsen begleiten deshalb Nicht-EU-Bürger mit speziellen Angeboten bei Ihrem Gründungsvorhaben. Unabhängig vom Aufenthaltsstatus finden wir bei einem kostenlosen Erstgespräch gemeinsam eine passende Lösung für Ihre Gründung.