Das sind die weiblichen Vorbilder der Gründerszene

Gründen ist männlich? Von wegen. Zahlreiche erfolgreiche Unternehmerinnen zeigen uns täglich, dass Frau in der Gründerszene Fuß gefasst hat. Doch ganz von ungefähr kommt das Bild nicht, das Sie womöglich von der männlich-dominierten Gründerwelt haben:
Die meisten Frauen unter Ihnen wissen es, viele Männer ahnen es: Frauen haben auf dem Weg in die Selbstständigkeit häufig mit anderen Problemen zu kämpfen als Männer. Sie müssen beispielsweise oft neben einem neu gestarteten Business auch noch ihre Familie managen, weiß Antje Ripking von der Gründerinnenzentrale in Berlin. Doch zahlreiche Unternehmerinnen haben bereits vorgemacht, wie sich solche vermeintlichen Hürden aus dem Weg räumen lassen. Damit möglichst viele Frauen von diesen Erfolgsstorys profitieren können, müssen Frauen in der Gründerszene mehr ins Rampenlicht treten und zu weiblichen Vorbildern werden.


Weibliche Gründerinnen: Sichtbarkeit ist das A und O

Netzwerke für Frauen: Seilschaften mal ganz anders

Erfahrungsaustausch: Wie bereitet frau ihre Gründung vor?

Vier Tipps von erfolgreichen Gründerinnen

Einfach loslegen: Angst ist ein schlechter Ratgeber


Weibliche Gründerinnen: Sichtbarkeit ist das A und O

Frauen bemängeln immer wieder, dass weibliche Vorbilder in der Gründerszene fehlen. Das ist kein Wunder, denn das äußere Erscheinungsbild der Gründerszene suggeriert, dass es dort überhaupt keine Frauen gibt. Durch diese Unsichtbarkeit fällt es interessierten Unternehmerinnen selbstverständlich viel schwerer, in die Fußstapfen von einem Vorbild zu treten.

Aus diesem Grund ist es wichtig, erfolgreiche Frauen der Gründerszene miteinander zu vernetzen, sie sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben. Denn weibliche Vorbilder können andere Frauen, die tolle Ideen haben, dabei ermutigen, ebenfalls den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen.

Waren Sie schon einmal auf einer Netzwerkveranstaltung nur für Frauen? Aimie-Sarah Henze, die Gründerin von ArtNight sowie der Fielfalt Community für Frauen, weiß beispielsweise aus der Praxis, wie wichtig eine weibliche Gründergemeinschaft ist. Dort ist zum einen der Austausch individueller und besser auf die Lebenswirklichkeiten von Frauen zugeschnitten. Zum anderen werden in diesem geschützten Raum Geschäftsideen oft erstmals zu einer echten Option für den eigenen beruflichen Werdegang.


Netzwerke für Frauen: Seilschaften mal ganz anders

Wie wichtig Netzwerke sind, betont auch Tijen Onaran. Sie hat mit „Women in Digital“, kurz WIDI, eine Community für Frauen der Digitalbranche ins Leben gerufen. Dort können Frauen in Führungspositionen, Gründerinnen und weitere Macherinnen mit Vorträgen ihre Ideen und Erfolge mit Interessierten teilen.

Solche Netzwerktreffen haben darüber hinaus einen weiteren Vorteil: Selbstständige Frauen, Gründerinnen, Angestellte, aber auch Mütter, die wieder zurück in den Beruf finden möchten, treten miteinander in Kontakt. Sie können neue Perspektiven einnehmen, von Erfahrungen profitieren und auch aus den Misserfolgen anderer Gründerinnen lernen. Außerdem hilft das Frauennetzwerk dabei, wichtige Kontakte zu knüpfen, die für den weiteren Karriereweg nützlich sein können. So treffen etwa Frauen aus den verschiedensten Berufsgruppen aufeinander und können auf diese Weise gewinnbringende Kooperationen zu schaffen.


Erfahrungsaustausch: Wie bereitet frau ihre Gründung vor?

Fehlt Ihnen ein solches Netzwerk, das einen Erfahrungsaustausch mit Ihren „Peers“ ermöglicht? Dann geht es Ihnen wie zahlreichen anderen Frauen. Doch auch Sie möchten selbstverständlich realistische Ratschläge und Berichte aus erster Hand, die Ihnen in der Zeit Ihrer Unternehmensgründung helfen. Welche Bank vergibt Kredite zu guten Konditionen? Wo findet man die besten Büroräume? Welche Versicherung brauche ich, was darf ich auf keinen Fall vernachlässigen und was sollte ich vielleicht erst einmal auf die B-Seite der Prioritätenliste setzen? Der Austausch mit anderen Frauen, die den Schritt in die Selbstständigkeit bereits geschafft haben, ist für viele interessierte Frauen Gold wert und vielleicht das Zünglein an der Waage zur eigenen Unternehmensgründung.


Vier Tipps von erfolgreichen Gründerinnen

Es gibt bereits zahlreiche erfolgreiche Unternehmerinnen in Deutschland und es werden immer mehr. Frauen, die schon ein Geschäft gegründet haben, sind durch die Höhen und Tiefen der anfänglichen Selbstständigkeit gegangen. Um anderen Gründerinnen bei den Anfängen ihrer Gründung unter die Arme zu greifen, geben die folgenden erfolgreichen Unternehmerinnen gern ihre besten Tipps im Themengebiet Finanzen an Sie weiter:

Tipp Nr. 1 – Sparen Sie nicht am falschen Ende

Unternehmerinnen müssen viele Entscheidungen pragmatisch treffen, berichtet die Finanzberaterin Anette Weiß aus eigener Erfahrung. Als sie sich selbstständig gemacht hat, achtete sie ganz genau darauf, wofür sie in der Anfangszeit Geld ausgibt. Teure Werbematerialien und eine aufwendige Webseite mussten bei ihr erst einmal warten. Stattdessen rät sie dazu, neben der Krankenversicherung die wirklich existenzbedrohenden Risikofälle wie die Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit abzusichern.

Tipp Nr. 2 – Gründen Sie so, dass Sie davon leben können

Für die Selbstständigkeit gilt ähnlich wie beim Angestelltenverhältnis das Grundprinzip: Sie müssen von den Einnahmen langfristig leben können. Ute Blindert, Autorin und Gründerin von Business Ladys sowie Karriereletter, rät interessierten Frauen, ihre Gründung so zu planen, dass sie damit sich und ihre Familie allein ernähren können. Falls das nicht möglich ist, beispielsweise weil die Gründerin auch den Großteil der Familienarbeit übernimmt, muss ein Ehevertrag her, der für einen Scheidungsfall Unterhaltspflichten und Rentenansprüche fair regelt.

Tipp Nr. 3 – Bedenken Sie die Rente mit

Gründerinnen müssen für ihre Rente komplett selbst vorsorgen. Denn sofern sie nicht verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, haben sie im Alter keinen Anspruch auf staatliche Rentenleistungen. Für einige Berufsgruppen gibt es zwar zuständige Berufsgenossenschaften oder Versorgungswerke, wie zum Beispiel die Künstlersozialkasse oder die Architektenkammer. Doch wenn Sie nicht dazugehören, müssen Sie sich eigenständig um Ihre Rente kümmern.

Tolle Ideen sollten wegen der Sorge um die Rente jedoch nicht unverwirklicht bleiben, wissen die heute sehr erfolgreichen Gründerinnen Lea Lange von Juniqe und Franziska von Hardenberg von Bloomy Days. Sie konnten anfangs nicht richtig für ihren Rentenaufbau sorgen. Doch sobald sie das nötige Einkommen erzielt hatten, haben sie sich Gedanken über ihren Ruhestand gemacht. Die beiden Gründerinnen raten anderen Frauen daher, erst einmal den Mut zu haben, mit ihrer Idee durchzustarten. Dabei sollten sie den Rentenaufbau stets im Hinterkopf haben und sich rechtzeitig damit beschäftigen.

Tipp Nr. 4 – Haben Sie keine Angst vor Versicherungen

Neben der Vorsorge für den Ruhestand müssen Sie sich als Gründerin auch um einen passenden Versicherungsschutz kümmern. Franziska von der Ahé und Julia Sommerer, Gründerinnen der Kommunikationsagentur Glutamat, ermutigen angehende Unternehmerinnen, keine Angst vor Papierkram mit Versicherungen zu haben. Mit ein wenig Eigenrecherche und einer Beratung vom Experten findet frau ganz schnell heraus, welche Versicherung sie wirklich braucht und worauf sie eventuell verzichten kann. Die beiden Unternehmerinnen haben zum Beispiel eine Firmenhaftpflichtversicherung, eine Hausratversicherung für das Büro sowie eine private Arbeitslosen- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Je nach dem individuellen Schutzbedürfnis lässt sich dieses Portfolio selbstverständlich aufstocken oder auch abspecken.


Einfach loslegen: Angst ist ein schlechter Ratgeber

Den zahlreichen Tipps der erfolgreichen Unternehmensgründerinnen liegt stets eine übergeordnete Prämisse zugrunde: Wenn Sie eine gute Idee haben und diese finanziell ausreichend durchdacht haben, sollten Sie einfach loslegen und sich nicht von möglichen Hürden abschrecken lassen. Manchmal müssen Sie ins kalte Wasser springen, um Schwimmen zu lernen. Eine zündende Idee, jede Menge Motivation, Neugier und unbändiger Tatendrang sind die Eigenschaften, die Sie unbedingt mitbringen sollten. Wenn Sie dann noch ein Sicherheitsnetz gesponnen haben, um sich ganz in das Unternehmerinnentum fallen lassen zu können, kann quasi nichts mehr schiefgehen.

 

Gründerschiff - Leinen los. Zukunft in Sicht.

 

Cora Christine Döhn schreibt als Redakteurin für ruerup-rente.net. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Unternehmensgründung, Entrepreneurship und finanzieller Selbstbestimmung von Frauen.